Dass es in Wales regnet oder es nass ist, das behaupten die Waliser. Wir haben Wales ganz anders kennengelernt. Die Reise dorthin sollte die Fortsetzung unser Landyfriends-Tour nach Irland sein. Ich hatte für die Tour ein paar schöne Green-Lanes rausgesucht. Doch irgendwie verlief alles gar nicht nach Plan. Was im ersten Teil unserer Tour passierte, könnt ihr jetzt lesen.

„Hallo? Ja, Rolf? Nein, nicht dein Ernst. Verdammt.“, Marcus entfernt sich ein Stück von uns, um in Ruhe zu telefonieren. Als er wiederkommt erwarten wir schon eine Hiobsbotschaft von unseren Freunden Helga und Rolf, die wir eigentlich in zwei Tagen in Wales treffen wollten.

Als wir in dieser Konstellation vor einem Jahr nach Irland gefahren waren, hatte einer unserer Mitfahrer auf der Hinfahrt einen schlimmen Unfall auf der Autobahn gehabt. Wagen Totalschaden, zum Glück war den Insassen nichts passiert. Diesmal schwant mir nichts Gutes. Hoffentlich ist Helga und Rolf nichts passiert.

Als Marcus zurückkommt, wollen wir natürlich sofort wissen, was los ist. Rolf hatte keinen Unfall, zum Glück. Auf der Fahrt zur Fähre in Frankreich hatte er seltsame Geräusche an seinem Defender gehört und war deshalb umgekehrt. Er wird also an unser Tour nicht teilnehmen.

Etwas geknickt bauen wir unser Camp auf der Abenteuer Allrad ab und starten trotzdem Richtung Großbritannien. Mit dabei sind Sandra und Marcus, sowie Sabine und Schorni. Helga, Rolf, Maren und Frank wollten wir in zwei Tagen in Wales treffen.

Die Idee

Nach unserer Reise im letzten Jahr, war die Idee geboren noch einmal gemeinsam einen Offroad-Urlaub zu machen. Unser Freund Eddy, der die letzte Reise in Irland koordiniert hatte, wollte eine Tour durch Wales ausarbeiten. Leider war er durch unglückliche Umstände verhindert, so fiel die Ausarbeitung der Tour in meine Hände.

Da Offroad-Navigation meine Leidenschaft ist und ich es liebe, Touren zu planen, stellte ich mich natürlich gerne dieser Herausforderung. Als Mitglied der GLASS habe ich Zugang zur Trailwise-Datenbank mit allen Informationen über die Green-Lanes im Vereinigten Königreich.

Also plante ich. Ich suchte Campingplätze, arbeitete den Code of Conduct durch, wühlte mich durch die Trailwise-Datenbank und schließlich hatte ich gut 60 Green-Lanes für unsere Tour herausgesucht. Aus Berichten wusste ich, dass die Engländer gut zwei bis vier Green-Lanes pro Tag fahren. Also hätten wir einiges an Reserve.

Leider sind in der Datenbank immer nur Anfangs- und Endpunkte der Green-Lanes verzeichnet. Den Rest musste ich mir selbst zusammensuchen. Dazu nutzte ich die Explorer-Karten von Ordnance Survey, also Papierkarten.

Unser erster Tag

Von wegen Regen, bei besten Wetter fahren wir von Folkstone Richtung Pandy. Der Ort liegt im Waliser Bezirk Monmouthshire, nur wenige Kilometer südlich der Grenze zu England. Unsere ersten Touren liegen im östlichen Teils dieses Bezirks sowie im Brecon Beacons Nationalpark.

Wir fahren über die M4 und die zweite Severnbrücke (Second Severn Crossing). Sie ist nur in Richtung Wales mautpflichtig. Der Preis liegt bei 8,26 Euro für ein Fahrzeug der Klasse 1 (bis zu 7 Sitze). Es ist bereits nachmittag als wir auf dem Campingplatz „The Rising Sun“ in Pandy eintreffen. Maren und Frank erwarten uns schon. Wir bauen auf und machen es uns gemütlich. Mit Grill und Lagerfeuer lassen wir den Abend ausklingen.

