Wüstensand, Rüttelpisten und orientalische Exotik treffen auf Schwangerschafts-Heißhunger: Wie man einen Do-it-yourself Campingtrip in das Sultanat Oman samt bebauchter Freundin unternimmt und ob das Ganze wirklich eine gute Idee ist, erfährt man in dieser etwas anderen 4×4-Reiseerfahrung durch den fantastischen Mittleren Osten.

Es ist heiß, verdammt heiß sogar. Die Sonne knallt vom wolkenlosen Himmel, während wir uns durch den quirligen Hauptstadtverkehr quälen. Gewaltige Prunkbauten säumen den mehrspurigen Highway, die pompöse Architektur und die ungewohnten Gesichter ziehen unsere Blicke wie magisch auf sich. Wir befinden uns in Maskat, Hauptstadt des Oman sowie Ausgangspunkt unseres 13-tägigen Roadtrips durch dieses faszinierende Land.

Willkommen im Oman und seiner islamisch geprägten Kultur.

Die ersten Tage im Reiseland bieten stets spannende neue Eindrücke.

In guter Hoffnung und Allrad unterstützt

In einem gemieteten Toyota Land Cruiser inklusive Dachzelt und Campingausrüstung, begeben wir uns auf die Spurensuche nach Abenteuer und unvergesslichen Momenten. Ganz ohne Tourguide, dafür voller Neugier geht es auf Entdeckungsreise. Nichts, was wir nicht auch schon in den letzten Jahren ausgiebig unternommen haben. Zwei Individualreisende on the road sozusagen. Na ja, fast. Eher zweieinhalb. Mit meiner im 5 Monat schwangeren Freundin Antonia ist indirekt auch unser jüngster Co-Pilot mit unterwegs.

Ausblick auf das kleine Dorf

Wenige Kilometer außerhalb Maskats tauchen wir bereits in eine faszinierende Landschaften ein.

Bei Hamriyah verlassen wir die perfekte Stadtautobahn, rollen erstmals durch weiß getünchte Dörfer ins  Hinterland. Männer in Dischdaschas, der für die arabische Halbinsel typischen Tracht, sitzen im Schatten der Häuser und nicken uns mit freundlichen Augen zu. Über die Yiti-Passstraße tauchen wir ab in eine komplett andere Welt. Karg, sonnenverbrannt und kurvig schlängeln wir uns langsam nach As Sifah. Abschnittsweise fahren wir mitten im Nirgendwo auf nagelneuer, zweispuriger Schnellstraße mit großzügiger Beleuchtung, nur um wenig später auf ein kleines Asphaltbändchen ausgespuckt zu werden. Kurios.

Es ist bereits Nachmittag, als wir das abgeschiedene As Sifah erreichen. Nach einigem Suchen finden wir schließlich den Weg zum Meer und staunen nicht schlecht: Auf einer Länge von fast 6 Kilometern eröffnet sich uns eine imposante Strandkulisse. Mit der hoch aufragenden Felsküste im Rücken, folgen wir den unzähligen Spuren durch den Sand und parken unweit der tosenden Wellen. Noch bevor ich mich in die verlockenden Fluten stürzen kann, nähern sich laut röhrende Umrisse von Geländewagen. Ein paar aufgemotzte Jeep Wrangler nutzen die einsame Umgebung als überproportionalen Sandkasten, springen über kleine Dünen und werfen sich in waghalsige Kurvenmanöver. Hinter dem Steuer sitzt die örtliche Dorfjugend, welche uns ausgelassen zuwinken. Immer mehr Omanis mit dicken Offroader und üppiger Campingausrüstung kreuzen auf. Langsam fällt es uns wieder ein: Der Donnerstag ist im Mittleren Osten das Äquivalent zu unserem Samstag, heute wird also gefeiert!

Feiertags geht es mit dem Jeep auch schon mal direkt an den Strand.

Offroad-Spaß statt Wasserspiele: Omanis nutzen den Strand auch schon mal anders wertig.

