Rudi und seine Reisebegleiterin Gabi bereisten 2010 mit ihrem Toyota Land Cruiser HJ 60 in mehreren Etappen große Teile Afrikas. Während dieser Zeit schrieb Rudi regelmäßig Tagebuch. Seine wichtigsten und witzigsten Erlebnisse in der Zentralafrikanischen Republik hat er für uns zusammengestellt.

9. April 2011 – Tschad / Zentralafrikanische Republik

Schon um 5.30 Uhr fahren wir los. Schneller als erwartet sind wir in Maro, wo die Grenzabfertigung des Tschad ist. Der Polizist hat eine Alkoholfahne, der Polizeichef ohne Sehhilfe blind, findet seine Brille nicht, deshalb dauert alles sehr lange. Das Carnet am Zoll geht jedoch schnell. Am Grenzübergang sind drei Kontrollen. Die Gendarmerie fragt freundlich nach Geld, ich sag noch freundlicher „Nein“. Der Zoll ist nicht korrupt. Die Polizei lässt mich eine halbe Stunde in der Hitze braten. Gabi rückt an, haut auf den Tisch, nimmt unsere Pässe und geht. Genauso beeindruckt wie die Polizisten folge ich im Gänsemarsch. Die Schranke bleibt zu. Wieder tobt Gabi los. Die Schranke geht auf. Geht doch Jungs, oder!

Der Ärger ist verdaut, der Tschad bleibt in guter Erinnerung. Ein korrupter Grenzübergang macht kein böses Land. Die Zentralafrikanische Republik, mein Land Nummer 126, liegt vor uns. Der Bamingui-Nationalpark, die Hauptstadt Bangui, sowie das Volk der Pygmäen stehen auf dem Plan. Es folgt die Grenze, ein Fluss und gleich eine Schranke.

Gabi marschiert los und verschwindet in einer Hütte. Schon höre ich sie toben: „Der will fürs Passstempeln Geld!“ Hier ist unser bezahltes Visum und damit reisen wir ein. Ewige Diskussionen führen zum Chef der Gendarmerie und einen Schlagbaum weiter. Das gleiche Spiel: 30 Euro fürs Stempeln, sonst schickt er uns in den Tschad zurück. Gabi ist auf 180, hält ihm unser Visum hin. Auch die Gegenpartei hat keine Lust mehr auf Diskussionen, der Schlagbaum bleibt geschlossen. „Zahlt wenigstens die 30 Euro fürs Geleit durchs Rebellengebiet, dann könnt ihr fahren!“ Wir zahlen nichts. Schluss, aus.

Ein schwerbewaffneter Toyota mit einer Zwei-Zentimeter-Kanone auf der Ladefläche, schweres MG auf dem Dach und acht bewaffneten Soldaten, passiert die Schranke und verschwindet im Busch. Da fährt er, unser „Geleitschutz“. War das ein Fehler? Ein Soldat warnt: „Seit vernünftig, die Rebellen schießen auf alle unbewaffneten Fahrzeuge.“ Gabi hat die Nase voll, das muss ich regeln. Für 25 Euro springen zwei Soldaten aufs Dach und schreien: „Vollgas und haltet erst an, wenn wir es sagen!“  Ein mulmiges Gefühl macht sich breit. Unsere Augen fliegen, wie auf dem Tennisplatz, hin und her. Ein Pannen-Lkw, auch hier zwei Soldaten, 15 Kilometer weiter das gleiche Schauspiel. Das ist blutiger Ernst und wir sind mitten drin!

Toyota-Schützenpanzer_-Bewaffnete Eskorte durchs Rebellengebiet

Toyota-Schützenpanzer_-Bewaffnete Eskorte durchs Rebellengebiet

Welch eine Erleichterung, wir sind in Kabo. Unsere Beschützer verlassen uns, warnen vor vier korrupten Kontrollen bis Bangui. Hier gibt’s die Einreisestempel und wieder Geldforderungen. Gabi kocht, auch ich bin sauer. Zehn Minuten Gerede, dann geht’s ohne. „Auch die nächsten 100 Kilometer sind nicht sicher“, sagt der Polizeichef und zeigt die Einschusslöcher in seinem Büro. Mir schnürt es die Kehle zu, denn nun müssen wir allein fahren. Nach fünf Kilometern die erste Sperre. Zwei finstere, bewaffnete Gestalten starren uns mit durchdringendem Blick an! Bloß keinen Fehler machen! „Habt ihr eine Zigarette für uns?“ Lautes Ausatmen! 200 Meter weiter: Ein Typ rennt schreiend auf uns zu. Gabi verliert die Nerven und brüllt: „Gib Gas, weg hier, hast du nicht die vielen Gewehre gesehen?“ So nervös habe ich sie noch nie gesehen. Das Szenario wiederholt sich gut zehn Mal. Die Angst fährt mit!

