Eine Legende sagt, Eskimos haben mindestens 50 Wörter für Schnee und Araber mindestens genausoviel für Sand. Das trifft nicht ganz zu, aber dennoch kann Sand viele unterschiedliche Zustände haben. Daher ist es einer der fordernsten Untergründe, auf denen Geländewagen fahren können.

Die arabisch-sprechende amerikanische Geologin Evely Mervine erklärt in einem Blog (Blog), dass es gar nicht so viele unterschiedliche Begriffe für den geologischen Begriff „Sand“ im Arabischen gibt, sondern nur ein bis zwei: „raml“ und „nabka“. Sie sagt aber auch, dass es für die Zustände des Sandes viele Begriffe und Beschreibungen im Lokalkolorit der Araber geben mag. Und wer selbst schon in Wüsten gefahren ist, wird dies sicherlich bestätigen können.

Das macht das Sandfahren so interessant. Es gehört viel Erfahrung dazu, auf Sand ohne häufiges Steckenbleiben zu fahren. Selbst erfahrene Wüstenfahrer behaupten von sich, nur 50 bis 80 Prozent des Sandes „lesen“ zu können. Das ist möglicherweise noch optimistisch geschätzt, aber in jedem Fall haben sie sich diese Erfahrung auf vielen Kilometern erfahren und ausgebuddelt.

Wenn ich den einheimischen Scouts beim Fahren in der Sahara zugesehen habe, dann war die Erfahrung zu sehen. Souverän zogen sie die Spuren für uns durch die Dünen. Sie fuhren sich nur äusserst selten fest und wenn gab der Fahrer genau eine Anweisung zum Bergen und schon waren sie wieder raus. Sie verirrten sich nicht in Kesseln und rollten auch die steilste Abfahrt sicher hinunter.

Nur theoretisch oder in deutschen Sandgruben lässt sich das Sandfahren nicht lernen. Dennoch kann Theorie für den Einstieg und Anfang nicht schaden. Es gibt universelle Regeln, die hilfreich sind und einem das eine oder andere Missgeschick ersparen können.

Wo wir auf Sand fahren

Die wohl häufigsten Formen von Sand, auf der wir fahren, sind Dünen, Pisten und Flächen. Der Sand selbst kann je nach Ort, Uhrzeit und Wetter sehr unterschiedlich sein. Er verändert seine Eigenschaften je nachdem ob es Morgens, Mittags oder Abends ist, ob er nass, feucht oder trocken ist oder ob er auf der dem Wind zu- oder abgeneigten Seite einer Düne liegt. Die Körnung ist unterschiedlich, was ebenfalls einen großen Einfluss hat. Er schluckt er sehr viel Antriebsenergie. Es ist durchaus möglich im Sand, auf den doppelten Treibstoffverbrauch zu kommen.

Für den Laien sieht der Sand weitestgehend gleich aus. Aber schon wenige Meter neben einer recht festen Stelle kann loser, weicher Sand liegen, in dem man mit den Füßen versinkt, ohne das wir das sehen. Er bietet einige Herausforderungen. Vielleicht macht es deshalb so viel Spaß auf ihm zu fahren. Er ist nicht ohne Grund bei vielen Offroadern so beliebt.

Eine grobe Einteilung

Wir können hier nur eine grobe Einteilung des Sandes vornehmen. Das sind im Wesentlichen: trockener Sand, feuchter Sand, nasser Sand und Fech Fech. Dazu kommt noch die Körnung von grob bis fein. Je gröber der Sand, desto tragfähiger.

Auch die Tageszeit und Temperatur haben auf seine Festigkeit einen Einfluss. Morgens, nach der kalten Nacht ist er etwas feuchter und fester. Mit steigenden Temperaturen wird er immer weicher, bis er Abends wieder etwas fester wird.

Trockener Sand hat je nach Umstand wenig bis keine Tragkraft. Leicht feuchter Sand trägt besser und macht das Fahren einfacher. Ist der Sand nass, kann er nicht befahren werden.

