Jón Baldur Þorbjörnsson ist der Gründer von Isafold Travel und ISAK, der bekanntesten Geländewagenvermietung Islands. Schon seit 1983 führt er Touristen auf Touren durch Island. MATSCH&PISTE verriet er, welches seine Lieblingsstrecken sind, was ihn am meisten an Island stört und was Offroad-Reisende dort beachten sollten.

Defender auf Island im Schnee

Vulkanausbrüche sind sehr häufig auf Island. Dein Vater wurde durch einen Ausbruch berühmt. Kannst du etwas darüber erzählen?
Mein Vater war Physikprofessor an der Uni. Hat zwar Kernphysik bei Niels Bohr in Kopenhagen und in Princeton USA studiert, wurde aber später der erste Geophysiker Islands. Er hat die Geophysik-Abteilung an der Uni Island gegründet und geführt.

Beim Ausbruch und Entstehung einer neuen Insel, Surtsey, südlich von Island 1963, hat er per Hubschrauber eine Feuerlöschpumpe einfliegen lassen. Er hatte berechnet wie stark Seewasser glühende Lava abkühlen müsste und wollte nun sehen, ob seine Berechnungen stimmten.

10 Jahre später gab es einen Vulkanausbruch auf der Insel Heimaey, der drohte die Hafeneinfahrt zu blockieren. Da kam er auf die Idee, einfach die 100-fache Menge an Wasserpumpen aufstellen zu lassen, um den Naturgewalten zu trotzen. Mit einem so großen Erfolg, wie ihn sich niemand hätte träumen lassen: Durch die erkaltete Lava liegt der Hafen jetzt sehr geschützt und so ist der beste Hafen Islands am wichtigsten Fischereiort des Landes entstanden. Davon profitiert die Nation immer noch und wird es lange tun.

Du hast selbst auch einen Vulkanausbruch miterlebt. Ist das nicht ein Leben in ständiger Angst, oder hat man sich als Isländer daran gewöhnt?

Nein, es ist irgendwie eine Gewohnheit. Man hat keine Panik mehr, man geht halt mit den Vulkanen mit Respekt um. Und wir haben inzwischen gelernt, nicht auf einem Vulkan Siedlungen zu bauen. Mit Ausnahme der Westmänner-Inseln – aber da war eigentlich ein Ausbruch in diesen Jahrhundert nicht gerade zu erwarten.

Defender auf Island im Schnee

Was liebst du an Island?

Die Weite –und die unkomplizierten Menschen.

Was sind deine Lieblingsplätze auf Island?
Þórsmörk (Thorsmörk – Thorswald).  Dahin habe ich 1970, mit fünfzehn Jahren, meine erste Reise gemacht. Die wild-romantische Landschaft dort und die zahlreichen, abenteuerlichen Flussdurchquerungen haben wohl dazu geführt, dass mein erster Wagen ein Land Rover wurde – damals gab es keine Defender oder sonst was – Den habe ich bereits mit 16 Jahren gekauft, 3 Monate vor meinem 17. Geburtstag und dem Führerschein. Ich habe meine Eltern lange überreden müssen, mein Erspartes so auszugeben….

Welche drei Strecken im Hochland findest du am schönsten?
Sowohl die immer überraschenden und farbprächtigen Hochlandstrecken im Südland (Fjallabaksleið Sydri und Nydri) als auch die unheimlichen, urtümlichen Strecken nördlich des Vatnajökull, wie Gæsavatnaleid und Kverkfjöll mag ich sehr gerne.  Aber mein Thriller ist die Strecke „Eyfirdingavegur“ nördlich des Gletschers Hofsjökull. – Eigentlich keinem zu empfehlen, der nicht über wirklich größere Geländeerfahrung verfügt. Die 10 Male, die ich diese Piste gefahren/gewatet bin, ist mir noch nie ein Auto begegnet…

Welche Tipps hast du für Offroad-Reisende auf Island?
Die Artikel über Island bei Matsch und Piste zu lesen – und die Wetterberichte und Berichte über den Straßen-(Pisten)-zustand gut zu studieren

Du führst viele Reisegruppen durch dein Land, was war das Tollste, was du dabei erlebt hast?
Die ständige Abwechslung durch Leute, Landschaften und Wetter.

Wohin reist du selbst am liebsten?
Jetzt, zu meinen Ferienhäusern an ausgesuchten Orten/Lagen in Island, www.nordiclodges.com.

Defender auf Island im Schnee

Gibt es etwas, das dich an Island stört? Wenn ja, was ist das?
Die Hochspannungsleitungen in der Landschaft, und die ins Uferlose steigende Anzahl der Touristen und dadurch das Gedränge dort, wo früher kaum ein Mensch zu sehen war. Aber es gibt auch die andere Seite der Medaille: Ohne die Stromleitungen wären viele interessante Pisten nicht zustande gekommen, und ohne die Touristen hätten wir uns kaum von der Wirtschaftskrise von 2008 so schnell erholt.

Neben der Piste fahren ist streng verboten. Sogar einem anderen Fahrzeug auszuweichen, soll angeblich ein Verkehrsverstoß sein, weil man die Piste verlässt. Wie siehst du das?
Reine Theorie. Natürlich muss man in der Praxis anderen Fahrzeugen ausweichen und somit in diesen Fällen die Piste verlassen können. Da kann keiner was dagegen sagen, wenn an einer einspurigen Piste vorsichtig ausgewichen wird.

Es gibt das Gerücht, dass die Isländer das Offroad-Fahren im Hochland stark beschränken wollen, da durch den Offroad-Tourismus die Natur immer weiter zerstört wird. Gibt es tatsächlich Bestrebungen in diese Richtung?
Nein. Die einzigen Beschränkungen beziehen sich darauf, dass inoffizielle Pisten, die nicht auf GPS-Karten zu erkennen sind, nicht (mehr) befahren werden sollen/dürfen. Das gilt aber genauso für Isländer wie auch für Ausländer. Wenn man damit nicht zurecht kommt, sollte man halt im Winter hier hoch kommen, um dann überall fahren zu können, wo ausreichend dicker Schnee liegt.

ISAK Defender im Schnee beim Furten

Du hast einige Jahre lang eine „Iceland Trophy“ veranstaltet. Gibt es die noch?
Klar, kannst du auf der Isafold-Webseite nachlesen. Diese Konvoi-Tour ist die Krönung der Wintertouren mit den Isaks, eine einmalige und herausfordernde Reisemöglichkeit.

Wie sollte man seinen Defender, Toyota oder VW Bus 4×4 vorbereiten, wenn man vorhat ins isländische Hochland zu fahren. Sowas wie Achsbelüftung höher legen, anderes Fahrwerk, Auspuff Standheizung verschließen?
Das wird teilweise in den MATSCH&PISTE-Artikeln beantwortet. Das Auto so vorzubereiten, halte ich aber für leicht übertrieben. Wo man zu solchen Sondervorkehrungen greifen müsste, sind es meistens Situationen, die: erstens kaum vorkommen, und zweitens, wenn so extreme Vorkehrungen nötig wären, sollte man einfach die Finger davon lassen. Das sind dann Situationen, die bereits recht riskant geworden sind z.B. durch heftige Regenfälle oder Warmwetterschmelzen. Da sollte man eine Änderung der Lage abwarten. Das ist aber Zeichen dafür, dass man die Wettervorhersage nicht sachgemäß im Voraus studiert hat.

Jón Baldur Þorbjörnsson

Über Jón: Jón Baldur, auch JB (Djey Bee) genannt, hat in Deutschland Fahrzeugtechnik studiert. Wegen seiner Liebe zum Reisen gründete er 1997 den Island-Touren-Veranstalter Isafold Travel und 10 Jahre später die ISAK-Geländewagenvermietung. Beide Firmen hat er 2015 verkauft. Heute kümmert er sich um seine neue Firma Nordic Lodges, die Ferienhäuser auf Island vermietet. Außerdem führt er immer noch Touristen durch sein Land, unter anderem mit der Land Rover Experience.