Endlich Offroad …

Am nächsten Morgen weht mir ein leichter Wind um die Nase. Die erste Nacht im Hubdach mit geöffneter Seitenwand, von wegen Regen! Das mit dem leichten Wind ist zwar angenehm, aber es fehlt leider noch der unbedingt notwendige Anteil an Kaffeeduft. Alles muss man selber machen.

Heute ist unser erster Green-Laning-Tag. Nach dem Frühstück gebe ich eine kleine Einweisung und erinnere noch mal an den Code of Conduct. Dann geht es östlich Richtung Wye Valley.

Voller Erwartung lotse ich den Konvoi zur ersten Green-Lane. Und daran vorbei. Wo war denn da nur die Einfahrt? Wir müssen drehen. Langsam fahre ich entlang der hochgewachsenen Sträucher und Gräser und finde eine kleine Einfahrt. Das soll die Zufahrt sein? Okay. Abbiegen und rein.

Wir steuern auf zwei kleine Häuser zu. Der enge Weg führt zwischen Garage und Haus entlang auf einen Feldweg. Die Hecken an beiden Seiten des Weges sind so zusammengewuchert, dass der Weg sehr eng ist. Das Beste ist, wir sehen uns das erst einmal alleine an. Ich gebe den anderen Bescheid, dass sie zurückbleiben sollen.

… in eine Sackgasse

Vier große Landys stehen jetzt vor dem kleinen Haus am Eingang der vermeintlichen Green-Lane. Dem Besitzer scheint das gar nicht zu behagen. Er kommt raus. Während dessen fahre ich den engen Weg durch das Gestrüpp hindurch. Der Weg ist feucht und matschig. Kriiiiieesssch. Die Äste kratzen über den Lack des Wagens. Wir sind in einer kleinen Senke angekommen. Der Boden ist hier völlig aufgeweicht.

Vorne verengt sich der Weg noch weiter und geht steiler bergab. Quer über den Weg ragen dicke Äste. Da ist für uns kein Durchkommen mehr. Wir brechen ab. Stück für Stücke taste ich mich mit dem Wagen den engen Weg zurück.

Nach gut 15 Minuten haben wir den Defender aus der Sackgasse manövriert und stehen wieder bei unseren Freunden. Und dem Hausbesitzer. Der steht aufgeregt neben Maren und Frank. Gerade mal die erste Green-Lane angetestet und schon die Einwohner verärgert. Na das kann ja heiter werden. Ich erfahre, dass die beiden beim Wenden des Fahrzeugs mit den Rädern auf seine Steinterrasse gekommen sind. Nun, da ist es verständlich, dass der gute Mann nicht amüsiert ist. Wir entschuldigen uns natürlich. Immer noch griesgrämig drein guckend erzählt er uns, dass in der Gegend viel geklaut wird. Auch ihn hat es schon mehrfach erwischt.

In einem kleinen Verschlag sehe ich einen 110er Land Rover mit einem 2,5-Liter-Turbomotor stehen. Nach kurzem Fachsimplen über den Wagen, ist uns der Mann wieder wohlgesonnen und grüßt uns freundlich zum Abschied.

Wir versuchen unser Glück mit der zweiten Green-Lane für heute. Es geht wieder an Häusern vorbei und durch einige Gatter und Tore hindurch. Nik, muss bei jedem Tor aus dem Wagen springen und es öffnen, alle durchlassen und dann wieder das Tor schließen. Ganz schön nervig. Aber wofür hat man Beifahrer! Irgendwann einigen wir uns auf eine bessere Methode. Der Beifahrer des letzten Wagens schließt es einfach hinter sich.