Die Kruste

Wind und verdunstende Feuchtigkeit lassen auf Sand oft eine dünne Kruste entstehen. Sie hilft beim Fahren und gibt bessere Traktion als loser Sand, aber sie ist sehr empfindlich. Auch wenn sie etwas härter und dicker ist, können zu starkes Beschleunigen und Bremsen diese Kruste sehr schnell durchbrechen lassen.

Fech Fech

Fech Fech ist erodierter Tonkalkalkstein, fein wie gemahlener Pfeffer, sehr lose und staubt extrem. Er hat keine Tragkraft und ist nur schwer befahrbar. Ist er zu tief und fehlt ein festerer Untergrund ist er gar nicht befahrbar. Auf seiner Oberfläche ist oft eine Kruste, so dass er nicht erkannt werden kann. Bricht das Fahrzeug durch die Kruste kann es versinken, bis der Unterboden aufsetzt. Es gibt große Gebiete in der Sahara, die durch Fech Fech unbefahrbar sind.

Nasser Sand

Nassen Sand findest du häufig in zeitweise überfluteten Gebieten, die keinen Ablauf besitzen, wie den Salztonebenen (Sebcha) in Nordafrika. Gerade für Sebchas sind Krusten typisch. Scheinbar robust, befindet sich unter der Kruste sehr tiefer und sehr nasser Sand. Das ist gefährlich für das Fahrzeug. Bricht die Kruste versinkt der Wagen unweigerlich bis er vollständig aufsetzt. Ein Bergen ist sehr schwer oder gar unmöglich, da alle anderen Fahrzeuge ebenso gefährdet sind. Nur von festem Boden aus, z.B. einer verdichteten Piste, ist da noch etwas zu machen.

Das Befahren eines Salzsees ist daher eine Sache, die gut überlegt sein sollte. Gibt es eine feste Piste durch das Gebiet, sollte den Spuren auf der Piste oder des Vordermanns ohne Abweichung nachgefahren werden. Bereits wenige Zentimeter neben den verfestigten Spuren, kann ein sofortiges Einsinken drohen.

Auch nach Regenfällen können Flächen mit nassem Sand entstehen. Sebchas und Salzseen sind in einigen Karten aufgeführt.

Offroad im Sand - Vorsicht in der Nähe von Wasser. Hier droht nasser Sand (dunkle Stellen)

Vorsicht in der Nähe von Wasser. Hier droht nasser Sand (dunkle Stellen).

Sonnenlicht

Wenn Mittags die Sonne hoch steht oder sie später in deinem Rücken ist, werden kleinere Unebenheiten unsichtbar. Die Konturen und Strukturen verschwimmen in dem gleichmässigen Meer aus einfarbigem Sand. Auf Pisten und Flächen gibt es steinharte, bis zu 20, vielleicht 30 Zentimeter hohe „Querdünchen“. Die sind dann kaum oder gar nicht mehr sichtbar. Reduziere deine Geschwindigkeit, um nicht in solch ein Hindernis hineinzurauschen und dein Fahrzeug zu beschädigen. Oder schlimmer noch, einen Unfall mit Verletzungen zu erleiden.

Absenken des Reifendrucks

Mit die wichtigste und effektivste Maßnahme um im Sand gut voran zu kommen ist das Absenken des Reifenluftdrucks. Entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass der Reifen dadurch breiter wird, ist es tatsächlich so, dass der Reifen in der Länge mehr Auflagefläche bekommt. Wie weit der Druck abgesenkt werden kann, hängt vom Fahrzeuggewicht und dem Reifen ab. Es gibt Reifen, die mit sehr geringen Druck noch sicher gefahren werden können und die sicher auf der Felge bleiben. Andere vertragen das weniger gut. Übliche Reifendruckwerte im Sand für die gängigen Reifenmodelle sind 0,8 bis 1 bar. Durch das stärkere Walken (Verformung des Reifens beim Fahren), wird der Reifen auch deutlich wärmer.

Zu hohe Geschwindigkeit in scharfen Kurven musst du vermeiden. Je mehr Fahrzeuggewicht durch Fliehkräfte in der Kurve auf die Seitenführung der Räder wirken, je eher können sie von der Felge springen. Meistens passiert das beim äusseren vorderen Rad. Je nach Situation kann das sogar zum Umstürzen führen, wenn sich in der Kurvenfahrt plötzlich die äussere, vordere Felge in den Sand bohrt. Wenn es geht, vermeide schnelles Fahren und gleichzeitig scharfes Einlenken.

