Conny und Tommy von mantoco.com sind große Namibia-Fans und momentan wieder dort unterwegs. Für euch haben sie ein paar schöne Offroad-Strecken in Nambia und ein paar Tipps für das Reisen zusammengestellt.

Das spröde Knacken trockener Zweige hallt weit in der sandigen Ebene zwischen den glatten Granitwänden, das wärmende Lagerfeuer wirft skurrile Schatten an die uralten Felsen hinter uns. Ein unendlicher Sternenhimmel, wie man ihn so nur in der Weite der Wüste kennt, spannt sich über die Jahrmillionen alte Szenerie.

Wir sind mal wieder in Namibia. Schon seit vielen Jahren zieht es uns immer wieder hierher, in dieses so dünn besiedelte Land zwischen den eiskalten Fluten des Atlantiks, den einsamen Ebenen der Kalahari und den abweisenden Bergen der Namib.

Ein Land, in dem zehn unterschiedliche schwarze Ethnien und die weißen Nachfahren der ersten europäischen Siedler versuchen, eine gemeinsame Zukunft zu finden. Ein schwieriges Unterfangen, sind doch die kulturellen Voraussetzungen und die alten Traditionen oft genug ein unüberwindbarer Hemmschuh.

Namibia als Einsteigerland für Afrika-Touristen

Schon lange ist Namibia für Touristen das bevorzugte Einsteigerziel im südlichen Afrika. Die Infrastruktur ist für afrikanische Verhältnisse sehr gut, unzählige Mietwagenanbieter sorgen für den passenden, fahrbaren Untersatz, Supermärkte sichern die tägliche Versorgung und das Campingplatzangebot ist umfassend und gut ausgestattet. Auf sehr guten Teerstraßen und meist gepflegten Gravelroads erreicht man rasch die touristischen Highlights.

Spannende Pisten in der Namib Naukluft, Foto: Constanze Kühnel, Mantoco

Spannende Pisten in der Namib Naukluft, Foto: Constanze Kühnel, Mantoco.com

Aber genau da wollen wir ansetzen mit unseren Erfahrungen. Folgt man nämlich nur den ausgetretenen Spuren tausender anderer Urlauber, so bringt man zwar schöne Fotos von den Hotspots mit nach Hause, hat aber auch tausende von Kilometern durch oft öde Landstriche heruntergespult und sich abends auf beengten Campsites unter seinesgleichen eingereiht. Das wahre Namibia lernt man so nicht kennen …

Zweimal so groß wie Deutschland

Namibia ist riesig. Kaum ein Urlauber realisiert, dass die Landfläche ungefähr zweieinhalbmal so groß ist wie Deutschland. Bei der Planung der Reise wird dies nicht berücksichtigt, und so beobachten wir täglich Urlauber in ihren geländegängigen Mietwagen mit Dachzelt, wie sie kurz vor Einbruch der Dunkelheit auf die vorgebuchte Campsite hetzen und meist bereits bei Sonnenaufgang weiterrasen.

Der stilvolle Sundowner vor glutrotem Himmel? Schon verpasst. Das brutzelnde Steak auf dem Grill? Keine Zeit, ein paar Nudeln müssen reichen.

Wir möchten Euch deshalb gerne mitnehmen auf eine Reise durch unser Namibia, das sich Euch ganz anders darstellen wird als den meisten Touristen. Eine Reise, die weitgehend auf die Hauptstraßen verzichtet, aber natürlich trotzdem keine der interessantesten Hotspots auslassen wird.

Keine Eile

Trotzdem wird es unsere subjektive Sichtweise bleiben. Wir werden hauptsächlich auf Offroad-Strecken in Namibia unterwegs sein, aber immer so, dass es auch für den Einsteiger zu keinem wirklichen fahrerischen Problem kommen wird. Deshalb schlagen wir hier auch keine in sich geschlossenen Runden vor, sondern konzentrieren uns auf einzelne Streckenabschnitte, die dann zu einer der Urlaubszeit angepassten Tour kombiniert werden können.

Auf diesen Spuren könnt Ihr aber ganz Namibia nicht in einen normalen Jahresurlaub pressen, das wäre auch viel zu schade. Kommt lieber wie wir ein weiteres Mal, lernt dieses Land lieben. Denn Namibia öffnet sich nicht sofort, es braucht Zeit.