Die Dämmerung bricht herein. Wo sollen wir schlafen? Der Toyota bahnt sich einen Weg durchs Unterholz. Wir müssen unsichtbar für unsere Gegner sein. Wem können wir überhaupt trauen? Abrupt stoppt der Wagen. Ein Baumstamm hat sich unter der Stoßstange verkeilt, der war im Dickicht nicht zu sehen. Irgendwie heble ich ihn weg. Wir hören Stimmen an der Straße. Haben sie uns gefunden? Unsere Nerven liegen blank. Doch wir bleiben unbehelligt in dieser Nacht.

10. April

Es dämmert noch und schon verlassen wir den Schlafplatz. Platzregen zieht auf, die Piste wird schmierig. Wir winken jedem, der uns begegnet, Aggressionen vorbeugen. Alle winken zurück, viele sagen „merci“. Nach 20 Kilometern die erste Kontrolle. Oundago heißt der Ort, das Visum wird nur für Geld gestempelt, also das gleiche Spiel wie gestern. Schon sind wir wieder genervt. Außer Brot finden wir nichts im Ort. Gestern war schon Nulldiät, heute wieder. Unsere Mägen sind geschrumpft. Vor dem Ort Kaga Bandoro erscheint die nächste Schranke. Es folgen 20 Minuten Palaver. Im Ort gibt es einige Läden. Wir kaufen warme Getränke. Nach der Stadt entdecken wir die Abfahrt zum Bamingui-Nationalpark. Doch den können wir knicken, es ist zeitlich nicht drin.

Die Kontrollen nehmen ab, der Druck auch. Nach 150 Pisten-Kilometern kommen wir in Sibut an und endlich ist Asphalt erreicht. Wir suchen nach einem Restaurant, bleiben jedoch erfolglos. Dann eben zum Abendessen bis nach Bangui. Die wenigen Schranken sind meist offen. In Damara gibt es eine Mautstation, daneben eine Kneipe. Männer winken uns zu. Jetzt ein Bierchen, und die Welt ist in Ordnung. Freundlich begrüßen sie uns und mit einem Mal kommt so etwas wie Geborgenheit auf. Es gibt akzeptablen kalten Gerstensaft. Schnell fliegt die Zeit dahin.

Bis in die Hauptstadt Bangui sind es noch 70 Kilometer. Dunkelheit bricht herein, was nichts Gutes verspricht, wird aber unser Beschützer. Nur eine Kontrolle macht Ärger, die anderen lassen uns passieren.

Bangui – eine finstere Millionenstadt empfängt uns. Wo was essen, wo schlafen? Hohe Mauern säumen die Straßenzüge, zu erkennen ist fast nichts. Da ist ein Restaurant, meint Gabi! Man winkt uns durchs Metalltor herein. Atlantis heißt der Luxusschuppen, hat Ambiente, Nobelgäste und Moskitos.

Boa-Braten mit Pommes

Würgeschlangenbraten mit Pommes

Der Laptop geht ans Netz, die exotische Speisekarte kommt. Antilope, Strauß, Waran, Krokodil, Spaghetti, Reis und Salat. Haben wir nicht, haben wir nicht, haben wir nicht, wie überall in Afrika. Kellner empfiehlt Boa-Braten. Also her damit. Gabi verdreht die Augen, bestellt Fleischspieß und Wasser. Das Personal gibt sein Bestes. Mein Bier kommt sofort. Das Essen eine halbe Stunde später. Gabis Wasser nach einer Stunde. Mit Heißhunger stürze ich mich auf die Schlange. Die Haut gleicht Leder, lässt sich kaum schneiden. Ich würge sie am Stück runter und spüle mit Bier nach. Daher der Name Würgeschlange, fantasiere ich so! Gabi tippt mit dem Zeigefinger an die Stirn und belehrt mich: „Die Haut isst man nicht mit!“ Ich glaube, sie hat recht.

Es ist 23 Uhr, der Laptop ist geladen, die Bilder überspielt, das Tagebuch nachgeschrieben. Wir sind die letzten Gäste. Ich will gleich hier schlafen, raus fahren auf keinen Fall mehr. Es gibt kleine, Brutkästen gleichende Zimmerchen (13 Euro), Dusche und WC auf dem Gang. Wir sind in Sicherheit, schwitzen uns aber kaputt.