Offroad im Sand - Mit weniger Luftdruck springen Reifen schneller von der Felge.

Mit weniger Luftdruck springen Reifen schneller von der Felge.

Leichtfüßig

Das Fahrzeuggewicht spielt ebenfalls eine große Rolle. Je schwerer desto schneller sinkt das Fahrzeug ein oder rutscht es zur Seite weg. Jetzt musst du auf der einen Seite zusätzlich Treibstoff und Wasser mitnehmen, auf der anderen Seite sollte der Wagen möglichst leicht sein. Überlege daher genau, was du brauchst. Können Sitze oder Sitzbänke ausgebaut werden? Benötigst Du die Markise? Kann der Dachgepäckträger leergeräumt werden? Muss es auch diesemal das Dachzelt sein, oder klappt es auch mal im Auto zu schlafen? Geht es mal für ein paar Tage ohne gusseiserne Töpfe und Pfannen? Oder fährst Du Material spazieren, was du vor langer Zeit in das Auto gelegt und dann vergessen hast?

Fahrtechniken

Anfahren und Bremsen

Fahre immer sanft an und werde mit der Zeit schneller. Ruckartiges und zu starkes beschleunigen reisst nur die Kruste auf und das Fahrzeug buddelt sich ein. Der Sand kann dann die Antriebskraft nicht mehr aufnehmen. Je trockener, feiner und weicher der Sand ist, desto größer ist die Gefahr, dass es nach unten anstatt nach vorne geht.

Benutze deine Bremsen im Sand sachte und mit Gefühl. Bremst du zu stark ab, baut sich von den Rädern ein Sandkeil auf und der Wagen gräbt sich zusätzlich nach unten ein. Das macht das Wiederanfahren schwer. Im ungünstigsten Fall auch nach hinten. Kommst du nach dem Bremsen nicht nach vorne weg, setze zurück und nimm etwas Anlauf, um über die Bremsstelle hinweg zu kommen.

Stellst du das Auto ab, sollte es zumindest auf gerade Fläche stehen. Besser ist es, den Wagen gleich etwas bergab zu stellen, besonders wenn der Sand weich ist. Das erleichtert das Anfahren ungemein.

Lenken

Auf Sand ist die Rückkopplung über das Lenkrad grundsätzlich schlechter als auf festem Untergrund. Das Gefühl für die Stellung der Vorderräder ist schlecht. Mit verringertem Reifendruck wird es noch schwammiger. Daran musst du dich gewöhnen. Lenkbewegungen werden oft nur verzögert oder auf sehr weichem Sand auch gar nicht umgesetzt.

Stehen die Räder nicht gerade und bekommen sie plötzlich Grip, macht der Wagen einen unerwarteten Sprung zu Seite. Eine gute Idee ist es daher, die Mitte des Lenkrads oben zu markieren, beispielsweise mit einem Klebeband. Solange du das Lenkrad nicht mehr als 360 Grad gedreht hast, kannst du so sehr leicht optisch die Stellung der Räder kontrollieren.

Je weicher der Sand ist, desto weniger sinnvoll sind abrupte und starke Lenkbewegungen. Sanfte Lenkbewegungen sind in Spuren und weichem Sand besser. Halte das Lenkrad nur lose fest um den Rädern das automatische Folgen der Spur zu ermöglichen. Sei aber bereit, jederzeit einzugreifen zu können.

Wie immer beim Offroad-Fahren, bleiben die Daumen außerhalb des Lenkrads. Solltest du gegen einen Stein fahren und das Lenkrad plötzlich drehen, bricht es dir sonst die Daumen.

Schalten

Sand schluckt sehr viel Energie. Wenn du auf gerader Sandstrecke fährst, musst du schnell Kuppeln und Schalten, um nicht den aufgebauten Schwung zu verlieren. Sobald du die Kupplung getreten hast, wird der Wagen merklich langsamer. Fahre daher den Gang gut aus, d.h. bis in eine hohe Drehzahl. Dann hast du etwas Luft beim Schalten.

