Wer ernsthaft offroad mit Tablets navigieren möchte, sollte sich gleich für eines mit 10″ Display und in robuster Ausführung entscheiden. Aber auch Smartphones können verwendet werden. Um die Geräte gegen die äusseren Einflüsse und widrige Bedingungen zu schützen, sollte zumindest eine schützenden Hülle angeschafft werden. Viele Hersteller bieten auch robuste Geräte, sogenannte „rugged“-Modelle an. Einige haben sich auch auf extreme Einsatzbereiche spezialisiert und bieten Geräte an, die militärischen Spezifikationen, wie beispielsweise der MIL-STD-810 des U.S. Militärs, entsprechen. Solchen Geräten machen Hitze, Staub, Schläge und Wasser nichts aus. Allerdings haben sie auch ihren Preis.

Ist ein Gerät beschafft oder bereits vorhanden, geht es um die App, mit der navigiert werden soll. Wir beschreiben, worauf es bei der App ankommt.

An diese Stelle sei der Hinweis gegeben, dass GNSS-Navigation (Global Navigation Satellite System, umgangssprachlich auch GPS genannt) Abhängig von der Funktion der eigenen Geräte und der globalen GNS-Systeme ist. Wer in wirklich entlegenen Regionen unterwegs, ist der sollte auf keinen Fall auf klassische Papierkarten verzichten und den Umgang mit Karte und Kompass sicher beherrschen. Eine Papierkarte bietet immer noch den besten Überblick. Gerade auch, wenn Einheimische zu Rate gezogen werden, lässt es sich viel besser mit Papierkarten hantieren.

Unterschied zwischen Onroad- und Offroad-Navigation

Meistens wird unter Navigation die Straßennavigation verstanden. Solche Geräte finden sich fest eingebaut in vielen Fahrzeugen. Das Ziel wird eingegeben und das Gerät führt eine automatische Berechnung der besten Strecke durch. Das macht die sogenannte „Routing Engine“. Ist die Strecke ermittelt, führt das Gerät den Fahrer per Sprache und Anzeige zu seinem Ziel.

Das Ziel muss allerdings auf einer dem Gerät bekannten Straße liegen. Genauer gesagt, die Wege müssen im Kartenmaterial als „routingfähig“ hinterlegt sein. Liegt das Ziel abseits des bekannten Straßennetzes, hört dort die Straßennavigation auf. Es kann keine Route berechnet werden. In Einzelfällen zeigt noch ein Pfeil den direkten Weg zum Ziel.

Bei der Offroad-Navigation wird noch selbst navigiert

Beim Offroad-Navigieren liegt das Ziel oft irgendwo im Nirgendwo oder es sind nicht alle Wege dorthin bekannt. Ziel ist es, auf einer Karte den besten Weg zum nächsten Wegpunkt zu finden oder einer vormals gespeicherten Route (Track) zu folgen. Der Navigator ist selbst für die Wahl der Wege durch das Gelände verantwortlich. Das Gerät hilft ihm im Wesentlichen nur bei der Ortsbestimmung, der Richtungsanzeige und mit dem Kartenmaterial.

Die Apps bieten natürlich weitere unterstützende Funktionen. Kompassanzeigen, GNSS-Koordinaten, Markierung von Wegpunkten, Importieren von Tracks oder Speichern von Tracks für die spätere Nutzung oder zum Austausch. Wenn möglich sollte auch ein Routeneditor dabei sein.

Im Internet können zusätzlich POI heruntergeladen werden, die von den Navigationsgeräten verarbeitet werden können. Auch bereits fertige Routen, z.B. im weit verbreiteten Austauschformat GPX, für das entsprechende Reiseland sind dort zu finden. Eine gute Quelle für Outdoor- und 4×4-Freunde ist Wikiloc.

Auch bei der Wahl der Karten unterscheidet sich die geführte Straßennavigation von der im Gelände. Die Straßennavigation benutzt vornehmlich vektorbasierte Straßenkarten des Geräteherstellers. Oder sie benötigt eine Internet-Verbindung für die Karte und die berechnung der Route.

Für die Offroad-Navigation sind eher topografische Karten mit Geländemerkmalen wie z.B. Höhenlinien von Interesse. Der brauchbare Kartenmaßstab liegt im Bereich der Wanderkarten, also zwischen 1:50.000 und 1:25.000. Hier stehen Rasterkarten und Vektorkarten zur Verfügung. Wer die Wahl hat, sollte auf Vektorkarten zurückgreifen. Je nach Anbieter enthalten diese sogar die komplette Adressdaten eines Landes. Sehr nützlich sind auch Satelittenkarten. Gerade bei der Navigation in Wüsten und dünn besiedelten Gebieten.

Ein paar Dinge aufgeklärt.

Leider hören wir immer wieder Aussagen über Navigation mit Tablets und Smartphones, die nicht stimmen. Sogar in Workshops werden diese teilweise falsch erklärt. Daher möchten wir das an dieser Stelle einmal „gerade rücken“:

  • „Für die Karten wird immer eine Online-Verbindung benötigt.“ – Nein, das ist schon lange nicht mehr der Fall. Nur für den Kartendownload aus dem Internet sollte eine WLAN-Verbindung bestehen. Je nach Kartentyp dauert der Download nur wenige Minuten. Zur Verfügung stehen sehr gute topografische Karten, Straßenkarten und auch Satellitenbilder-Karten.
  • „Für die Navigation wird eine Online-Verbindung benötigt.“ – Nein, das war auch noch nie der Fall. Die Verarbeitung des Positionssignals benötigt kein Internet. Eine geführte Straßennavigation ist problemlos offline möglich. Richtig ist, dass viele Offroad-Navigations-Apps ohne Internetverbindung keine geführte Straßennavigation ermöglichen.
  • „Tablets/Smartphones sind keine Outdoor-Geräte.“ – Nein, der Trend das Gerät als Multifunktionsgerät zu nutzen ist schon lange bei den Herstellern angekommen. Sie bieten eigene geschützte und sogar gehärtete Geräte an, die teilweise militärische Spezifikationen erfüllen. Auch die Zubehörindustrie hat ein großes Angebot an Schutzhüllen, die die Geräte mehr als ausreichend schützen. Aber, die Mikro-USB-Verbindung ist nach wie vor ein Schwachpunkt. Für die Navigation wird sie jedoch nur zum Lades des Gerätes benötigt. Auch für dieses Problem gibt es Tricks und kleine Abhilfen.
  • „Die Karten taugen nur etwas in der westlichen Welt.“ – Nein, aus eigener Erfahrung und von Weltreisenden wissen wir, dass herrvorragende digitale Karten, kostenlose und kostenpflichtige, zur Verfügung stehen. Dazu muss man auch nicht in den betreffenden Land sein, sondern davon kann man sich bereits Zuhause überzeugen und die richtigen Karten für die Reise wählen. Aber, vereinzelt fehlen digitalen Karten noch Details.
  • „Was nichts kostet, taugt auch nichts.“ – Nein, denn vor nicht gar zu langer Zeit waren die heute günstigen Geräte selbst einmal sehr teuer. Der Preis von Technologie verfällt nun einmal. Daher kann man heute auch günstige Geräte sehr gut nutzen. Und wer es teurer mag, wird ebenfalls sein Gerät finden können.

Zubehör und Kosten

Navigations-App

Die Apps für Android, iOS und Windows kosten zwischen 0 und 30 Euro. Dazu kommen noch die Kosten für ein Gerät. Das kann neben der Navigation auch zu anderen Zwecken eingesetzt werden kann. Das muss beim Preis-Leitungsverhältnis beachtet werden. Android-Geräte gibt es häufig im Angebot oder können günstig gebraucht gekauft werden. So können die Kosten im Rahmen gehalten werden.

Geräte

Das Gerät wird am besten im Fahrzeug montiert. Dazu braucht ihr einen vernünftigen Scheibenhalter oder ein Stativ. Stative sind nicht billig. Bei größeren Geräten ist die Anschaffung allerdings ratsam.

Die Hersteller dieser Stative, z.B. RAM Mount, bieten für die einzelnen Fahrzeugtypen Systeme an, die vom Smartphone bis zum ausgewachsenen Outdoor-Laptop alles sicher halten können. RAM Mount Halter und Stative können bei Amazon bezgen werden.

Bei GNSS-Empfangsproblemen im Auto oder einem schlechten Empfängerchipsatz im Gerät, ist eine GNSS-Maus empfehlenswert. Diese gibt es schon für unter 50 Euro. Diese Geräte sollten einen guten Chipsatz mit vielen Kanälen haben. Wer außer GPS-Satelliten auch andere Systeme wie GLONASS oder Galileo empfangen möchte, muss schon knapp unter 100 Euro für ein Gerät mit MT3333 Chipsatz oder SiRFstar 5 oder ähnlichem anlegen. In jedem Fall empfiehle ich eine Bluetooth-Verbindung. Kabelverbindungen sind teilweise gar nicht möglich oder mit technischen Problemen behaftet. Bei einem PC als Navigationsgerät könnt ihr ohne Probleme eine Kabel-GNSS-Maus verwenden.

Bei den verwendeten Geräten sollte auf einige Punkte geachtet werden:

  • Gutes, kontrastreiches und großes Display, mind. 7″, besser 10″: Gerade bei der Nutzung im Fahrzeug stören die Sonnenstrahlen erheblich.
  • Lange Akkulaufzeit
  • WLAN für den Software- und Kartendownload
  • Bluetooth für die Verbindung mit einem externen GNSS-Empfänger
  • Schutzhülle (stoßfest, mind. Spritzwasserschutz, staubdicht) oder herstellereigener Schutz für den härteren Einsatz

GNSS-Gerät

Nahezu jedes Tablet und Smartphone besitzt zwar einen eigen GNSS-Empfänger, aber dessen Nutzung ist mit Nachteilen verbunden. Ich empfehle auf Reisen einen externen Empfänger dabei zu haben. Eine problemlose Anbindung ist nur über Bluetooth möglich. Ein kabelgebundener Empfänger kann in einigen Fällen auch angeschlossen werden, dazu muss das Tablet bzw. Smartphone aber über bestimmte Fähigkeiten verfügen und es ist ein tiefer Systemeingriff notwendig. Zudem wäre der einzige Anschluss zum Laden des Gerätes blockiert.

In unseren Webinaren erkläre ich Euch, wo die Vorteile des externen GNSS-Empfängers liegen, wie die Geräte mit einander verbunden werden und wie ihr im Notfall Geräte kombinieren könnt.

Karten

Das Kartenmaterial für die Offroad-Navigation ist meistens kostenlos im Internet verfügbar. Es kann, abhängig von der Lizenz des Kartenanbieters, für den späteren Gebrauch ohne Internetverbindung (Offline, Cache) heruntergeladen werden. Erlaubt die Lizenz die Offline-Nutzung, bleibt die Karte dauerhaft auf dem Gerät gespeichert. Sieht der Kartenanbieter nur das Caching vor, bestimmt er die Dauer der Offline-Nutzung.

Neben den digitalen Karten sind klassische Papierkarten manchmal unverzichtbar. Sie haben verschiedene Vorteile:

  • Sie bieten einen guten Gesamtüberblick, den auch ein 10 Zoll Display nicht hat.
  • Sie haben manchmal Informationen oder Details, die noch nicht in digitalen Karten erfasst wurden.
  • Sie ermöglichen weiteres navigieren, wenn die digitale Navigation nicht (mehr) zur Verfügung steht.

Welche Funktionen sind wichtig?

Für die Offroad-Navigation sollte die verwendete App zumindest einige wichtige Funktionen anbieten:

  • Offline-Kartenmaterial: Steht während der Navigation keine Internetverbindung zur Verfügung steht, muss das Kartenmaterial bereits vorhanden sein. Werden eingescannte Papierkarten benutzt, sollte zudem das geodätische Datum einzustellen sein.
  • Unterstützung der gängisten Koordinatenformate: (Grad Minute Sekunde / Grad Dezimalminute / Dezimalgrad / Vorzeichen / UTM / UTMREF / MGRS)
  • Ziellinine: Eine direkte Linie von der eigenen Position zum nächsten Ziel.
  • Wegpunktnavigation: Zielführung von Wegpunkt zu Wegpunkt.
  • Routeneditor: Ein Plaungswerkzeug um die Route vorab festzulegen. Gerade für Einzelfahrer wichtitg.
  • GPX-Import/Export: Ermöglicht einen unkomplizierten Datenaustausch. Das GPX-Format ist ein Muss.
  • Trackaufzeichnung und Wegpunkte setzen: Für den Datenaustausch, für die spätere Nutzung oder um den Rückweg und wichtige Punkte (wieder-)zu finden.
  • GPS-Statusanzeige: Um zu prüfen, ob es Empfangsprobleme gibt.
  • Zielauswahl über Karte oder Koordinaten.

Neben den o.a. Funktionen sollte die Navigations-App auch eine vernünftige Organisation der Daten ermöglichen. Schon ab 20 Wegpunkten und Tracks, kann es ohne Ordnungmöglichkeit unübersichtlich werden. Gespeicherte Tracks und Punkte sortieren und thematisch ablegen zu können, ist ehr hilfreich. Eine gute Kartenverwaltung ist genauso wichtig. Dazu gehört auch die Möglichkeit Karten zu löschen. Das Kartenmanagement sollte den Download einfach halten, beispielsweise durch Auswahl eines ganzen Landes über den Namen.

Mit diesem Funktionsumfang kann bereits eine solide Offroad-Navigation durchgeführt werden. Die meisten Apps bieten aber wesentlich mehr Funktionen.

Weiter geht es mit:

Unsere Navigations-Workshops

Wer genau wissen möchte wie Offroad-Navigation geht, um für Reise und Offroad-Aktivtäten fit zu sein, kann sich zu einem unserer verschiedenen Workshops zu dem Thema anmelden. Informationen darüber findet ihr hier: Navigations-Workshops.