Es ist Frühjahr. Asia und ich saßen zu Hause. Das Wetter war verregnet und die Laune gleich mit. Völlig überraschend meldete sich Pyrka, ein Bekannter aus Polen, und fragt nach ob wir Lust auf Sand und Dünen hätten? Es gibt dumme Fragen und das war eine davon. Gegenfrage, wozu haben wir unseren 75-er? Doch Pyrka entgegnete uns, dass wir den nicht bräuchten…denn das Ziel heißt Oman.

Vorbereitung

Der Flug war schnell gebucht, ein Fahrzeug muss noch her. Zunächst bietet man uns die beliebten SUV an. Wir wollen die Pisten und vor allem auch die Dünen vom Empty Quarter erkunden und da muss ein tauglicher Offroader her. Wir hatten Glück, denn am Ende konnten wir einen Toyota Land Cruiser Prado reservieren. Allerdings wussten wir ja nicht was uns erwarten sollte.

Als Weiteres mussten Ausrüstung und Gepäck über die Waage. Es brauchte einige Versuche bis wir das Limit einhalten und trotzdem Zelt, Schlafsäcke und Isomatten mit dabei haben.

Es geht los

Als wir in Maskat, der Hauptstadt des Sultanats Oman, gelandet waren mussten die üblichen Zollformalitäten erledigt werden, was völlig entspannt vor sich ging.
Die berühmte polnische Gastfreundschaft funktioniert auch im Orient. Endlich lernen wir die Mitreisenden und unseren polnischen Reiseleiter Jerzy, auch Jurek genannt, kennen. Die Begrüßung ist sehr herzlich und wir freuen uns endlich los zu kommen. Die anderen Teilnehmer bekamen ihren reservierten Land Cruiser Station am Flughafen ausgehändigt, nur unser reservierter Prado ist nicht da und der Vermieter hat keinen Schalter am Flughafen. Während die Gruppe wartet, telefonieren wir ein wenig und bekommen keine zwei Stunden später auch schon den Schlüssel ausgehändigt.

Aus Prado wird Pajero

Geht doch! Es ist mittlerweile weit nach 22:00 Uhr Ortszeit, die Türen vom Terminal gehen auf und uns trifft der Schlag: die kühle Abendluft hatte noch 29°C bei über 80% Luftfeuchtigkeit. Und es läuft wie am Schnürchen, unser Offroader steht natürlich an der hintersten Ecke des Parkplatzes. Auf dem Weg dorthin sind wir komplett durchgeschwitzt. Leider reagierte dann aber kein Prado auf dem Schlüssel, sondern ein Mitsubishi Pajero. Also doch ein SUV. Bei der Beschwerde am Telefon entschuldigte man sich, das hätte man übersehen. Gut, dass wir reserviert hatten. Bei dem Service sind wir am Ende glücklich, das man uns keinen Toyota Prius ausgehändigt hatte.

Wir wollen heute Abend noch raus aus Maskat und ein Stück ins Hinterland, also fällt der angebotene Umtausch auch aus und wir werden einen unfreiwilligen Offroad-Test mit einem SUV machen müssen. Alle Fahrzeuge haben einen V6-Motor. Die Land Cruiser sind nicht nur geländegängiger, sondern haben mit ihren 4 Litern Hubraum auch noch mehr Dampf unter der Haube. Zudem haben sie All-Terrain Reifen während der Pajero auf vornehmen Straßenschuhen steht. Wir werden also zum Underdog und nehmen die Herausforderung an.

Ab in die Einsamkeit

An der Tankstelle haben wir noch schnell einige Lebensmittel gekauft und wir kommen raus aus der Stadt. Maskat liegt in einem Kessel und hat ein extrem heißes und feuchtes Klima, das wir nicht bei Tag erleben möchten.

Irgendwo im Nirgendwo verlässt Jerzy die gut ausgebaute Straße und wir schlagen die Zelte auf. Natürlich hat es sich abgekühlt, das Thermometer zeigt jetzt nur noch 26°C an und gleich vorweg, kühler wird es nicht. Die Diskussion mit dem Wecken und Aufstehen hat sich schnell geklärt. Die Sonne geht gegen sechs Uhr auf und und macht sich direkt ans Werk die Zelte aufzuheizen.

