Nordafrika? Das hatte bisher nicht auf meiner Da-musst-du-noch-hin-Liste gestanden. Umso überraschter war ich, als Michael Ortner von 4x4Experience mich fragte, ob ich nicht als Co-Scout mit nach Tunesien kommen wollte. Da ich nichts Besseres vorhatte, sagte ich spontan zu. Und es wurde eine Reise, die mich nachhaltig beeindruckt hat.

Wenige Wochen später war ich bereits auf dem Weg nach Genua, wo wir auf der „Carthage“ der tunesischen Fährlinie CTN eincheckten.

Carthage, CTN, von Genua nach Tunis

Dabei gab es gleich den ersten Schreck. Das Personal wies Christine, eine der Teilnehmerinnen, mit ihrem Land Rover Defender 110 falsch ein und so riss das obere Deck ihr den gesamten Dachgepäckträger vom Fahrzeug ab. Zum Glück war die umlaufende Reling des Defenders durch den Hubdachumbau hinten offen, so dass der Träger ohne großen Schaden einfach hinter den Wagen fiel. In einer kurzen Aktion wurde das ganze Gestell wieder auf das Dach montiert und der Wagen geparkt. Jetzt lagen noch gut 23 Stunden Überfahrt vor uns.

Nach der Ankunft in Tunis mussten wir noch die Einreiseformalitäten hinter uns bringen. Michael hatte für alle bereits den nötigen Papierkram beim Zoll auf dem Schiff erledigt. Für die an Land notwendigen Unterlagen gab er uns Vorlagen, damit wir die in französisch und arabisch gedruckten Formulare leicht ausfüllen konnten. Nach einer gut einstündigen Zollabfertigung trafen wir uns alle wohl behalten am verabredeten Parkplatz hinter dem Zollgelände. Jetzt konnte es endlich losgehen.

Ein Sonnenaufgang am Strand

Als erstes verließen wir Tunis, um zu unseren Übernachtungsplatz an einem Strand südlich von Hammamet zu fahren, immerhin gut 100 km entfernt. Ich fuhr immer als letzter, um die Gruppe zusammenzuhalten und sicherzustellen, das die Anweisungen über Funk von jedem verstanden worden waren. Im Dunkeln erreichten wir den Strand, den wir noch etliche Kilometer befuhren, bis wir ein abgeschiedenenes Stück erreicht hatten. Hungrig wie wir alle waren, wurden sofort die Tische, Stühle und die Kochutensilien herausgeholt und jeder machte sich auf die Schnelle etwas zu Essen. Müde aber hochzufrieden saßen wir bei einem kleinen Absacker in unseren Stühlen und grinsten. Willkommen in Tunesien!

Am nächsten Morgen wurden wir von einem herrlichen Sonnenaufgang am Meer geweckt. Es war noch recht kühl, so genoss ich meinen heißen Kaffee um so mehr.

Sonnenaufgang am Strand, Tunesien

Sonnenaufgang am Strand, Tunesien

In der Berbersiedlung Chenini

Von unserem Camp am Strand fuhren wir in die Provinzhauptstadt Tataouine, um die Sondergenehmigung für das Befahren des Sperrgebiets zu erhalten. Dort trafen wir unsere Scouts, die uns in die Sahara begleiten sollten. Unser nächstes Ziel war jedoch ersteinmal Chenini, eine alte Berbersiedlung deren Häuser in den Berg gehauen wurden. Wir schlängelten uns noch durch einige kleine Dörfer, bis wir auf freies Gelände kamen. Die Straßen waren sehr gut ausgebaut und wir kamen zügig voran.

Berberdorf Chenini, Tunesien

Berberdorf Chenini, Tunesien

Alte Tür, Berberdorf Chenini, Tunesien

Alte Tür, Berberdorf Chenini, Tunesien

Weg, Chenini, Tunesien

Weg, Chenini, Tunesien

Weiße Moschee, Chenini, Tunesien

Weiße Moschee, Chenini, Tunesien

Alte Frau, Chenini, Tunesien

Alte Frau, Chenini, Tunesien

In Chenini führte uns ein Einheimischer durch die Siedlung und erzählte uns von der Geschichte des Dorfs. Nach dem Rundgang fuhren wir zu unserem Quartier für diese Nacht, ein Berberhotel im benachbarten Douiret. Dessen Zimmer waren sehr gemütliche Berghöhlen mit einem angenehmen Raumklima.

