Willkommen am Polarkreis. Eine Landschaft, die dich mit Frost empfängt, anstatt mit wärmenden Sonnenstrahlen. Wo der Tag nur wenige Stunden dauert und die Nacht Monate. Jürgen W. Schmidt hatte ein Ziel: An Silvester die Polarlichter am Nordkap zu erleben. Allein.

Vielleicht muss man schon ein kleines bisschen irre sein. Im Winter, in dem man in Lapplands Norden schon mal mit -45 Grad, meterhohen Schneeverwehungen und tagelang gesperrten Straßen rechnen muss. Die Wetterlagen wechseln in der Nähe des Polarmeeres so schnell, dass jede Wettervorhersage Makulatur ist. Wer dort im Winter reist, muss jederzeit mit allem rechnen und auf alles vorbereitet sein.

Es gibt viele Gründe so eine Expedition im Winter zu starten. Einer meiner Motivatoren war die Nordkap Tour von Volker Lapp, mit einem Fiat Panda im Jahre 2013. Das war für mich so faszinierend, alleine in dieser Kälte, dass bereits beim Lesen der ersten Zeilen seines Erfahrungsberichtes für mich klar war, da muss ich hin.

Es wird kalt, still, dunkel, glatt und vor allem einsam sein. Diese totale Stille in den tief verschneiten Wäldern Lapplands und der Einsamkeit und Abgeschiedenheit in der Polarnacht kann heilsam sein, kann aber auch Gefahren in sich bergen. Die brutale Kälte, die einem dann aber doch gar nicht so schlimm vorkommt, wenn man sich erst einmal daran gewöhnt und die erste Nacht draußen übernachtet hat.

70 Zentimeter Neuschnee in einer Nacht und nicht alle Wege sind geräumt

70 Zentimeter Neuschnee in einer Nacht und nicht alle Wege sind geräumt

Es ist eine Herausforderung das Nordkap bei, für unsere Breiten unvorstellbaren Straßenverhältnissen, pünktlich zum Silvesterabend zu erreichen. Getrieben, von der unbändigen Sehnsucht eine Aurora Borealis auch Polarlicht genannt, live zu erleben. Abgesehen von den surrealen Farben, die sich in der langen Dämmerung der Polarnacht entwickeln. Aurora Borealis, Silvester und Nordkap: wie oft bekommt man das in dieser Kombination an einem Tag?

Im ursprünglichen Plan war das Nordkap für mich nur eine von mehreren Optionen. Die Region Inari in Nordlappland, eine der kältesten Ecken in Skandinavien und Winterheimat der Autotester, war ursprünglich meine Zielregion. Es war klar, ich musste mindestens einige hundert Kilometer über den Polarkreis hinaus, um meine Chance auf Polarlichter zu erhöhen.

Was muss alles zusammen kommen, um eine Aurora Borealis zu erleben? Ein starker Sonnensturm, der zur Erde gerichtet ist. Der dann nach 48-72 Stunden einen geomagnetischen Sturm mit mindestens KP4 im Magnetfeld der Erde auslöst. Eine möglichst lange Phase der Dunkelheit mit sternenklarem Himmel, um die Polarlichter auch sehen zu können.

Außerdem muss man sich möglichst nahe an den Polen, in dem Fall dem Nordpol, aufhalten. Auf der Südhalbkugel nennt man das Phänomen dann übrigens Aurora Australis und es ist nicht weniger spektakulär.

Sonnenuntergang hinter dem Polarkreis

Sonnenuntergang hinter dem Polarkreis

Der unumstößliche Plan, nun doch trotz übler Witterungsbedingungen bis zum Nordkap zu fahren, ergab sich erst in der Nacht vom 29. zum 30.12.2016 am Polarkreis bei Jokkmokk, der heimlichen Hauptstadt der Sámi. Die Sámi, früher Lappen genannt, sind übrigens ein indigenes Volk im Norden Fennoskandinaviens.

Als das Space Weather Prediction Center in Boulder, Colorado  für den 30.12. und 31.12.2016 eine Sonnensturmwarnung mit KP-Werten von über 5 herausgegeben hatte und die Prognose auf Polarlichter für die Region nördlich des Polarkreises auf über 50% anstieg, war für mich klar: Nordkap, Silvester, Polarlichter. Das ist das zu erreichende Ziel.

800 km Eis und Schnee, 2 volle Tage und Polarnächte hatte ich noch vor mir, um pünktlich zu Silvester am Nordkap zu sein. 800 Kilometer in zwei Tagen sind auf deutschen Autobahnen keine Herausforderung, im nord-skandinavischen Winter jedoch ein Abenteuer mit vielen Unbekannten. Rund um den Gefrierpunkt schneit es aus allen Himmelsporen dicke aber trockene Schneeflocken.

Die Straßenmeisterei von Jokkmokk baggert mit riesigen Frontladern die Kreuzungen und Parkplätze frei, und die Sámi knöpfen sich gerade einmal den obersten Hemdknopf zu. Also, ab in den Laden, Lebensmittel einkaufen, volltanken, Scheibenreiniger bis -60 Grad nachfüllen und die vier Kilometer zurück zum Polarkreis um in der Stille eine Mütze voll Schlaf zu nehmen.