Unseren ersten Abend im Oman beschließen wir dann ganz woanders. Nachdem wir tatsächlich kein für uns passendes Plätzchen am Sifah Beach finden konnten, haben wir uns 10 Kilometer weiter südlich erfolgreich in die kaum vorhandenen Büsche geschlagen. Wir genießen nun unser Abendessen und blicken unter dem schwarz aufziehenden Sternenzelt zufrieden zum Meer. Seit Stunden haben wir kein Auto mehr gesehen. Unsere einzigen Nachbarn sitzen gemütlich und weit entfernt unter dem hellen Lichtschein einer Laterne. Pünktlich zum Nachtgebet trägt der laue Wind den melodischen Ruf des Muezzins herüber. Durch mein Kameraobjektiv beobachten wir, wie die vorher noch heiter scherzenden Männer nun unisono, am nach Mekka ausgerichteten Gebetsteppich, ihrer jahrhundertealten Tradition folgen. Welcome to Oman!

Auch am spätabendlichen Wochenende ist das Abendgebet ein Pflichttermin.

Urlaubsantritt mit Startschwierigkeiten

„Sharia“, „Krieg im Jemen“, „schlechte medizinische Versorgung“ und „verantwortungsloser Leichtsinn“ waren nur einige der Vorwürfe, mit denen wir uns vor Antritt der Reise konfrontiert sahen. Schon klar, da half es zur allgemeinen Beruhigung auch nicht, dass Antonia mit einer noch nicht verklungenen Zahnentzündung und ich mit einer fiebrigen Erkältung in den Flieger stiegen. Dass wir dann auch noch eine ungeplante Nacht aufgrund eines verpassten Anschlussfluges in Istanbul verbringen „durften“, stellte dann das obligatorische „i“-Tüpfelchen dar. Schwanger in den Oman auf eine Dachzelt-Reise? „Das geht gar nicht!“, waren sich die meisten Freunde und Bekannten einig.

Entspannter Ausblick aus unserem Dachgeschoss.

Aufgrund der immensen Größe funktionieren Dachzeltreisen besonders gut im Oman, auch während der Schwangerschaft.

Ich verkneife mir nun ein Lachen. Seitdem wir hier auf Urlaubsmodus geschaltet haben, geht’s uns wieder prächtig und der Oman präsentiert sich von seiner besten Seite. Auf manch bekannte Auswüchse könnten wir jedoch verzichten. So staut es sich zum Beispiel schon weit vor dem Abzweig zum bekannten Wadi Shab. Freizügige und wenig subtil wirkende Touristengruppen stapfen im Gänsemarsch zu der in jedem Reiseführer gepriesenen Schlucht. Einsame Erkundungsausflüge sehen anders aus. Alle paar Meter stehen selbsternannte Guides, die zusätzliche Ausflüge, Bootsfahrten oder allerhand Stärkungen feilbieten. Der touristische Massenauflauf lässt uns unverrichteter Dinge die Flucht antreten. Nur gut, dass an der Ostküste zwischen Maskat und Sur viele Sehenswürdigkeiten nah beieinander liegen. Doch auch unser nächster Versuch versandet vor einem vollgestopften Besucherparkplatz. Das Bimah Sinkhole begeistert von Bildern, heute jedoch belagert eine halbe Völkerwanderung aus Touristen, Omanis und Besuchern aus den angrenzenden Emiraten die gepflegte Parkanlage mit dem versteckten Karsttrichter. Wie war das nochmals mit dem Abenteuer-Urlaub fernab ausgetretener Pfade?

Daran müssen wir uns erst gewöhnen: Organisierte Rundfahrten stürmen die bekanntesten Sehenswürdigkeiten.

Gut besucht: Geführte Reisetouren verstopfen regelmäßig die bekanntesten Sehenswürdigkeiten.

Als Ersatzprogramm gönnen wir uns eine Auszeit am karibisch anmutenden White Beach unweit des Dörfchens Fins. Wir springen zum ersten Mal in den warmen Golf von Oman und genießen den beinahe menschenleeren Sandstrand. Was uns auffällt: Nur Touristen gehen ins Wasser oder kommen auf die Idee sich in der Sonne zu bräunen. Zwar campieren auch einige hoch professionell ausgestattet Omanis, doch bis auf die Kinder würde hier niemand auch nur die kleine Zehe ins Wasser tauchen. Geschweige denn schwimmen gehen. Angesichts der hiesigen Gepflogenheiten, versuchen wir uns natürlich so wenig wie möglich in Badehose bzw. Badeanzug blicken zu lassen. Ganz im Gegensatz zu den zwei neben uns liegenden Italienerinnen, die mit ihren knappen Bikini-Outfits dafür sorgen, dass sich der Männeranteil des breiten Strandes im Nu verdoppelt.