Die Ankunft

Windhoek, die unaufgeregte Hauptstadt Namibias, liegt rund 1.600 Meter hoch inmitten der kargen Auasberge. Die Überraschung über die hier herrschenden, oftmals sehr frischen Temperatur steht so manchem Namibiafrischling ins Gesicht geschrieben, wo er sich doch im heißen Afrika wähnt.

Gewitterstimmung am Guab Pass, Foto: Constanze Kühnel, Mantoco

Gewitterstimmung am Guab Pass, Foto: Constanze Kühnel, Mantoco.com

Die Einreiseformalitäten erweisen sich zwar meist ein wenig zäh, jedoch letztlich ohne nennenswerte Probleme, Visapflicht gibt es nicht, es wird lediglich ein neunzig Tage gültiges Aufenthaltsrecht in den Reisepass gestempelt. Der Transit in die Stadt ist über den Mietwagenverleiher geregelt, und schon bald ist der von der langen Flugreise erschöpfte Ankömmling im Besitz seines gebuchten Vehikels.

Einen Mietwagen buchen

Bei der Übergabe des Mietwagens raten wir, besonders genau die Reifen auf Schadstellen zu untersuchen. Natürlich bedarf auch der Reservereifen einer genauen Überprüfung. Bei der Buchung sollte bereits ein zweiter Reservereifen mit angefordert werden, denn die spitzen Steine auf vielen Pisten sind der natürliche Feind eines jeden Gummis.

Eine gut funktionierende Fußluftpumpe, besser noch ein Kompressor, gehört ebenso zwingend an Bord. Der Check sollte außerdem beinhalten: Schaufel, Wagenheber und Bordwerkzeug, zwei zwanzig Liter Wasserkanister, funktionierender Kühlschrank, Tisch und Stühle, die auch wirklich in Ordnung sind, Campinggeschirr und Ersatzschlüssel!

Achtung Linksverkehr

So, jetzt erst mal durchatmen. Denn genau jetzt passieren die ersten Fehler, die den unerfahrenen Urlauber so richtig stressen werden. Die erste Hürde stellt sich dem Fahrer schon bei der Ausfahrt aus dem Hof in den Weg: Linksverkehr! Schon manch einer hat seinen Mietwagen auf den ersten Metern geschrottet, da der Gegenverkehr plötzlich von der anderen Seite kommt. Deshalb unbedingt Vollkasko versichern!

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Nun geht es mit vollbepacktem Fahrzeug erst mal zum Einkaufen, bevorzugt zur Maerua-Mall mit angeschlossenem Spar-Supermarkt. Doch Vorsicht: an vielen Ampeln lauern nun Gestalten, die beim Rotlichtstopp blitzschnell eine Tür aufreißen und schwupp, ist die Reisetasche oder der Rucksack mit Kamera, Papieren, Geld und sonstigen wichtigen Utensilien futsch! Also, immer alle Türen verriegelt halten und Fenster hochgekurbelt lassen!

Aber auch die Parkplätze vor den Supermärkten sind ein bevorzugtes Operationsfeld für diese Gestalten, denn sie wissen genau um die Unerfahrenheit der Touristen und dass sich das gesamte Gepäck im Mietwagen befindet.

Den Tag entspannt ausklingen lassen

Wenn der Kühlschrank dann endlich gut gefüllt ist, kann es losgehen. Wir empfehlen allerdings, für den Rest des Tages erst mal ganz entspannt auf einen der beiden Campingplätze zu fahren, um anzukommen. Hier bieten sich das Urban-Camp direkt in der Stadt oder das inmitten der Natur ca. zwanzig Kilometer nördlich des Zentrums liegende Elisenheim-Restcamp an.

Auch ein erster Austausch mit anderen Urlaubern bietet sich dabei förmlich an, um wertvolle Tipps zu bekommen. Und am nächsten Morgen steht dann einem spannenden Urlaub in Namibia nichts mehr im Wege.

Offroadstrecken in Namibia

Das zentrale Hochland und die Namib Wüste

In diesem Bereich liegen eine ganze Menge landschaftlicher Höhepunkte, wie z.B. die Granitberge der Spitzkoppe und die Erongoberge, das Brandbergmassiv, die Robbenkolonie an Cape Cross, die Namib Wüste im Namib Naukluft National Park, das Khomas Hochland, die Naukluftberge und die Dünen von Sossusvlei, aber auch die bedeutenden Städte Swakopmund und Waalfishbaai.

Flammender Abendhimmel über der Namib Naukluft, Foto: Constanze Kühnel, Mantoco

Flammender Abendhimmel über der Namib Naukluft, Foto: Constanze Kühnel, Mantoco.com

Wir wollen mit Euch einige dieser Hotspots anlaufen, jedoch nicht auf den üblichen Hauptrouten. Denn zwischen diesen Spots werdet Ihr das wahre Namibia kennen lernen.

Erlaubnis für den Namib Naukluft National Park

Bevor wir Windhoek verlassen, besorgen wir uns im Office des NWR das Permit, um die Pisten des Namib Naukluft National Parks befahren und auf den ausgewiesenen Campsites übernachten zu dürfen.

Über die C28, eine gut ausgebaute Gravelroad, schwenken wir nun ein in Richtung Swakopmund. Schon bald verlässt uns der Teer, und wir ziehen eine lange Staubfahne auf der Offroad-Strecke hinter uns her. Hügeliges Farmland breitet sich beidseitig der Piste aus, wir queren das Khomas Hochland.

Auf dem Bosua Pass

Am südlichen Horizont kommen die Spitzen der Hakosberge in unser Blickfeld, unsere Piste wird schmäler und steiniger und strebt in ständigem Auf und Ab dem Bosua Pass entgegen. Das ist wie all die Pässe in Namibia kein wirklicher Scheitelpunkt, sondern bezeichnet eine Abbruchkante, von der aus sich die Piste meist waghalsig in tiefere Regionen hinunterschlängelt. So ist es auch hier.

Der weite Blick hinunter zeigt eine erste Veränderung der Landschaft, es wird wüstenhafter. Kleine Farmhäuser, die auch Campingmöglichkeiten anbieten, tauchen vor den glattgeschliffenen Felsen der Witwatersberge auf. Ein offenes Gatter bildet die Grenze zum Park.

Kurz darauf, ein hölzerner Wegweiser der Parkverwaltung zeigt uns den Weg, biegen wir rechts ab auf eine nur eine Spur breite, sehr steinige Piste. Bretteben breitet sich uns hier die Wüste aus, vereinzelt markieren knorrige Kameldornbäume unterirdische Wasserläufe.

Oryxantilopen, Zebras und Giraffen

Unserem aufmerksamen Auge zeigen sich scheue Oryxantilopen oder Zebras, auch eine Giraffe verirrt sich hin und wieder in diese unwirtliche Ecke. Wir queren die Tinkas Flats, eine in der Regenzeit wasserspeichernde Senke, folgen einem trockenen Rivier und treffen auf einen weiteren Abzweiger.

15 viele Furten haben noch Wasser nach heftigen Regengüssen, Foto: Constanze Kühnel, Mantoco

15 viele Furten haben noch Wasser nach heftigen Regengüssen, Foto: Constanze Kühnel, Mantoco.com

Rock Arch steht auf dem Stein an der Kreuzung, wir nehmen die Piste nach rechts. Langsam rumpeln wir hinunter zum sandigen Bett des Tinkas, nehmen Schwung und erklimmen die steile Böschung auf der anderen Seite. Wenig später stehen wir vor dem markanten steinernen Bogen, in dessen Umfeld sich zwei tolle Campsites anbieten. Kleine Wanderungen um die Felsgebilde lockern unsere steifen Knochen, bevor wir uns dem alltäglichen Sundowner zuwenden.

Der Lange Heinrich

Zurück zum vorhergehenden Abzweiger wenden wir uns dort nun nach Westen, immer das Massiv des Langen Heinrichs vor uns. Wir holpern über großflächige Steinplatten, erfreuen uns an den pittoresken Granitkugeln und Felsen, die Wind und Wasser hier geformt haben.

Nach kurzweiliger Fahrt zeigt sich der Granit der Blutkuppe linkerhand vor uns. In ihrem Schatten bieten rund zwanzig ausgewiesene Campsites Schutz vor der Nacht.

Mirabeb - rote Granitfelsen in einsamer Wüstenlandschaft, Foto: Constanze Kühnel, Mantoco.com

Mirabeb – rote Granitfelsen in einsamer Wüstenlandschaft, Foto: Constanze Kühnel, Mantoco.com

Doch zuvor erklimmen wir die glatten Felsen auf leichten Wegen und genießen den grandiosen Weitblick über die Einsamkeit der Namibwüste. Und wenn die untergehende Sonne die geschliffenen Felsen in blutrotes Licht taucht, dann verstehen wir, woher der Name für dieses Felseneiland inmitten der sandigen Umgebung kommt.