Du wirst für deinen Fahrzeugtyp schnell herausfinden, in welchen Gängen oder auch in welchem einzelnen Gang du am besten vorankommst. Gerade in Dünen ist es nicht selten, dass du kaum in höhere Gänge schalten brauchst, da es ständig bergauf und bergab, schneller und langsamer voran geht. Da ergeben sich nur wenig Gelegenheiten immer höher zu schalten.

In Spuren fahren

Fährst Du in einer Kolonne oder eine vielbefahrene Piste, sind bereits Spuren vorhanden. Eine breite Spur und fehlende Profilabdrücke deuten darauf hin, dass der Sand weich ist. Versuche leicht versetzt auf unbefahrenem Untergrund zu fahren.

Ist die Spur hingegen nur so breit wie die Räder des Vordermanns oder ist Reifenprofil gut zu erkennen, ist der Sand fest oder die Kruste noch nicht durchbrochen. Beschleunige und bremse sanft.

Ist der Sand etwas fester und die Spur schon etwas tiefer eingefahren folgt der Wagen ihr nahezu automatisch. Lenke nicht dagegen und halte das Lenkrad nur locker, immer bereit einzugreifen.

Eine tiefere Spur zu verlassen kann schwierig werden. Wenn du fährst und lenkst, folgt das Fahrzeug trotzdem der Spur. Musst du die Spur verlassen, kannst du ein Manöver probieren, welches den Wagen meistens gut und sicher aus der Spur bringt. Stelle das Lenkrad gerade, fasse es oben in der Mitte an und drehe es zügig um die Hälfte (180 Grad) und sofort wieder zurück. Das ist wichtig! Egal ob das Auto die Spur verlässt oder nicht, drehe das Lenkrad wieder zurück in die Geradeaus-Stellung. Ist es nicht gelungen aus der Spur zu kommen, probiere das Manöver erneut. In grobem dicken Sand, kannst du zusätzlich noch vom Gas gehen, wenn du das Manöver startest.

Kurven

Schnelles, kraftvollen Fahren durch Kurven führt zu starkem Untersteuern, d.h. das Auto wird nach außen getragen. Gehe vor der Kurve vom Gas, rolle durch die Kurve und beschleunige sanft heraus.

Bergauf

Die Kunst beim Bergauffahren ist es, den richtigen Schwung und die richtige Beschleunigung zum richtigen Zeitpunkt zu finden. Beschleunigst du zu stark am Hang, buddelt sich dein Wagen ein. Hast du zu wenig Schwung, bleibst du im Hang stehen. Bist du mit zuviel Schwung unterwegs, kann er dich zu stark über die Kuppe tragen und sogar zu einem Sprung mit unabsehbaren Folgen führen. Im günstigsten Fall gibt es nur ein heftigen Ruck. Im ungünstigsten kann es zu einem frontalen Überschlag führen.

Offroad im Sand - Das war etwas zu schnell über die Kuppe gefahren.

Das war etwas zu schnell über die Kuppe gefahren.

Ziel ist es, mit dem richtigen Anlauf bis zur Kuppe und leicht darüber hinaus zu kommen, so dass der Wagen mit der Front nach unten geneigt etwas hinter der Kuppe zum Stehen kommt.

Offroad im Sand - Perfekter Stand nach der Kuppe.

Perfekter Stand nach der Kuppe.

Sind beim Auffahren Kurven zu fahren, verlangt es noch mehr Gefühl. Beschleunigst du in der Kurve zu stark, buddelst du dich wieder ein.

Gelingt der erste Anlauf nicht, schalte in den Rückwärtsgang und lasse den Wagen kontrolliert rückwärts und senkrecht zur Auffahrt hinunter fahren. Bleibe unten nicht gleich stehen, sondern suche dir eine kleine Rampe, die du ein Stück rückwärts hinauf fährst, bis der Wagen mit der Front nach unten geneigt steht. Starte deinen nächsten Versuch von dort und fahre leicht versetzt in einer neuen Spur.