Ziemlich alleine am Traumstrand.

Beste Badebedingungen am White Beach.

Dermaßen mit neuer Energie ausgestattet, versuchen wir uns am weniger bekannten Wadi Tiwi. Mittlerweile wissen wir auch schon die dutzende Geländewagen umfassenden Touristenkonvois aus der allgemeinen SUV-Dichte zu erkennen. Immer weiß, immer gut ersichtlich durchnummeriert, gelten sie für uns als verlässliches Vorzeichen dafür, bald fremdenverkehrstechnische Ballungszentren zu erreichen. Dass wir bisher keiner dieser Blechkolonnen begegnet sind, werten wir als gutes Zeichen. Die Straße mäandert seit einiger Zeit einspurig in die hoch aufragende Schlucht hinein, führt uns durch palmbedeckte Weiler und schließlich in vielen Schwindel erregenden Kurven zu abgeschiedenen Bergdörfer hinauf. Jeder Gegenverkehr würde hier aufwendiges, zentimetergenaues Retourschieben bedeuten. Antonias Gesichtsausdruck entnehme ich, dass ihr solch Ausweichmanöver wenig gefallen würden. Ein mehrstufiger Wasserfall am Ende des Tals entschädigt uns für die aufwendige Anreise, genauso wie die beeindruckenden Fotomotive während der Rückfahrt im bereits sinkenden Abendlicht.

Beeindruckendes Bergpanorama im Hinterland der Ostküste.

Landschaftlich wunderschöne Sackgasse ins Wadi Tiwi.

Über unerreichte Traumstrände und leere Mägen

Schildkröten heißt das thematische Stichwort am nächsten Tag. Unser Ziel ist die Region rund um das Ras Al Jinz Naturreservat, wo es einsame Strände und besagte Schildkröten in freier Wildbahn geben soll. Die Erwartungen sind hoch, habe ich doch nach tagelangem Kartenstudium sowie eingehender Satellitenbild-Interpretationen, bereits in den heimischen vier Wänden großspurig verlautbart, den „perfekten Stellplatz“ gefunden zu haben. Wir folgen der Küstenautobahn zur letzten größeren Stadt Sur, für deren Sehenswürdigkeiten wir einen kurzen Stop einlegen. Es geht hier geschäftig zu, man sieht kaum Touristen und erstmals bekommen wir einen Eindruck, wie der ländliche Alltag im Sultanat  abläuft. Wir spazieren die Corniche entlang – der typischen Prachtpromenade am Meer -, staunen über die als Dhows bezeichneten, traditionellen Fischerboote und haben vom nahen Leuchtturm eine grandiose Aussicht auf das pittoreske Stadtbild.

Fischerboot an der Küste von Sur.

Aussicht auf die bekannte Küstenstadt Sur.

Verreist du mit einer Schwangeren, sorge stets für passenden Proviant! Immer! Schon ein etwas zu niedriger Blutzucker kann den bis vor kurzen ausgelassenen Roadtrip entlang nicht endend wollender Traumstände, schlagartig in eine monotone, sich ewig dahin ziehende Asphalthölle verwandeln. Deswegen sitzen wir nun auch in einem Restaurant, anstatt selbst den Gaskocher anzuwerfen. Zusammen mit Sultan Qabus ibn Said höchstpersönlich. Zumindest blickt mich der königliche Regent des Landes scheinbar verständnisvoll lächelnd von etlichen Postern herab an. Es ist das erste Mal, dass wir in einem der unscheinbaren Läden am Wegesrand einkehren, doch die einfachen und frisch zubereiteten Speisen sorgen nicht nur bei Antonia wieder für beste Laune. Knapp sechs Euro für zwei Hauptspeisen inklusive Salate und Getränke markieren, dass wir uns geografisch endgültig von den touristischen Zentren entfernen.

