Andrea und Mike hatten irgendwann eine fixe Idee. Wie wäre es, wenn man die extremsten Orte auf der Welt mit einer Linie verbindet und daraus eine Reise mit einem Offroad-LKW macht? Genial, oder? So sind die beiden unterwegs, den heißesten Ort, den höchsten befahrbaren Pass, den kältesten bewohnten Ort und den tiefsten Landpunkt innerhalb von 11 Monaten zu besuchen. Dabei fahren sie gut 45.000 Kilometer durch 19 Länder. Wir haben ihnen ein paar Fragen gestellt.

Wie seid ihr auf die Idee mit der Reise gekommen?

Wir waren drei Jahre lang in eine Land Rover Defender durch Nord-, Zentral- und Südamerika gereist, hatten 50 Grad Celsius in Baja California, über 5.000 Meter über dem Meer in Bolivien und kalte Nächte in den Anden. So kam Mike auf die Idee das Ganze zu steigern und begann nach den vier extremsten Orte der Welt zu suchen. Diese Punkte (der heißeste Ort, der höchste befahrbare Pass, der kälteste bewohnte Ort und tiefster Landpunkt) sind alle auf einer Route verbindbar und so kam das Projekt ins Rollen.

 

Mit welchem Fahrzeug seid ihr unterwegs und wie habt ihr das reisetauglich gemacht?

Als Basisfahrzeug haben wir einen Axor 1829 gewählt und eine 15“ Bliss Box als Wohnbox darauf gesetzt. Der LKW wurde zusätzlich mit zwei 400-Liter-Tanks, eine STIS von ti.systems, Tankheizungen, zusätzlicher Isolation von Dynamat, 14R20 Goodyear ORD-Reifen ausgerüstet. Die Starterbatterien wurden von der LEAB AG in den Innenraum vom Fahrerhaus versetzt, damit sie besser von Hitze und Kälte geschützt sind. Für die lange Dunkelheit im sibirischen Winter, haben wir von LEDlightpower 4 LED-Zusatzlichter auf dem Dach, zwei an den Seitenspiegeln und zwei hinten am Fahrzeug montiert.

Interview 4-xtremes.chWie und wie lange habt ihr euch auf die Reise vorbereitet? Also Versicherungen, Vollmachten, Visa usw.

Diese Reise haben wir fünf Jahre lang vorbereitet und geplant. Nebst vielem Geld sparen und arbeiten, gibt es viele Aspekte, die geplant werden müssen. Der größte Teil davon ist die Wahl des Reisefahrzeugs und dessen Umbau. Mit der Routenplanung kommen dann die Visas, Impfungen und Papiere für den Hund und schlussendlich die Wohnungsauflösung und Einzug in das Fahrzeug. Dies war bei uns ein recht intensiver Teil, da wir beide noch gearbeitet haben und dazu eben alles organisieren mussten.

Inwieweit habt ihr den Verlauf der Reise im Vorfeld geplant? Konkret, welche Länder wann, Sehenswürdigkeiten, Routen … Oder lasst ihr alles auf euch zukommen?

Im Vorfeld haben wir unsere Route nur sehr grob geplant. Also nur welche Länder und wie viele Kilometer wir ungefähr dort machen werden. Dazu kommt noch wie lange wir in den Länder sein werden, das wiederum Einfluss auf Visum und Visumart hat. Unterwegs informieren wir uns dann laufend über das nächste Land und planen erst dann eine konkrete Route. Konstante Änderungen gehören jedoch dazu, also können wir so viel planen wie wir wollen, es kann sich trotzdem vor Ort ändern.

Interview 4-xtremes.chWie finanziert ihr die Reise und wie viel gebt ihr durchschnittlich im Monat aus?