Aus dem Stand Anlauf nehmen
Startest du von weichem Sand, weil du dort schon stehst oder weil dein erster Anlauf nicht geklappt hast, musst du dir eine Art Rampe suchen. Der Sand frisst soviel Kraft, dass es sehr oft nicht reichen wird, aus dem waagerechten Stand die Düne zu nehmen. Setze langsam rückwärts und schiebe das Heck ein Stück eine Schräge hinauf. Starte von dort.

Ist das nicht möglich, kannst du noch versuchen sehr behutsam in einer geraden Linie hin- und herfahren , um den Sand etwas unter deinen Rädern zu verdichten. Das funktioniert natürlich nicht mehr, wenn der Sand zu weich ist.

Bergab

Hierbei geht es nicht um kleinere Dünenabfahrten von 5 Metern, sondern viel längere und steilere Abfahrten. Abhänge können maximal 45 Grad steil sein, da bei einem größeren Winkel der Sand wegrutscht. Aber diese 45 Grad sehen und fühlen sich schon sehr steil an. Beim Herunterfahren geht es darum, senkrecht zu Düne möglichst gerade unten anzukommen. Das Problem dabei ist, dass ihr auf rutschigem Untergrund unterwegs seid.

Offroad im Sand - Eine höhere Abfahrt in weichem Sand.

Eine höhere Abfahrt in weichem Sand.

Es bilden sich insbesondere vor den Vorderrädern Sandkeile. Die Bremsen die Vorderräder so ab, dass das Heck dazu neigt auszubrechen. In dem Fall kommt das Fahrzeug schräg zur Düne und droht sich zu überschlagen. Um dieses Ausbrechen zu verhindern müssen die Sandkeile stetig durch die drehenden Räder „weggeschaufelt“ werden.

Offroad im Sand - Bergab bilden sich Sandkeile vor den Rädern.

Bergab bilden sich Sandkeile vor den Rädern.

Wähle deshalb bei deinem Fahrzeug einen Gang, der nicht zu stark abbremst, aber den Wagen auch nicht zu schnell werden lässt. Aktiviere die Sperren, die du hast, um möglichst alle Räder in Drehung zu halten. Bei Fahrzeugen mit Bergabfahrassistent muss dieser abgeschaltet werden.

Fahre langsam in den Abhang ein. Du solltest mit einer niedrigen Anfangsgeschwindigkeit starten, falls du unterwegs schneller wirst. Fängt das Heck an auszubrechen, darfst du nicht bremsen. Gib kurz und sanft Gas, so dass sich das Fahrzeug wieder gerade zieht. Beim Herabfahren solltest du Bremsen vermeiden. Die Vorderräder würden sofort in den weichen Sand einsinken. Kommt das Fahrzeug nicht zum Stehen, droht wieder ein Ausbrechen des Hecks.

Schrägpassagen im Sand

Schrägpassagen können sehr tückisch sein. Wann immer es geht, solltest du sie vermeiden. Die Gefahr, dass der Wagen seitlich wegrutscht und sich die bergab liegenden Räder eingraben ist sehr hoch. Das kann zu einer schwierigen Bergesituation führen und das Risiko, dass euer Fahrzeug umfällt, steigt enorm. Musst du eine Schräge fahren und gibt es keinen alternativen weg, halte sofort an, wenn du merkst, dass der Wagen seitwärts wegrutscht und sich eingräbt. Lenke Richtung Tal und versuche sehr vorsichtig den Wagen gerade, senkrecht zum Abhang, in das Tal zu lenken.

Rutscht der Wagen weiter, gilt das gleiche Manöver, nur das du weniger Zeit hast.

Offroad im Sand - Solche Schräglagen können böse enden, wenn weitergewühlt wird.

Solche Schräglagen können böse enden, wenn weitergewühlt wird.

Musst du eine schräge Kurve nehmen, hilft der Schwung das Fahrzeug an den Boden zu pressen und aufrecht zu halten. Bleibst du in der Kurve stecken, drohen ein paar ernste Gefahren. Im glücklichsten Fall, bleibst du eben einfach nur stecken. Grabe den Wagen nicht weiter ein, in dem du versuchst weiter zu kommen. Im ungünstigeren Fall, fängt der Wagen an zu seitwärts zu rutschen. In dem Fall musst du sofort Richtung Tal einschlagen und versuchen den Wagen gerade in die Rutschrichtung zu drehen. War die Kurve jedoch so schräg, dass nur der Schwung den Wagen aufrecht hielt, wird das Fahrzeug sich überschlagen.

Stehst Du in der Schräge ist die erste Maßnahme, den Wagen von oberhalb gegen das Kippen zu sichern. Dazu muss der höchste Punkt gefunden werden, der sich zum Anleinen an eine Winde eignet. Das ist nicht oben am Dach oder am Dachgepäckträger, dieser kann abreissen.

Weitere Seile, die später von Helfern gehalten werden, können an höheren Punkten, wie dem Dachgepäckträger, befestigt werden. Sie unterstützen, wenn der Wagen im Anschluss gedreht wird.

Der zweite Wagen sollte sich so positionieren, das er den Wagen senkrecht zum Hang ziehen kann. Der Punkt, an dem gezogen wird, sollte der tiefste Punkt sein. Ist der höchste Punkt beispielsweise an der vorderen Stoßstange, wäre dieser Punkt an der hinteren Stoßstange.

Jetzt wird das Fahrzeug sehr behutsam und ohne das geruckt wird (Zugseil auf Spannung halten), senkrecht zum Hang gedreht.

Dünenfahren

Das erste Fahrzeug sollte den Weg für alle anderen aufklären. Achte dabei darauf, nicht blind über eine Kuppe zu jagen. Insbesondere nicht dann, wenn du mit nur einem Fahrzeug unterwegs bist. Schnell kannst du ohne Aufklärung in einen Dünenkessel geraten, aus dem es sehr schwer werden kann, ohne Hilfe wieder herauszukommen.

Bewährt hat sich immer von Kuppe zu Kuppe zu fahren. Das bedeutet, dass du eine Düne herauf fährst und den Wagen wie beschrieben über die Kuppe bringst. Jetzt kannst du sehen, wie es auf der anderen Seite weitergeht und in Ruhe den nächsten Weg suchen. Geht es an dieser Stelle nicht weiter, musst du wahrscheinlich schon rückwärts von der Kuppe gezogen werden. Daher ist manchmal eine Aufklärung zu Fuß sinnvoll.

Geht es weiter, fahre bis zur nächsten Kuppe. Jetzt kann das zweite Fahrzeug die erste Kuppe in Angriff nehmen und sich auf die erste Kuppe stellen. In diesem Verfahren wird weiter gefahren. Muss ein Fahrzeug zurück oder kommt es von alleine nicht aus einem Dünental, bleibt so genug Platz zum rangieren und für Hilfe.

Auf den windzugewandten Seiten von Dünen wird der Sand etwas verdichtet und er kann eine Kruste bilden. Ist diese Kruste bereits vom ersten Fahrzeug einer Kolonne durchbrochen oder ist der Sand weich, sollten die anderen Fahrzeuge versuchen leicht versetzt zu fahren.

Vermeide kleine Dünen, deren Kuppen zu nahe beieinander liegen. Zwischen ihnen bleibst du schnell stecken. Dünen die 6 Meter oder höher sind, liegen meistens weit genug auseinander, um zwischen ihnen fahren zu können.

Offroad im Sand - Sind die Dünen zu eng beieinander, bleibt man dazwischen schnell stecken.

Sind die Dünen zu eng beieinander, bleibt man dazwischen schnell stecken.

Fahren auf freien Flächen

Ist die Fläche nicht mit Steinen übersät, kann zügig gefahren werden. Aber achte genau auf die Strecke vor dir. Die Fläche kann von Wadis (Flussbett ohne Wasser) durchzogen sein. Die Uferkanten können durchaus mehrere Meter tief sein. Diese Uferkanten sind nur schwer zu sehen und heben sich nicht von der Umgebung ab. Wenn du zu schnell bist, kann es zum Bremsen zu spät sein und du saust ins Flussbett. Oder noch schlimmer, in die gegenüberliegende Böschung. Das ist lebensgefährlich.

Liegen Steinbrocken auf der Fläche musst du langsam und sehr aufmerksam fahren. Du musst ständig den idealen Weg durch das Steinfeld suchen. Erhöhter Luftdruck hilft die Reifen widerstandsfähiger gegen Einschnitte scharfer Felskanten zu machen. Achte auf die Bodenfreiheit deines Fahrzeugs.

Generelle Empfehlungen

Nicht alleine fahren

Wenn es tief in die Wüste geht, solltest du immer in einer Gruppe von mindestens zwei Fahrzeugen fahren. Steckt ein Fahrzeug fest, kann das andere als Bergefahrzeug und Ankerpunkt fungieren. Muss ein Fahrzeug aufgegeben werden, können Passagiere, Verpflegung, Wasser und Sprit auf die anderen Fahrzeuge verteilt werden.

Es sollten mindestens zwei Fahrzeuge eine Winde besitzen. Achte darauf, dass die Fahrzeuge vom Gewicht her zusammenpassen. Ein kleiner Geländewagen wird einen festsitzenden LKW nicht bewegt bekommen.

Festgefahren? Na und!

Wenn du dich festgefahren hast, ist das wichtigste, dass du es akzeptierst und nicht weiter versuchst so frei zu kommen. In den meisten Fällen, machst du es so nur schlimmer. Steige aus, sieh dir die Situation an und leite dann eine ruhige und geordnete Bergung ein. Oft ist es hilfreich, den Sand vor den Rädern in Bergerichtung wegzuschaufeln. Das schont das Material.

Offroad im Sand - Jeder Versuch weiterzufahren ist sinnlos.

Jeder Versuch weiterzufahren ist sinnlos.

Assistenzsysteme

Assistenzsysteme, wie Land Rovers Dynamic Stability Control (DSC) oder ähnliche Programme sollten deaktiviert werden. Stellen sie durchdrehende Räder fest, regeln sie die Antriebskraft herunter. Da auf Sand die Traktion oft reduziert und bei jedem Rad unterschiedlich ist, wäre das kontraproduktiv.

Funk und Kommunikation

Sehr hilfreich ist auch gute Funkausrüstung. Für den Nahbereich reicht CB-Funk. Am besten nimmst du auch mobile Handgeräte mit um die Kommunikation zwischen Fahrer und Personen ausserhalb des Fahrzeugs zu ermöglichen. Das spart unverständliches hin- und herrufen und so manchen Meter Fußweg durch den Sand. In Dünen reicht der CB-Funk jedoch nicht weit. Für die Kommunikation zwischen weiter entfernten Gruppen, müssen stärkere Sender genutzt werden, die Du legal nur im Amateurfunkbereich findest.

In den Dünen ist es bei Kolonnen hilfreich zu sehen, wo die anderen stecken. Eine kleine Fahne am Fahrzeug, 2-3 Meter hoch kann hier sehr hilfreich sein.

Fahren in Kolonnen

Damit ihr euch in der Kolonne nicht verliert, achtet der Vordermann immer auf seinen Hintermann. Gerät er außer Sicht, anhalten. So können die Nachfolger nachrücken. Passiert das nicht, kannst du ggf. umdrehen und nach dem Rechten sehen.

Licht

Solltet ihr im Dunkeln fahren wollen oder müssen benötigt ihr Licht. Viel Licht. Denn in Wüsten kann es wirklich dunkel werden. Zusätzlich schluckt der Sand das Licht. Je weiter oben das Licht am Fahrzeug ist, je besser werden Löcher sichtbar und ausgeleuchtet.

Tanken

Vergiss nicht einen Trichter oder Stutzen zum Nachtanken, wenn du mit Kanistern betankst. Ansonsten wird einiges daneben laufen, was zum einen stinkt, zum anderen auch eine Verschwendung und eine Sauerei ist.

Offroad im Sand - Beim Betanken in der Wüste, den Stutzen oder Trichter nicht vergessen.

Beim Betanken in der Wüste, den Stutzen oder Trichter nicht vergessen.

Festmachen und Hochbinden

Du wirst diverse Male mit deiner Fahrzeugfront in den Sand stoßen. Mach dein Kennzeichen gut fest oder setze es höher. Wer Schmutzlappen hinter den Rädern hat, sollte sie vorher abnehmen oder hochbinden. Beim Zurücksetzen wird gerne auf die Schmutzlappen gefahren, so dass sie abreissen.

Offroad im Sand - Im Sand sich die Schmutzlappen schnell weg.

Im Sand sich die Schmutzlappen schnell weg.

Wartung

Nach einem Tag im Sand solltest du abends dein Auto durchsehen. Der Luftfilter gehört mit dem Kompressor ausgeblasen. Achte auf Sauberkeit, dass kein Sand in den Ansaugbereich kommt. Sieh nach Undichtigkeiten an Motor, Getriebe, Differenzialen und Achsen.

Offroad im Sand - Pflicht: Fahrzeugchek am Ende des Tages.

Pflicht: Fahrzeugchek am Ende des Tages.

Ausrüstung

Bergung

Wer in Sand und Dünen fährt sollte eine Winde, Sandbleche und eine Sandschaufel dabei haben. Mit der Winde kannst du ein Fahrzeug von einer Kuppe oder aus weichem Sand ziehen. Mit der Schaufel kannst du eingebuddelte Räder freilegen um so den Widerstand beim Bergen deutlich zu verringern oder um Sandbleche unterlegen zu können. Die Sandbleche helfen dir über Passagen mit weichem Sand zu kommen, wenn diese hoffentlich nicht endlos lang sind. Gilt es gar ein Fahrzeug aus den Dünen zu bergen, welches nicht mehr mit eigener Kraft vorwärts kommt, kann zudem ein kinetischer Bergegurt hilfreich sein.

Die Sandbleche sollten unter die Hinterräder gelegt werden. Zwei Dinge solltest du dabei beachten. Erstens: niemand sollte hinter dem Wagen stehen, da die Sandbleche regelrecht herausgeschleudert werden können. Zweitens: binde das nach vorne zeigende Ende der Sandbleche mit einem langen, starken Seil an das Heck des Fahrzeugs. Das spart das Suchen und Ausbuddeln, wenn es gerade besser ist, ein paar Meter weiterzufahren.

Kompressor

Für alle Fälle ist auch ein Kompressor und ein Reifenmontierhebel sinnvoll. Mit dem Kompressor kannst du den Luftdruck nach Bedarf einstellen. Ist einmal der Reifen von der Felge gerutscht, kann mit der Druckluft das Felgenhorn vom Sand befreit werden. Nach der Montage des Reifens, kannst du ihn wieder aufpumpen.

Wagenheber

Muss das Fahrzeug aufgebockt werden, benötigt ihr einen Wagenheber, der es auch schafft den Wagen weit genug anzuheben. Solange der Wagen nicht eingesunken ist, kann es noch klappen einen kleinen Stempelwagenheber unter die Starrachse zu stellen. Wenn aber der Wagen schon aufsitzt, entfällt diese Möglichkeit. Dann müsst ihr den Heber an den dafür vorgesehenen Stellen des Rahmens oder der Karosserie ansetzen. Bedenkt in diesem Fall, dass ihr dann den Wagen zuerst aus der ganzen Federung heben müsst, bevor sich überhaupt ein Rad in die Höhe bewegt. Dazu ist ein Heber mit ausreichend Weg nötig, also ein Geländewagenheber wie der bekannte Highjack, Hilift oder Farmjack.

Damit eure Heber nicht im Sand versinken, benötigt ihr auch eine stabile, flache Unterlage, am besten 2-5 Zentimeter dick und aus massivem Holz.

Eine gute Idee ist es auch mit einem Offroad-Reiseanbieter zu fahren. Diese kennen sich in ihren Zielgebieten gut aus und haben jahrelange Erfahrung im Sand- und Dünenfahren. Gute Anbieter haben zudem vor-Ort ein Netzwerk an Helfern und kümmern sich ebenso um alle Formalitäten.

Seht euch auch unser Video von unsere letzten Wüstentour mit 4×4 Experience an