Der richtige Proviant ist auf langen Etappen besonders wichtig.

Immer auf den Hunger achten: In der Pampa ohne Snickers zu stranden gefällt keiner Schwangeren.

Ras al Jinz entpuppt sich als großzügig verstreute Ansammlung von Ziegelhäuser in einer fast schon wüstenartigen Umgebung. Anstatt dem Schild zum offiziellen Turtle-Reservat zu folgen, verlassen wir die einzig geteerte Straße und schlagen uns zu dem im Hintergrund aufragenden Felsplateau durch. Wir lassen das menschenleere Dörfchen hinter uns, rumpeln über eine Steinpiste auf eine vor Hitze flirrenden Hochebene empor. Nach Rücksprache mit meinem digitalen Kartenarchiv, finden wir tatsächlich den gesuchten Abstecher zum Meer. Die kleine Bucht entpuppt sich jedoch als verwaister Platz für Fischerboote und erst zu Fuß entdecken wir, dass sich zu linker Hand der eigentlich von mir gesuchte Sandstrand befindet. Und was für einer! Menschenleer, knapp 1 Kilometer lang und scheinbar aus einer Werbereklame entsprungen, liegt er verlockend genau vor unserer Nase. Einzig verbunden durch einen schmalen, fast in der Brandung liegenden, etwa hundert Meter langen Strandabschnitt. Mit Anlauf steuere ich den Toyota zwischen scharfer Felswand und schweren Holzbooten hindurch, beherzt die Strecke mit dem pulvrigen, schnell versinkenden Sand überwinden und et voila, schon wären wir in unserem persönlichen Paradies angekommen.

Festgefahren trotz guter Vorsätze!

Sprichwörtlich versandet: Hier hilft nur mehr das Abschleppseil!

Als wir abends überglücklich den Wellen lauschen, würde ich gerne behaupten, dass sich unser wagemutiger Husarenritt ausgezahlt hat. Tatsächlich stehen wir aber nun in einer uneinsehbaren Senke vollkommen für uns allein, zirka 8 Meter über dem Meer. Denn mit eindeutig zu wenig Schwung hatten wir uns zuvor auf den letzten 10 Metern böse festgefahren. Und das trotz provisorischer Holzbrettunterlagen, Untersetzung und weniger Luft in den Reifen. Zum Glück haben uns ein paar, zufällig vorbei kommend,e Fischer mit ihrem alten Pick-up lachend aus der misslichen Lage befreien können. Deren freundliches Angebot unseren Land Cruiser zum Strand zu pilotieren, haben wir dann aber doch dankend abgelehnt. Wer weiß, ob wir den Rückweg auch ohne deren Hilfe geschafft hätten? Zumindest haben wir den Versuch gewagt! Derart motiviert gescheitert, haben wir anschließend aus Zufall den kleinen Weg entdeckt, der uns nun erhaben über unserem Traumstrand residieren lässt. Wie sagt man so schön: Wenn sich eine Türe schließt, geht woanders eine neue auf.

Herrliche EInsamkeit am Strand.

Unser einsamer Traumstrand mit eindeutigen Schildkröten-Spuren.

Kurzgastspiel Wüstensturm

„Ein Wahnsinn!“, Antonias Müdigkeit ist wie weggeblasen, als wir aus dem Auto den warmen Sand der Rimal Al Wahiba hüpfen, oder besser bekannt als Wahiba Sands. Haben wir bis Nachmittag noch mutterseelenallein einen perfekten Badetag genossen, stehen wir kurz vor Sonnenuntergang in einer völlig anderen Kulisse. Nämlich in einer waschechten, 12.500 km² großen Wüste. Nach knapp 3 Stunden Non-Stop-Fahrt befinden wir uns an bis zu 150 Meter hohen Dünenflanken, umgeben von einer majestätischen Stille. Als wir uns schließlich daran machen unser Nachtlager aufzuschlagen und ich gerade das Dachzelt aufgebaut habe, fällt mir die sich schnell nähernde, dunkle Wolkenfront auf. Ein Sandsturm! Ähnliches schon in der Sahara erlebt, rufe ich meiner verdutzten Freundin nur mehr hektisch zu, erst wieder alles auf schnellstem Wege ins Auto zu packen.