Aber auch auf dieser Green-Lane kommen wir nicht weit. Nach wenigen hundert Metern stehen wir wieder vor einer Sackgasse. Fußgänger, Reiter und Radfahrer, für die Green-Lanes natürlich auch gedacht sind, kommen hier noch weiter. Wir müssen wieder drehen.

Schlechte Ausbeute bisher. Aber wir lassen uns nicht entmutigen. Wir starten durch zur dritten Green-Lane. Diese verspricht schon mehr Abenteuer. Als erstes geht es durch ein Gatter auf eine Weide. Das Gras ist hoch und die Tiere weit entfernt. Nur schwach sind die Spuren im Gras zu sehen. Die Tracks verzweigen sich, wir folgen ihnen nach links. Steil geht es die Wiese hoch bis zu einem Gatter. Es ist verschlossen. Also fahren wir die Spur zurück und nehmen den rechten Weg. Auch hier stehen wir nach kurzer Zeit vor einem verschlossenen Tor. Schon wieder müssen wir zurück. Heute scheint nicht unser Glückstag zu sein.

Wir fahren zurück bis zu einer Abzweigung, an der die Green-Lane auch vorbei gehen könnte. Schließlich haben wir nur Anfangs- und Endpunkt dieser Route. Es sieht so aus, als wäre das die Green-Lane. Ein großer Ast eines ziemlich lädierten Baumes ragt sehr tief über den Weg. Da kommen wir nicht vorbei, ohne den Baum noch weiter zu beschädigen. Wir fahren zurück zur Straße.

Ein echter Dämpfer

Etwas Kultur soll unsere Stimmung aufbessern. Unser nächstes Ziel ist Tintern Abbey, die Ruine des zweitältesten Zisterzienserklosters in Großbritannien. Doch zumindest Niks und meine Laune sollte sich in Kürze noch erheblich verschlechtern. Kurz vor dem Kloster höre ich bei jedem Lastwechsel ein zunehmendes Schlagen im Antriebsstrang. Es wird schnell stärker und ich vermeide es weitgehend zu schalten.

Vorsichtig fahren wir auf den Parkplatz des Klosters, auf dem die anderen bereits auf uns warten. Wegen der großen Besucherzahl hat der zweite Parkplatz auf der Wiese neben dem Kloster geöffnet. Gerade als wir als wir die anderen erreichen, hören wir nur noch ein lautes Krrrrrrrrssch und der Wagen bewegt sich keinen Meter mehr. Schon wieder die Zwischenwelle, schießt es mir durch den Kopf.

Es ist das zweite Mal, dass die Welle bei Niks Defender Probleme macht, obwohl der Wagen nicht annähernd 100.000 km gefahren ist. Die Zwischenwelle ist ein bekanntes Problem bei den Td4-Modellen des Defenders. Nun stehen wir auf dem Parkplatz der Tintern Abbey und können nicht weg. Nik telefoniert schon mit Land Rover in Deutschland, da der Wagen noch in der Garantie ist. Die wollen für uns einen Wagen des AA, des britischen Pannendienstes, organisieren.

Wir warten. Und warten. Und warten. Aus den angekündigten 45 Minuten werden eine Stunde und eineinhalb Stunden. Hin und wieder meldet sich Land Rover Deutschland und fragt, ob denn nun alles zu unserer Zufriedenheit geklärt sei. Nein, ist es nicht.

Auch nach zwei Stunden ist immer noch kein AA in Sicht. Langsam haben wir uns mit der Lage abgefunden. Wir hätten es schlechter treffen können. Wir stehen auf einer Wiese, das Wetter ist grandios. Toiletten und Restaurants gibt es auch. Marcus macht es sich als Ausguck auf seinem Dachträger bequem, um dem AA ein Signal zu geben, falls er ihn sieht.

Nach weiteren zwei Stunden wird es Marcus zu heiß auf dem Dach und er kommt wieder runter. Immer noch ist kein AA in Sicht. Gegen Abend trudelt endlich ein Wagen des AA ein. Doch was ist das? Kein Abschleppwagen? Das soll doch wohl ein Scherz sein. Wir bedeuten dem Mann im VW-Transporter vom AA uns zu unserem Wagen zu folgen.