Zimmer, Berberhotel, Douiret

Zimmer, Berberhotel, Douiret

Eine Jam-Session auf tunesisch

Wir waren an diesem Tag die einzigen Gäste im Hotel und so organisierte der Betreiber extra für uns ein Abendessen. Nach dem Essen kam es zu einer spontanen „Jam-Session“. Einer unserer Scouts, der Koch, holte seine Bendir heraus und sang ein Lied aus den 70ern, das davon handelte, wie ein Land Rover spielend die Dünen und den Sand meistert. Später gesellte sich dann noch der Hotelbesitzer mit einer Darbouka dazu und trug sehr leidenschaftlich Berberlieder vor, die härter im Klang und schneller waren. Zuletzt sangen dann beide zusammen, eine tolle Vorstellung!

Frühmorgens ging ich mit zwei anderen Teilnehmer einen steilen Weg zu dem alten und völlig verfallenen Berberdorf, welches direkt über dem Hotel lag. Von dort beobachteten wir den Sonnenaufgang.

Verfallenes Berberdorf, Douiret

Verfallenes Berberdorf, Douiret

Sonnenaufgang, Douiret

Sonnenaufgang, Douiret

Endlich in der Sahara

An diesem Tag ging es endlich in die Sahara. Wir fuhren von Douiret über eine Piste nach Ksar Ghilane, eine Oase am Rande des Jebil Nationalparks. Mitten auf dem Weg dorthin, kamen wir plötzlich an einem Asphaltabschnitt vorbei, an dem noch gebaut wurde. So plötzlich wie er anfing, endete er auch wieder. In Ksar Ghilane trafen wir die letzten Vorbereitungen, ließen Luft aus den Reifen ab und wer mochte, ging noch in dem kleinen Tümpel baden, der sich neben dem kleinen Restaurant befand.

Piste nach Ksar Ghilane, Tunesien

Piste nach Ksar Ghilane, Tunesien

Gegen Mittag fuhren wir zum verfallenen römischen Fort Tisavar. Es herrschte ein leichter Sandsturm. Der Wind wirbelte Sand und Staub auf und ich musste meine Augen mit einer Brille schützen. Zum Glück hatte ich mir in Ksar Ghilane schon einen Turban nach Art der Tuareg binden lassen, so blieben Gesicht und Ohren verschont.

Sandsturm Fort Tisavar, Tunesien

Sandsturm Fort Tisavar, Tunesien

Sandschutz am Fort Tisavar, Tunesien

Sandschutz am Fort Tisavar, Tunesien

Dünen fahren will gelernt sein

Dann ging es auf einer kaum noch wahrnehmbaren Piste weiter Richtung Nordwesten, später Richtung Südwesten bis wir endlich vor den ersten Dünen standen. Die Scouts gaben uns genaue Anweisungen: Den Scouts in ihrer Spur folgen, Schwung aufbauen und nutzen, nötigenfalls eine „Rampe“ suchen und rückwärts auf sie auffahren. Kurz nach der Kuppe anhalten. Immer eine Düne zwischen dem eigenen Fahrzeug und dem vorausfahrenden lassen. Alles klar!

Fahren in der Wüste, Tunesien

Fahren in der Wüste, Tunesien

Das klappte dann nach kurzer Zeit auch ganz gut. Wer aber zu verhalten fuhr, steckte schnell fest oder schaffte es nicht über die Kuppe. So übten, buddelten und winchten wir uns durch unseren ersten Sandtag, mal schneller mal langsamer, bis zu unserem Übernachtungsplatz.

Buddeln im Sand, Sahara, Tunesien

Buddeln im Sand, Sahara, Tunesien

Winde in Aktion, Sahara, Tunesien

Winde in Aktion, Sahara, Tunesien

Dort habe ich  meinen Td5 durchgesehen und den Luftfilter ausgeblasen. Überall ist der feine Sand eingedrungen. Die erste Schadensaufnahme erbrachte lediglich ein zusammengebrochenes Podest für eine Kühlbox bei einem Teilnehmer. Ansonsten hat alles gehalten.

Fahrzeugcheck in der Sahara, Tunesien

Fahrzeugcheck in der Sahara, Tunesien

Überall Sand

Überall Sand

Ein paar Mitfahrer hatten bereits den Tisch für alle gedeckt. Ich kochte mir eine Suppe mit Würsten. Großen Hunger hatte ich keinen, dafür war es tagsüber einfach zu heiß gewesen. Jetzt begann ich aber zu frieren, denn sobald die Sonne verschwunden war, fiel die Temperatur auf 8-10 Grad. Tagsüber hingegen hatten wir gut 42 Grad.

Abendrot und Abendbrot in der Sahara

Abendrot und Abendbrot in der Sahara

Unser erster Abend in der Wüste

Wir wärmten uns am Feuer der Scouts. Sie bereiteten traditionellen Pfefferminztee in einer kleinen Kanne zu, die sicherlich schon über etliche Generationen vererbt worden war. Der stark gesüßte Tee schmeckte hervorragend und der Zucker brachte die Lebensgeister wieder. Der Koch griff wieder zu seiner Bendir und sang ein paar Lieder. Das war eine richtig tolle Lagerfeueratmosphäre, so wie ich sie mag. Später bereitete er noch den Teig für ein Brot vor, welchen er über Nacht gehen ließ und morgens zum Backen in die Glut legte. Glücklich aber müde kroch in meinen 90er Defender, in den ich ein Bett eingebaut hatte, schlüpfte in den Schlafsack und schlief sofort ein.

Morgens wurde ich von unserem fröhlich singenden Koch geweckt, der uns das noch warme Brot brachte. Ich riss mir ein Stück ab und schmierte eine gehörige Portion Nuss-Nougat Creme drauf. Dazu frisch aufgebrühter Kaffee. Die Luft war angenehm kühl, herrlich. So könnte jeder Morgen anfangen. Nach dem Frühstück wurde eingepackt und es ging weiter Richtung Südwesten. Ziel und südlichster Punkt der Reise war der Lac Houidat Erreched, auch „Verlorener See“ genannt. Wir freuten uns bereits auf die Wasserquelle dort, genau das richtige nach zwei staubigen Tagen. Aber es standen uns noch einige Kilometer Sand und Dünen bevor.

Fahren über Dünen, Sahara, Tunesien

Fahren über Dünen, Sahara, Tunesien

Grandiose Aussicht über die Sahara, Tunesien

Grandiose Aussicht über die Sahara, Tunesien

An diesem Tag bewältigten wir abwechselnd zunehmend höher werdende Dünen und kurze Pisten. Im Camp angekommen bereiteten zwei Teilnehmer, die uns während der gesamten Reise immer wieder kulinarisch überraschten, für alle honig-karamelisierte Nüsse als Nachtisch vor. Abends spannten wir ein paar Planen als Sandschutz auf, da es recht windig geworden war.

Campleben, Sahara, Tunesien

Campleben, Sahara, Tunesien

Wüstencamp, Sahara, Tunesien

Wüstencamp, Sahara, Tunesien

Auf dem Weg zum Verlorenen See

Der dritte Wüstentag brach an. Unser heutiges Ziel war der verlorene See. Gestern hatten wir nur 23 Kilometer geschafft und so ging es direkt nach dem Frühstück los. Schnell stiegen die Temperaturen im Wagen auf über 40 Grad Celsius. Immer wieder steckte einer von uns fest und wurde von Michael mit der Winde rausgezogen. Die Scouts steckten so gut wie nie fest. Wenn das passierte, stieg der Fahrer kurz aus, guckte und murmelte etwas. Dann begannen die Scouts mit der Bergung. Mal buddelten sie an dem Rad, welches der Fahrer ihnen zeigte, mal fuhren sie rückwärts und ein oder zweimal auf der ganzen Reise benötigten sie tatsächlich die Hilfe einer Winde.

Kuppe nicht geschafft, Sahara, Tunesien

Kuppe nicht geschafft, Sahara, Tunesien

Den ganzen Tag verbrachten wir mit dem Fahren durch die Dünen. Oder mit Warten in der Hitze, wenn sich jemand bei dem Auf und Ab festgefahren hatte. Ich war immer froh, wenn wir etwas schneller zwischen den Dünenfeldern über ein kurzes Stück flache Piste fuhren, um den kühlenden Luftzug zu genießen. Und dann endlich, wir standen oben auf einer hohen Düne, sah ich den See inmitten dieses Meeres aus Sand. Wir mussten nur noch ein paar flache Dünen queren. Dann fuhren wir zwischen einigen Zelten und einer kleinen Hütte zum See. Wir suchten uns einen geeigneten Stellplatz, führten den üblichen Fahrzeugcheck duch und fielen dann in den Campmodus. Die ersten sprangen auch schon in die warme Quelle und ließen es sich gut gehen. Zwei Tage wollten wir hier bleiben.

Endlich am verlorenen See, Tunesien

Endlich am verlorenen See, Tunesien

Verlorener See, Tunesien

Verlorener See, Tunesien

Dünen, Dünen und noch mehr Dünen

Für den sechsten Tag standen zwei Ausflüge in die umliegenden Dünen auf dem Programm. Da uns die Ausflüge in sehr feinen Sand und hohe Dünen führen sollten, montierten wir die Reservekanister ab, um Gewicht zu sparen. Bei der zweiten Ausfahrt führten uns die Scouts zu einer sehr hohen Düne im Nordosten des Sees. Ich dachte noch, eine tolle Aussicht, aber runterfahren würde ich da nicht. Falsch gedacht, plötzlich setze sich der Ford der Scouts in Bewegung und rollte langsam diese sehr steile, lange Passage runter. Michael gab uns noch einmal genaue Anweisungen zum Herunterfahren der Düne: Erster Gang rein, denn es ist wichtig, nicht zu schnell anzufangen, denn unterwegs könnte es noch schneller werden. Sperre rein, damit alle Räder gleichmäßig drehen und den Sandkeil wegarbeiten, der sich besonders unter den Vorderrädern bildet. Dann den Wagen runterrollen lassen und wenn er auszubrechen droht, kurz und leicht beschleunigen. Gesagt, getan. So kamen wir alle heile die riesige Düne herunter und waren wieder um eine fahrtechnische Erfahrung reicher.

Sehr feiner Sand zehrt die Kraft auf. Sahara, Tunesien

Sehr feiner Sand zehrt die Kraft auf. Sahara, Tunesien

Festgefahren. Sahara, Tunesien

Festgefahren. Sahara, Tunesien

Deutsche Volkslieder in der Sahara

Zurück im Camp genoss ich zusammen mit den anderen die warme Quelle. Dort trafen wir den Schweizer Urs, der bereits zum 17. mal am Verlorenen See war. Dieses Mal aber mit einer Kamelkarawane, eine ganz eigene Art des Reisens. Ihm schien das Karawanenleben sichtlich zu gefallen.

Am abendlichen Lagerfeuer mussten wir dann Farbe bekennen. Die Scouts und unser Koch wollten nun von uns unterhalten werden. Zwei Teilnehmer, die sich nicht nur kulinarisch auf diese Reise vorbereitet hatten, überraschten uns dann mit ihren Kaftanen und wir sangen tatsächlich deutsche Volkslieder. Man glaubt gar nicht wie schwer es ist, auf Knopfdruck ein Volkslied zu finden, dessen Text man sicher beherrscht. Es war jedenfalls ein großer Spaß, zumindest für uns. Was die Scouts angeht, so glaube ich, werden sie sich nach unserer Vorstellung nie wieder etwas Derartiges wünschen.

Alleine in der Wüste

Am nächsten Morgen traten wir den Rückweg aus der Sahara an. In nördlicher Richtung verließen wir die Oase und fuhren in den Djebel Nationalpark in Richtung des Tafelbergs Djebel Tambaine, wo wir am Abend übernachten wollten. Das Überqueren der Dünen klappte immer besser. Ich fuhr heute wieder als letztes Fahrzeug, Michael vor mir. In der Senke eines sehr hügeligen Dünenabschnitts würgte Michael seinen Wagen ab, der sich danach nicht mehr starten ließ. Ich schaffte es nicht ihn auf eine Sandrampe zu ziehen, der Weg war für ein Fahrzeug mit einem anderen im Schlepp zu kurz. Jetzt benötigten wir eine Winde hinter Michaels Wagen, die ihn an sich heranziehen konnte.

Leider war die Gruppe mittlerweile so weit von uns entfernt, dass wir keinen Funkkontakt mehr hatten. Wir entschieden, dass ich weiterfahre, natürlich nicht ohne Michaels Position in meinem Routentracker einzuspeichern, um ein Fahrzeug mit Winde zu holen. Ich arbeitete mich weiter vor und hoffte nicht selber stecken zu bleiben. Es dauerte eine ganze Weile, bis mir ein Fahrzeug aus der Gruppe entgegen kam, das zum Glück auch direkt eine Winde hatte.

Der Fahrer erzählte mir, dass die Spitze warte. Jetzt wollten wir zurück zu Michael, nur schaffte ich es nicht mehr die steile Passage hinauf. Ich war hin- und hergerissen: Sollte ich noch einen Versuch starten und einen Schaden riskieren oder stehenbleiben, womit die Gruppe auf drei Standorte verteilt würde. Per Funk stimmte ich mich mit Michael ab und gab ihm meine Position durch. Nun hoffte ich darauf, dass die Nachhut mich nicht vergass und wieder einsammeln würde. Gute zwei Stunden wartete ich alleine in der brütenden Sonne. Niemand war zu sehen. Ich setze mich in den Schatten des Wages um etwas der Hitze zu entgehen. Und wartete weiter. Die Zeit schien mir unendlich. Dann sah ich endlich Michael und die anderen die Dünen herunterkommen. Ohne weitere Vorkommnisse kamen wir am Tafelberg an und fanden einen schönen Stellplatz.

Aussicht vom Camp Djebel Tambaine, Tunesien

Aussicht vom Camp Djebel Tambain, Tunesien

Camp am Djebel Tambaine, Tunesien

Camp am Djebel Tambain, Tunesien

Der letzte Tag in der Sahara begann. Bevor wir abfuhren, gingen wir noch den schmalen Pfad zum Dach des Tafelbergs hinauf. Von dort hatten wir eine tolle Sicht über die Wüste. Sie schien kein Ende zu nehmen. Es war noch nicht zu warm, so dass wir den kurzen Abstecher richtig genießen konnten. Aber es half nichts, wir mussten los. Die Dünen wurden flacher und der Sand immer heller und feiner, so fein wie gemahlener Pfeffer. Wir fuhren an einigen, militärisch aussehenden, Stationen vorbei und erreichten eine Wasserstelle, an wir eine Dusche im Freien nahmen. Obwohl es an diesem Tag nicht so heiß war, war dies eine erfrischende Abwechslung.

Ausblick von Djebel Tambain, Tunesien

Ausblick von Djebel Tambain, Tunesien

Piste, Tunesien

Piste, Tunesien

Die vollkommene Stille

Und weiter ging’s. Der Sand wurde von einer langen und breiten Piste abgelöst. Nach einigen Kilometern erreichten wir ein Sandrosenfeld, auf dem wir ein paar schöne Exemplare fanden. Auf der Strecke dahinter nahmen die Dünen wieder zu, allerdings gab es keine hohen mehr. Nach kurzer Zeit fanden die Scouts eine gute, windgeschützte Stelle, an der wir die letzte Nacht in der Sahara verbrachten. Diese Nacht war die einzige, in der uns der Vollmond nicht den Blick auf den gigantischen Sternenhimmel verwährte. Einen solchen Himmel habe ich noch nirgends gesehen. In den Alpen hatte ich schon ehrfürchtig und fasziniert nach oben gesehen, aber hier war der Anblick noch um einiges grandioser. Als ich mich in dieser Nacht vielleicht ca. 200 m vom Camp entfernte, umgab mich plötzlich diese unglaubliche Stille. Nicht ein Windhauch war zu hören, kein Tier, nicht das leiseste Geräusch. In solch einem Moment wird einem klar, wie klein der Mensch im Vergleich zu der Natur ist. Ich genoss diesen Augenblick sehr.

Die Einsamkeit in der Wüste. Sahara, Tunesien

Die Einsamkeit in der Wüste. Sahara, Tunesien

Ein Tag in Douz

Am nächsten Tag erreichten wir Douz und verließen die Sahara. Hier verabschiedeten wir uns von den drei Scouts und übergaben ihnen einige kleine Geschenke. Jeder kontrollierte nach der Wüstenfahrt sein Fahrzeug und wir erhöhten den Luftdruck für die Weiterfahrt auf Asphalt. Ich stellte bei meinem Wagen am linken Vorderrad zu viel Spiel im Radlager fest. Das würde ich mir später ansehen müssen, aber erst einmal ging es zum Hotel. Eine Schweizerin und ihr Mann, ein Tunesier, betrieben dieses saubere und ordentliche Hotel. Nach dem Einchecken machten die Anderen einen Abstecher in die Innenstadt.

Ankunft in Douz, Tunesien

Ankunft in Douz, Tunesien

Ich kümmerte mich währenddessen in einer kleinen Parklücke vor dem Hotel um das Radlager. Ich musste alle Teile auf saubere Lappen legen und zudecken, denn durch den Wind wurde immer wieder Staub aufgewirbelt. Ich nahm den Mitnehmer runter, löste die Zentralmutter und konnte so das vordere Radlager prüfen. Es sah gut aus, keine Probleme zu entdecken. Ich ersparte mir den Ausbau des hinteren Radlagers, fettete nach, reinigte die Teile und baute alles wieder zusammen, wobei ich das Spiel ordentlich einstellte. Mittlerweile waren die anderen auch zurück. Wir ruhten uns auf den Zimmern noch ein Stündchen aus und dann gingen wir noch einmal nach Douz. Wir schlenderten über den zentralen Marktplatz und stöberten in den Geschäften. Alle Menschen begegneten uns freundlich, selbst wenn wir nichts kauften.

Marktplatz in Douz, Tunesien

Marktplatz in Douz, Tunesien

Zum Abendessen kehrten wir in das Hotel zurück. Die Betreiber hatten eingekauft und zauberten ein tolles Essen. Nach dem Essen sahen wir uns die ersten Bilder und Videos unser Reise an. Wir waren ein wenig traurig darüber, dass der Wüstenteil unserer Reise nun vorbei war.

Fahrt durch die große Salzsenke

Nach dem Frühstück fuhren wir von Douz durch die große Salzsenke Chott el Djerid, welche mit 8.000 km2 das größte Salzseengebiet der Sahara ist. Durch das Chott führt eine Straße, die man besser nicht verlässt, denn unter der Salzkruste befindet sich tiefer Schlick. Bricht ein Fahrzeug durch diese Kruste, ist ein Bergen so gut wie unmöglich, wie ein aufgegebener Reisebus ein paar hundert Meter neben der Piste beweist. Es gibt wohl Pisten durch das Gebiet, aber diese versinken nach und nach, wie die ca. 100 m von der Asphaltstraße parallel verlaufende Piste. Diese Piste zu befahren, war uns deshalb zu unsicher.

Piste durch den Salzsee Chott el Djerid, Tunesien

Piste durch den Salzsee Chott el Djerid, Tunesien

Salzsee Chott el Djerid, Tunesien

Salzsee Chott el Djerid, Tunesien

Was von Star Wars über blieb

Als nächstes erreichten wir Nefta. In der Nähe des Ortes liegen die alten „Star Wars“-Filmkulissen. Die Hauptdrehorte der Filme lagen in Tunesien und viele tunesische Namen finden sich in der Science-Fiction-Saga wieder. Die alten Filmkulissen sind touristisch erschlossen, dementsprechend liefen dort mehr oder weniger aufdringliche Händler herum.

Einer der Star Wars Drehorte bei Nefta, Tunesien

Einer der Star Wars Drehorte bei Nefta, Tunesien

Filmrequisite aus Star Wars, ein simples Monitorgehäuse, Nefta, Tunesien

Filmrequisite aus Star Wars, ein simples Monitorgehäuse, Nefta, Tunesien

Nach der Besichtigung, nahmen wir eine, nördlich von der Straße verlaufende, Route über eine heftige Rüttelpiste. Ich hoffte nur, dass alles am Fahrzeug halten würde.

Rüttelpiste in Tunesien

Rüttelpiste in Tunesien

Ein Tag in Tamerza

Ordentlich durchgerüttelt erreichten wir wieder den Asphalt und nahmen Kurs auf Tamerza. Dort erwartete uns der lokale Scout, der sich um unsere heutige Unterkunft kümmern sollte. Von ihm erfuhren wir, dass das große Hotel, in dem wir ursprünglich übernachten sollten, zugemacht hatte. Viele Bewohner des Ortes arbeiteten entweder auf der nahegelegenen Dattelplantage oder im diesem Hotel. Das bedeutete, dass ein Großteil der Bewohner gerade ihr Einkommen verloren hatte. Für uns bedeutete das nur eine kleine Planänderung, für die Menschen hier weitaus mehr. Unser Scout tat sein Bestes, um die Menschen hier einzubinden, so dass sie wenigstens etwas von unserem Besuch hatten.

Zwischenzeitlich rief jemand aus dem Innenministerium an und erkundigte sich, ob wir wohlbehalten angekommen waren. Michael hatte bei den Behörden unsere Reiseroute hinterlegt und man wollte nun wissen, ob alles in Ordnung war.

Mittags führte unser Scout uns durch eine schöne Schlucht, an deren Ende ein Wasserfall und ein anderes kleines Hotel lagen. Das Hotel hatte eine offene Terrasse am Hang, desse Sitzplätze aus dem Fels heraus gehauen waren. Es wirkte sehr gemütlich und wir kehrten zum Teetrinken dort ein. Spontan griffen sich zwei Angestellte ihre Instrumente und begannen zu singen begannen. Unser Scout sang sofort mit. Dazwischen stolzierte immer wieder ein Pfau herum, der anscheinend zum Hotel gehörte.

Canyon bei Tamerza, Tunesien

Canyon bei Tamerza, Tunesien

Felsenhotel in Tamerza, Tunesien

Felsenhotel in Tamerza, Tunesien

Verwöhnprogramm im Hammām

Für den Nachmittag war das örtliche Hammām, ein Schwitzbad, für uns reserviert. Die Behandlung begann in einem Raum mit einem heißen Ofen. Die Tellaks, also die Bademeister und Masseure, schütten immer wieder Wasser über den Ofen, so dass es verdampfte. Schnell wurde die Luft heiß und feucht und der Schweiß rann uns aus allen Poren. Nun wurden wir mit Wasser übergossen und von den Tellaks gewaschen. Kräftig rubbelten sie mit ihren Lappen unsere Haut ab. Nach der Prozedur ging jeder einzelne nach nebenan und wurde noch einmal mit kaltem Wasser übergossen und abgetrocknet. Danach bekam jeder von uns eine Ganzkörper- und Fußmassage. Das ganze Hammām war sehr einfach und gerade das machte seinen Reiz aus. Vollkommen entspannt verließen wir nach gut zwei Stunden das Bad.

Für uns war klar, dass dies das Highlight des Tages gewesen war, doch wir sollten noch überrascht werden. Der Plan war im Ort zu Abend zu essen. Wir fuhren von unserem Camp in den Ort und parkten in einem Trümmerfeld zwischen zwei fast zerfallenen Häusern. Ich erwartete einen Raum mit Plastikstühlen und Neonröhren. Aber weit gefehlt. Nach wenigen Metern schritten wir auf eine sanft beleuchtete Tür zu, neben der frische Pflanzen standen. Als wir das Restaurant betraten, fanden wir einen sehr sauberen und geschmackvoll eingerichteten Raum vor, alle Tische sauber gedeckt, auch wenn wir die einzigen Gäste zu dieser Zeit waren.

Im Restaurant speisen wie bei Freunden

Der Inhaber und seine Frau erwarteten uns bereits und führten uns auf eine kleine Terrasse, die mit einer Mauer umgeben war. Dort war Platz für zwei Gruppen unserer Größe und vom weniger ansehnlichen Umfeld bekamen wir überhaupt nichts mit. Der Tisch war mit frischem Gemüse wie Paprika und Fenchel, Obst sowie verschiedenen Fleischsorten gedeckt, das Ganze wurde mit einigen Kerzenlampen sehr angenehm beleuchtet.

Wir setzten uns hin und waren sofort von der Atmosphäre gefangen. Ich kam mir als Gast noch nie so willkommen vor, ohne dass die Besitzer irgendwie aufdringlich wirkten. Nach den Vorspeisen legte sich der Gastwirt richtig ins Zeug. Wir genossen ein hervorragendes Essen in einem tollen, familiären Ambiente. Ich hatte eher das Gefühl bei Freunden zu Gast zu sein, als in einem Restaurant zu sitzen. Es wurde vereinbart, dort am nächsten Morgen zu frühstücken. Wir verbrachten dort einen gemütlichen Abend und verabschiedeten uns dann bis zum nächsten Morgen.

Wie verabredet frühstückten wir dann in dem Restaurant und fuhren anschließend weiter. Der nächste Stopp wurde an der Mides Oase gemacht, deren Schlucht ein Drehort aus dem Film „Der englische Patient“ war. Sie liegt nur wenige hundert Meter von der algerischen Grenze entfernt.

Mides Schlucht, Drehort für den Film "Der englische Patient", Tuneseien

Mides Schlucht, Drehort für den Film „Der englische Patient“, Tuneseien

In der Midesschlucht, Tunesien

In der Midesschlucht, Tunesien

Auf den Spuren Rommels

Danach ging es Richtung „Rommel-Piste“, dieser gut 10 km lange Weg wurde im 2. Weltkrieg von General Rommel während des Rückzugs vor den britischen Truppen angelegt. Der heutige Zustand mit den Betonplatten stammt aber aus der französichen Kolonialzeit und wurde von französichen Pionieren gebaut. Die Piste war in einem schlechten Zustand, genau das Richtige für uns.

Nördlicher Beginn der "Rommelpiste", Tunesien

Nördlicher Beginn der „Rommelpiste“, Tunesien

Kaputte Brücke auf der Rommelpiste, Tunesien

Kaputte Brücke auf der Rommelpiste, Tunesien

Mit dem Ende der „Rommel-Piste“ war der Hauptteil der Reise abgeschlossen. Wir fuhren bis spät abends nach Tunis zurück und checkten im Hotel ein. Den nächsten Tag konnte jeder frei für sich gestalten. Wir beschlossen die Médina zu besuchen, die wir über das alte Hafentor Bab el Bahr (auch Porte de France) erreichten.

In der Medina von Tunis

Diese Medina ist ein Labyrinth von engen Gassen, zu beiden Seiten ist jeder Quadratzentimeter Raum mit Waren vollgestopft ist. Mal mehr mal weniger engagierte Händler werden nicht müde diese anzupreisen, wobei wir nie in eine Geschäft gezogen oder aggressiv umworben wurden. So konnten wir das Spektakel in Ruhe auf uns wirken lassen. In einem Geschäft bot uns der Besitzer an, dass wir sein gegenüberliegendes Elternhaus besichtigen können, welches ebenfalls zu einer Art kombinierten Familienmuseum und Geschäft umfunktioniert worden ist. Wir nahmen an und bestiegen auch das Dach des Hauses, welches neben der zentralen Moschee lag. Von dort konnten wir die ganze Medina von oben ansehen.

Die Medina von Tunis von oben.

Die Medina von Tunis von oben.

Enge Gassen und geschäftiges Treiben, Medina von Tunis.

Enge Gassen und geschäftiges Treiben, Medina von Tunis.

Irgendwo in dem Gewühl fanden wir einen Handwerker, der Motive in Blechteller schlug, als uns eine Idee kam. Vielleicht könnte er uns einen Erinnerungsteller herstellen. Mit Händen und Füßen machten wir ihm unseren Wunsch klar und schon saß jemand unserer Gruppe auf seinem Platz und zeichnete das Moiv mit einem Filzstift auf dem Teller vor. Der geschickte Tunesier zog dann das Motiv und unser Reisemoto „Sand und Düne“ mit seinen Werkzeugen nach und setzte noch ein paar Zelte und Kamele dazu. Fertig war der „Sand und Düne 2014“-Erinnerungsteller. Wir orderten für jeden einen inklusive Lieferung ins Hotel und wenige Stunden später lagen alle Teller fertig an der Rezeption.

Kunsthandwerker in der Medina von Tunis

Kunsthandwerker in der Medina von Tunis

Unser Erinnerungsmotiv wird vorgezeichnet.

Unser Erinnerungsmotiv wird vorgezeichnet.

Der Erinnerungsteller-Prototyp

Der Erinnerungsteller-Prototyp

Das Ende einer wunderbaren Reise

Nach dem Abendessen in einem Restaurant gegenüber des Hotels zog es uns, die einen länger, die anderen einschließlich mir etwas kürzer, in das Nachtleben dieser pulsierenden Stadt. Am nächsten Morgen ging es dann Richtung Fähre, es hieß Abschied von diesem gastfeundlichen Land zu nehmen. Die Abfertigung und Ausreise verlief problemlos und dann legte das Schiff auch schon ab. Einen Tag später kamen wir in Genua an, wo die Gruppe sich ein letztes mal zusammen traf und voneinander verabschiedete. Ab jetzt fuhr jeder für sich nach Hause, alle mit dem Erinnerungen an einen tollen Urlaub in diesem freundlichen und schönen Tunesien.

Abschied von Tunesieen

Abschied von Tunesieen

© Fotos: Christine Wurst und Andreas Woithon

Hinweis: Wer selbst einmal nach Tunesien reisen möchte, ob alleine oder in einer Gruppe, und Fragen zum Thema Sicherheit in Tunesien hat, kann sich gerne an Michael Ortner ortner@4×4-experience.de wenden.