Ein großer Sandkasten sind die Wahiba Sands.

Die Ruhe vor dem (Sand-)Sturm: Großes Staunen in der Wahiba Sands, Oman.

Im Licht der letzten Sonnenstrahlen biegen wir mit im Sturm flatternder Zeltabdeckung und massig Sand zwischen den Zähnen wieder auf Asphalt zum nahen Örtchen Al Wasil ein. Soviel zur romantischen Wüstenübernachtung. Doch nun erleben wir wahre omanische Gastfreundschaft: Auf der Suche nach einem Hotel werden wir in der Dorfgemeinschaft so lange weitergereicht, bis uns ein Englisch sprechender Wohltäter zur nächsten Unterkunft eskortiert. Leider fährt sich der Führer beim nächtlichen Queren einer sandigen Abkürzung fest, keine 15 Meter vor dem Ziel. Während wir es durchschaffen und Antonia sich um ein Zimmer kümmert, eile ich in die Dunkelheit zu unserem festgefahrenen Helfer. Wir müssen jedoch nicht lange buddeln, denn wenig später zieht ein vorbeikommender Toyota das gestrandete Fahrzeug heraus. Der Retter unseres Retters namens Aiman entpuppt sich waschechter Tourguide, der zusammen mit seinen Kollegen im gleichen Hotel wie wir untergekommen ist. Nach ein wenig Smalltalk werden wir kurzerhand eingeladen, mit der kompletten Fahrercrew auf ein landestypisches Abendessen zu gehen, was wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Zu fortgeschrittener Stunde, um einmalige Einblicke ins omanische Leben reicher und mit zahlreichen Insidertipps ausgestattet, fallen wir mit vollen Bäuchen in unsere Hotelbetten.

Gastfreundschaft auf omanisch!

Offroad-Fahren verbindet: Mit unseren neuen osmanischen Freunden verbringen wir einen einmaligen Abend.

Wellnessen mit Touristen

Am nächsten Tag versuchen wir erneut unsere Reifenabdrücke in die Wahiba Sands zu setzen. Zeitig und bei schönstem Wetter gelingt uns dies viel besser als noch am Vortag. Schon nach wenigen Kilometern pflügen wir mit dem Land Cruiser entlang niedrigerer Sandhügel, erklimmen schweißtreibend die Dünenkämme und schießen tolle Erinnerungsfotos. Obwohl Antonia gar nicht mehr weg will, machen wir uns irgendwann wieder auf den Weg zum nächsten Ziel: dem Wadi Bani Khalid. Von der Wüste geht es auf kleineren Straßen in baumlose Berglandschaften hinauf. Auch hier ist es trocken und vor allem felsig, dass wir uns in dieser Umgebung nur schwer eines der touristischen Highlights des Landes vorstellen können. Doch am Parkplatz zum Wadi-Eingang erwartet uns nicht nur ein unwirklich grünes Palmenhain, sondern auch fast ausschließlich nur Geländewagen organisierter Gruppenreisen. Das kann ja heiter werden. Tatsächlich verbringen wir die nächsten Stunden damit, diese unwirkliche Oasenlandschaft zu erwandern und entdecken sogar ein natürliches Felsbecken, in dessen kristallklarem Wasser wir uns genüsslich Abkühlung verschaffen. So versteckt gelegen, entkommen wir sogar den geführten Gruppenreisenden mit ihren bunten Plastik-Lunchpaketen, herrlich.

Abkühlung im verlockend kühlem Wasser.

Das Wadi Bani Khalid ist eine unwirklich schöne Oase inmitten trockener Felslandschaft.

Da wir morgen das Jabal Al Akhdar-Gebirge besichtigen wollen, brechen wir nach diesem erholsamen Wadi-Besuch wieder nach Norden Richtung Nizwa auf. Mittlerweile machen wir auch nicht mehr den Fehler allzu langer Etappen, sondern biegen am späten Nachmittag auf Höhe der Ortschaft Lizq ins Hinterland ab. Bereits nach nur einer halben Stunde offroad querfeldein, wähnen wir uns auf einem anderen Planeten: Einsam, in einem steinigen, jedoch unglaublich schönen Talkessel, schlagen wir unser Lager auf und zaubern mit frisch gekauften Zutaten ein hervorragendes Abendessen.

