Fernreisetraum Afrika: Ein Kontinent, der Overlander-Herzen schneller schlagen lässt und Schauplatz einer 40.000 Kilometer langen Abenteuerfahrt zweier Frauen durch insgesamt zehn afrikanische Länder. Von den ersten eigenständigen Camping-Versuchen in Südafrika bis hin zu fortgeschrittenen Alleingängen in der endlos erscheinende Serengeti: Ein Buch gewordener Entwicklungsroman für das mutige Bereisen fremder Länder und dem Überwinden selbst gemachter Grenzen. Und das alles in einem eigens ausgebauten Land Rover Defender namens „Blaue Elise“. Also wenn sich das nicht gut anhört.

Der unbändige Wunsch aus dem Hamsterrad „Alltag“ auszubrechen, stellt sicherlich für viele Langzeitreisende die Triebfeder dar, um überhaupt zu einer so großen Unternehmung wie einer Weltreise aufzubrechen. Doch es muss nicht immer gleich die mehrfache Globusumrundung sein, oft reicht schon eine einjährige Auszeit, um sich eine neue Perspektive auf die eigene Lebenssituation zu verschaffen. Ähnliches haben sich die beiden Autorinnen Birgit Völkel und Stefanie Heyduck gedacht, als sie 2017 Ihre Jobs als Ärztin bzw. Journalistin kündigten, um ihren heiß geliebten schwarzen Kontinent für länger als einen durchschnittlichen Jahresurlaub erkunden zu können.

Pures Leben im heiß geliebten Afrika

Auch wenn der Reisegrund im Großteil der publizierten Lektüre meist ein ähnlicher ist, so präsentiert sich die Berichterstattung darüber immer unterschiedlich und spiegelt stets die Persönlichkeit des Autors wider. Im vorliegenden Fall sind es sogar zwei Autorinnen, die aus abwechselnder Perspektive erzählen, wodurch es auch schon mal vorkommt, dass ein und dieselbe Situation durchwegs konträr geschildert wird. Ein unterhaltsamer Kniff, der einen die Protagonisten näher bringt, sowie deren individuelle Einstellung zur Reise besser verstehen lässt. Und dass es sich bei Birgit und Stefanie um ein Pärchen handelt, kann als grundsätzliches Plädoyer angesehen werden, um gleichgeschlechtlichen Reisepaaren Mut für ähnlich gelagerte Unternehmungen zuzusprechen.

Tatsächlich schwappt nach den ersten Seiten schon bald die sich durch alle Kapitel ziehende Afrika-Faszination auf den Leser über. Mit über 125 teils sehr stimmigen Farbfotos, 11 Detailkarten und den wichtigsten Sehenswürdigkeiten pro Route, wird einem dann sehr ausführlich und nachvollziehbar jedes der 10 bereisten afrikanischen Länder vorgestellt. Von „Einstiegsländern“ wie Südafrika und Namibia, bis hin zu eher ungewöhnlichen Destinationen wie Simbabwe, Malawi oder Uganda. Jedes Kapitel entpuppt sich als Abenteuerreise für sich selbst. Überhaupt liest sich das Buch aufgrund des lockeren Stils und der kompakt gehaltenen Gliederung erfreulich unterhaltsam, obwohl es abschnittsweise nur so vor reiserelevanten Infos strotzt.

Im Text sind es auch die vielen persönlichen Begegnungen am Wegesrand, welche die Lektüre so spannend macht. Da findet man den reaktionären, von Waffen begeisterten weißen Südamerikaner genauso, wie die vom Aufbruch begeisterten und gut ausgebildeten, tansanischen Studenten. Allerhand fesselnde Persönlichkeiten laden zum Schmunzeln ein oder machen hin und wieder auch betroffen. Zusätzlich und auch nicht selbstverständlich: die Autorinnen versorgen den Leser zumeist mit recht ausführlichen Infos zur aktuellen politischen Situation des gerade bereisten Landes. Viele Tipps, To-dos und No-Gos runden diese Einblicke in das normale Leben vor Ort informativ ab.

Fazit über „Hakuna Matata – Zwei Frauen und ihr blauer Landy auf einem Roadtrip durch Afrika“

Von der Buschbrand-Flucht, über beinahe Verhaftungen bis hin zum einmaligen Naturschauspiel der „Great Migration“, bei der jährlich bis zu 1,5 Millionen Gnus, 400.000 Zebras und 500.000 Gazellen auf Wassersuche zwischen Tansania und Kenia hin und her ziehen: Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass man nach der letzten Seite auch dieses plötzliche Reisefieber für den Afrikanischen Kontinent in sich ausbrechen spürt. Neben all den positiven Erlebnissen verzichten die Autorinnen aber nicht darauf, auch über jene negativen Momente zu berichten, in denen man als Reisender überfordert ist, einen das Heimweh unerbittlich packt oder
man einfach auch nur mal die Nerven wegschmeißt. Doch wie der Buchtitel schon vorwegnimmt: Hakuna Matata, alles kein Problem, eine Lösung tut sich immer irgendwo auf. Diese ehrliche und oft humoristische Erzählweise weiß zu gefallen und zusammen mit den ausführlichen, sehr gut aufbereiteten Zusatzinformation, wird das Buch nicht nur für potentielle Afrika-Selbstfahrer interessant, sondern kann allgemein als Beispiel einer gelungenen Reiselektüre angesehen werden.

Titel: „Hakuna Matata – Zwei Frauen und ihr blauer Landy auf einem Roadtrip durch Afrika.“
ISBN-13: 9783944378244
Verlag: Naturzeit Reiseverlag; Auflage: 1. Auflage 2020 (07. Februar 2020)
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Weitere aktuelle Infos zu Afrika und zum Ausbau eines Land Rovers zum Campervan gibt es auf Stefanies und Birgits Reiseblog giraffe13.de.
Folgt den Zweien und ihrem Roadtrip durch Afrika auf Instagram.

Stefanie Heyduck schrieb für Matsch&Piste auch schion etwas zum Thema Reisefotografie: 7 Tipss für bessere Urlaubsfotos.