Der Mann schaut sich unser Problem an und erklärt uns, dass er eine Art Späher ist. Er entscheidet was nun weiter passiert. Schließlich können Fahrzeugbesitzer oft nicht selbst einschätzen, ob ein Wagen nach einer kleinen Reparatur nicht doch wieder fahrtüchtig ist. Ja, aber wir bräuchten tatsächlich einen Abschleppwagen. Allerdings nicht mehr heute und heute sei ohnehin Feiertag. Er gibt uns Telefonnummern von zwei Land Rover Händlern in der Gegend, die wir morgen anrufen sollen. Wir sollen unseren Wagen dann morgen dort hin schleppen lassen, wo er schneller repariert werden kann. Immerhin netter Service.

Doch was jetzt? Bewegen können wir den Wagen nicht. Deshalb fragen wir freundlich im Restaurant nach, ob wir auf der Wiese übernachten dürfen. Solange wir nicht laut betrunken, um ein Lagerfeuer laufen und die Nachbarn nicht stören, dürften wir ausnahmsweise auf der Wiese campen. Nicht laut, nicht Saufen, kein Lagerfeuer? Sollte zu schaffen sein.

Gut, jetzt erst mal grillen. Das hatte uns der Restaurant-Besitzer erlaubt. Abends genießen wir den Anblick der angestrahlten Tintern Abbey. Wäre da nicht das Problem mit dem Wagen, es wäre ein perfekter Abend gewesen.

Schon kurz nach neun telefoniert Nik mit den beiden „Land Rover“-Werkstätten, Land Rover Deutschland und dem AA. Diesmal geht es deutlich schneller. Schon am späten Vormittag trifft der Abschleppwagen ein, der uns zu Stratstone Land Rover in Newport bringt. Die anderen folgen uns. Kurze Lagebesprechung. Vor morgen wird der Wagen sicher nicht fertig. Also ziehen die anderen mit unseren Tracks auf eigene Faust los.

Land Rover kümmert sich um ein Hotel. Mit dem neuen Evoque werden wir ins Celtic Manor Resort gebracht. Hotelurlaub hatten wir eigentlich nicht geplant, aber nach ein paar Cocktails ergeben wir uns unserem Schicksal.

Der Mittwoch Morgen ist freundlich und frisch. Vor dem Fenster brummen etliche Rasenmäher um den Rasen in Bestform zu bringen. Ich zähle ganze fünf. Über das einsehbare Gelände verteilt noch weitere. Ein Golfhotel halt. Nachdem der Fahrer uns abgeholt hat und wir wieder vor der freundlichen Dame bei Stratstone stehen, die Ernüchterung: Heute wird es wohl nichts werden. Keine Bühne, kein Personal. Wir versuchen es mit einem kleinen Sitzstreik und verbringen den Tag in der Lobby des „Land Rover“-Händlers. Leider erfolglos. Abends lassen wir uns wieder zurück in das Hotel bringen. Während wir die anderen um Green-Lanes und Grill beneiden, schlürfen wir gefrustet ein Bier an der Hotelbar.

Aufholjagd

Am Donnerstag Nachmittag ist es dann soweit. Der Defender ist fertig und fährt besser als im Auslieferungszustand. Die anderen sind schon im Brecon Beacons Nationalpark unterwegs. Ein kurzes Telefonat und wir nehmen die Verfolgung auf. Nicht ohne vorher einen Abstecher in die Penderyn Destillerie (N 51° 45,826′ W 003° 31,274′) zu machen, der einzigen Whiskey-Destillerie in Wales. Die liegt auf dem Weg und da wollten wir sowieso hin.