Welwitschia Plains 4WD-Trail

Wieder auf der C28 fahren wir zügig bis zur Abzweigung auf den Welwitschia Plains 4WD-Trail. Links und rechts unserer Piste entdecken wir nun hunderte dieser seltsamen und empfindlichen Pflanzen, die viele hundert Jahre alt werden können. Eine weitere Gabelung bringt uns zum Moon Landscape, einer Panoramaroute immer entlang der Abbruchkante des Swakopriviers.

Wir folgen dieser Strecke, wobei uns immer wieder Fotostopps zum Verweilen auffordern. Dann geht es steil hinunter ins trockene Flussbett des Swakop nach Goanikotes mit schöner Campsite, in dessen sandigem Grund wir der Fahrspur nach Westen folgen, bis wir auf die Teerstraße nach Swakopmund stoßen. Von dort ist es nur noch ein Katzensprung in die so deutsch gebliebene Stadt am Atlantik.

Von Swakopmund bis zur Forschungsstation von Gobabeb

Nach ein oder zwei Tagen in der netten Küstenstadt statten wir uns im dortigen Office des NWR wieder mit einem Permit aus und fahren über Waalfishbaai und die C14 bis zum Abzweig der D1983 in den südlichen Teil der Namib Naukluft.

Der trockene Flusslauf des Kuiseb ist unser Wegweiser, dichtes Grün am Rande hoher Sanddünen zeigt uns dessen Verlauf an. Kurz hinter der Forschungsstation von Gobabeb müssen wir uns entscheiden – rechts runter nach Homeb oder geradeaus weiter nach Mirabeb.

Beide Strecken und beide Campmöglichkeiten haben ihren ganz eigenen Reiz: Homeb direkt im Flussbett des Kuiseb Canyons, Mirabeb ähnlich wie die Blutkuppe ein einsamer Granitberg in der weiten Ebene. Die einspurigen Pisten sind meist ein wenig sandig, jedoch ohne nennenswerte Probleme zu befahren, die Campsites einfach und in herrlicher Einsamkeit gelegen.

Zurück auf der C14 biegen wir wenige Kilometer vor Erreichen des Kuisib Passes zu einem spektakulären Viewpoint ab und begeistern uns an der einzigartigen geologischen Formationen der Landschaft. Die weitere Strecke über Solitaire hinunter nach Sesriem und Sossusvlei nervt mit hartem Wellblech, ist aber mit entsprechender Vorsicht zügig zu befahren.

Abzweiger über den Gamsberg Pass, den Spreets Hoogte Pass und den Remhoogte Pass bieten allesamt interessante Rückfahrten nach Windhoek an.

  • Windhoek – Bosua Pass – Namib Naukluft National Park – Swakopmund
  • über die C28, Gesamtstrecke mit beschriebenen Abstechern ca. 450 km
  • Campingmöglichkeiten: Tinkas Flats, Rock Arch, Blutkuppe, Goanikotes, in Swakopmund Camp „Alte Brücke“

  • Swakopmund – Waalfishbaai – Homeb bzw. Mirabeb – Kuisib Pass – Solitaire
  • über die C14 und D1983, Gesamtstrecke mit beschriebenen Abstechern ca. 420 km
  • Campingmöglichkeiten: Homeb, Mirabeb, Solitaire

Entlang der Wüste

Die Verbindung zwischen Sesriem/Sossulvlei und Lüderitz führt uns durch die herrlichen Berge der Namib, tangiert die Sanddünen der Tirasberge und endet schließlich am windumtosenden Diaz Point Cross.

Nach dem Ausflug ins Sossusvlei starten wir in Richtung Osten zur C19, immer die Naukluftberge direkt vor uns. An der Hauptpiste wenden wir uns nach rechts, also nach Süden. Wir passieren die schroffe Katte der Naukluftberge und die der Tsarisberge, ehe wir rechts auf die D827 einbiegen.

Begleitet vom Mt. Nmgorab nach Duwisib Castle

Ein weites Tal empfängt uns nun, und nach rund dreißig Kilometern schwenken wir nach links auf die D830. Der Mt. Namgorab ist nun unser Begleiter, die Piste ist leicht sandig, jedoch gut zu befahren. Wundervolle Panoramen öffnen sich uns, je weiter wir dieser Offroad-Strecke in Namibia folgen.

Nach etwas fünfzig abwechslungsreichen Kilometern erreichen wir eine Weggabelung, der wir nach rechts folgen und kurz darauf eine weitere Gabelung. Auch hier wenden wir uns nach rechts, und wenig später ein weiteres Mal. Nun sind wir auf der D826 und stehen schon bald vor der verwirrenden Shiluette eines mittelalterlichen Schlosses. Es ist Duwisib Castle mit einem netten Campingplatz.