Camping wie im HImmel.

Solch wunderbare Campingplätze gibt es im Oman an jeder Ecke.

Royale Bergluft meets Shopping-Paradies

Auch am nächsten Tag ist der Ausblick atemberaubend. Unter uns breiten sich zahlreiche Canyons mit terrassenförmig angelegten Bergdörfern aus, während ringsherum die Erhebungen des Jabal Al Akhdar-Gebirges auf bis zu 3000 Meter aufragen. Ein kühler Wind lässt uns ungewohnt schaudern, schließlich befinden wir uns auf dem 2000 Meter hohen Saiq-Plateau. Doch wir dürfen uns wahrlich nicht beklagen. Die zwei Cappuccino zum Preis von insgesamt 14 Euro schmecken nicht nur köstlich, sondern stellen auch unsere „Eintrittskarten“ in das exklusive 5-Sterne Resort Anantara Al Jabal Al Akhdar dar, von dessen „Diana’s view“-Plattform wir gerade dieses phänomenale Panorama genießen. Der Erzählung nach soll tatsächlich die verstorbene Prinzessin Diana Namenspatronin des mittlerweile stark frequentierten Aussichtspunktes gewesen sein. Als wir nach der 10 Kilometer langen, äußerst spaßigen Abfahrt wieder in der Ebene ankommen, glühen nicht nur unsere Bremsen, sondern auch die Köpfe sind vom Kurvenrausch noch ganz heiß.

Famose Aussicht vom berühmten Diana’s view!

Zeit zum Entschleunigen, deswegen ab ins größte Souq des Landes! Im nahen Nizwa liegt dieser bekannte Basar, bestehend aus einem Ensemble verschiedener Einzelsouqs, welche sich auf spezifische Angebote spezialisiert haben. Von Alltagsgegenstände über Obst und Gemüse, Fisch bzw. Fleisch, bis hin zu Schmuck und Antiquitäten. Nur gut, dass wir mit Antonias kleinem Schwangerschaftsbauch eine gute Verhandlungsbasis haben und deswegen so manch Mitbringsel in unsere Taschen wandert. Generell, die Kombination aus allein reisenden Europäern und schwangerer Frau verschafft uns stets die begeisternde Hilfsbereitschaft von neuen Bekanntschaften. Praktisch! Auch diesen Abend stehen wir wieder auf einem fast schon kitschig-schönen Stellplatz, bekommen wie so oft zuvor schon Besuch von einer neugierigen Ziegenherde, mit denen wir die Reste unseres Abendmahls gerne teilen.

Shopping in Nizwa: Im landesweit größten Souq des Oman werden unsere Vorräte aufgefüllt.

Nervenprobe Offroad-Ausflug 

Heute darf der Land-Cruiser seine Offroad-Talente unter Beweis stellen. Da wir langsam wieder nach Norden müssen, versuchen wir uns an der 66 Kilometer langen „Abkürzung“ durch das Jabal Al Akhdar-Gebirge, anstatt die fast vierfache Distanz auf der neu gebauten Autobahn rundherum abzuspulen. Laut Navi benötigen wir für beide Varianten ungefähr gleich lang, das kann ja spannend werden! Schon der Einstieg nach dem Weiler Ar Rawdah führt uns in grob geschotterten Serpentinen steil bergauf. Immer höher und abgeschiedener geht es in die trockene Felslandschaft, bis uns eine schmale Asphaltstraße wieder mehr Geschwindigkeit aufnehmen lässt. Aufgrund der vielen Kurven fällt es schwer, sich nicht von der beeindruckenden Aussicht ablenken zu lassen. Mittlerweile sind wir wieder auf knapp 2000 Meter und uns umgibt ein wahres Meer an Bergmassiven. Nach einem markanten Aussichtspunkt mündet unsere Straße plötzlich in eine wilde Piste, die uns ungesichert sowie halsbrecherisch tief in einen kargen Talkessel führt.