Auf dem Weg dahin packt es uns aber doch und wir testen eine Green-Lane an. Die endet schon nach wenigen Metern vor einer Schranke. Während wir noch vor der Schranke stehen und nach einer zweiten Green-Lane suchen, kommen von hinten drei Enduros und zwängen sich durch den schmalen Spalt an der Schranke vorbei. Trotz des Verbotsschildes. Gut, die Jungs nehmen das dann wohl nicht so ernst.

Unser nächster Stopp ist die Penderyn Destillerie. Das, im Vergleich zu anderen Whiskeyhäusern eher nüchtern gehaltene, Bauwerk wirkt nicht gerade einladend. Auch drinnen wirkt das Ganze eher wie in einem Supermarkt. In Whiskey-Kauflaune kommt man als Besucher dort nicht. Trotzdem decken wir uns mit einigen Flaschen Whiskey, Geschenken und Käse ein.

Auf dem Weg zum Rest unserer Truppe wollen wir noch eine Green-Lane fahren. Aber auch die nächste anvisierte Piste ist gesperrt oder besser, wird gerade gesperrt. Ein Arbeiter montiert just in diesem Moment eine Schranke. Ich frage mich, was hier los ist. Scheinbar sind tatsächlich nur die sogenannten BOAT (Byway Open to All Traffic) sichere Tipps. Diese Lane galt als ORPA (Other Road with Public Access).

Aufgeben ist keine Option. Schließlich sind wir zum Offroad-Fahren nach Wales gekommen. Schon sind wir an der nächsten Green-Lane. Endlich Schotter, fester Lehm und Pfützen. Na, geht doch. Wir folgen dem Weg eine Weile, bis wir wieder vor einem Verbotsschild stehen. Geradeaus geht es nicht, KFZ sind hier nicht erwünscht, also biegen wir rechts ab und fahren weiter.

Links und rechts des Weges hohe Bäume, auf dem Weg immer mehr Pfützen und eine kleine Furt. Nicht spektakulär, aber dennoch schön zu fahren. Irgendwann, wie könnte es anders sein: Sackgasse. Wir stehen jetzt auf der anderen Seite der soeben aufgestellten Schranke. Immerhin haben wir geniales Wetter. Von wegen immer nass und so.

Der Rest unserer Reisegruppe hat bereits Bishops Meadow (N 51° 57′ 38,4″ W 003° 22′ 29,7″) in Brecon erreicht. Der Platz, an dem wir heute Abend übernachten wollen. Trotzdem können wir es nicht lassen, auf dem Weg dorthin noch weiter Green-Lanes zu fahren. Die erste ist ein kleiner Rundkurs. Zuerst geht es einen Schotterweg steil hinauf, dann über eine Piste wieder zurück. Jubel! Unsere erste Green-Lane ohne Sackgasse!

Fast euphorisch von unserem kleinen Erfolg wagen wir uns an die nächste. Bereits der Beginn verspricht eine interessante Strecke. Tiefe Furchen, so dass ich den Defender in ziemlicher Schräglage nur vorsichtig den Hang hinaufsteuern kann.

Auf dem Berg angekommen stehen wir inmitten von Kühen. Nik springt raus und will die Situation fotografieren. Plötzlich nähern sich ein Bulle und ein paar Kühe recht forsch unserem Wagen und ich will lieber weiter.

Jetzt geht es bergab. Der feste Feldweg wechselt sich mit einer stark zerfurchten Rinne ab, in der loses Geröll liegt. Der Wagen poltert hin und her. Mehr als Schritttempo geht hier nicht. Die linke Furche wird immer tiefer und der Wagen neigt sich bedenklich nach links. Einen tiefen Absatz kann ich noch mit dem linken Vorderrad umfahren, aber das Hinterrad droht hineinzurutschen. Der Ruck könnte zu viel sein und das Kotflügelblech würde aufsetzen.