11. April

Um neun Uhr stehen wir auf. Dusche und Klospülung erfolgen mit einem Eimer. Das Frühstück wird liebevoll serviert, der Toyota ist gewaschen. Ein Paradies nach all den Strapazen. Wir wollen zu den Pygmäen, die Abenteuerlust ist zurück. Froh gelaunt fahren wir auf die Straße. Nach 200 Metern Polizei. Pass, Visum, Fahrzeugschein, Carnet, Autoversicherung. Letztere besitzen wir nicht, haben wir ganz vergessen! Es folgen zehn Minuten Achselzucken, schließlich geht das Carnet als Versicherung durch, Glück gehabt! 500 Meter weiter wieder eine Polizeikontrolle, das gleiche Spiel, jedoch verschärfter. Wenige Minuten später geht eine Gebrauchsanleitung als Versicherung durch. Wir atmen ganz tief durch.

Polizeiposten am großen Kreisverkehr in Bangui

Polizeiposten am großen Kreisverkehr in Bangui

Nicht einmal einen Kilometer weiter die nächste Polizeikontrolle. Die lassen sich nicht ins Bockshorn jagen. Mitten auf dem Hauptkreisel der Stadt droht der Strafzettel. Was machen wir nur in diesem Land? Ein Lichtblick ist die in Englisch verfasste Gambia-Versicherung, die zwar nur bis Niger gültig ist, aber erst in drei Tagen ausläuft. Er bekommt nicht mit, dass diese Versicherung hier im Land nicht gilt und akzeptiert. Wir wenden ein drittes Mal die Strafe ab.

Die Erholung der Nacht ist dahin, wir sind wieder zwei Nervenbündel. Keinen Meter fahre ich mehr, parke direkt vor der Eco-Bank am Kreisel. Geldautomaten gibt es nicht. Gabi tauscht Euros, während ich eine Versicherung suche. Ein Reisebüro kennt das Büro der Allianz, das nicht weit von hier ist. Auch dort spricht man Englisch. Wir brauchen jetzt nur Geld und dann düsen wir schnellstmöglich raus aus der Stadt. Nach drei Stunden kommt Gabi in der Bank an die Reihe. Wir rennen zur Allianz und kleben die Vignette sofort ins Auto. Dann stöbern wir eine stinkende Markthalle durch, um Chiligewürz zu kaufen. Wir trinken noch eine Cola in einer klimatisierten Bar. Dann Abfahrt.

Ordnungsgemäß blinke ich aus dem Kreisverkehr, schon stoppt uns eine Polizistin. Siegesgewiss halten wir die Versicherung hin. Interessiert sie nicht. Strafe für falsches Blinken. Die ersten Mordgedanken kreisen in unseren Köpfen. Sogar einen Dolmetscher besorgt sie. Gabi kämpft, als gehe es ums nackte Überleben. Schließlich brauchen wir nichts zahlen! Ich will keine Pygmäen mehr sehen, nur noch raus aus diesem Land. Diesel kostet hier übrigens 1,25 Euro, fast deutsche Preise!

Wir beschließen, die südliche Piste über Mbaiki nach Kamerun zu nehmen, wo wir hoffen, dass es weniger Kontrollen gibt. Am südlichen Stadtrand plötzlich Großkontrollposten. Freundlich winkt man uns durch. Dann ein durchdringender Pfiff, ein Idi-Amin-Klon befiehlt uns, zu stoppen. Der ist noch fieser als das Original. Wir haben kein gültiges Autozollpapier (eigentlich wird das Carnet im Land nicht anerkannt, wurde aber abgestempelt). Deshalb 30.000 CFA Strafe. Eine Stunde dauert die Tortur. Mehrere Telefonate mit dem obersten Zollchef werden geführt. Wir schwitzen nicht nur vor Hitze. Das Wunder, wir können doch weiter, wäre da nicht noch die fette Matrone in Polizeiuniform. Wir haben kein Visum für die Bangui-Region und wieder 15 Minuten Palaver. „Dann zahl mir wenigstens einen Kaffee!“ Was ist das nur für ein Land?

Die Schranke geht auf, wie lange dauert die Freiheit? Smalltalk im Auto. Rudi: „Da war ein Pygmäe!“ Gabi: „Wo? Ich hab‘ keinen gesehen?“ Rudi: „Ja, so klein sind die!“ Wir schaffen nicht mal die 100 Kilometer bis Mbaiki, aber wir finden einen sicheren Schlafplatz in einer Bodengrube.

12. April

Die ruhige, kühle Nacht hat uns gestärkt. Die Pygmäen rufen! Wir fragen vor Mbaiki und nehmen die erste Piste nach Süden. Nach 20 Kilometer Schlamm stoppen wir für einen Anhalter. Es ist unser Glückstag, er ist der Doktor für die Pygmäen und ist auf dem Weg in seine Klinik. Bereitwillig bringt er uns zu einem Dorf mitten im Busch. Das hätten wir nie gefunden. Wir können alles anschauen, da ihn jeder kennt. Ein paar Zigaretten als Gastgeschenk und schöne Fotos entstehen. Zu guter Letzt bekommen wir noch eine Audienz beim Stammeshäuptling. Zufrieden fahren wir zurück nach Mbaiki und bringen den Arzt in sein Hospital. Hier möchte ich jedenfalls kein Patient sein. Ein paar schmutzige Objektträger, eine rostige Handkurbelzentrifuge und eine verstaubte Liege.

Pygmaeenstamm in der zentralafrikanischen Republik

Pygmäenstamm in der zentralafrikanischen Republik

In Mbaiki stoppen wir an einer Kaffeebude. Der Kaffee lässt lange auf sich warten und stellt sich als ein echter Rachenputzer dar. Die Jungs sind Klasse, sie zaubern auch ein Omelett und erklären uns die neue Piste nach Berberati, die auf unserer Karte noch nicht eingezeichnet ist. Unsere autointerne Stromversorgung ist zusammengebrochen. Gegenüber ist ein Akkuladeshop. Gegen 11 Uhr machen wir uns nach einem Platzregen auf den Weg und legen 150 Kilometer auf der feuchten Weichsandpiste zurück.

Drei nette Kontrollen bei Boda lassen unsere Laune weiter steigen. Die Leute bedanken sich auch hier für unsere Grüße. Gelegentlich wird es eng, wenn ein Sattelzug entgegenkommt. Teilweise müssen wir ins Unterholz ausweichen. Wo also schlafen, die kleinen ausgeschobenen Schneisen am Weg stehen alle voll Wasser. Direkt an der Piste schlafen ist lebensgefährlich. Immer wieder passieren Lkws. Endlich entdecken wir eine Abfahrt in einem Dörfchen. Wir stoppen nach zwei Kilometern an der Seitenstraße und haben auch hier eine angenehme Nacht.

13. April

Gut erholt geht’s zeitig weiter. Blumen, Würgefeigen und Pygmäen lassen uns gelegentlich stoppen. Dann rast ein „deutscher Postbote“ (Jacke der Deutschen Post AG) auf einem Moped vorbei. Was so alles an Sachen gespendet wird? Die Regenzeit beginnt. Deshalb müssen wir immer häufiger durch Schlammpassagen. In zwei Wochen möchte ich hier nicht mehr fahren. Es folgt eine große Pistenkreuzung. Die gute Laune ist dahin, denn drei korrupte Schweinebacken fordern 70 Euro pro Person für das Visum. Gabi ist fertig und ich am Rande des Wahnsinns. Eine halbe Stunde Diskussion in der Mittagshitze. Es ist einfach nicht mehr schön. Wie lange dauert diese seelische Folter?

Um 15 Uhr erreichen wir Berberati, noch 90 Kilometer bis zur Grenze nach Kamerun. Erleichterung! Denkste, wieder eine Kontrolle, noch so ein korrupter Typ! Wir müssen zum Polizeichef. Schon hockt der Typ im Auto und bringt uns zum Büro. Endlich mal einer, der gleich akzeptiert, dass wir unser Visum bezahlt haben. Seine Angestellte registriert gerade unsere Daten, stempelt den Pass und schon geht Gabi in die Luft. Jeder will für jeden Handgriff Kohle! Dieser Stempel gilt für die Ausreise, also alles klar. Der Chef klärt und gibt seinem Polizisten die Anweisung uns zum Zoll zu geleiten. Das passt diesem gar nicht. Wir genießen die Situation, das Blatt hat sich gewendet, jetzt bestimmen wir. Der Zollchef lässt verlauten, dass erst in Gamboula ausgestempelt wird. Wir bringen unseren „Jammerlappen“ zum Dienst zurück, kaufen Brot, Avocados und Eier und machen uns auf die letzte Etappe in Zentralafrika.

Brotverkaeufer in Berberati

Brotverkaeufer in Berberati

Hoffnung keimt auf. Schaffen wir heute noch Kamerun? Kaum sind wir aus der Stadt heraus, erscheinen schon die nächsten Banditen. Der Stempel des Polizeichefs klärt die Situation. Um 17 Uhr sind wir am Ortsrand von Gamboula, die Freiheit zum Greifen nah. Wir fragen uns zur Grenze durch. Der Zoll stempelt das Carnet, damit ist die erste Hürde gemeistert. Der Pass ist gestempelt, also auf zum letzten Schlagbaum. Gabi hat neue Kräfte, marschiert mit den Pässen los. Keine Minute, schon tobt sie vor der Bude rum. Völlig entnervt kommt sie zurück. Der Typ akzeptiert den Ausreisestempel nicht, wir müssen zum Polizeichef in Gamboula zurück.

So kurz vor dem Ziel wieder gestoppt. Liegt auf uns ein Fluch? Eine andere Erklärung finde ich nicht mehr. Es sind nur drei Kilometer, aber die ärgerlichsten im ganzen Land. Gabi bricht psychisch zusammen. Ich betrete mit gemischten Gefühlen das x-te Polizeibüro. „Der Ausreisestempel kostet …“ Ich lasse ihn erst gar nicht ausreden, schreie in der Bude rum. So ausgerastet bin ich in meinem ganzes Leben noch nicht. Der Chef ist scheinbar beeindruckt. Nun meint er: „Warum wollt ihr schon ausreisen, euer Visum gilt doch noch sechs Tage.“ „Ich reise aus, wann ich will, und zwar so schnell wie möglich. Stempel den Pass ab, damit wir fahren können, und frag ja nicht nach Geld!“ Er ist eingeschüchtert, stempelt den Pass, geleitet mich nach draußen und wünscht eine gute Weiterreise.

Sind das endlich die letzten drei Kilometer in diesem Horrorland? Nun laufe ich zum Polizeiposten. Er trägt die Passdaten in sein Buch ein und sagt: „So, nun bekomme ich drei Euro pro Person.« Ich verliere ein zweites Mal die Kontrolle: „Du bekommst gar nichts und machst jetzt diesen verdammten Schlagbaum auf, sonst fahre ich durch!“ Rammschutz am Toyota muss auch seine Berechtigung haben. Jeder Einzelne dreht sich in meine Richtung, denn ich habe den ganzen Platz zusammen geschrien. Der Polizist kleinlaut: „Du musst noch zur Gendarmerie auf der anderen Straßenseite.“ Mit hochrotem Kopf mach ich mich zur nächsten Registrierung. Der schaut kurz in den Pass und sagt o.k. Geht doch, oder. Da ruft noch ein Doktor aus einer Hütte und fordert zur Impfpasskontrolle auf. „Wieso haben sie keine Meningokokken-Impfung?“ Ich versteh die Welt nicht mehr, lass den Typen einfach stehen und steige in den Toyota. Drohend fahre ich an den Schlagbaum und hupe. Freiheit, du hast uns wieder. Der Albtraum, der da heißt Zentralafrikanische Republik, ist zu Ende.

Das Land hat zwei Gesichter. Die beinahe durchweg korrupten Beamten und die Rebellen auf der einen Seite und die überfreundliche Bevölkerung. Also ein Land der Gegensätze. Mit dem eigenen Fahrzeug werde ich nach diesen Erfahrungen nicht mehr einreisen. Zudem sind die Straßen überwiegend unbefestigt und in der Regenzeit kaum passierbar. Pkw-Verkehr außerhalb der Hauptstadt ist kaum vorhanden.

Autorenbild Rudi Kleinhenz

Autorenbild Rudi Kleinhenz

Über den Autor Rudi Kleinhenz: Schon im Vorschulalter träumte Rudi von der großen weiten Welt. Trotzdem dauerte es Jahre bis zur ersten Auslandsreise im Alter von 22 nach Südfrankreich. Danach war er mit dem Reisevirus infiziert. Es folgten Reisen mit dem eigenen Ford Granada Combi durch ganz Europa und Nordafrika sowie eine Radtour durch Island. Seit Anfang er 1990er Jahre reiste er gemeinsam mit seiner Lebens- und Reisepartnerin Gabi Goll rund um den Globus. Es ging mit ihr per Flugzeug, Auto (Mietwagen oder eigener Toyota Landcruiser), Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln vier Mal nach Nordamerika, drei Mal nach Südamerika, 11 Mal nach Afrika und 14 Mal nach Asien und sowie nach Neuseeland.

Rudi hat mittlerweile 127 Länder auf eigene Faust bereist. Er ist seit 1998 dzg-Mitglied. Einen Teil von Rudis Reiseaufzeichnungen kann unter www.forscherswelt.de nachgelesen werden.

Fotos:© Rudi Kleinhenz

dzg_logoDieser Bericht ist zum ersten Mal im Trotter, der Mitgliedszeitschrift der Deutschen Zentrale für Globetrotter (dzg) im Oktober 2011 erschienen.