Auf dem steinigen und überaus steilen Weg, das Jabal Al Akhdar Gebirge zu durchqueren.

Mein aufmunterndes Lächeln trifft auf Antonias zweifelhaft hochgezogene Augenbrauen, doch Umdrehen kommt für uns nicht in Frage. Was nun folgt, sind wohl die zwei nervenaufreibendsten und anstrengendsten Stunden unseres gemeinsamen Allradlebens. Abfahrten so steil, dass sogar unser ABS versagt, wechseln sich mit so heftig ausgewaschenen Rüttelpassagen ab, dass sogar Antonias Babybauch ganz hart wird. Ich muss gestehen, hätte ich gewusst was uns erwartet, ich hätte trotz aller fahrerischen und optischen Erlebnisse auf diese „Abkürzung“ verzichtet. Voll des schlechten Gewissens bin ich heilfroh, als wir mit Ayn Umq endlich die asphaltierte Zivilisation erreichen. Es dauert jedoch noch 2 Stunden, bis wir am frühen Abend endlich unser Nachtlager in einer steppenartigen Landschaft östlich von Muscat aufschlagen können, wo wir früh und rechtschaffend müde in die Federn fallen.

Ausweichplatz ist Mangelware, deswegen lieber gleich stehen bleiben.

Abschied mit Überraschungen

Die Zeit verfliegt, unser letzter Tag ist angebrochen. Morgen am späten Abend bringt uns der Flieger wieder ins winterliche Österreich zurück, brrrr! Geruhsam wollen wir diesen wunderbaren Roadtrip mit Besichtigung der Burg von Nakhl ausklingen lassen. Die im 17. Jahrhundert erbaute, typisch omanische Festungsanlage wurde in den 90er Jahren aufwendig renoviert, liegt idyllisch in großen Dattelhainen und versprüht das Flair von Tausend und einer Nacht. Als einzige Touristen teilen wir uns die Anlage mit den Besuchern einer gerade stattfindenden Handwerksausstellung, wobei wir mehrmals für Fotos mit einer  begeisterten Schulklasse herhalten müssen. Da fühlt man sich fast schon wie ein Promi.

Leider unsere letzte Sehenswürdigkeit: Die tolle Wehranlage von Nakhl.

Noch vor Mittag brechen wir endgültig wieder nach Maskat auf, jedoch mit einer kleinen Überraschung für Antonia in der Hinterhand. Anstatt den angekündigten Campingplatz anzusteuern, parke ich unser fahrbares Eigenheim vor dem Eingang eines exklusiven 4-Sterne Hotels auf der künstlich angelegten Halbinsel The Wave Muscat. An unserem letzten Tag tauschen wir unser Dachzelt-Flair gegen einen Rooftop-Pool, ausgiebige Körperpflege und himmlisch weiche Betten. Antonia ist sichtlich einverstanden mit dieser Überraschung, Ihr Strahlen reicht bis über beide Ohren. Spät abends, nach einem leckeren Abendessen, spazieren wir gemütlich durch die ultramoderne Anlage, staunen über Graffitis, trendige Foodtrucks und kommen in den äußerst seltenen Genuss eines sanften Nieselregens, der sämtliche Omanis in ausgelassene Glückseligkeit versetzt.

Am letzten Tag sehen wir das moderne Oman. Und etwas Regen!

Mit der Hand an dem Bauch meiner Freundin bilde ich mir ein, zufriedene Tritte zu spüren. Der Oman hat sich als goldrichtiges Reiseziel erwiesen und ich bin mir sicher, dass unser Nachwuchs mit diesem wunderbaren Roadtrip bereits einiges an pränataler Abenteuerlust schnuppern konnte.

Dank solch Erlebnisse wird uns unser Oman Roadtrip ewig in Erinnerung bleiben.