Ich halte an und wir suchen große Steine, aus der wir eine Rampe vor dem Hinterrad bauen. Jetzt kann ich den Wagen langsam weiterbewegen. Er neigt sich noch ein Stück weiter, das Heck rutsch immer weiter seitwärts. Aber alles geht gut. Meine Anspannung löst sich. Ich mag Schrägfahrten nicht besonders.
Am Ende des Weges stehen wir unvermittelt … vor einer Kinderschaukel. Befinden wir uns jetzt plötzlich im Garten einer Familie? Vorsichtig fahren wir über die Wiese und erreichen die Straße. Schnell weg hier.

Jetzt aber zügig zum Campingplatz. Auf der Wiese des Campingplatzes kommt uns Helga entgegen. Helga? Die waren doch wegen der Panne ganz zu Anfang gar nicht mitgekommen. Zwischenzeitlich haben die beiden aber ihren Defender reparieren lassen und sind uns nachgeeilt. Was für eine schöne Überraschung.

Strata Florida – Die schöne , lange Green Lane

Von dem heutigen Tag versprechen wir uns viel. Eine der berühmtesten Green-Lanes steht auf dem Programm: die Strata Florida. Sie ist eine der schönsten, bei Regen aber auch einer der gefährlichsten Green-Lanes. Die Warnung, die Strecke nicht bei Regen zu befahren, sollte unbedingt beherzigt werden. Es hat in der Vergangenheit schon Todesfälle gegeben, da sich das Wasser in dem Gebiet sammelt und man nicht mehr rauskommt.

Aber wie in den letzten Tagen auch scheint die Sonne stur auf uns herab. Wir starten an der Strata Florida Abbey, eine weitere Ruine einer Zisterzienserabtei. Gleich am Anfang können wir uns entscheiden: leicht oder spannend. Zumindest anfangs läuft eine einfache Schotterpiste neben der schmalen und engen Strecke her. Bei N 52° 14′ 59,1″ W 003° 47′ 42,4″ trennen sich die Wege. Wir nehmen natürlich den linken, spannenden Weg.

Steil schlängelt sich die enge Straße den Berg hinauf. Dann haben wir freie Sicht auf Wiesen und Berge. Wir bleiben nach den ersten Wasserdurchfahrten stehen. Was denken die anderen so? Durchweg ein Grinsen. Es gefällt also. Eine gute Gelegenheit für Rolf uns die T-Shirts zu geben, die er eigens für die Tour hat machen lassen. Wie in Irland auch, hat er sich wieder ein passendes Motto ausgedacht: Die Landyfriends auf Waliser (Ab-)Wegen.

Zum ersten Mal sind wir wirklich abseits von Ortschaften und Straßen, wir genießen es in vollen Zügen. Kurze Zeit später sehen wir eine aufgeworfene Steinplatte auf dem Weg. Die Stelle (N 52° 15′ 20,8″ W 003° 47′ 56,6″) könnte etwas hakelig werden, schließlich geht es an der Seite steil nach unten. Da wir noch nicht richtig im Offroad-Modus sind, lassen wir es langsam angehen. Marcus erweist sich als ruhiger Routinier und lotst uns durch.

Der weitere Weg ist leicht zu fahren, immer wieder geht es durch kleine oder größere Wasserläufe. Der Wasserstand ist nicht besonders hoch, also keine Herausforderung. Wir erreichen das „Bombhole“ (N 52° 14′ 00,3″ W 003° 45′ 11,9″), eine steile, felsige Senke. Wir umfahren sie alle, bis auf Marcus. Für ihn sieht das Ding nach richtig Spaß aus. Und er fährt ohne Probleme durch.

 

Kurz darauf folgt eine der größeren Wasserdurchfahrten. Ich sehe drei Zuläufe und entscheide mich, den äußersten rechten zu probieren. Ein paar Meter fahre ich durch den Bach, bis es tiefer und weiter wird. Vom Fahrersitz kann ich nicht mehr sehen wie es weitergeht. Ich steige aus, ziehe meine Schuhe und Socken aus und krempele die kurze Hose noch etwas höher. Dann gehe ich den Bereich vor dem Fahrzeug ab und versinke immer tiefer. Das wäre vielleicht zu machen, ist aber nicht ganz unproblematisch.