Vor „Sonnenaufgang“ will ich in Richtung Nordkap aufbrechen, um möglichst viel „Tageslicht“ für mein Vorhaben zu nutzen. Nördlich des Polarkreises werden leider die Tage mit jedem Kilometer in Richtung Norden immer kürzer und die Dunkelphasen immer länger. Bereits in Jokkmokk wird es auch am Mittag nicht mehr richtig hell.

Ob ich es schaffen würde, pünktlich an Silvester das Nordkap zu erreichen, war theoretisch möglich, aber in der Praxis unklar. Denn ich musste über die Hochebene zwischen Kautokeino und Alta und die hat es im Winter in sich. Wenn es dort schneit und stürmt, kommen auch die großen Schneepflüge in Norwegen nicht mehr mit dem Räumen nach und die Schranken auf der Rv93 (Riksvägen 93) werden geschlossen. Es gibt ab diesem Zeitpunkt nur noch Kolonnekjøring, fahren in der Kolonne, begleitet von 2 Schneepflügen über das Fjell. Und es kann auch schon mal Tage dauern, bis sich die Schranken über ein Fjell wieder öffnen.

Aber wie war ich bis nach Jokkmokk gekommen, die Stadt, die von meinem Startpunkt bereits 2.700 km entfernt ist?

Von Bayern aus fahre ich die ganze Nach durch und strande kurz nach 5 Uhr morgens auf der Insel Fehmarn in strömendem Regen und Sturm. Nach 5 Stunden Schlaf direkt am Strand, völlig ungestört, geht es zur 2. Etappe. 10:40 Uhr, Einchecken auf die Fähre von Puttgarden nach Rödby, Dänemark. Die Sonne scheint wieder und der Wind bläst steif aus Richtung des Polarkreises.

Einer der zahllosen Bahnübergänge

Einer der zahllosen Bahnübergänge

In 40 Minuten bin ich in Skandinavien, sofern man Dänemark dazu zählen mag. Und einige Stunden später in Schweden, hege ich die Hoffnung auf Frost und Schnee. Ich will eben meine eigens für die Tour beschafften finnischen Winterreifen und meine Blidimax-Thermomatten testen.

Bisher war es ja fast schon etwas langweilig, aber was hatte ich erwartet auf Autobahnen in Deutschland und Dänemark? Als einziges Abenteuer fahre ich in der Nacht auf dem Autobahnparkplatz Harburger Berge über eine zersplitterte Glasflasche und teste die mit Aramid verstärkten Reifen auf Stabilität. Passt.

Die Nokian Hakkapeliitta R2 SUV, in Finnland vermarktet als modernste spikelose Winterreifentechnologie haben es ausgehalten. Mal sehen wie sie die Schnee- und Eispisten in Lappland meistern. Ziel für meine nächste Etappe ist Nornäs, um dort die deutschen Auswanderer aus Mühlheim bei weiterweg.de in ihrem Camp zu besuchen.

Das Sturmtief „Barbara“ beschert mir nach Weihnachten von Fehmarn bis Nornäs Orkanböen mit Windstärke 12 und viel Regen. Meine Hoffnung auf schneebedeckte, weiße Straßen schwindet bis fast zum Nullpunkt. Bei Lövnäs in Mittelschweden erreiche ich endlich echte winterliche Straßenverhältnisse. Es ist zwar kein Schnee, dafür aber pures Eis durch den gefrorenen Regen und somit eine echte Herausforderung auf den nächsten 200 Kilometern. An einem See lege ich mich beim Aussteigen für ein Foto erst einmal unfreiwillig auf die Nase. Das Profil meiner Reifen scheint also besser zu sein, als das meiner Stiefel. Willkommen im Skandinavien, dem Land von Eis und Schnee.

Die ersten zwei Etappen sind also schon mal geschafft. Die 0 Grad Grenze ist geknackt und eine geschlossene Schneedecke auf der Straße ist erreicht. Den exzellenten Reindeer-Burger in Nornäs von Katrina spüle ich am Abend mit 3 schwedischen Bieren von Martin herunter. Eine Blockhütte mit offenem Kamin und die letzte Dusche für die kommenden 10 Reisetage sind der Luxus, den ich mir gönne. Ich habe mir vorgenommen, bis Jokkmokk zum Polarkreis nur noch Nebenstrecken zu nutzen. Derzeit sind aber fast alle Nebenstraßen mit purem Eis bedeckt oder nicht geräumt.

Frühstück im Wald irgendwo bei Inari

Frühstück im Wald irgendwo bei Inari

Da mein Kilometerzähler die Strecke in Richtung Norden nur sehr langsam abspult, weiche ich doch wieder auf die E45 aus, um schneller voran zu kommen. Der Orkan, der in den letzten 24 Stunden über Skandinavien hinweg gefegt war, hat alle Wolken weggeblasen und so habe ich wieder strahlenden Sonnenschein und einen sternenklaren Nachthimmel mit dem ersten strammen Frost.

Je mehr ich mich dem Polarkreis nähere, desto höher steigt die Schneehöhe und sinkt die Temperatur. Es hat jetzt den Anschein, dass pro 100 Kilometer, die ich mich nach Norden bewege, die Temperatur jeweils um 1 Grad sinkt. Aber egal wie schnell die Temperatur jetzt sinken mag, es ist für die Jahreszeit viel zu warm. -20 wären noch vor dem Polarkreis normal. Der Wetterbericht sagt jedoch für das Nordkap +2 Grad und Regen voraus. Ernüchternd, will ich doch meinen Schlafsack bei -30 Grad testen.

Die Stunden mit Tageslicht nehmen jetzt rapide ab und langsam verliere ich auch den Überblick über die Tageszeit. Meine Uhr zeigt 22:00 Uhr, als ich bei der Kommune Dorotea endlich die Grenze zu Lappland überfahre. Es wird Zeit, einen ruhigen Schlafplatz zu finden. Aber hier sind alle Seitenstraßen tief zugeschneit, vom Schneepflug zugeschoben oder einfach in der Dunkelheit nicht zu finden.

Leuchtende Wolken in Nordschweden am Nachmittag

Leuchtende Wolken in Nordschweden am Nachmittag

Also schiebe ich irgendwann meinen Discovery mit etwas Schwung über den Unterfahrschutz auf den Tiefschnee eines Seitenweges und schlafe bei völliger Stille ein. Leise hoffe ich, morgen ohne Seilwinde wieder heraus zu kommen, denn grundsätzlich bin ich ja faul. Zu faul, um mir in der Kälte noch einen stabilen Baum suchen zu müssen, um mich zu befreien. Fremde Hilfe wird in den Wäldern auf Nebenstraßen sehr rar.

Es schneit jetzt leicht, der Schnee knistert leise auf der Frontscheibe und dennoch sind die Sterne klar zu sehen. Eine surreale Landschaft in völliger Stille mitten in einem tief verschneiten Märchenwald.

8:30 Uhr: Ich weiß nicht, wodurch ich so früh wach geworden bin und wieso ich in der Dunkelheit überhaupt aus dem Fenster sehe. Aber es trottet leise, watschelig und völlig unbeeindruckt von meiner Anwesenheit ein Wesen nahe an meinem Auto vorbei. Rentier, Wolf, Vielfraß oder Hyäne? Letzteres war es wohl kaum, auch wenn der Schatten in der Dauerdämmerung so aussah. Ich tippe auf ein Rentier.

Warum beobachten mich die Rentiere?

Warum beobachten mich die Rentiere?

Es ist jetzt im Gegensatz zu den Nächten zuvor, kalt geworden in der Polarnacht, -7 bis -10 Grad. Ab Sonntag soll es knackig kalt werden, -12 und ab Mittwoch -20 und dann bis zu -26 Grad. Ich fahre erstmal weiter Richtung Nordkap, an den nördlichsten Punkt des europäischen Festlandes, denn da ist es laut Wetterbericht am Nordpolarmeer angeblich +2 Grad.

Schade, dass ich keine Badehose dabei habe. Der Wetterbericht ist, wie bereits erwähnt, hier oben so eine Sache. Man muss immer damit rechnen, dass das Wetter innerhalb von wenigen Minuten völlig umschlägt.

Nicht alleine die Temperatur, sondern die Kombination mit dem schneidenden Polarwind, machen die Angelegenheit durch den Windchillfaktor, die gefühlte Temperaturdifferenz zwischen tatsächlicher und gefühlter Temperatur, so unbe-rechenbar und auch gefährlich. Wenn der Wind stramm aus Richtung des Nordpols bläst, können aus -20 schnell mal gefühlte -30 werden und das quittieren die Finger das auch schon mal mit „Gefrierbrand“. Es wird auch abgeraten, bei diesen Temperaturen mit der Zunge am Dachträger die Kälte zu testen.

Suedliches Lappland kurz nach 14 Uhr

Südliches Lappland kurz nach 14 Uhr

High Noon; 12:00 Uhr in Galliväre, Schweden 150 km hinter dem Polarkreis. Plus 5 Grad, trotzdem taut es nicht und der Ort versinkt in der Halbdämmerung der tiefhängenden Wolken. In Kürze ist schon wieder Sonnenuntergang. Und auch daran muss ich mich erst einmal gewöhnen. Ein Café hat offen und ist proppenvoll. Da frühstücke ich erst einmal, während die Lappen ihr Mittagessen schlemmen.

Ich habe mittlerweile mein Zeitgefühl im Halbdunkel völlig verloren. Der Rest des Tages besteht nur noch aus Kilometerfressen auf der Eispiste quer durch Lappland. Wenn die Strecke frei und gerade ist, geht es auf dem aufgerauten Eis der E45 mit 90-110km/h daher. Wer langsamer fährt, wird automatisch zum Verkehrshindernis für die Holztransporte, die mit geringer Chance auf eine erfolgreiche Bremsung über die leeren Straßen donnern.

Die dichte Schneefahne des aufgewirbelten Pulverschnees zieht hinterher und verschleiert erst einmal für mehrere hundert Meter die Sicht. Blindflug bin ich mittlerweile gewöhnt und, wenn keine Kurve und kein Elch kommt, ist das auch unproblematisch.

Smørfjord am Nordkap

Smørfjord am Nordkap

Gebremst wird bei mir für Rentiere, Elche, Füchse, Marder und alle 4-5 Stunden für einen Kaffee vom Gaskocher oder dem Hobo-Ofen. Ob die Holztransporter, die fast alle mit Rammschutz ausgerüstet sind, auch für die gleichen Lebewesen bremsen, entgeht mir. Gelegentlich liegt ein Rentier mit den Hufen nach oben im tiefen Schnee im Straßengraben. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Rentiere in dieser Stellung schlafen, aber ich glaube nicht.

Viel eher sind sie bedauernswerte Opfer eines VOLVO oder SCANIA Trucks geworden. 40 Tonnen mit Anhänger auf eisglatter Fahrbahn rechtzeitig zum Stehen zu bringen, klappt eben nicht immer. Life is short. Leider auch in Lappland.

Polarkreis bei Överkalix

Polarkreis bei Överkalix

Von Karesuvanto geht es quer durch den letzten Zipfel von Finnland nach Norwegen. Richtig spannend wird es aber wieder bei Kautokeino in der Provinz (Fylke) Finnmark. Von dort führt die Rv93 in Richtung Alta über die Hochebene 150 km nur noch vom Fjell bergab. Die Landschaft ist nur schemenhaft im Halbdunkel zu erkennen, da der Mond in dieser Woche leider nicht scheint.

Während ein finnischer Sattelschlepper mit geschätzten 100km/h über die dunkelgrauen Eisplatten der schmalen Rv93 an mir vorbeidonnert und eine lange Schneewolke hinterlässt, pausiere ich am Straßenrand bei einem Espresso Doppio vom Gaskocher. Für Minuten bleibt mir die Sicht vernebelt. Zügig fahre ich wieder weiter, denn die Zeit wird knapp und ich komme langsamer voran als gedacht.

Gefühlt müsste ich jetzt nach den 150 Kilometer Bergabfahrten im Erdinnern angekommen sein, aber es ist nur die Region Alta, dem letzten größeren Ort vor dem Nordkap. Ich habe ordentlich Gas gegeben aber den Holzlaster trotzdem nicht mehr einholen können. „Die spinnen, die Finnen“, kommt es mir in den Sinn.

Das konzentrierte Fahren auf Eis in der Dunkelheit macht ziemlich müde und so schlafe ich wieder mal einfach im Wald zwischen Masi und Alta bei Koordinaten 69.587876, 23.530311 neben der Straße.

Vom halb zugefrorenen, aber immer noch plätschernden Fluss, werde ich in den Schlaf gewiegt. Fünf Stunden müssen reichen, richtig hell wird es hier sowieso nicht mehr und mit noch etwas verschlafenen Augen beobachte ich beim Morgenkaffee eine Wasseramsel bei ihren Tauch- und Jagdversuchen.

Dieser kleine Vogel, der nur in den Polarregionen lebt, taucht vom Ufer aus wie eine Ente, sieht aber aus wie ein Star. Ich beobachte die Wasseramsel während meines Frühstücks eine halbe Stunde bei ihren Beutezügen und gebe dann wieder Gas auf der einsamen Rv93, die letzten Kilometer nach Alta.

Irgendwo im Norden der finnischen Wälder

Irgendwo im Norden der finnischen Wälder

Noch einmal voll tanken in Alta, denn wer weiß, ob bis zum Nordkap wieder eine Tankstelle verfügbar ist, die meine Kreditkarten akzeptiert. Das Problem im Norden Lapplands sind nicht die fehlenden Tankstellen, denn die sind mindestens alle 250 Kilometer vorhanden. Es sind die Bank- oder Kreditkarten, die nicht an allen Zapfautomaten funktionieren bzw. akzeptiert werden. Ab dem Polarkreis sind die Tankstellen außerhalb größerer Ortschaften oft nicht mehr besetzt und das Bezahlen mit Karte am Tankautomat ist hier normal. Es ist hilfreich, mehrere verschiedene Karten mit zu führen. Die besten Erfahrungen habe ich mit VISA gemacht, die fast überall perfekt funktionierten.

Das Wetter wird nun wieder milder, je weiter ich mich der Küste und somit dem Golfstrom nähere. Dort, wo Atlantischer und Arktischer Ozean aufeinandertreffen und sich ihre kalten Wassermassen vermischen. Zwischen hier und dem Nordpol befindet sich keinerlei Festland, mit Ausnahme der Inselgruppe von Spitzbergen.

Übers Fjell geht  es bis zur Küste am Eismeer. Die letzten 240 Kilometer von Alta über das Fjell und die Küstenregionen zum Kap ziehen sich jetzt wie Kaugummi, auch wenn ich meist mit mehr als 90 km/h über die geschlossene Schneedecke fliege, mit einer langen Schneefahne im Schlepptau.

Ich hoffe immer, nicht plötzlich bremsen zu müssen, denn ab 80 km/h geht es auf den eisglatten Straßen ab wie auf einem Schlitten, trotz bester Reifen. Zwei Mal greift das ESP in einer Kurve ein und verursacht so einen leichten Schweißausbruch. Es war aber gut, dass gerade in der Rechtskurve kein LKW entgegen kam. So war die Straße noch breit genug um wieder auf meine Spur zurück lenken zu können.

Es ist Mittag, 13.00 Uhr. Die Sonne, die ich jetzt seit 2 Tagen schon nicht mehr gesehen habe, ist bereits wieder unter gegangen und lässt sich nur noch hinter dem Horizont zu vermuten.

Weiß, weiß, weiß. Wohin man schaut. Dennoch ist es stockdunkel. Der Schnee reflektiert das Licht meiner neuen Fernscheinwerfer und erhellt die gesamte Umgebung in Fahrtrichtung schemenhaft. Entgegen kommende Autos sehe ich jetzt auf der einsamen Hochebene schon fünf Kilometer entfernt. Das macht das Fahren über die Hochebene entspannt, obwohl ich immer peinlich darauf achte, zwischen den beiden roten Stöcken hindurch zu fahren, denn Fahrbahn und Offroad sind nicht mehr voneinander zu unterscheiden.

Eine Panne möchte ich jetzt nicht haben, denn der Wind schneidet scharf durch jede Ritze der Kleidung, wenn ich kurz aussteige, um das getrunkene Wasser wieder zu entleeren.

Um 15:00 Uhr an Silvester 2016 erreiche ich endlich die Insel Magerøya, auf der das Nordkap liegt. Die E69 führt mich durch den 6.875 Meter langen Unterwassertunnel, in 212 Meter unter dem Meeresspiegel des Nordpolarmeeres. Komfortabel und ohne Maut fahre ich durch den Tunnel auf die Insel. Der Ingenieurskunst des 20. Jahrhunderts sei dank.

Der Wetterbericht prognostiziert immer noch +2 Grad und Regen. Davon ist allerdings nicht viel zu sehen, denn mit -2 Grad schneit es ununterbrochen in einer Dichtheit, die ich so noch nie erlebt habe. Mit jedem Kilometer nach Norden wird der Schneefall immer stärker und meine Hoffnung bei klarem Himmel, die Milchstraße und Polarlichter an Silvester zu sehen, schwindet dahin. Der Schnee fliegt jetzt nur noch horizontal.

5 km vor Skarsvåg biege ich links ab, um mich über den letzten Felsrücken bergauf dem Nordkap zu nähern. Endlich, um 16:00 Uhr am 31.12.2016 taucht im Scheinwerferlicht das unbesetzte Mauthaus an der Nordkaphallen auf. So wie es aussieht bin ich hier der einzige Tourist. Der erste Tourist, der das Nordkap besuchte, war der italienische Priester Francesco Negri. Das war im Jahre 1664.

Ziel erreicht: Silvester am Nordkap

Ziel erreicht: Silvester am Nordkap

Ich bin richtig froh im harten Winter hier zu sein, denn heutzutage kommen während der Sommermonate jährlich 200.000 Touristen pro Jahr hierher. Die einzige Attraktion ist das Nordkap-Plateau. Das Besucherzentrum am Nordkap die Nordkaphallen hat aber bereits seit Stunden geschlossen. Es gibt hier sogar eine Kapelle, die St. Johannes Kapell. und da sie die weltweit nördlichste ökumenische Kapelle ist, gilt sie in den Sommermonaten als beliebter Ort für Hochzeiten. Jetzt im tiefsten Winter bin ich aber offenbar der einzige Besucher auf dem Parkplatz.

Urplötzlich hört es wie von Zauberhand auf zu schneien und die Sterne funkeln am Nachmittag über dem Stahlglobus am Denkmal des Nordkaps. Das 307 Meter steil aus dem Eismeer emporragende Schieferplateau wird fälschlich als nördlichster Punkt Europas bezeichnet. Tatsächlich ist die drei Kilometer weiter westlich des Nordkaps gelegene Landzunge Knivskjellodden der nördlichste Punkt. Im Winter gibt es jedoch keine reale Chance dorthin zu gelangen. (Koordinaten: 71°10’15.9″N 25°47’01.7″E )

Der Himmel ist klar. Ich sehe die Milchstraße und den ersten leichten grünen Schleier am Himmel durch meine Frontscheibe. Aurora Borealis – Polarlichter! Sanft und langsam schleichen sie über den Himmel und wechseln die Farbe.

Sollte ich an Silvester am Nordkap tatsächlich mit kräftigen Polarlichtern belohnt werden? Sollten mir tatsächlich die aus angeregten Elektronen und Protonen bestehende Teilchenstrahlung, dem Sonnenwind, Nordlichter bescheren?

Erste Glücksgefühle machen sich breit und ich suche mir aufgeregt einen schönen Standplatz auf dem völlig leeren Platz vor den Nordkaphallen. Wahnsinn, genau das hatte ich mir erwünscht, aber nicht mehr erwartet. Deshalb war ich also über 3.500 km gefahren.

Polarlichter am Nordkap an Silvester

Polarlichter am Nordkap an Silvester

Die Polarlichter beginnen nun immer stärker zu leuchten, wechseln von hellgrün mit rosa Rändern zu dunkelgrün und tanzen ganz langsam über den dunklen Himmel wie eine alte Gardine.

Hektisch baue ich mein Stativ auf und mache die ersten Testbilder. Tatsächlich, ich habe grüne Schleier auf meinen Fotos. Im Windschatten des Gebäudes erkenne ich plötzlich einen Mercedes Vito aus Starnberg. Auch er ist bis ans Ende der Welt gefahren. Bin ich also doch nicht er einzige Irre, wie meine Frau später meint, der im tiefsten Winter an einen der unwirtlichsten Orte Europas fährt?

Das beruhigt mich ein kleines bisschen. Geteilte Freude ist schließlich doppelte Freude. Eigentlich hatte ich vermutet, dass sich an Silvester am Nordkap alle Cracks aus Europa zum Feuerwerk treffen. Fehlanzeige. Aber hier lebt auch nur eine Handvoll Menschen und die haben sich bei dem Wetter wohl zu Hause verbunkert. Noch so ein Irrer der über 7.000km fährt um Polarlichter zu sehen! – Happy New Year!

Zwei feiern Silvester am Nordkap

Zwei feiern Silvester am Nordkap

Kurzer Schwatz und gemeinsam richten wir fieberhaft unsere Fotoapparate aus, um den immer stärker werdenden grünen Schleier auf dem Sensor unserer Digitalkameras einzufangen. Die Lichter beginnen jetzt über dem Eismeer zu tanzen und der Wind aus Richtung Nordpol nimmt schnell zu und schneidet jetzt eiskalt ins Gesicht. Wie aus heiterem Himmel beginnt ein Schneesturm der, wie ich später erfahre, vier Tage anhalten sollte. Da ich aus den Aurora-Apps der NOAA wusste, dass die Polarlichter gegen 02:00 Uhr nachts ihren Höhepunkt erreichen sollen, hatte ich keine Eile, verkrieche mich in den Schutz meines Discoverys und checke die ersten Polarlichtfotos.

Mittlerweile fliegt der Schnee wieder waagerecht und mein Auto wird im Sturm unaufhörlich und sehr unangenehm durchgerüttelt. Nebel, Schnee und maximal 10 Meter Sichtweite.

Fischerhaus bei Lakselv Nordkap

Fischerhaus bei Lakselv Nordkap

Im Rückspiegel erkenne ich schemenhaft einen Schneepflug, der sich in voller Kampfbeleuchtung durch den Sturm kämpft. Kurz darauf klopft es an meiner Seitenscheibe und ein Mitarbeiter der Straßenwacht macht mir unmissverständlich klar, das das Wetter so schlecht werden wird, dass ich hier oben nicht bleiben kann und darf. In Kürze wird auch an der Zufahrt zum Nordkap die Schranke geschlossen und die komplette Strecke gesperrt.

Kurz frage ich mich, ob das Wetter wirklich noch schlechter werden kann, als es gerade ist. Ich entscheide mich aber umgehend den Anweisungen der besorgten Nordmänner zu folgen. Mit dem Wetter am Polarmeer scheinen die sich besser auszukennen als ich, also lasse ich mich von zwei Schneepflügen über das Fjell herunter eskortieren.

Und wenn ich ehrlich bin, hätte ich ohne den vorwegfahrenden Schneepflug die Straße nicht mehr erkennen können und wäre bei der Sichtweite einer Fahrzeuglänge recht schnell vom Weg abgekommen. Natürlich hatte mir mein Ego geflüstert; „Was soll das, ich fahre ja schließlich einen Land Rover und komme überall durch.“ In dem Fall war es aber besser, auf die Norweger zu hören.

Nachdem hinter uns die Schranke für die nächsten Tage geschlossen wird, bespreche ich mich kurz mit dem Starnberger aus Bosnien und wir beschließen schnell, Silvester gemeinsam am Strand in der Nähe des Nordcap zu feiern.

Lagerfeuer mit finnischer Birke, Tomatensalat bosnischer Herkunft und eine Flasche Primitivo aus Italien begleiten uns am Strand im Schutze zweier hoher Bergrücken in das neue Jahr 2017. Einer der unkomfortabelsten aber geilsten Silvesternächte, die ich je erlebt habe.

Gegen 02:00 Uhr nachts geht uns das Holz und der Wein aus. Obwohl wir auf einer Kiste im Windschatten unserer Autos sitzen, beginnt meine Jacke von außen steif zu gefrieren. Es wird eine unruhige, sehr stürmische Nacht, aber ich schlafe zufrieden ein. Habe ich doch 2016 alle meine Ziele, inklusive live Polarlichter am Nordkap erreicht.

Ausgeschlafen tritt mein Silvester-Genosse, dessen Namen ich mir nicht merken konnte, seine direkte Heimreise an und ich mache mich über die Küstenstraße am Billefjord entlang in Richtung Inari, Finnland auf.

Es schneit und schneit und stürmt ununterbrochen und auch zum Mittag wird es nicht heller als am Morgen. Das Licht ist diffus und weiß. In den wenigen Ansiedlungen abseits der Straße leuchten die dunklen, gelben Laternen oder noch die Weihnachtsbeleuchtung in den Fenstern der einsamen Häuser am Straßenrand.

Bis Inari sind es zwar nur noch 380 Kilometer, aber dafür sollte ich einen ganzen Tag brauchen. In Karigasniemi biege ich auf eine Nebenstraße ab, um an der finnisch-norwegischen Grenze entlang 130 Kilometer einer nicht geräumten Straße durch 70 Zentimeter tiefen, frischen Pulverschnee zu folgen. Ein Erlebnis der ganz besonderen Art.

Ich stehe wieder für eine Kaffeepause im Wald an einem zugefrorenen Fluss und höre nichts. Absolut nichts! Nichts außer meinem Atem, der sofort gefriert und meinem eigenen Puls.

Es wird spürbar immer kälter, richtig saukalt, so dass ich auch mit Heizung im Auto nicht ohne Jacke fahren kann. Der Frost strahlt durch die Seitenscheibe auf meinen linken Arm und es friert mich im geheizten Wagen.

Steige ich aus, quitscht der frische Schnee und fühlt sich an wie hartes Gummi. Der Wetterbericht meiner App sagt für Lappland zwischen -25 Grad und -30 Grad voraus. Mein Thermometer im Auto zeigt am frühen Abend schon -24 an als ich mangels Parkmöglichkeiten in der völlig zugeschneiten Landschaft mitten auf einer Wegkreuzung anhalte, um mir eine Nudelsuppe zu kochen.

Endlich mal was Warmes im Bauch, denn Restaurants sind in der Wildnis Lapplands noch weniger zu finden, als ich dachte. Es ist schon ein eigenartiges Gefühl auf mitten einer Straßenkreuzung bei weit unter -20 Grad ein Picknick zu bereiten.

Nudelsuppe essen auf der Kreuzung

Nudelsuppe essen auf der Kreuzung

Der Gaskocher müht sich ab, bringt aber das Wasser dann doch noch zum Kochen. Eine heiße Nudelsuppe wird zum Komfort mitten auf der Kreuzung bei Angelintie auf der 9704 nach Inari. Sorgen, dass ich jemanden behindern könnte, muss ich mir hier nicht machen, denn den gesamten Tag über habe ich 2 Autos zählen können.

Zivilisation Fehlanzeige. In der Region stehen einzelne Bauernhäuser im Abstand von 50 bis 70 Kilometer und insgeheim hoffe ich bei jedem Halt, dass mein Auto danach wieder anspringt. Es tut es immer und zuverlässig, was mich sehr beruhigt. Denn wer weiß, vielleicht locke ich ja mit dem Duft meiner Nudelsuppe einen Vielfraß aus den Wäldern an, der keinen Winterschlaf macht.

Gegen 22:00 Uhr erreiche ich nach über 11 Stunden Fahrt durch Tiefschnee und 380 Kilometern das tief verschneite Inari, gelegen am See Inarijärvi in Finnisch Lappland. Wunderbar beleuchtet und menschenleer schließt die einzige Tankstelle, nachdem ich mir noch schnell ein Brot und zwei Bier kaufen konnte. Von den zwei Restaurants im Ort sind nur noch Stühle zu sehen, die bereits mit den Beinen nach oben auf den Tischen stehen.

Inari ist eine Gemeinde im finnischen Teil Lapplands. Von den 6.777 Einwohnern die auf einer Fläche von über 17.000 Quadratkilometern leben, ist offenbar nur noch eine Bedienung im Hotel wach, die den Boden wischt. Der größte Teil des Gemeindegebietes von Inari besteht aus menschenleerer Wildnis. Das bekomme ich auch jetzt zu spüren, denn es ist längst Feierabend.

Elf Stunden durch dichtes Schneetreiben zu fahren ist anstrengend genug und so beschließe ich irgendwo in den Wäldern südlich von Inari zu übernachten. Schöne Übernachtungsplätze zu finden, sind im finnischen Winter nicht so leicht wie ich dachte, da Wald- und Seitenwege nur geräumt werden wenn Holz geerntet wird oder ein Wohnhaus dort zu erreichen ist. Neben einem Haus möchte ich aber nicht schlafen, sondern ich will die Wildnis erleben.

Als ich einen Nachtplatz im verschneiten Wald finde, zeigt mein Thermometer kurz vor Mitternacht bereits -26 Grad an. Das scheint eine frische Nacht zu werden und ich beschließe, die Blidimax Thermomatten sehr sorgfältig an den Scheiben anzubringen um jegliche Kältebrücken zu vermeiden. In dieser Nacht lasse ich meine Thermohose auch im Schlafsack an, schlüpfe in die Carinthia Booties und stelle später fest, dass das eine sehr gute Idee war.

Die kälteste Nacht der Tour

Endlich minus 32,4 Grad. Mitten in der Nacht, treibt mich die Blase aus dem Schlafsack. Mit meiner Wärmebildkamera messe ich Temperaturen unter -32 Grad. So wie es sich da draußen anfühlt scheint das zu stimmen. Die Fensterisolation rettet mir in dieser Nacht den Hintern, den ich mir ansonsten sicherlich abgefroren hätte. Und wer je in der Gegend ist, sollte sich unbedingt den Fluss Juutuanjoki ansehen, der südlich von Inari in imposanten Stromschnellen die Eisplatten auftürmt, um dann wieder geräuschlos unter der dicken Eisdecke zu verschwinden.

Stromschnellen im Juutuanjoki südlich Inari, Finnlaend576

Stromschnellen im Juutuanjoki südlich Inari, Finnlaend

Ja, es war zwar bisher anstrengend, denn die 4.100 Kilometer, von denen ich bisher über 2.000 Kilometer auf Eis und geschlossener Schneedecke bewältigen musste, lassen mich nicht schnell vorankommen, aber es hat sich gelohnt. Die ersten 1700 Kilometer könnte ich mir sparen, da Südschweden in etwa so spannend ist, wie 10 Mal rund um Augsburg zu fahren.

Einmal den Polarkreis überschritten, wird die Landschaft faszinierend. Aber im Winter bleiben leider nur ein paar Stunden des Tages um die Schönheiten der Landschaft fotografieren zu können. Die Zeit und der Stress des Alltags sind hier oben schnell vergessen.

Ich will um 17:00 Uhr schlafen gehen, weil gefühlt bereits die halbe Nacht um ist. Wer die Chance hat sich seine Reisezeit zum Nordkap oder nach Lappland aussuchen zu können, dem empfehle ich die Reise auf den Februar oder März zu verschieben, denn wenn die Sonne erscheint wird es hier märchenhaft. Aber die Polarnacht ist dann eben auch hier oben nicht mehr völlig dunkel.

Auf der Landstraße zwischen Kittilä und Kolari taucht im Augenwinkel das Schild Snow Village am Straßenrand auf und macht mich neugierig. Ich biege ab und die Neugierde wird belohnt, in dem ich ein einzigartiges aber leider vergängliches Kunstwerk finde.

Wer im Winter hier verweilt, sollte sich das Hotel auf keinen Fall entgehen lassen. Snow Village (67°32’30.2″N, 24°29’33.8″E ) ist eine magische, vergängliche Welt aus Eis und Schnee. Jedes Jahr werden rund 20 Millionen Kilogramm Schnee und 350.000 Kilo kristallklares Natureis zum Bau des spektakulären Hotels verwendet.

Suite im Snow Village

Suite im Snow Village

Auf einer Fläche von etwa 20.000 Quadratmetern besteht das Snow Village aus einem Schnee-Hotel mit Hotelzimmern, Suiten, Eis-Restaurant, Eis-Bar, Eis-Kapelle und einem Netzwerk aus Korridoren, gebaut aus Eis und Schnee. Jeder einzelne Raum ist ein Kunstwerk, wenn auch nicht gerade preisgünstig. Ich beschließe im Auto zu übernachten, denn -14 Grad die ich in den Zimmern gemessen habe, kann ich auch dort haben und spare somit 380 Euro für Zimmer ohne Frühstück.

Kurz vor Mitternacht am 3. Januar erreiche ich wieder auf dem Rückweg den Polarkreis bei Överkalix in Schweden. Es schneit immer noch und ich übernachte an der Landstraße direkt am Polarkreis. Maximal 3 LKWs konnte ich in der gesamten Nacht sehen. Südlich vom Polarkreis wird es am kommenden Tag jetzt auch wieder heller und ich sehe nach Tagen erstmals wieder die Sonne. Ich werde jetzt auch wieder zu normalen Uhrzeiten wach und es sieht wieder mal aus wie im Wintermärchenland. Stille, ruhige Nacht und leise rieselt immer noch der Schnee.

Wie blöd muss ich eigentlich sein, um nicht zu erkennen, das ich mit dem Auto einer Schneemobil-Spur folge? Als mir nach ca. 10 Kilometern auffällt, dass die vermeintliche Straße immer enger und der Schnee immer weicher und tiefer wird, beschließe ich zu wenden, bevor ich mich völlig im Tiefschnee festfahre.

Auf den Straßen kann ich wieder schneller fahren und in Sundsvall, schneit und stürmt es vier Tage später immer noch. Kebab Pizza vom Elch in der Pizzeria an der Schnellstraße schmeckt nicht. Vielleicht war es aber auch der Hund, der eben noch draußen rumlief, denn der ist nämlich jetzt weg!!??

Am Vättern, dem zweitgrößten See Schwedens ist der Winter am 5. Januar schon vorbei

Am Vättern, dem zweitgrößten See Schwedens ist der Winter am 5. Januar schon vorbei

Ab Gävle nach Süden wird es im Vergleich zu Lappland wieder richtig langweilig und ich entscheide mich, die Autobahn über Örebro zu nehmen um Kilometer in Richtung Heimat zu schrubben. Trelleborg, Lasagne am Hafen beim gepflegten Italiener, gegessen von einem ungepflegten Nordlandreisenden.

Einige Stunden schlafe ich auf der Fähre nach Rostock und die Arctic Discovery Tour mit meinem Land Rover Discovery ist fast zu Ende. Noch 700 Kilometer über deutsche Autobahnen dem Mittelmeer entgegen und der Stress auf der Autobahn ist sofort zurück und eine Tour von gut 7.400 Kilometern ist in Bayern leider wieder zu Ende.

Jede Sekunde waren es diese Erfahrungen wert, wenn auch manchmal sehr anstrengend. Nur die Erfahrung von -40 Grad und darunter wurde mir leider erspart. Aber ich bin sicher, Lappland sieht mich wieder, im Winter und im Sommer.

Fotos, Text und Video: Jürgen W. Schmidt