© Fotos: Paul Royer

Tipps für das (schwangere) Reisen in das Sultanat Oman:

Schwangerschaft:
Bei Reisen während der Schwangerschaft kommt es hauptsächlich auf die individuelle Situation der Schwangeren selbst an. Prinzipiell befördern die meisten Fluglinien schon mal keine Frauen mehr ab der 36. Schwangerschaftswoche. Auch sollte man im Auto auf Marathon-Etappen bzw. lange Abschnitte im anspruchsvollen Gelände verzichten und generell die gesamte Reise nach dem Wohlbefinden sowie den subjektiven Grenzen der Partnerin nach ausrichten. Regelmäßige Pausen, viel Flüssigkeitszufuhr und genug Energiezufuhr helfen dabei. Ob man sich dann für Dachzelt oder Hotelbett, geführte Rundreise oder Selbstfahrer entscheidet: hier bleibt es einem jeden selbst überlassen, in welcher Ausprägung der Urlaub angetreten werden soll. Ist man sich hier nicht sicher, so kann man versuchshalber in naher Umgebung ein Zeltwochenende riskieren, bevor man die komplette Dachzelt-Rundreise in Übersee bucht. Zusätzlich kann und sollte man bei längeren bzw. weiteren Auslandsreisen den eigenen Frauenarzt hinzuziehen, die einem auch mit professionell beraten können.

Sicherheit, Regeln und Infrastruktur:
Wir haben den Oman stets als sehr sicheres Land empfunden und die Omanis als überaus freundliche, hilfsbereite Menschen kennengelernt. Als westlicher Europäer sollte man sich jedoch an einige Gepflogenheiten halten (z.B.: nicht zu kurze Hosen, nicht schulterfrei) und ein paar Benimmregeln im Kopf behalten (kein öffentliches Küssen etc.), damit man unangenehme Situation vorbeugt. Das Tankstellennetz ist gut ausgebaut, jedes größere Lokal besitzt WLAN und in den größeren Städten gibt es viele Supermärkte mit beinahe allem, was das Herz begehrt.  Genauere Infos zu den sicherheitstechnischen Rahmenbedingungen und allgemeine Hinweise für eine Reise in das Sultanat Oman findet man auf der Seite des Auswärtigen Amtes.

Offroad fahren, navigieren und Campieren:
Obwohl der Oman ein Rekordtempo im Modernisieren und im Bau von Straßen an den Tag legt, geht es von beinahe jeder asphaltierten Straße direkt in mehr oder minder anspruchsvolles Offroad-Gelände hinein. Bis auf ausgewiesenes Sperrgebiet gibt es hier auch nur wenige Einschränkungen, wo man mit dem Geländewagen nicht hin darf. Das zur Verfügung stehende Gelände ist dabei sehr abwechslungsreich und reicht von trockenen Wüsten, felsigen Bergen und beinahe allem dazwischen. Je nach dem wohin man sich vorwagt, sind Vorkenntnisse im Geländefahren hilfreich.
Fast alle namhaften GPS-Hersteller bieten mittlerweile sehr gutes, aber zumeist kostenpflichtiges Kartenmaterial an. Erfahrungsgemäß reichen jedoch auch einschlägigen Smartphone Apps (z.B.: MAPS.ME) zur Navigation und Routenplanung aus, welche zusätzlich auch offline nutzbar sind. Als stets zuverlässig hat sich die gute, alte Straßenkarte erwiesen, zum Beispiel von Reise Know-How, Oman 1:850 000 (10 Auflage, ISBN 978-3-8317-7319-0). Der Oman ist ein Traum für jeden Wildcamper. Das freie Stehen und Campieren ist in ganz Oman erlaubt. Sollte man jedoch in unmittelbarer Nähe von Behausungen sein Lager aufschlagen wollen, sollte man dies anstandshalber vorher kundtun. 


Autovermietung:
Obwohl der Großteil der Touristen das Land in organisierten Rundreisen erkundet, gibt es auch für Selbstfahrer zahlreiche Anbieter von Mietwägen, darunter eine große Auswahl an Allradfahrzeugen.
Momentan gibt es 2 Anbieter (Nomad Reisen & Active Oman)von Geländewägen mit Dachzelten und Campingausrüstung, wobei wir gute Erfahrungen mit letzterem gemacht haben. Hier ist es möglich, sich ganze Packages inklusive Flughafenabholung, Hotelübernachtungen und individueller Autoübernahme schnüren zu lassen.