Oman - Der Platz ist malerisch nur Schatten gibt es nirgends

Der Platz ist malerisch nur Schatten gibt es nirgends

Wir sind froh um sieben Uhr in den klimatisierten Fahrzeugen zu sitzen und fahren weiter abseits der Straßen quer durch die Wüste. Bald schon erreichen wir die erste Düne. Einige Teilnehmer versuchen hinauf zu fahren, ohne Erfolg. Hier ist die dem Wind abgewandte Seite und da ist der Sand grundsätzlich viel zu weich.

Oman - Der Versuch ist hier zum Scheitern verurteiltet, aber wartet es ab.

Der Versuch ist hier zum Scheitern verurteiltet, aber wartet es ab.

Wo Traktion fehlt hilft Schwung – vielleicht

Ich fahre einen Halbkreis auf der dem Wind zugewandten Seite – die ist im Allgemeinen fest und somit befahrbar. Über Pyrka hatte sich schon herum gesprochen, dass wir in der Sahara unterwegs waren und entsprechend schaut man jetzt auf uns. Mit diesem Wissen und der Coolness von Bruce Willis in „Stirb langsam“ schalte ich in den 4WD- Modus, und halte drauf.

Als die Räder den Sand erreichen merke ich schnell, dass er auch hier völlig weich und absolut unbefahrbar ist. Also schnell einschlagen und brachial auf das Gas! Dieses Manöver beschreiben Piloten als Angstwende. Das hier gerade etwas suboptimal läuft hat auch die Elektronik erkannt und greift ein. Ausgerechnet jetzt wo ich die volle Leistung abrufen muss, werden die Räder gebremst und die Motor abgeschnürt. Die letzten Meter fließe ich mit dem Sand hinunter und komme mit viel Glück auf dem festen Boden.

Die Aktion erinnert mehr an den Film „Hangover“ als an „Stirb langsam“. Gut das wir bald wieder auf Asphalt unterwegs sind.

Oman - Gepflegte Straßen und der Klassiker unter den Schildern.

Gepflegte Straßen und der Klassiker unter den Schildern.

Die Tour geht weiter

Nach zwei Tagen auf gut ausgebauten Straßen durch das Nichts der Wüste biegen wir endlich auf eine Piste ab. Zuvor haben wir noch eingekauft und gegessen. Es gab Fastfood – arabisches Fastfood.

Oman - Fastfood auf arabisch: Reis mit Soße und Hühnchen immer wieder anderes zubereitet , dazu gibt es Salat, ist lecker und macht satt.

Fastfood auf arabisch: Reis mit Soße und Hühnchen immer wieder anderes zubereitet , dazu gibt es Salat, ist lecker und macht satt.

Auch der Mitsubishi Pajero bekam seine Flüssignahrung. Bei einem Reisetempo zwischen 110 und 120 km/h wurden zwischen 13 und 14 Liter in den 6 Zylindern verbrannt. Das ist okay, bei Preisen von rund 25 Cent/Liter wird die Reisekasse geschont.

Jetzt lassen wir Luft aus den Reifen um komfortabler auf der Piste fahren zu können. Unser Traumziel liegt unmittelbar vor uns. Der Pajero war bisher sehr angenehm, aber jetzt werden wir ihm gründlich auf den Zahn fühlen.

Empty Quater

Vor uns liegt die größte Sandwüste der Erde, die Rub al-Chali, übersetzt leeres Viertel, oder Empty Quarter. Sie erstreckt sich weit nach Saudi Arabien und dem Jemen hinein. 80 km Schotterpiste – genauer feinstes Wellblech – trennen uns von den Dünenlandschaften.

Oman - Egal wie gepflegt die Piste ist, das berühmte Wellblech ist schnell wieder da.

Egal wie gepflegt die Piste ist, das berühmte Wellblech ist schnell wieder da.

Auf dem Wellblech

Im Pajero kehrt erst bei 80 km/h Ruhe ein und man kommt zügig voran. Doch nicht alle Teilnehmer trauen sich das und wählen ein Tempo zwischen 50 und 60 km/h. Das ist Materialmord! Asia verlässt die Piste und lässt sich weit zurück fallen um dann der Gruppe mit 80 km/h hinter zu jagen. Jerzy versteht sofort, zeigt uns den hoch gereckten Daumen und bald sehen wir nur eine Staubwolke am Horizont. Doch wir sind nicht alleine, ein anderer erfahrener Teilnehmer bleibt bei uns, auch im Toyota Land Cruiser sind 50 km/h Tabu.

Die Piste ist absolut gerade und hat keine Schlaglöcher, Tempo 80 geht völlig problemlos. Wir erhöhen das Tempo weiter, am Ende fliegen wir mit 110 km/h über das Wellblech. 60 km später tauchen mitten im Nichts 3 Zapfsäulen und ein Häuschen auf. Jerzy mahnt uns vollzutanken, denn es kommt regelmäßig vor, dass diese letzte Tankstelle trockenen liegt.

Oman - Die letzte Tankstelle hier draußen. Auch wenn es nicht so aussieht, es gibt sogar gekühlte Getränke und Eis

Die letzte Tankstelle hier draußen. Auch wenn es nicht so aussieht, es gibt sogar gekühlte Getränke und Eis

Immer wieder stören die Segen der Technik

Bald schon müssen die ersten Verwehungen überquert werden. Auch ich bin lernfähig, folglich schalte ich nicht nur in den 4WD-Modus sondern sperre noch zusätzlich das Mitteldifferential. Trotzdem greift die Elektronik ein und der starke V6 wird abgeriegelt – aufmerksam, aber gefährlich. Wenn der Sand unter den Reifen die Düne herunter fließt braucht man schon mal den beherzten Tritt aufs Gas, zudem kann hier auch das ABS fatal sein. Die Elektronik muss aus.

In der Reduktion werden die elektronischen Störenfriede komplett deaktiviert, ich brauche also keine Sicherungen ziehen. Dafür müssen schnelle Tiefsandpassagen oder hohe Dünenaufstiege ausschließlich in der Reduktion gefahren werden, die zum Glück recht lang ausfällt.

Das Nachtlager schlagen wir geschützt am Fuß einer Düne auf. Endlich wird ein lang ersehnter Wunsch wahr, den Sonnenuntergang von der Düne aus zu genießen.

Morgens folgt Jerzy der Piste vom Vortag und sie führt uns immer tiefer in den Sand. Auf den Pisten sind jetzt keine Verwehungen, sondern kleine Dünen.

Oman - Die Piste ist vorbildlich ausgeschildert und natürlich halten wir uns dran.

Die Piste ist vorbildlich ausgeschildert und natürlich halten wir uns dran.

Anfangs fahren wir mit Jurek in der Gruppe vorbildlich drumherum. Mit der Höhe der Dünen steigt auch das Kribbeln auf der anderen Seite wieder runter zu fahren. Irgendwann kann Asia nicht mehr anders, sie legt ihren Schalter auf Spaß um und visiert eine circa 8 m hohe Düne an, die sich provokativ in den Weg gelegt hatte. Doch bevor wir die Abfahrt nehmen können sitzt der Pajero auf dem Kamm komplett auf.

Oman - Bauchlandung! Von alleine geht da nichts mehr, also Schaufeln raus.

Bauchlandung! Von alleine geht da nichts mehr, also Schaufeln raus.

Den Spaß haben die anderen und wir dürfen jetzt in der Sonne schaufeln. Die Aktion hat aber auch ihre gute Seite, das Eis ist gebrochen und Jurek wählt nun den Weg über die Dünen. Alle haben Spaß und siehe da, die Schaufel geht rum.

Oman - Die anderen Teilnehmer sind auch auf Geschmack gekommen, was das Fahren und das Schaufeln betrifft.

Die anderen Teilnehmer sind auch auf Geschmack gekommen, was das Fahren und das Schaufeln betrifft.

Doch das sollte nur ein kleiner Vorgeschmack sein auf das was uns noch erwartet. Nach einiger Zeit werden aus Dünen respekteinflößende Sandberge und es gibt keine Piste mehr. Die zu erreichenden Plateaus werden immer höher und die Benziner sind eine Klasse für sich.

Oman - Die Dünen sind Riesig und das Fahren hier hat einen besonderen Reiz.

Die Dünen sind Riesig und das Fahren hier hat einen besonderen Reiz.

Ich wähle ein abseits gelegenes Plateau, dass zwar recht hoch aber dennoch erst auf halber Höhe einer Düne ist. Der Sand ist knallhart, die Düne steigt langsam an und ich kann mit dem Mitsubishi richtig Anlauf nehmen. Also Reduktion raus, H4 rein und dem Motor ans Limit treiben. Im dritten Gang bei Tempo 90 geht es hoch. Die Drehzahl fällt, ich schalte schnell runter und merke jetzt so langsam das die scheinbar so harmlose Auffahrt immer steiler wird. Dadurch dass hier alle Dünen so hoch sind und es keine optischen Vergleichsmöglichkeiten gibt, verschätzt man sich schnell bei den Dimensionen.

Mit zunehmender Steigung werden wir mehr und mehr in die Sitze gepresst, doch der V6 zieht, dass es eine Freude ist. Oben angekommen wende ich und halte an. Die Land Cruiser haben Spielzeugformat, wir sind circa. 100 m über ihnen. Trotzdem thront die Spitze noch weit über uns. Die Abfahrt wird zur Rennstrecke. Leute kommt niemals in den Oman, das Fahren hier macht süchtig!

Das Blatt wendet sich

Wir kommen tiefer in die Dünen und suchen einen Überstieg. Kurz bevor wir Pause machen wollen passiert was eigentlich niemals passieren darf. Jerzy will unterhalb eines Kamms einen großen Kessel umfahren. Er nimmt Anlauf und als er genau parallel zum Kamm fährt, gerät er mit den äußeren Reifen in Weichsand. Er kann nicht viel machen, es reißt den Wagen herum und er durchbricht den Kamm. Wir eilen zur Hilfe herbei. Der Land Cruiser steht auf der anderen Seite des Kamms – quer zur Falllinie in einer beängstigenden Schräglage.

Oman - Jurek hatte Glück im Unglück, dieses Mißgeschick hätte böse enden können.

Jurek hatte Glück im Unglück, dieses Mißgeschick hätte böse enden können.

Noch steht der Toyota, aber die Zeit ist eindeutig gegen uns. Wie bei einer Sanduhr läuft der Sand langsam, aber unaufhörlich die Düne herunter.

Oman - Der Sand hält den Cruiser, aber wie lange noch?

Der Sand hält den Cruiser, aber wie lange noch?

Er muss schnellstens gesichert werden, erst dann können wir uns in Ruhe Gedanken über die Bergung machen. Die einzige Lösung ist, ich muss versuchen den Pajero als Sicherungsanker bei dem Land Cruiser zu platzieren. Dazu muss ich also eine Punktlandung bei der Gurtschlaufe hinbekommen. Ein schwieriges Unterfangen, denn da oben ist der Sand sehr weich und weil der einzige Gurt recht kurz ist. Zu viel Schwung könnte ich zwar durch eine gezielte Vollbremsung vernichten, aber dann sitzt der Pajero endgültig fest. Am Ende muss ich zweimal den Kessel hinunter und mit gutem Speed wieder raus, bevor es mir gelingt mit wohldosiertem Schwung nah genug an den Kamm heran zu kommen.

Nach ein paar endlosen Minuten ist der Cruiser gesichert und wir gewinnen Zeit.

Nach ein paar endlosen Minuten ist der Cruiser gesichert und wir gewinnen Zeit.

Wenn überhaupt gibt es nur eine Möglichkeit den Havaristen zu bergen: den Sand unterhalb des Vorderachse immer weiter weg schaufeln,so das sich das Fahrzeug nach und nach um 90° in die Falllinie dreht.

Oman - Der Plan scheint aufzugehen. Aber je weiter sich der Toyota Land Cruiser dreht, um so mehr Sand muss auch unter ihm weg geschaufelt werden. Unter diesen Bedingungen ein Knochenjob.

Der Plan scheint aufzugehen. Aber je weiter sich der Toyota Land Cruiser dreht, um so mehr Sand muss auch unter ihm weg geschaufelt werden. Unter diesen Bedingungen ein Knochenjob.

In der prallen Mittagssonne bei Temperaturen jenseits der 40°C schaufeln wir unaufhörlich mit Schaufeln und bloßen Händen den Sand die Düne herunter.

Oman - Leinen Los! Nach einer endlosen Buddelei steht der Land Cruiser Senkrecht endlich zur Falllinie.

Leinen Los! Nach einer endlosen Buddelei steht der Land Cruiser Senkrecht endlich zur Falllinie.

Im Nachhinein betrachtet war das grob fahrlässig. Die Gefahr eines Sonnenstichs oder Hitzschlags hatten wir überhaupt nicht bedacht. Wir hätten bis zum späten Nachmittag oder Abend warten müssen. Zum Sonnenuntergang drehen alle noch ihre Spaßrunden. Bei uns wird eine Actioncam montiert und los geht es. Durch gezieltes Bremsen versuchen wir den Dünenkamm zu planieren doch wir sitzen sofort auf. Wieder kommen die Schaufeln zum Einsatz und wir brechen ab. Wehmütig denken wir an unseren Toyota HZJ.

Der Tag ist überstanden

Abends diskutieren wir noch lange über unsere Fahrzeuge. Eines haben sie alle gemeinsam: Die Leistung kommt am Ende aus dem Tank. Wir haben den Motoren einiges abverlangt und sie entsprechend zugeschlagen. Folglich geht es am Morgen über sandige Pisten zurück in die Zivilisation. Wehmütig erreichen wir Asphalt und später und am Nachmittag dann ein kleines Städtchen an Meer. Logisch campen wir am Strand, aber vorher zieht es uns ins in den Ort. Im kleinen Supermarkt sind wir vom Angebot überwältigt.

Wir kaufen mal wieder mehr als gedacht und natürlich ist nach dem guten Fastfood auch das Eis aus dem Supermarkt drin. Beim Schlendern durch den Ort geht ein wildes Kamel mitten auf der Straße geradewegs und ruhig auf mich zu.

Oman - Im Oman gibt es überall wilde Kamele, die so zutraulich sind, dass sie sogar durch die Orte laufen.

Im Oman gibt es überall wilde Kamele, die so zutraulich sind, dass sie sogar durch die Orte laufen.

Ich kenne die Tiere aus Nordafrika, aber so zutraulich habe ich sie noch nie erlebt. Ich verhalte mich ruhig und es kommt direkt zu mir und posiert regelrecht vor der Kamera. Am Ende bekommt das Kamel aber kein Foto und somit ist die Modelkarriere schneller zu Ende als sie begann. Auf dem Weg zum Strand kommen wir noch an einer Werkstatt vorbei. Das Gepäcklimit verbietet es mir das eine oder andere günstige Ersatzteil zu kaufen.

Oman - Werkstätten findet man in fast allen Orten und an Tankstellen. Nicht selten stehen alte Toyota Land Cruiser als Ersatzteilspender davor.

Werkstätten findet man in fast allen Orten und an Tankstellen. Nicht selten stehen alte Toyota Land Cruiser als Ersatzteilspender davor.

Auf zur Küste

Die nächsten Tage fahren wir der Küste entlang, begegnen kleinen Städtchen, tollen Landschaften und traumhaften Küstenabschnitten.


Oman - Die Küste fällt steil ab und gibt immer wieder einen traumhaften Blick auf den Ozean frei.

Die Küste fällt steil ab und gibt immer wieder einen traumhaften Blick auf den Ozean frei.

Wir sind unterwegs auf einer guten Asphaltstraße über die Hochebene, als Jurek irgendwo mitten im Nichts nach rechts auf eine Piste abbiegt. Sie führt Richtung Ozean, aber was soll hier schon sein? Badespaß? Schulterzucken bei den Teilnehmern. Wir fahren treu hinterher, kommen der Abbruchkante näher und tatsächlich schlängelt sich die Piste den Abhang hinunter.

Unten am Strand ist geschäftiges Treiben. Fischer sind mit ihren Booten unterwegs. Zahlreiche Land Cruiser Pick-ups erinnern an ein Buschtaxitreffen, doch weit gefehlt.

Oman Die Land Cruiser sind reine Nutzfahrzeuge, sie ziehen die Boote und Netze an Land oder hängen vor beeindruckenden Trailern.

Die Land Cruiser sind reine Nutzfahrzeuge, sie ziehen die Boote und Netze an Land oder hängen vor beeindruckenden Trailern.

Doch nicht nur die Land Cruiser schuften hier, die Fischer laden ihren Fang mit viel Eis in Kisten und tragen diese in kleinen LKW.

Oman - Jurek kennt sich aus, dieser Küstenabschnitt ist ein Geheimtipp wo viele Einheimische direkt fangfrisch kaufen.

Jurek kennt sich aus, dieser Küstenabschnitt ist ein Geheimtipp wo viele Einheimische direkt fangfrisch kaufen.

Die Fischer sind freundlich, gesprächig und zeigen stolz ihre Beute. Das Abendessen ist gesichert, aber der markante Geruch und auch das Ambiente laden nicht wirklich zum Baden ein.

Masirah

Zum Schluss gönnt Jurek uns einen besonderen Badetag auf Masirah.

Oman - Mit diesen Fähren geht es Masirah, der Preis für die Hinfahrt ist Verhandlungssache, der für die Rückfahrt reglementiert.

Mit diesen Fähren geht es Masirah, der Preis für die Hinfahrt ist Verhandlungssache, der für die Rückfahrt reglementiert.

Wir werden uns schnell einig und setzten zur Insel rüber.

Oman - Im Hafen liegen die ausgedienten Fischerboote. Da man hier das ganze Jahr nicht heizen muss ist ihr Holz wertlos.

Im Hafen liegen die ausgedienten Fischerboote. Da man hier das ganze Jahr nicht heizen muss ist ihr Holz wertlos.

Die Insel ist ein Geheimtipp für Taucher. Absolut klares Wasser, bunte leuchtende Fische und weißer Sand mit dunklen Felsen laden gerade zu ein. Bei 28°C Wassertemperatur ist das Baden auch abends ein besonderes Vergnügen!

Wir übernachten am Strand, doch Ruhe sollten wir nicht bekommen. Es ist Rushhour, tausende Einsiedlerkrebse machen sich auf den Weg zum Wasser und stoßen wegen ihren großen Muscheln und dem schlechtem Augenmaß überall an. Es klackt und knistert die ganze Nacht.

Oman - Ein Einsiedlerkrebs auf dem Weg zur Arbeit. Leider sind die Tiere nachtaktiv.

Ein Einsiedlerkrebs auf dem Weg zur Arbeit. Leider sind die Tiere nachtaktiv.

Dafür bietet das Meer ein besonderes Schauspiel. Illuminierende Algen lassen nachts die brechenden Wellen in einem hellen Grün erleuchten. Ein Traum an dem wir uns nicht sattsehen können. Morgens geht es nochmal ins Wasser, dann kehren wir der Insel den Rücken.

Oman - Die Reste eines gestrandeten Bootes. Es wurde in mühsamer Handarbeit gefertigt.

Die Reste eines gestrandeten Bootes. Es wurde in mühsamer Handarbeit gefertigt.

Wir fahren zurück zum Festland, wo wir die letzte Nacht in einem kleinen Dünengebiet verbringen, das Jurek, Cinamon Desert – die Zimtwüste – nennt. Der Sand ist zimtfarben und die grünen Bäume, die ihre Feuchtigkeit aus dem morgendlichen Tau beziehen, heben sich mit ihrem satten Grün malerisch ab. Und hier gibt es auch ausreichend Holz für ein gemütliches Lagerfeuer im Sand. Wer die Stimmung kennt, der weiß, es wird spät bevor wir uns in den Zelten befinden.

Am Morgen wollen wir noch mal unserem SUV ein wenig Abenteuer gönnen. Ich laufe vor, planiere die spitzen Dünenkämme und Asia folgt der Spur. So können wir ein paar Abfahrten genießen.

Oman - So geht es dann doch, ist aber auf Dauer zu anstrengend.

So geht es dann doch, ist aber auf Dauer zu anstrengend.

Wir drehen noch einige Runden im Sand, dann verlassen wir die Idylle. Danach geht es gesittet über sehr gut ausgebaute Straßen zurück nach Maskat. Der Trip geht zu Ende wie er begann. Als wir den Mitsubishi Pajero abgeben wollen, kommt niemand um den Wagen entgegen zu nehmen und einen Schalter gibt es immer noch nicht.

Jurek regelt das schnell: den Pajero erst gar nicht abschließen, den Schlüssel im Handschuhfach lassen und ab zum Gate. Wir verabschieden uns sehr herzlich von Jerzy und auch vom Pajero.

Am Ende war der Mutsubishi ein treuer und guter Reisebegleiter. Sein SUV Konzept haben wir im Sand mehr als an seine Grenzen gebracht und trotzdem hat er uns das nicht übel genommen sondern brav weggesteckt. Zu Hause schwelgen wir in den Erinnerungen an einen außergewöhnlichen Trip

Oman, ein puristischer Urlaub in einem beeindruckendem Land!

Oman, ein puristischer Urlaub in einem beeindruckendem Land.

Nachschlag

Für die Motorverrückten und Petrolheads gibt es hier noch einen kleinen Nachschlag, denn im Oman findet man Oldtimer in allen erdenklichen Zuständen.


Oman - Zum Schluss noch einmal das berühmte Schild.

Zum Schluss noch einmal das berühmte Schild.

Infos zum Oman

Allgemein

Das Sultanat Oman liegt an dem südwestlichen Ende der arabischen Halbinsel. Es ist in etwa so groß wie Deutschland, hat aber nur ca. 4,4 mio. Einwohner. Die Hauptstadt ist Muskat, die in einer Bucht, direkt vor dem steil abfallenden Hadschar-Gebirge, am Golf vom Oman liegt. Das Landesinnere ist sehr dünn besiedelt und ist größtenteils Schotterwüste. Große Dünengebiete sind nur im Norden Omas, dem Empty Quarter, zu finden, der weit nach Saudi- Arabien und dem Jemen hinein reicht. Das Land verfügt über ein ausgedehntes Straßennetz, die Straßen sind durchweg im gutem bis sehr guten Zustand und werden kontinuierlich gepflegt und auch in Stand gehalten.

Wetter

Maskat selbst hat eine extreme Wetterlage. Die Höchsttemperaturen werden vormittags erreicht und liegen im Sommer oft über 40°C liegt. In Verbindung mit der sehr hohen Luftfeuchtigkeit von teilweise über 80% ergeben das gefühlte Temperaturen von über 50°C. Im Sommer kühlt es sich nachts oft nicht unter 33°C ab. Darum gelten für das Sultanat und besonders für Muskat als ideale Reisezeit gilt die Tage von Ende Oktober bis Ende März. Aber es kann trotzdem feucht und heiß werden!

Währung

Landeswährung ist Rial Omani, und kann ungefähr 1:2 zum Euro umgerechnet werden. Umtausch ist am Flughafen möglich. Der Kurs ist hier zwar schlechter, dafür hat man mit dem Beleg die Möglichkeit wieder zum gleichen Kurs zurück zu tauschen. In größeren Städten und auf einigen großen Rasthöfen gibt es Geldautomaten.

Mietwagen

Wie man sieht ist es von Vorteil, wenn man eine Mietwagenstation mit Vertretung am Flughafen wählt. Die großen, bekannten Vermieter sind vertreten und man kann den Wagen bequem über das Internet von hier aus buchen. Offroadfahrten sind offiziell mit dem Mietwagen verboten (Ausnahme Mark Tours). Allerdings gibt es zahlreiche Ziele, die nur über Pisten zu erreichen sind. Die Fahrzeuge sind ausnahmslos Benziner, die immer über eine Klimaanlage verfügen.

Verpflegung und Trinken

Trinkwasserhygiene ist auch im Oman ein absolutes Muss, um Magen- Darmerkrankungen zu vermeiden, die bei den vorherrschenden klimatischen Bedingung schnell zur Austrocknung führen können.
In den Restaurants werden zahlreiche Speisen angeboten, meist mit Reis als Beilage. Da alles gekocht ist, gab es auch keine Beschwerden. Vorsicht beim Salat! Gezahlt wird immer bar, was bei uns ohne jegliche Probleme von Statten ging. Einkaufsmöglichkeiten gibt es regelmäßig und die Auswahl ist gut. Isotonische Getränke stellen eine sinnvolle Ergänzung dar.

Ausrüstung

Schlafsack, Isomatte, Zelt, Heringe. Es kam häufiger zu Reifenschäden. Die Reparaturen nahmen viel Zeit in Anspruch und brachten nicht immer den gewünschten Erfolg. Besser man nimmt ein Set Reparaturdochte mit und behebt den Schaden selbst. Bergewerkzeug nicht vergessen!

Verständigung

Die Landessprache ist arabisch. Aber die Verständigung mit den Einheimischen läuft recht problemlos auf Englisch, da dies ein Pflichtfach auf den Schulen ist. Die meisten Straßenschilder sind 2-sprachig arabisch/ englisch.

Tourismus

Das Sultanat ist touristisch kaum erschlossen. Wer mit dem geliehenen Fahrzeug auf Entdeckung geht, sollte die großen trockenen Weiten bedenken. Pisten und Wüsten sollte man aus Sicherheitsgründen auf keinen Fall alleine befahren, es sind schon Einheimische verdurstet in ihren Fahrzeugen gefunden worden. Sehenswürdigkeiten sind nicht ausgeschildert, eine gute Vorbereitung ist von Vorteil.

So nun träume schön, ein neues Reiseziel hast du jetzt ja!

So nun träume schön, ein neues Reiseziel hast du jetzt ja!

© Fotos: Marcus Nau