Ok, wir lassen es, es ist schließlich keine Hardcore-Offroad-Tour, sondern eine Reise. Zumindest heute noch. Die anderen sind auch schon an uns vorbei gefahren und warten. Ich fahre zurück und nehme die linke Furt, die die anderen auch durchfahren haben.

So schlängeln wir uns weiter über Schotterpisten und durch Wasserläufe über die circa 8 Kilometer lange Ystrad Fflur, wie der Weg im Walisischen heißt. Der Rest ist angenehm zu fahren. Richtig schön ist es hier.

Gastfreundschaft und Plagegeister

Am Ende der Strata Florida kommen wir in Tregaron raus. Wir haben alle Lust auf Fish ’n‘ Chips und finden ein kleines Imbisslokal. Die Inhaber sind recht begeistert über die Gruppe, die gerade bei ihnen einfällt und sie geben sich alle Mühe uns glücklich zu machen. Aber um ehrlich zu sein, das Essen machte satt, aber geschmeckt hat es nicht. Helga und Rolf müssen jetzt die Heimreise antreten. Das ist sehr schade, aber nicht zu ändern. Trotzdem haben wir uns alle über den kurzen Besuch gefreut. Wir reihen uns in der Hauptstraße des Ortes auf und verabschieden die beiden.

„My Landy is better than yours!“, höre ich jemanden neben mir sagen. Ich drehe den Kopf und sehe dort einen Mann meines Alters stehen. „Everyone has the best Landy“, antworte ich. Der Mann grinst und stellt sich als der Dorfarzt vor. Er lädt uns ein, auf seinem Grundstück zu übernachten. Denn er möchte uns seinen Landy zeigen. Wir willigen ein und folgen ihm ein paar Kilometer zu seinem Grundstück außerhalb von Tregaron.

Auf dem Hof stehen mehrere alte Autos und eine Menge Schrott. Wir stellen uns auf seine große Wiese, die wohl schon länger nicht mehr gemäht wurde. Seine Frau wundert das alles nicht, schließlich schleppt ihr Mann öfters Reisende nach Hause. Merke ich da ein mulmiges Gefühl in der Magengrube? Nein, ich habe wohl zu viele Horrorfilme gesehen. Kein Grund zur Sorge, die beiden sind wirklich sehr nett.

Sein Landy ist eine Serie I, die die typischen Klischees erfüllt. Sie wartet in einer Scheune auf bessere Zeiten. Scheinbar haben es sich schon Tiere in und auf ihr gemütlich gemacht, aber die Hupe geht noch. Bei einem solchen Wagen darf man nicht vom Äußeren auf das Innere schließen. Der Arzt versicherte uns, dass er sie ab und an noch fahre.

Ich hätte sie am liebsten „eingepackt“ und ihr gesagt „Wir kümmern uns um dich, bald wird es besser“. Aber ein vierter Landy würde auch mich derzeit überfordern.

Dank des hohen Grases ist die Anzahl der Midges hier besonders hoch. Die Dinger sind extrem lästig. Sie kriechen unter die Mütze auf den Kopf, in die Augenwinkel und sonst wohin und beißen. Wir ziehen uns in einen Anbau zurück, der zur Zeit leer steht. Es dauert eine ganz Weile bis wir uns wieder raus trauen. Noch ein kleines Lagerfeuer und ein Glas Whiskey. „Was für ein gelungener Tag“, denke ich mir.

Immer wieder Sackgassen

Am nächsten Morgen verlassen uns auch Sabine und Schorni. Jetzt sind wir nur noch drei Fahrzeuge. Wir bleiben im Bezirk Ceredigion und wollen als Tagesziel die Devils Bridge erreichen. Unterwegs fahren wir weniger erfolgreich ein paar weitere Green-Lanes. Einmal endet die Green-Lane nicht in einer Sackgasse, sondern mitten auf einem Golfplatz. Eilig kommt der Platzwart auf seinem Golfcart geeilt und verscheucht uns.