Zwischen Köcherbäume und Tirasbergen

Weiter geht es nun nach Betta und Spes Bona. Hier biegen wir nach Westen, also nach links ab auf die D707. Eigenwillige Köcherbäume erfreuen unsere Augen, mächtige Sanddünen erstrecken sich rechterhand. Immer wieder zwingen uns weichere Sandpassagen zu vorsichtiger Fahrweise, doch die Piste bleibt leicht befahrbar. Wir umrunden nun die Tirasberge wo sich schön gelegene Camps zum herrlich entspannten Verweilen anbieten.

Köcherbaum in den Tirasbergen, Foto: Constanze Kühnel, Mantoco

Köcherbaum in den Tirasbergen, Foto: Constanze Kühnel, Mantoco.com

Über die breite C13 sind wir nun rasch in Aus, von wo aus uns die geteerte B4 nach Lüderitz fliegen lässt. Vorbei an der unbedingt besuchswerten, historischen Geisterstadt Kolmanskoppe erreichen wir das sehr deutsch geprägte Städtchen Lüderitz. Von hier aus führt eine mal steinige, mal sandige Piste weit hinaus an das Cap, an dem die Replik der portugiesischen Landmarke Diaz Cross im nie enden wollenden Atlantiksturm steht.

Sesriem/Sossusvlei – D827 – D830 – Mt. Namgorab – D826 – Duwisib Castle – Betta – Spes Bona -D707 – C13 – Aus – Lüderitz

  • Gesamtstrecke ca. 550 Kilometer
  • Campingmöglichkeiten: Sesriem, Duwisib Castle, Tirasberge (Kanaan oder Namib), Aus, Lüderitz

Der weite Süden

Heiß und unendlich weit sind hier die Etappen. In dieser oft lebensfeindlichen Umgebung locken die Köcherbaumwälder um Keetmanshoop, die Tirasberge am Rande der großen Sandwüste, Lüderitz mit der Geisterstadt Kolmanskoppe, der einsame Brukkaros-Krater, der immer wasserführende Oranje an der Grenze zu Südafrika und vor allem der gigantische Fish River Canyon.

Der Naute Stausee und die Quellen von Ai-Ais

Unser Ausgangspunkt ist Keetmanshoop. Über die B4 und vorbei am Naute Stausee weiter auf die Gravelroads C12 und die C37 erreichen wir Hobas und das Gate zum Fish River Canyon. Der Blick in den Canyon ist wirklich atemberaubend, das beste Fotolicht hat man am Vormittag, wenn die Sonne im Rücken steht.

Nach einem kurzen Abstecher hinunter zu den heißen Quellen von Ai-Ais bleiben wir immer auf der C37, die spürbar an Höhe verliert, bis der Oranje in Sicht kommt. Immer wieder bieten sich sandige Spuren links und rechts der Piste an, ein einsames Wüstencamp zu finden.

Am Ufer des Oranje

Angekommen am Oranje biegen wir nach Westen ab auf die D212, die sich nun zwischen den felsigen Bergen des Ai-Ais National Park und dem blauen Band des Oranje einen Weg bahnt. Immer wieder zeigen sich schöne Übernachtungsplätze direkt am Ufer des Oranje, zumindest ein Badestopp ist Pflicht. Wildcampen ist hier überall problemlos möglich. Kurz vor Rosh Pinah hat uns dann für kurze Zeit der Teer wieder.

Lebensspender Oranje - Grenzfluss zu Südafrika, Foto: Constanze Kühnel, Mantoco.com

Lebensspender Oranje – Grenzfluss zu Südafrika, Foto: Constanze Kühnel, Mantoco.com

Die malerische Offroad-Strecke D463

Knapp fünfzig Kilometer nach einem Einkaufsstopp in der Minenstadt verlassen wir die geteerte C13 nach Osten und treffen auf die als Scenic Route bezeichnete D463. Und diese Offroad-Strecke ist wirklich toll!

Anfänglich sehr gut ausgebaut, wird sie immer ruppiger, quert und folgt den unzähligen Flussbetten, die sich der Piste in den Weg stellen. Nach heftigen Regenfällen kann diese Strecke kurzzeitig durchaus unpassierbar sein.

Flankiert ist sie von steilen Tafelbergen, die der Gegend einen ganz eigenen Charakter geben. Auf halber Strecke stehen wir vor dem Tor zum Canyon National Park West, einer privaten Lodge, die exklusive Touren hinunter in den Canyon anbieten. Weiter nach Norden wird die Landschaft nun eintöniger, die Tafelberge treten zurück und verschwinden schließlich völlig hinter dem Horizont, bevor wir wieder die geteerte B4 erreichen.

  • Keetmanshoop – B4 – C12 – C37 – Hobas/Fish River Canyon – Ai-Ais – Aussenkehr – D212 – Rosh Pinah – C13 – D463 (Scenic Route) – Canyon Nat. Park West – Keetmanshoop
  • Gesamtstrecke ca. 700 Kilometer
  • Campingmöglichkeiten: Keetmanshoop, Canyon Road House (C37) – Hobas – Ai-Ais, dazu viele schöne Wildcampmöglichkeiten

Reiseinformationen Namibia

Reisezeit

Für uns ist die schönste Zeit von etwa Mitte April bis Mitte Juni. Dann blüht es überall im Land, die Regenzeit ist rum und die Luft klar. Auch die Temperaturen sind sehr gut verträglich, nur nachts kann es schon ganz schön kühl werden.

Sicherheit

In den letzten Jahren hat die Kriminalität speziell in den Städten, allen voran Windhoek, beträchtlich zugenommen. Autoaufbrüche, Raubüberfälle beim nächtlichen Spaziergang oder auf einsamen Rastplätzen oder auch der Versuch einer vorgetäuschten Panne bringen Urlauber immer öfter um ihre Wertsachen.

Deshalb ist eine erhöhte Wachsamkeit notwendig, und Warnungen Einheimischer sollten unbedingt beachtet werden. Uns ist in all den Jahren lediglich eine Werkzeugtasche während eines Reifenwechsels geklaut worden, obwohl sie nur zwei Meter neben uns lag.

Verhaltensregeln

Autotüren und Fenster in Städten immer geschlossen halten! Beim Einkaufen einen der offiziellen „Carwatcher“ engagieren, sie bekommen für diesen Dienst zwei oder drei Namibian Dollar. Nachts nie alleine herumlaufen, immer selbst fahren. Taxi nie alleine benutzen! Bei einem scheinbaren Pannenfahrzeug mit Schwarzen nie anhalten, es kommen genügend andere vorbei. Auch bei scheinbar Verletzten. Hat nichts mit Rassismus zu tun! Bei einer eigenen Panne das Fahrzeug abschließen und nur Hilfe von Weißen entgegen nehmen. Ist einfach so hier.

Bush-Camping

Da die mangelnde Sicherheit oft ein nicht zu unterschätzender Faktor ist, raten wir von freiem Campen im Umkreis von Orten und entlang der Hauptstrecken dringend ab.

Die Campingplatzdichte sowie die Möglichkeit auf Farmen einen sicheren Platz für die Nacht zu bekommen, ist so groß, dass es nicht notwendig ist, hier ein unkalkulierbares Risiko einzugehen. Trotzdem gibt es vor allem im Nordwesten Namibias die schönsten Bushcamp-Möglichkeiten im südlichen Afrika.

Grundsätzlich gilt dabei, nie direkt in einem Flussbett zu campieren, denn ein entferntes Gewitter kann unbemerkt Stunden später eine Flutwelle anrauschen lassen, die alles unter sich begräbt. Und das obligatorische Lagerfeuer bedarf einer peniblen Betreuung, da sehr leicht massive Flächenbrände durch Windstöße entstehen können.

Navigation und Permits

Für die Navigation empfehlen wir die Straßenkarte Namibia von Tracks4Africa, gibt es z.B. bei Bushwackers Campingworld in Windhoek.

Für die Namib Naukluft National Park Area benötigt man ein Permit, das schnell und unbürokratisch in den Büros der NWR zu holen ist. Kosten pro Tag mit Übernachtung für zwei Personen und Auto nur 170 Namibian Dollar. Je ein Büro gibt es in Windhoek, in Swakopmund und in Sesriem/Sossusvlei.

Über die Autoren: Tommy und Conny sind in ihrem LKW auf Weltreise und schreiben über ihre Erlebnisse mantoco.com . Bereits zwei Jahre in Folge war ihr Blog bei uns unter den Top-20 der besten Offroad-Blogs.

Fotos: © Constanze Kühnel, Mantoco.com
Karten: Fotolia.de, lesniewski