Für unser Projekt haben wir starke Partner und Sponsoren, die uns mit Material unterstützen. Da wir auf dieser Reise die vier Extremsten Orte der Welt besuchen wollen, eignet sich dieses Unterfangen gut für Produktetesting in harten Bedingungen. Ein sehr großer Teil des Fahrzeug und dessen Umbau haben wir trotzdem selbst übernommen und natürlich gehen auch die Reisekosten voll zu unseren Lasten. Wir haben beide knallhart gespart während den 5 Jahren Vorbereitung. Dazu gehörte auch, dass wir beide jeweils zwei Jobs hatten und vor unserer Abreise wir unser ganzes Hab und Gut verkauft haben.

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Unser Reisebudget hat sich mittlerweile bei 1.500 Euro pro Monat eingependelt. In Länder wie im Iran ist es natürlich deutlich weniger und zum Beispiel in Russland ein wenig darüber.

Sicher gab es hunderte toller Momente bisher auf eurer Reise. Gibt es einen oder zwei, die euch besonders in Erinnerung geblieben sind?

Wir haben unzählige spezielle Eindrücke dieses Abenteuers, manchmal tut es auch gut, wenn wir einen Tag Pause machen können, um alles zu verdauen. Fest in Erinnerung bleiben natürlich die verschiedenen Leute, die wir kennengelernt und in deren Leben wir einen Einblick bekommen haben. Zum Beispiel die Familien im Iran die uns zu sich nach Hause eingeladen haben, Nomaden-Jungs in der Mongolei, die mit ihrem iPhone Selfies mit uns gemacht haben, ein Pärchen in den Bergen der Türkei und viele mehr.

Interview 4-xtremes.chSo unterschiedliche Lebensweisen und so große Herzen. Andere Highlights für uns waren natürlich das Erreichen der extremen Orte. Das Campen am heißesten Ort der Welt bei +65C und die Ankunft am kältesten bewohnten Ort der Erde bei -52C waren sehr speziell für uns.

Wir haben uns fünf Jahre darauf vorbereitet und endlich waren wir da. Dazu kam leider auch der Moment, wo wir wussten, dass wir nicht auf den höchst befahrbaren Pass fahren werden. Uns wurde das Visum für Pakistan verweigert, deshalb bekamen wir nicht einmal die Chance es zu probieren. Das war ein großer Rückschlag für uns und wir mussten unsere Reise praktisch komplett neu planen. Aber auch das gehört zum Reisen.

Interview 4-xtremes.chMuss man auf einer solchen Reise an der ein oder anderen Stelle Angst haben? Oder sollte man eher auf das Gute vertrauen? Wie ist da eure Devise?

Nicht Angst, aber Respekt. Vor allem in Länder wo die Gebräuche und Gesetze komplett anders sind, muss man sich im Voraus gut informieren. Meistens ist es dann doch anders, wenn man vor Ort ist. Aber es ist klug informiert zu sein. Bisher haben wir nur gute Bekanntschaften gemacht. Aber wir haben auch immer auf unser Bauchgefühl vertraut, auch was Übernachtungsorte angeht. Wenn sich einer von uns nicht wohl fühlt, dann gehen wir weiter. Soweit hat das gut funktioniert.

Interview 4-xtremes.chWelche Eigenschaften sollte jemand haben, der eine Weltreise machen will?

Offen sein für neues, flexibel für Planänderungen, Respekt gegenüber anderen Kulturen und Menschen, Grundkenntnisse der Technik vom eigenen Fahrzeug, neugierig sein, sich manchmal dumm stellen und gut mit Händen und Füssen kommunizieren können.

Was würdet ihr jemandem raten, der den Wunsch hat, eine Weltreise zu machen?

Den Wunsch nicht immer auf „das nächste Jahr“ zu verschieben und es einfach zu tun.

Habt ihr ein Motto?

So viel wie möglich abseits der Touristenroute zu erkunden um die Länder so authentisch wie möglich zu erleben.

Interview 4-xtremes.chWenn ihr mehr über Andrea und Mike erfahren wollt und welche Orte denn nun die extremsten Orte auf der Welt sind, dann schaut auf jeden Fall mal auf ihrem Blog 4-xtremes.ch vorbei.

Fotos: 4-xtremes.ch