Im zweiten Teil unser Green-Laning-Tour durch Wales fahren wir nur noch mit zwei Fahrzeugen. Auf der Strecke durch das Happy Valley und der Bastard Lane geht es diesmal heftiger zur Sache. An Spaß und guten Offroad-Strecken fehlt es am zweiten Teil unserer Reise jedenfalls nicht. Dafür haben wir mit anderen Problemen zu kämpfen.

Zum ersten Teil.

Die Bastard Lane

Mit Sandra und Marcus geht es heute weiter nach Norden in den Snowdonia Nationalpark im Bezirk Gwynedd. Über Facebook haben wir zwei Tipps bekommen. In unserer Richtung gibt es zwei weitere bekannte Green-Lanes: Die Bastard Lane und die Happy Lane. Der Tipp mit der Bastard Lane wurde direkt mit einer Warnung garniert: „Fahrt da nicht ohne Ersatzteile rein.“ Marcus hatte sich schon ein paar Youtube-Videos von der Bastard-Lane angesehen, die Strecke wollte er unbedingt fahren.

Den Einstieg bei Machynlleth finden wir recht schnell. Gleich am Anfang müssen wir über eine steile Steinstufe fahren. Sie erinnert mich an die Stufe eines Wasserfalls, bei dem das Wasser fehlt. Überhaupt macht die ganze Bastard Lane den Eindruck, bei Regen und im Frühjahr mehr ein reißender Bach zu sein, als ein Weg: tiefe ausgewaschene Rinnen, viel Kies, altes morsches Holz.

Auf der Stufe liegen lose große Steine und Steinplatten. Marcus probiert es als Erster. Langsam und mit Gefühl zirkelt er seinen 110er direkt im ersten Anlauf hoch, Sperren brauchte er hier nicht. Marcus steigt aus und weist mich ein. Ich setze an, ein Rad dreht durch, der ganze Wagen schüttelt sich. Dann gibt es einen Ruck, die Traktionskontrolle greift ein, ich mache einen Satz nach vorne. Und ich bin drüber.

Entlang des Weges zieht sich rechts eine massive Auswaschung. Sie wird immer tiefer und unser Defender neigt sich bedrohlich. Wenn ich jetzt zu schnell fahre und eine Wurzel übersehe, war es das. Meter für Meter tasten wir uns vor. Dann wird es Marcus zu heikel. Er hat einige Kisten auf dem Dach und der Wagen liegt um einiges höher. Wir nehmen einen breiten Bergegurt, binden ihn an den Dachgepäckträger und wickeln ihn zu 3/4 um einen Baum. Langsam rollt er durch eine sehr abschüssige Stelle. Ich gebe immer ein bisschen Gurt, so dass der Wagen im Falle des Falles nur wenige Zentimeter kippen kann. Puh, geschafft.

Ob das mal gutgeht?

Da unser Wagen etwas weniger hoch und kopflastig ist, probiere ich es ohne Sicherung. Meine Hände verkrampfen sich um das Lenkrad. Schweiß tropft mir über die Stirn. Und zwar nicht nur, weil es im Wald sehr schwül ist. Mit meinem 90er Defender habe ich schon komplett auf der Seite gelegen. Kurz bevor das passierte, fühlte es sich das Fahren genauso an wie jetzt. Gleich kippe ich. Warum mache ich das nur?

Ich weiß, dass ich kippen werde! Ich lenke den Wagen noch etwas nach rechts. Näher an die Böschung, der Vorderreifen soll leicht in die Wand greifen und uns dadurch stützen. Langsam, ganz langsam. Nach Minuten, die mir endlos erscheinen, sind wir durch . Meine gefühlten Grenzen für diesen Wagen habe ich soeben gehörig nach hinten verschoben. Als ich später die Bilder sehe, fragte ich mich, warum ich mir Sorgen gemacht habe. Sieht doch ganz harmlos aus.

Auf dem Weg sehen wir mehrere hintereinander folgende steile und glatte Steinstufen. Marcus legt die Sperren ein und … schafft es nicht. Die feuchten Räder rutschen einfach über den Stein und bekommen nicht genug Grip.

Übermütig springe ich aus dem Wagen und merke sofort, wie rutschig es ist. Gerade noch mal gut gegangen. Hier mit dem Fuß umzuknicken, wäre denkbar unpassend.

Ich nehme Marcus‘ Windenseil, lege den Baumgurt um einen geeigneten Baum, Softschäkel dran, Winde eingehakt und los. In sicherem Abstand warte ich bis Marcus seinen Defender mit der Winde über die Kante zieht.

Jetzt nehmen wir unseren 110er an den Haken und Marcus zieht uns hoch. Das geht jetzt über mehrere Stufen so weiter: Erst Marcus‘ Defender hochwinchen, dann unseren.

 

Drumherum ist auch vorbei

Wir kommen an eine Stelle, an der der Weg für uns unpassierbar wird. Zu verworfen und ausgewaschen ist die Strecke hier. Wir nehmen den vermeintlichen einfacheren Weg rechts oben vorbei. Doch dort ist es sehr eng. Rechts stehen Bäume, links geht es gut zwei Meter steil abwärts in den ausgewaschenen Weg.

Marcus zirkelt am linken Rand entlang. Ich beobachte genau, wo seine Reifen laufen und ob er ins Rutschen gerät. Er fährt durch eine Senke und bleibt dort an einem Baumstupf mit dem Differenzialschutz hängen. Ich schippe Erde vor die Räder, damit der Wagen höher kommt. Marcus sammelt größere Stämme und legt die rechte Spur damit aus, da sie etwas tiefer liegt und das Heck über eine Schräge in den Wald rutschen könnte.

Alles klar, neuer Versuch. Und … es klappt. Bevor ich fahre, nehme ich eines unserer Sandbleche ab und lege es in die Spur. Die bautechnischen Maßnahmen zuvor hat das Gewicht von Marcus‘ Defender zunichtegemacht. Nun lotst Marcus mich souverän über das Hindernis. Ich achte nur auf ihn und meinen Posensor. Das klappt ganz hervorragend. Marcus hat einen guten Blick und ein gutes Vorstellungsvermögen für die Bewegungen des Fahrzeugs.

Nach gefühlten sechs Stunden, dabei waren es nur gut zwei, sind wir raus aus den schwierigen Passagen. Auf einem Schotterweg halten wir an. Durchatmen, etwas essen und trinken. Durch die feuchtwarme Luft im Wald, die Anspannung und die Anstrengung bin ich nassgeschwitzt. Langsam normalisiert sich mein Adrenalinspiegel wieder. Mit zwei Wagen und ohne Schaden haben wir die Bastard Lane bezwungen. Ein tolles Gefühl.

Wir suchen uns einen Campingplatz in der Nähe. Zuerst müssen wir tanken. An der Tankstelle steht ein Junge, vielleicht 16 oder 17 Jahre alt. Er mustert unsere Fahrzeuge eingehend und irgendwann spricht er uns an. „Great Defenders.“, lässt er uns wissen. Er erzählt, dass er bereits verschiedene Offroader gefahren hat, ohne Führerschein natürlich. In den Bergen und Wäldern werde das hier nicht so streng kontrolliert. Er gibt uns noch einige Tipps zu Strecken, die leider alle zu weit entfernt sind. Und wenn wir mal den Schlüssel für die Schranken im Wald bräuchten, sollten wir ihn nur fragen, die wären hier nämlich überall gleich.

Unser Campground liegt in der Stable Block Llwyngwern Farm (N 52° 37′ 35,4″ W 003° 50′ 39,7″). Einfach und gut. Passt. Dort verbringen wir eine ruhige Nacht, um am nächsten Tag die Happy Lane anzufahren.

Happy auf der Happy Lane

Wir schlängeln uns den Schotterweg hinauf. Plötzlich wird es sehr eng. Und zwar richtig eng. Also keine Green-Lane für größere Fahrzeuge. Unsere Defender passen so eben durch und wir fahren weiter bis wir eine schöne Stelle gefunden haben. Dort halten wir an.

Ich steige aus, die Wärme erdrückt uns. Wie war das noch mal mit dem Regen in Wales? Kein Lüftchen weht und die Sonne steht steil am Himmel. Wir klettern auf das Dach von Marcus‘ Defender. Jetzt sind wir oberhalb der mannshohen Steinmauer, die den Weg säumt und den Wind abschirmt. Auf dem Dach lässt es sich gleich besser aushalten.

Ein kleiner Windzug sorgt für Kühlung. Auf dem Dach essen wir einen kleinen Snack. Unten ist es einfach nicht auszuhalten. Mein Blick schweift über das Tal. Sanfte Hügel, grüne Wiesen, unterbrochen von Wegen und Straßen, hier und da ein Haus oder auch ein paar mehr. Kaum ein Geräusch dringt zu uns nach oben. Still sitzen wir da und lassen alles auf uns wirken.

 

Es wird rutschig

Weiter rumpeln wir über die Schotterpiste. Eine kleine Stufe, aber sonst keine schwierigen Stellen. Kann eigentlich nichts mehr schief gehen, denke ich so bei mir. Das hätte ich besser nicht denken sollen. Mit einem Mal haben wir loses Geröll unter den Rädern und es geht bergab. (N 52° 33′ 46,8″ W 004° 01′ 34,0″). Ich gerate nach links in eine Schräglage und komme nicht mehr raus. Verdammt.

Auch wenn es nicht so schräg aussah, das lose Geröll lässt den Wagen immer weiter zur Böschung rutschen, egal wohin ich lenke. Mit jedem Zentimeter vorwärts rutscht der Wagen weiter nach links auf eine schroffe Felskante zu. Ich höre ein garstiges Geräusch und der Defender schrammt über die hervorstehenden Schieferplatten.

Ich bleibe stehen, weiter vorwärts zu fahren hat keinen Zweck. Marcus stellt sich mit dem Wagen schräg hinter mir auf und zieht mich mit einem Gurt von der Kante weg. Wütend schlage ich auf das Lenkrad. Dieses Stück passt gerade nicht zu meiner bis dahin entspannten Haltung und der wunderschönen Strecke.

Hilft aber nichts, wir müssen hier weiter. Im zweiten Anlauf beginne ich weiter rechts und wir schaffen diesen Teil der Strecke ohne erneut an den Steinen entlang zu schrammen. Warum nicht gleich so?

Marcus hat eine kaum sichtbare Spur oberhalb des Weges ausfindig gemacht, die er statt dessen fahren will. Gut drei Meter oberhalb. Und sehr schräg. Jetzt hat auch er sich etwas verschätzt. Die Wiese ist nass und der Wagen beginnt nach links in den Graben zu rutschen. Er beschleunigt stark nach vorne und schafft es hinter den Felsen in den Graben zu sprinten. Das war knapp. Aber geschafft.

 

Genug Aufregung für heute. Wir irren noch ein wenig umher, bis wir einen Campingplatz gefunden haben, den Vaenol Caravan Park direkt an der Küste (N 52° 34′ 52,1″ W 004° 04′ 54,9″). Wir steigen aus dem Wagen, Marcus grinst mich an, ich grinse zurück. Das war trotz allem ganz nach unserem Geschmack.

Zum ersten Mal sieht das Wetter nicht so freundlich aus. Ein kühler Wind kommt auf und es fallen auch ein paar Regentropfen. Sandra und Marcus bringen die Wände an ihrer Markise an. Wir setzen uns alle drunter und beschließen gemütlich den Tag.

Auf dem Weg über den Zoo

Morgen wollen wir auf jeden Fall mal wieder etwas kulturelles unternehmen. Weiter nördlich haben gibt es das Harlech Castle (N 52° 51′ 35,8″ W 004° 06′ 32,9″), eine Burg die als besonders bedeutungsvoll gilt. Sie stammt vom Anfang des 14. Jahrhunderts ist ist erstaunlich gut erhalten.

Auf dem Weg zum Harlech Castle, probieren wir noch ein paar Green-Lanes. Die erste führt uns nur im Kreis, nicht besonders aufregend. Die zweite Green-Lane führt mitten über einen Bauernhof. Auf dem Hof sehe ich Hunde, Hühner, Pfauen und einige andere Tiere. Die Besitzer sind offensichtlich nicht da und wir fahren durch das Gatter.

Der Weg wird rauher, enger und steiler. Am Ende sehen wir keine Möglichkeit weiter zu kommen. Wir müssen drehen. Wenn hier nur genug Platz wäre. Links Stacheldrahtzaun, rechts geht es steil bergauf in den Wald. Vorsichtig fahre ich einen Großteil des Weges rückwärts bis wir endlich an eine Gabelung kommen, an der wir drehen können.

Wir fahren zurück auf die Straße, nicht ohne abermals über den Zoo auf dem Bauernhof zu staunen. Diese Green-Lane hat uns wieder ein paar kleinere Schrammen mehr beschert.

Situationen, aus denen Alpträume gemacht sind

Bei Barmouth nehmen wir die nächste Green-Lane in Angriff. Barmouth ist eine enge Stadt. Eingequetscht zwischen einem Hügel und dem Meer, an der engsten Stelle vielleicht gerade 300 Meter breit. Es geht steil bergauf. So steil, dass ich in die Untersetzung wechseln muss. Und wieder kommt das fast schon Unvermeidliche: Sackgasse. Wenden ist auch hier keine Option. Der Wagen hat gerade Platz für sich. Wieder fahre ich viele hundert Meter rückwärts. Theorie und Praxis, aus der Karte war das nicht zu ersehen.

Wir folgen einem anderen sehr schmalen Weg, der sich etwas später mit der Green-Lane treffen soll. Hier müssen wir höllisch aufpassen, dass wir nicht von der Straße abkommen und ins Tal stürzen. Da kommt uns ein Traktor entgegen. Eine Situation aus der Alpträume gemacht sind.

Wir zwängen uns nach rechts, so dass der Traktor auf einen kleinen Seitenweg ausweichen kann, den wir von unserer Position aus nicht sehen konnten. So schaffen wir es aneinander vorbei. Glück gehabt.

Nach nur wenigen Metern kommen wir an ein Gatter. Dort stehen ein weiterer Traktor und ein Pick-up auf der Straße. Genervt gucken uns die Männer in ihren Fahrzeugen an. Wieder ein kompliziertes Manöver, so dass alle aneinander vorbeifahren können.

Der Weg bleibt sehr schmal und endet direkt vor einem Haus. Also direkt. Zwischen Haus und unserem Defender passt vielleicht gerade noch ein Blatt. Das sieht nach dem Ende der Strecke aus. Angeblich soll es hier aber weitergehen.

Ich will es genau wissen. Direkt vor dem Haus biege ich auf eine Schafsweide nach links ab. Überall Steinmauern und ein paar Reste von Behausungen oder Ställen. Ich kann nicht sehen, wo es weitergeht. Nach der Karte müsste es oberhalb von uns einen Weg geben. Marcus geht hoch und findet auch nichts. Wir beschließen umzudrehen und direkt zur Burg zu fahren.

Deshalb die genervten Gesichter der Bauern, sie wussten dass wir zurückkommen werden. Touristen eben. Später habe ich mir den Bereich auf Satellitenbildern angesehen. Oberhalb gibt es wirklich einen Weg. Nur ist er nicht mit den Fahrzeugen zu erreichen. Er verläuft durch die Hügel, entlang von Steinmauern und verschwindet in einem Labyrinth aus Weiden und Zäunen.

Besser erst das Infoblatt lesen

Es ist spät geworden. Wir eilen zur Burg, kommen aber leider zu spät. In 10 Minuten schließt das Museum und wir dürfen nicht mehr rein. Schade. Wir bummeln noch durch den Ort und suchen uns dann einen Übernachtungsplatz. Noch bei Tageslicht fahren wir zum Shell Island Campground (N 52° 49′ 05,4″ W 004° 08′ 33,3″).

Ein unglaublich weitläufiger Platz direkt am Meer. Gegen Abend flutet der Bereich zwischen uns und dem Ort. Die Tide. Plötzlich sehen wir in der Dämmerung, ja was? Ein Boot? Schließlich fährt es durch das Wasser. Den Lampen nach zu urteilen, ist es aber ein Auto. Als es näher kommt, sehen wir, dass es tatsächlich ein Auto ist. Es hat es so gerade noch geschafft Shell Island zu erreichen. 10 Minuten später gibt es keinen Weg mehr. Wir sind isoliert. Wir lesen uns das umfangreiche Infoblatt durch und erfahren darin, dass der Campingplatz komplett durch die Flut abgeschnitten wird. Es gibt jeden Tag gewisse An- und Abfahrtszeiten. Gut, dass wir das jetzt auch wissen. Morgen früh also nicht trödeln, sonst müssen wir nachbuchen.

Übernachten im Holunderwald mit Komposttoilette

Wir haben den nördlichsten Punkt der Reise erreicht. Ab morgen geht es Richtung Heimat. Auf dem Weg dorthin wollen wir Sandras Schwester in Gosport bei Portsmouth besuchen und dort einen Tag bleiben.

Unterwegs haben wir über Facebook einen Briten kennengelernt, der in der Nähe von Bristol lebt und der uns gerne treffen würde. Wir suchen uns einen Campingplatz in der Nähe: Thistledown bei Nympsfield, ein etwas anderer Campingplatz. Der Platz liegt auf einem großen Biobauernhof. So bio, dass es statt normaler Toiletten Komposttoiletten gibt. Wenn man mal von den Dixi-Klos absieht, die allerdings verschlossen waren.

Wir standen in einem Holunderwäldchen an einer Feuerstelle völlig für uns allein. Auch sonst schien es auf dem weitläufigen Gelände kaum andere Camper zu geben. Das mit der Weitläufigkeit ist fürs Campen natürlich grandios, wenn man die Komposttoilette sucht, die einen guten zehnminütigen Fußmarsch entfernt ist, kann das in besonderen Situationen jedoch seine Tücken haben. Ohne hier näher ins Detail gehen zu wollen.

Marcus hat seit einigen Tagen ein Problem mit seinem Td5-Motor. Das Motoröl scheint sich auf wundersame Weise zu vermehren. Jetzt scheint er das Problem gefunden zu haben. Es könnte Diesel sein, der an den Injektorendichtungen vorbei ins Öl gedrückt wird.

Für abends hat sich unser Besuch angekündigt: Alex Holmes und seine österreichische Frau Gabriela. Wie sich noch herausstellen sollte ein verdammt nettes Pärchen. Er ist in Südafrika aufgewachsen und ist Inhaber von GlobeRoamer. Wir feuern den Dutch-Oven an, schließlich wollen wir unseren Gästen etwas bieten. Mit Alex und Gabriela haben wir abends eine Menge Spaß. Leider können die beiden nicht über Nacht bleiben. Als Tipp gibt Alex uns noch die Salisbury Plains mit auf dem Weg. Das größte britische Übungsgelände, auf dem auch viele gute Strecken zu finden sein sollen.

Am nächsten Morgen fahren wir Richtung Circencester. Dort habe ich eine ganze Reihe Green-Lanes entdeckt, die eine lange Strecke Richtung Süden ergeben. Wir starten direkt neben dem Cotswold Airport. Die Green-Lane erweist sich als simple und leicht zu fahrende Schotterpiste. Nichts aufregendes. Wären da nicht die eine oder andere Furt, es wäre geradezu langweilig.

Bei N 51° 35′ 07,6″ W 002° 09′ 27,6″ ist dann auch Schluss. Ab dort geht die BOAT für Fahrzeuge nicht mehr weiter. Marcus nutzt den Stopp, um noch einmal seinen Ölstand zu kontrollieren. Auf 50 km Strecke ist gut 1/2 Liter dazugekommen. Das ist zu viel und wir müssen etwas unternehmen.

Begegnungen der ganz besonderen Art

Wir nehmen Kontakt mit Land Rover Westover in Salisbury auf. Dort könnte der Wagen morgen repariert werden. Nach dem kurzen Vorgespräch in der Werkstatt übernachten wir auf dem Platz des Camping and Caravaning Clubs (N 51° 05′ 09,9″ W 001° 48′ 05,5″).

Er sieht so aus wie jeder andere Campingplatz, aber es war der seltsamste, auf dem ich je war. Nach der Anmeldung, wir buchten einen Platz mit Strom und einen ohne, wurden wir per Fahrrad zu unserem Platz begleitet. Zuerst dachte ich, das ist ja nett. Aber die Begleitung diente nur dem Zweck einer strengen Einweisung. Nachdem mir unser Platz gezeigt wurde, drehte ich den Wagen, mit dem Heck zum Stromverteiler und zum Zaun. Noch ein bisschen hin und her, damit wir nicht so schräg stehen.

Sandra und Marcus warteten derweil. Eilig suchte unser Begleiter nun die Markierungen, die unsere Parzelle e-x-a-k-t eingrenzen. Nachdem er sie gefunden hatte, bedeutete er uns, dass wir nicht am Rand stehen können, sondern bitte mittig in der Parzelle. Denn es müssen mindestens 6 Meter Abstand zum Nachbarn da sein, wegen des Brandschutzes.

Abgesehen davon, dass es gar keinen Nachbarn gab, würden wir dann aber weder den gebuchten Strom nutzen, noch gerade im Auto liegen können. Aber das war völlig egal. Nach einigen Diskussionen wie herum und wo denn nun Autos stehen dürften, bot der Einweiser zwei Plätze ohne Strom an. Gut, wir verlegten und stellten uns nebeneinander.

Daraufhin, mit Panik in den Augen, schritt er erstmal unseren Abstand zur Parzellengrenze und vor allem, zwischen den Fahrzeugen ab. Wir mussten noch einmal mal 24,3 Zentimeter versetzen. Ohhhkaaaaayyyy. Als die liebe Seele nun endlich ihre Ruhe hatte, dachten wir, wir hätten sie auch. Aber, wir mussten dann noch den einen oder anderen Kontrollgang über uns ergehen lassen. Schließlich hätte es sein können, dass wir uns unerlaubt bewegt hätten. Der Platz war sauber und schön, aber das war uns dann doch zu viel. Die Nacht bringen wir hinter uns und dann nichts wie weg hier.

Wieder in der Werkstatt

Am nächsten Morgen stehen wir schon vor der Werkstatt bereit, als sie öffnet. Marcus‘ Wagen wird gleich reingefahren und die Mechaniker fangen an, die Pumpe-Düse-Elemente auszubauen, um die Kupferdichtringe und vor allem, die undichten Gummiringe zu tauschen. Fachgespräche folgen, die Leute hier sind sympathisch und an unseren Autos interessiert. Nach ein paar Stunden ist die Reparatur und ein Ölwechsel erledigt. Ob das komisch für Marcus war, als gestandener KFZ-Meister andere an seinen Wagen zu lassen. Aber was will er machen? Er hat hier weder Werkstatt, das entsprechende Werkzeug noch die Ersatzteile dabei.

Hier wird scharf geschossen!

Uns lockt noch die Salisbury Plain Training Area, das größte Übungsgelände Großbritanniens. Wir fahren an dem berühmten Stonehenge Steinhaufen vorbei und suchen die Einfahrt zu einer Green-Lane. Bei Figheldean werden wir fündig. Die Strecke ist rumpelig und staubig. Wir kommen an eine Kreuzung. Ein Barriere ist auf der Piste vor uns aufgebaut.

Wir könnten daran vorbei fahren. Aber das Schild „Live firing“ hält uns irgendwie davon ab. Links oben auf der Kuppe weht eine rote Fahne. Das nehmen wir jetzt erst einmal als einen guten Grund nicht weiter zu fahren. Ein Blick in das Infoblatt bestätigt: Rote Fahnen bedeuten Schießbetrieb. Wir rufen die Live Firing Hotline an (+44 1980 674763). Ein freundlicher Mensch erkundigt sich, wann wir denn eine Durchfahrt geplant hätten. Ich antworte mit „jetzt“. Schweigen. Das scheint wohl nicht üblich zu sein. Wo wir stehen, möchte er wissen und ich sage es ihm. Jetzt prasselt eine Litanei an Quadrantenbezeichnungen und Kürzel auf mich ein, die ich nicht verstehe.

Da wird geschossen, dort nicht. Wir könnten durch D52 und D54 usw. usw. Ich lasse den guten Mann zu Ende sprechen und sage ihm dann freundlich, dass wir von der Durchfahrt absehen werden. Daraufhin entgegnet er nur trocken: „Das ist gut. Wir schießen heute mit Kanonen. Mit sehr großen Kanonen“. Auf beiden Seiten des Telefons herrscht Erleichterung. Wir brechen ab. Ziel: Gosport.

U-Boote und Strand

Sandras Schwester erwartet uns schon. Zusammen mit einem Freund gehen wir etwas essen. Hier gibt es große Portionen. Also für für fünf von uns sechs. Marcus benötigt noch eine zweite Portion. Nach dem Essen geht es zurück zum Haus. Wir machen noch einen Spaziergang. 10 Minuten Weg, sagt Sandras Schwester. Es dauert gut 30 Minuten bis wir am Strand von Stokes Bay sind.

Geschichtlich spielte die Gegend hier bei der Operation Overlord, der Invasion Frankreichs im zweiten Weltkrieg, eine Rolle. An diesem Strand wurden die hohlen Betonfundamente der mobilen Mullberry Häfen gefertigt und verschifft. Wer sehr große Kriegsschiffe sehen will, hat hier gute Chancen. Sie machen oft gegenüber Stokes Bay fest, da der Hafen zu flach ist.

Am nächsten Morgen holen wir Marcus ab. Sandra hat Schwestertag. Wir fahren ins Royal Navy Submarine Museum. Ich möchte meinem Interesse für U-Boote fröhnen und dort stehen gleich zwei. Ich schleife Nik und Marcus durch alle Stationen. Nach einer gefühlten Ewigkeit, jedenfalls für die beiden, erlöse ich sie und wir kehren zurück. Nach dem wir Sandra eingesammelt haben, treten wir nach zwei Wochen die Rückreise an.

In Wales hat es nicht geregnet, aber nass war es. Allerdings nur unter den Rädern und auf den Green-Lanes die wir gefahren sind. Wales, wir kommen wieder!

Hier das Video von unserer Tour auf 4x4Passion: