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VW T5 4 Motion auf Island

Sonne, Mondlandschaften und keine Sterne – Offroad durch Island im VW T5 4Motion

Mit VW-Bus und drei Kindern eine etwas andere Island-Perspektive

Dass es das größte Ärgernis unserer Islandreise mit unserem VW T5 4Motion-Bus der fehlende Sonnenschutz in Form unserer Markise sein könnte, war bei den Planungen im April vor der Abreise nicht gerade unsere erste Befürchtung – das sollten wir der isländischen Küstenwache zu verdanken haben. Überhaupt war auf dieser Reise vieles anders als erwartet und auch sehr anders als bei unserem ersten Islandbesuch 2006.

Aber der Reihe nach, denn 2006 fing eigentlich alles zum Thema Island an: Hochzeitsreise mit T4 Syncro und Kleinkind in ein damals noch weniger bekanntes Reiseland für Bulli-Fans. 15 Jahre und zwei weitere Kinder später dann das Revival. Ein Freund, der seit 2008 regelmäßig auf Island arbeitet, der dort Freunde hat und viel Zeit verbringt, hatte uns auch schon darauf vorbereitet, dass die Insel sich stark verändert hat. Er sagte das mit einer gewissen Melancholie in seiner Stimme. Würde er Recht behalten? Würden unsere schönen Erinnerungen von 2006 von einer Lawine des Massentourismus hinfort gespült werden?

Zum Gullfoss – echt jetzt?

Fragte unsere Älteste zwischendurch. Schließlich waren in der Zwischenzeit selbst meine Schwiegereltern auf Island – mit einem Kreuzfahrtschiff – und schwärmten vom Gullfoss, dem Dettifoss und von alle dem was der goldene (Südwesten) und der diamantene (Nordosten) Zirkel so zu bieten haben.

„Schön für euch“, dachte ich und erwischte mich selber dabei, wie ich einen kurzen Moment lang darüber nachdachte, das ganze Projekt fallen zu lassen: Massentourismus liegt mir überhaupt nicht, je weniger Menschen ich auf meinen Reisen sehen muss, umso besser und Übernachten auf asphaltierten Flächen neben zweiradgetriebenen Wohnmobilen mit ausgefahrenen Sat-TV-Antennen auf dem Dach war jetzt nicht meine erste Priorität.

Aber da war trotzdem noch der Funke der Hoffnung in mir: Hoffnung auf authentische Naturerlebnisse, ebenso beeindruckende wie schier endlose und oft mondgleiche Landschaften und Hoffnung auf etwas Abstand vom Trubel des beruflichen Alltags in Deutschland.

Unsere Vorbereitungen konzentrierten sich pandemiebedingt auf die letzten Wochen vor der Abreise. Denn wir wussten lange nicht, ob wir wirklich werden einreisen können. Wichtig war uns, möglichst autark unterwegs zu sein. Und so fand die Drittbatterie noch ihren Platz unterm Beifahrersitz unseres T5 – der Einbau war übrigens gar kein Problem – um die Standheizung und die Kompressor-Kühlbox dauerhaft betreiben zu können.

Endlich auf Island

Wir landeten Mitte Juni 2021 mit unserem VW T5 mit der Fähre in Seydisfjödur, nach zweieinhalb sehr stürmischen Tagen auf dem Nordatlantik, bei phasenweise etwa fünf Meter hohen Wellen. Seydisfjödur empfing uns bei seit Tagen anhaltendem schneidendem Wind aus Nord-Ost und mit jeder Menge Schnee bis weit runter an die Fjorde. Daher nach der Ankunft kurzer Stopp am dann aber doch schon geschlossenen Skilift oberhalb von Seydisfjödur.

Südlich des Vatnajökull stoßen Eis, Lava und Wasser aufeinander
Südlich des Vatnajökull stoßen Eis, Lava und Wasser aufeinander

Irgendwo auf Island scheint fast immer die Sonne, man muss nur wissen wo.

Aus dieser Wetterlage ergab sich schon unsere erste wesentliche Entscheidung, welche wir in den folgenden fünf Wochen auch weiterhin konsequent umgesetzt haben: Immer der Sonne hinterherfahren, was in diesem Fall bedeutete, so schnell wie möglich in den Südwesten der Insel zu gelangen. Denn der Nordosten hüllte sich in Schnee, Nebel und Kälte, während der Südwesten uns mit strahlender Sonne, Wärme und einem sehr aktiven Vulkan empfing. Auf dem Weg in den Südwesten trafen wir auf zahllose Rentiere, welche noch nicht wieder in ihre höher gelegenen Sommerweidegebiete ziehen konnte, da dort einfach noch zu viel Schnee lag.

 Rentiere im östlichen Hochland bei Djupivogur
Rentiere im östlichen Hochland bei Djupivogur

Und so brauchten wir die Standheizung tatsächlich nur Mitte Juni zweimal im Hochland, ansonsten haben wir dank des sonnigen und oft warmen Wetters regelmäßig mit offenen Fenstern geschlafen. Und ich habe dank der Batterien einen Monat lang keine 230-Volt-Steckdose angefasst.

Als etwa eine Woche später die Wetterlage wechselte und die vom Golfstrom aufgewärmte und sehr feuchte Luft ihren Weg nach Island fand, waren wir bereits im westlichen Hochland unterwegs. Hier wiederum bei strahlender Sonne und gut eingecremt, während sich die Wolken im Süden abregneten.

Das östliche Hochland war in weiten Teilen in diesem Jahr bis weit in den Juli hinein gesperrt, da einfach zu viel Schnee gefallen war und die Wege dort lange Zeit unpassierbar waren. Erst Mitte Juli wurde die Sprengisandur vollständig geöffnet. Der Juli war dann im Nordosten sehr warm und trocken, Temperaturen deutlich über 20 Grad Celsius füllten die Campingplätze in der Region merklich vor allem mit Isländern.

Beim Whale-Watching in Husavik, einer nicht nur für Kinder wirklich lohnenden Investition, obgleich typisch touristisch, waren die Boote entsprechend gut gefüllt. Auf einigen Campingplätzen der Region bekommt man die Tickets für die Touren ca. 20 Prozent günstiger als direkt im Hafen, ansonsten kosten diese ca. 11.000 ISK (ca. 73 Euro) pro Erwachsenem und ca. 4.000 ISK (ca. 27 Euro) pro Kind unter 16 Jahren, z.B. bei www.northsailing.is . Viele Buckelwale, Minkwale, Weißrückendelfine und andere Tiere mehr haben wir während der dreistündigen Tour gesehen. Auf der ganzen Überfahrt von und nach Dänemark und zurück schwamm uns dagegen nur ein Minkwal vor den Bug, obgleich wir Stunden an Deck verbracht haben.

Island Whale Watching
Whale Watching bei Husavik

Wasserfall to go

Touristische Highlights haben wir mitgenommen, wenn sie an der Strecke lagen. Unsere älteste Tochter sagte zwischendurch mal: „Ok, machen wir noch einen Wasserfall to go, aber dann ab ins Hochland.“ Wobei das Hochland alsbald zur Metapher für jene Orte wurde, an denen weniger Menschen unterwegs und die Naturerlebnisse unverfälschter waren, denn auch dieses Island mit einsamen Stellplätzen fanden wir noch immer vor, vor allem dort, wo entsprechende Schilder den 4×2-Fahrzeugen und damit den meisten (Miet-)Campingfahrzeugen die Weiterfahrt schlicht verwehrten – was für ein Glück!

Außerdem haben wir eine weitere Chance für einen Perspektivenwechsel genutzt: Durch die schier endlosen Tage in der Mitte des Sommers und dank des Umstandes, dass die Kinder wegen der fast permanenten Helligkeit später eingeschlafen sind und entsprechend morgens länger schliefen, hat sich unser Tagesrhythmus stark verschoben. Weshalb wir regelmäßig erst gegen Mittag nach einem ausgiebigen Frühstück oder Camping-Brunch losgefahren sind. Was uns gestattete, den sonst stark frequentierten Gullfoss und auch den Strokkur nach 18.00 Uhr in abendlicher Sonne anzuschauen.

Das war zum einen gut für die Fotos, so wurde der Gullfoss wirklich golden. Zumeist bescherte uns die späte Uhrzeit an vielen Sehenswürdigkeiten entlang der üblichen Hauptrouten sehr ruhige und schon fast menschenleere Naturschönheiten. Denn die großen Bus-Gruppen befanden sich zu dieser Zeit bereits wieder auf dem Weg in ihr Hotel. Auch viele der inzwischen zahllosen kleinen und bunt-beklebten Miet-Camper hatten dann schon ihren Platz für die Nacht gefunden.

Und noch einen Vorteil hatte es, außerhalb der Stoßzeiten unterwegs zu sein: Wir hatten das Glück, zwei Polarfüchse mitten im Fellwechsel in freier Wildbahn zu beobachten, einmal im westlichen Hochland und einmal im Norden der Insel. Das war jeweils einer der Momente, auf die ich vor unserer Abreise so gehofft hatte.

Island Polarfuchs

Was der Duster kann, können wir mit dem VW T5 auch

Ein übrigens nicht ganz unwesentliches Thema für alle Islandreisenden: Das Hochland und seine Befahrbarkeit mit dem eigenen Fahrzeug! Ganze Branchen haben sich auch im deutschsprachigen Raum darauf spezialisiert, VW-Busse und andere Vans islandtauglich zu machen: Schnorchel, Getriebe-Entlüftung und möglichst große Reifen gehören hier zum guten Ton, bzw. zum sogenannten Islandpaket. Nichts davon hat unser Bus.

Sieht zwar alles zugegebenermaßen cool aus. Ich möchte hier auch gar nicht ganze Industriezweige infrage stellen oder womöglich technikbegeisterten Enthusiasten den Spaß verderben. Aber auf Island hat sich noch etwas in den letzten 15 Jahren geändert, wie uns ein Ranger im Hochland erklärte: „Wir versuchen, alle wichtigen Furten für die Dacia Duster der Autovermieter passierbar zu halten.“

Die Ranger erkennt man stets schon von weitem: Meistens fahren sie mit weißen Pickups durchs Hochland, welche mit einem weiß-blauen I (Info) gekennzeichnet sind und sie halten auf Handzeichen gerne für einen Plausch an. Ansonsten stehen sie auch an den verschiedenen Stationen im Hochland Rede und Antwort wie auch die Hüttenwarte und die ehrenamtlichen (!) und jeweils für eine Woche in der Schicht befindlichen Bergretter. Und auch die Website www.road.is gibt zweimal täglich aktuelle Infos zu den Pisten im Hochland raus, vor allem zu der Frage, welche Routen je nach Monat schon oder noch offen sind.

Übrigens sind wir im Hochland regelmäßig auch Polizei-Streifen („Lögreglan“, vom isländischen Lögum, Gesetz, abgeleitet) begegnet. Alle gemeinsam behalten die Einhaltung der zurecht sehr strengen Umweltauflagen im Auge: Neben dem Wildcampen ist im Hochland und in den Nationalparks das Fahren abseits der Pisten ausnahmslos verboten und hinterlässt schwere Schäden in dem sehr empfindlichen, nahezu polaren Ökosystem des Hochlandes. Ebenso wie das Hinterlassen menschlicher Ausscheidungen – ein Campingklo im Auto sorgt hier für erhebliche Entspannung und ein reines Gewissen, wenn gerade mal keine Bergstation in der Nähe ist, und kann alle paar Tage an ausreichend vorhandenen Entsorgungsstationen außerhalb des Hochlandes geleert werden.

Wüstencamping Askja
Wüstencamping an der Askja

Recht hatte der Ranger wegen der Furten, von der Krossa und anderen ähnlich krassen Gletscherflüssen sprechen wir hier mal nicht. Dort kann man auch problemlos einen T6 mit Islandpaket versenken und selbst Isländer nehmen hier oftmals lieber das Hochlandtaxi als ihren eigenen 4×4. „Die Gletscherflüsse im Süden des Vatnajökullgebietes mag ich nicht“, erklärte uns eine isländische Hüttenwartin an der Askja. „Die sind schlammig-trübe, wild, voller großer Steine und unberechenbar. Die fahre ich nicht gerne. Die Gebirgsflüsse hier bei uns im Norden des Gletschers sind eigentlich kein Problem, klares Wasser, keine großen Steine und relativ konstanter Wasserstand“ Die freundliche Isländerin sprach übrigens fließend Deutsch, weil sie vor Jahren in Stuttgart Bratsche studiert hatte und es lustig fand, dass ich auch in Baden-Württemberg, in Karlsruhe am heutigen KIT, studiert habe.

Und so kam es, dass wir alle Furten entlang der wesentlichen Routen im Hochland wirklich problemlos passieren konnten, inklusive derer auf den östlichen Hochlandzubringern, wie die ab dem Staudamm ansonsten wirklich üble F910 und ihre Nachbarpisten sowie entlang der F88. Die, aus meiner Sicht zu Unrecht, bei vielen Blogs als berüchtigt dargestellt wird. Die Blogger lassen sich über ihre Passierbarkeit aus und berichten von versenkten Jeeps und mutmaßlich sehr tiefen Furten. Vor allem der Norden der F88 gleicht dabei zumindest in diesem Jahr in Teilen schon eher einer Hochlandautobahn.

Ja, einem jungen Pärchen wäre es auch diesen Sommer direkt hinter uns fast gelungen, auf der F88 einen gemieteten Pajero in einer der drei großen Furten auf der Strecke von der Askja Richtung Norden zu versenken. Denn das Wasser stand zwischenzeitig schon kurz bis zur Windschutzscheibe, was aber einzig daran lag, dass sie sich eben nicht an die von den Rangern vorgegebene und mit Schildern und Leinen (!) deutlich zu erkennende Route durch die Furt gehalten hatten.

Island Schild Furt

Unser T5 stand gerade einmal bis zur Radnabe mit Wasser. In derselben Furt, nur eben etwas weiter stromabwärts. Und auch die zuweilen tückischen Tiefsandfelder entlang der oft auch als bumpy road bezeichneten östlichen F910 Richtung Askja ließen sich mit deutlich reduziertem Luftdruck problemlos mit dem T5 und den Serienwinterreifen befahren. Wenn man vorher das ESP abschaltet! Trotzdem bekommt man hier ein ähnliches Gefühl wie beim Trialfahren, denn selbst der Begriff Piste ist hier eine maßlose Übertreibung und suggeriert einen Oberflächenzustand, welcher hier über Kilometer einfach nicht gegeben ist.

Ebenso problemlos mit dem T5 zu befahren waren z.B. auch die Strecke entlang der F225 und ihre Furten westlich von Landmannalaugar und die eher weniger bekannte F338, ein westlicher Zubringer zur Kjölur-Route. Von dort aus gelangt man auch recht schnell in Richtung Norden über die F578 zur Surtshellir und ihren Nachbarhöhlen: Erkaltete Lavaströme haben hier ein richtiges Höhlensystem entstehen lassen, welches einen unverfälschten Eindruck von den landschaftlichen Folgen eines Vulkanausbruchs vermittelt. Kein Eintritt, keine Touristenmassen wie bei den einschlägigen Attraktionen entlang der Hauptverkehrsrouten.

Surtshellir Höhle
Surtshellir Höhle

Kommt man die F578 wiederum von Norden her, genießt man bei Sonnenschein über Stunden ein wunderbares Berg- und Gletscherpanorama vor sich und ich hätte dort hinter jeder Kurve anhalten und fotografieren können. Die F578 ist eine ähnlich schöne Scenic Road wie die deutlich bekanntere 32, da die leichter zu fahren und daher auch voller ist. An der 32 und der parallel verlaufenden 26 liegen auf etwa halber Strecke zwischen der 1 und der F208 und etwas versteckt sehr schöne Naturcampingplätze in einem ungewöhnlich dicht bewaldeten Gebiet, auf denen man sich beinahe wie in Schweden fühlt. Auch im Juli war hier nichts los, bezahlt wird Cash in eine Box.

Den kleinen Natur-Hot-Pot bei Landbrotalaug wiederum im Westen der Insel an der 54, welcher noch in vielen (Online-)Reiseführern angepriesen wird, gibt es hingegen nicht mehr. Dieser Hot-Pot wurde dauerhaft geschlossen. Fährt man die 54 aber etwas weiter Richtung Westen auf die Snaefelssnaes-Halbinsel, kann man am Süd-Strand zumindest sehr gut Seehunde beobachten und der Campingplatz in Arnastapi bietet dann die vermutlich modernsten Campingplatz-Waschräume auf Island.

Seehund auf Island

Das Jahrhundertereignis

Für viele Menschen war 2021 aber ein ganz anderer Grund ausschlaggebend, nach Island zu kommen: Im Fagradalsfjall nordöstlich von Grindavik und nur etwa 30 Autominuten vom Flughafen Keflavik entfernt, ist Anfang 2021 ein neuer Vulkan entstanden. Anfangs ein kleiner Hügel in einem Tal, dominierte er nur wenige Wochen später die Landschaft einer ganzen Region, mit weithin sichtbaren Rauchwolken und nachts leuchtendem Lavafeuer. Aus der ganzen Welt trafen hier im Sommer 2021 zahllose Menschen ein.

Vulkan Fagradalsfjäll
Der Ausbruch des Vulkan im Fagradalsfjäll im Sommer 2021

Die notwendige und jeweils etwa einstündige Wanderung auf die Nachbarberge sorgt aber für eine ganz gute Streuung des Andrangs und auch wenn man hier nicht alleine sitzt, ist es einfach ein Once-in-a-lifetime-Erlebnis, östlich des Vulkans in der Mitternachtssonne auf einem Berg zu sitzen, während der Vulkan von der tief stehenden Sonne und der ausströmenden Lava über Stunden in alle möglichen Rottöne getaucht wird. Untermalt von dem Zischen und Grummeln des Schlotes und ab und zu auch auftretenden kleineren, aber deutlich zu vernehmenden Gasexplosionen.

Und abends bzw. nachts fliegen auch die Touristenhubschrauber nicht mehr über dem Gebiet, welche tagsüber unablässig über dem Vulkan kreisen und mit dem Getöse ihrer Rotoren das Erlebnis doch deutlich trüben. „Sollte der Vulkan noch aktiv sein, wenn ich mal heirate, wünsche ich mir von euch eine Reise hierher als Hochzeitsgeschenk“, resümierte unsere älteste Tochter sichtlich beeindruckt nach ihrem zweiten abendlichen Besuch beim Vulkan.

Wo sind sie denn nun?

Die geheimen Stellplätze für allradgetriebene Fahrzeuge – vielleicht erwartet der eine oder die andere hier konkrete Stellplatz-Tipps und auch manche App oder soziale Medien animieren zum Teilen der gefundenen Traumstellplätze. So groß die Versuchung auch sein mag, sich diesen Tipps hinzugeben oder selber anderen Tipps zu geben, so groß sind inzwischen auch die daraus entstandenen Probleme, denn geheime Stellplätze haben normalerweise keine Infrastruktur und jede Hinterlassenschaft schädigt sie nachhaltig.

„Wir kommen hier seit Jahren her“, erzählte mir ein älteres isländisches Ehepaar, welches mit seinem T4 Syncro im Süden der Insel unterwegs war, an einem wirklich sehr schönen Platz, welchen wir mithilfe von Sattelitenbildern gefunden hatten. „Aber letztes Jahr hat irgendjemand diesen Platz hier im Netz gepostet, jetzt kommen hier zu viele und zu viele rücksichtslose Leute her“, führte er weiter aus, während hinter uns ein Mietcamper anhielt, zwei junge Männer ausstiegen und sich erst einmal mitten auf dem Platz erleichterten. Was für eine fast sinnbildliche Situation, dachte ich mir in dem Moment.

Joekulsasrlon
Am Jökulsasrlon und seinen Nebenseen bieten sich abends immer wieder tolle Fotomotive, zuweilen auch mit tierischem Besuch

Das Resultat daraus sind inzwischen deutliche Übernachtungsverbotsschilder an vielen schönen Plätzen. Mit etwas Kartenarbeit, Geduld und offenem Auge findet man aber auch heute noch Stellplätze, welche ein Gefühl von Ruhe, Natur und Ursprünglichkeit vermitteln. Sei es wild, oder auch auf einem der vielen wirklich schönen (Natur-) Zeltplätze abseits der Route 1, welche – aus meiner Sicht erfreulicherweise – nicht zu vergleichen sind mit deutschen Campingplätzen. Und bleibt dann nichts zurück als die eigenen Fußabdrücke, lässt sich der Platz vielleicht auch bei der nächsten Tour in einigen Jahren noch genießen.

Noch ein Hubschrauber und die Sinnfrage

Sachen packen und mit wenig Vorbereitungszeit einfach losfahren, das ist es ja, was Allrad-Vanlife irgendwie ausmacht. Und Island ist noch immer eine ganz wunderbare Reiseerfahrung, eine schöne Mischung aus sehr guter und auch kindgerechter Infrastruktur, Natur, Wildnis und auch Sicherheit, wie wir im Hochland dann noch auf ganz besondere Weise erfahren sollten. Mit lautem Knattern machte plötzlich ein Hubschrauber der Küstenwache auf sich aufmerksam, während wir auf einem Zeltplatz an der Kjöllur uns gerade darauf vorbereiteten „fliegensicher“ in unserem Vorzelt, welches an die Markise angebaut wird, zu kochen.

Island Hubschrauber

Keine 50 Meter neben uns landete dieses fliegende Ungetüm und trotz vollem Körpereinsatz zweier Erwachsener, die Kinder hatten wir noch schnell in den Bus geworfen, konnten wir nicht einmal mehr die Markise sichern. Die Metall-Halterungen am Bus rissen ab wie Spaghetti, die Markisengelenke brachen wie Salzstangen, die Bodenstützen flogen uns durch die Hände wie Seifenlauge und weg war der ganze Vorbau – binnen Sekunden standen wir in einem Trümmerfeld. Der Pilot entschuldigte sich später bei uns, er habe den Landeplatz falsch eingeschätzt.

In der Folge haben wir die Reste unserer Markise noch zwei Wochen im Bus mit durch die Gegend gefahren, um sie in Deutschland zu reparieren, denn Ersatzteile waren auf Island in der verbleibenden Zeit nicht zu bekommen. Nach erfolgreicher Reparatur der Markise in Eigenregie in Deutschland hat die isländische Küstenwache die Rechnung für die Ersatzteile (welche pandemiebedingt erst nach Monaten geliefert werden konnten) dann binnen weniger Tage in voller Höhe übernommen und uns das Geld anstandslos überwiesen, klasse!

Aber wirklich wichtig war in dem Moment auch etwas ganz anderes: Ein Motorradfahrer mit einer großen Reise-Enduro war auf dem losen Schotter der Kjöllur schwer verunglückt und musste per Hubschrauber abtransportiert werden. Er hat überlebt und kam auf diese Weise noch in die isländischen Abendnachrichten wie uns der einheimische Hüttenwart später erzählte.

Der Sicherheitsaspekt ist aus meiner Sicht gerade beim Reisen mit Kindern nicht zu unterschätzen. Und ähnlich attraktive Pisten-Reisenziele im Norden Afrikas zum Beispiel sind aktuell nicht gerade erste Wahl, wie (Teil-) Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes wegen bestehender Risiken eindrucksvoll belegen. Darunter etwa Länder wie Algerien, Libyen, Mali und Teile Marokkos sowie die Westsahara.

Und eine weitere Erkenntnis ist: es ist noch immer genug Platz für unterschiedliche Arten des Reisens auf Island, egal ob mit ein, zwei oder vier angetriebenen Rädern, mit oder ohne Satteliten-Fernsehen im Fahrzeug. Einfach losfahren und machen, jeder auf seine Weise.

Über uns: Wir das sind Karsten, Geograph, 47 Jahre, Daniela, Pädagogin, 43 Jahre und die drei Töchter 8, 13 und 16 Jahre. Mehr zu Karsten und seinen Touren findet ihr auf Instagram.

Informationen zur Island-Reise it dem VW T5 4Motion

  • Name Marie, weil unsere Jüngste unseren Bus so nennt
  • VW T5 4Motion, BJ 2008, 2,5 TDI
  • keine mechanische Differentialsperre
  • Winterreifen in Seriengröße
  • Reserverad in aktueller Fahrbereifung unter dem Wagen
  • serienmäßige Zweitbatterie unter dem Fahrersitz
  • Drittbatterie unter dem Beifahrersitz nachgerüstet
  • ESP serienmäßig abschaltbar (für losen Untergrund)
  • Luftdruck im Hochland auf ca. 1,8 Bar reduziert
  • Motorunterfahrschutz aus Stahl zum Schutz der Ölwanne
  • einfache Höherlegung um ca. 30 mm mittels Distanzblöcken (leichter Einbau, problemlose TÜV-Abnahme), so passen kopfgroße Steine, die oft auf den Pisten rumliegen, problemlos unter dem Auto durch.
  • Campingklo (z.B. Porta Potti, fast noch wichtiger als die anderen Modifikationen)
  • dazu ein paar Werkzeuge, Kabelbinder, Kaltmetall und Klebeband, um kleinere Schäden reparieren zu können

Campen, Tanken, Duschen und Einkaufen auf Island

  • ein Euro entspricht ca. 150 isländischen Kronen (ISK)
  • Diesel kostet ca. 230 ISK pro Liter, was etwa 1,50 Euro entspricht
  • getankt und bezahlt wird i.d.R. an Automaten, die auch unverhofft in kleinsten Dörfern auftauchen, auch an allen Zugängen zum Hochland. Fazit: Das Mitschleppen von Reservekanistern ist echt überflüssig.
  • eine Nacht auf einem Campingplatz kostet im Schnitt 2.000 ISK pro Person, Kinder meist die Hälfte oder frei
  • zum Duschen und für Waschmaschinen braucht man meistens 500-600 ISK in 100-Kronen-Stücken
  • Einkaufen bei Bonus („die mit dem Schwein auf der Fahne“) oder Netto schont die Reisekasse erheblich, die Preise liegen bei vielen Produkten auf ähnlichem Niveau wie bei uns, bei manchem aber auch deutlich drüber (Packung Smarties 9 Euro, fand unsere Jüngste gar nicht lustig, Taschengeldinflation…). Beide Ketten, die übrigens auch vegetarische und vegane Produkte führen, gibt es in allen Städten.
  • Wer in kleinen Supermärkten am Rande des Hochlandes oder in touristisch intensiv genutzten Orten im Südwesten einkauft, kann für ein Sixpack Wasser (12 Liter) aber auch problemlos 2.700 Kronen (rund 18 Euro) ausgeben.
  • Schwimmbadeintritt ca. 2.200 Kronen für zwei Erwachsene und zwei Kinder, sehr schön ist das Spaß-Bad in Höfn (an der Küste im Südosten der Insel) mit Rutschen und Hot-Pots

Furten auf Island

  • Furten möglichst immer stromabwärts passieren oder hinter der Flussmitte wieder in die Strömung zur Ausfahrt lenken
  • vorher stets selber durchgehen, ggf. große Steine wegräumen und auf tiefe Löcher und Auswaschungen achten, die Furten verändern sich ständig
  • große Fahrzeuge und Busse fahren meist gerade durch die Furten, daher ist der direkte Weg für kleinere Fahrzeuge (wie z.B. VW-Bus) zumeist der ungünstigere
  • Stromabwärts sammelt sich i.d.R. das Geröll, welches große Fahrzeuge aufgewühlt haben, dort ist es flacher
  • langsam fahren, sehr langsam, das erspart nicht nur einem selber und den Beifahrern unnötiges Herzflattern, sondern v.a. dem Motor und der Luftansaugung einen unnötigen Wasserschwall und Schwung nutzt in den Furten i.d.R. gar nichts, denn der Boden ist meistens hinreichend fest, so dass man eigentlich nicht stecken bleiben kann, aber im Schwall den Motor selbst in einer „Dacia-Furt“ halt absaufen lassen könnte. Das genaue Beobachten der Wasseroberfläche verrät schon viel über das, was einen unter Wasser erwartet.
  • an breiten Stellen ist es meistens flacher als an schmalen Stellen, welche vielleicht auf den ersten Blick einfacher aussehen – ein Trugschluss!
  • Unbedingt immer an die Hinweise und Regeln vor den Furten halten, ebenso an die Markierungen der Ranger in den Furten, zumeist gespannte Seile, welche die optimale Route anzeigen und täglich kontrolliert werden.
  • Merkregel: Wenn man die Furt problemlos und ohne Hilfsmittel als Fußgänger passieren kann, dann schafft es auch der VW-Bus, inklusive der Standheizung (d.h. zumeist Wasser maximal ca. knietief und keine zu starke Strömung).

Text und Fotos: Dr. Karsten Jonas

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