Die nächste Green-Lane endet in einer, gelinde gesagt nach allen Schafsausscheidungen duftenden, Schlammsenke. Dort finden wir einen tiefen Stollen, in den von oben allerlei Müll geworfen worden war. Auch ein Schaf fand hier sein Ende. Kein schöner Ort und hinter der Senke wieder eine Sackgasse.

Mit stinkenden Reifen und stinkenden Schuhen machen wir uns auf den Weg zur nächsten Green-Lane. Nach einer kurzen, aber steilen Anfahrt durch einen kleinen Wald finden wir im Hochland von Elenydd eine schöne Bergpiste. Sie führt rund um den 410 Meter hohen Esgair Gorlan, durch rauhe Landschaften, an Seen vorbei und über den groben Schotter eines trockenen Bachlaufs. Der Anfang der Strecke liegt in Old Goginan. Es ist kühl aber wunderschön hier oben. Der Weg ist gut zu fahren.

 

Devils Bridge

Am Bwlch Nant yr Arian Forest Visitor Centre geht es zurück auf die A44 am Bleiminen-Museum vorbei Richtung Devils Bridge in Pontarfynach. Wir fahren über die Brücke und parken ein Stückchen weiter an der Devils Bridge Train Station, der kleine Bahnhof einer Dampfeisenbahn. Mit einem lauten Tuuuututt setzt sich die Bahn in Bewegung. Die Bahnfahrt verschieben wir auf später.

Zuerst gehen wir zurück zur „Pont-ar-Fynach“-Brücke. Es ist eine alte Geschichte einer klugen alten Frau, die den Teufel austrickste, die dem Bau den Namen gab. Zweimal wurde die alte Brücke überbaut und es sind noch alle drei Brücken übereinander zu sehen.


Wir entscheiden uns für den langen Rundkurs um die Brücke. 45 Minuten dauert ein Marsch über die Strecke, die erst über 100 Meter in die Tiefe und dann ebenso hoch wieder hinauf geht. Ein Teil des Weges, entlang der Wasserfälle, besteht aus einer steilen Steintreppe. Vorsichtig gehe ich langsam die Stufen herunter. Ich bin froh, dass es während unserer Reise bisher nicht einmal geregnet hat. Bei Nässe ist die Treppe sicher kein Spaß. 600 Stufen geht es in die Tiefe.

Bis unten geht es ja noch. Immer wieder geben die Bäume spektakuläre Blicke ins Tal und auf die Wasserfälle frei. Am tiefsten Punkt führt eine schmale Brücke über den Strom. Nichts für Menschen mit Höhenangst. Jetzt geht es an den Aufstieg. Die hohen Stufen bringen mich bald aus der Puste. Irgendwann haben wir dann doch alle Stufen erklommen und wir gehen zurück zum Bahnhof. Leider fährt der Zug heute nicht mehr. Wir setzen uns in das kleine Restaurant mit angeschlossener Krimskramsbude und essen erst einmal etwas.

Gleich im Ort ist der Woodlands Caravan Park (N 52° 22′ 43,0″ W 003° 50′ 45,6″). Sehr sauber, sehr gepflegt, einer der besten Campingplätze, die ich bisher gesehen habe.

Wir bauen unser Camp auf und zum Abendessen gibt es mal wieder etwas vom Grill. Maren und Frank inspizieren ihr Gepäck und packen alles wieder ordentlich ein. Morgen werden auch sie uns verlassen. Sie wollen auf ihrem Heimweg noch bei David Austin Roses (N 52° 38′ 08,6″ W 002° 17′ 58,8″) in Albrighton bei Birmingham vorbei. Dort soll es wunderschöne Rosen geben.

Zum zweiten Teil.

Das Video zu unserer Tour auf 4x4Passion: