Eine Weltreise zu machen, ist eigentlich ganz einfach: ins Auto steigen und losfahren. Aber welche Reiseroute nehmt ihr? Welche Dokumente und Versicherungen braucht ihr? Was müsst ihr zu Hause vorab klären? Nicht zuletzt die Frage: Was müsst ihr alles mitnehmen? Klingt doch nicht so einfach. Keine Angst, wir sagen euch, was ihr bei der Planung berücksichtigen müsst.

Was kostet eine Weltreise?

Wenn ihr eine Weltreise plant, steht zu Beginn die Frage nach der Finanzierung. Kalkuliert dabei auch alle Kosten vor und nach der Reise mit ein. Das sind beispielsweise Kosten für Fahrzeug, Ausbau, Ausrüstung, Verschiffung, Visa, KFZ- und Krankenversicherung. Wer nach der Reise noch keine feste Stelle hat, braucht noch Geld für die Übergangszeit. Auch an die laufenden Kosten für Miete oder Kredite müsst ihr denken.

Im Durchschnitt geben Offroad-Reisende monatlich ein- bis zweitausend Euro für zwei Personen aus. Je nachdem, wie viele Extras sie sich gönnen. Der größte Teil davon ist Kraftstoff. „Im Monat haben wir circa 2.000 Euro ausgegeben. Davon haben wir sehr luxuriös gelebt. Da waren auch Verschiffungen, Flüge und Tauchscheine drin”, David und Eva (aufindenosten.com).

Fakt ist: Wer langsamer reist, spart Geld. Denn so habt ihr die Freiheit, unvermeidbare Kosten über einen längeren Zeitraum zu verteilen. Gerade Sprit-, Visa- und Verschiffungskosten können große Löcher ins Budget reißen.

Um auf der Reise nicht den Überblick zu verlieren, könnt ihr euer Reisebudget für den jeweiligen Monat von eurem Sparbuch auf euer Girokonto überweisen, ähnlich wie ein Gehalt. Bargeld gibt es, mit ganz wenigen Ausnahmen, auf der ganzen Welt mittels Kreditkarte an Geldautomaten. Nehmt am besten zwei verschieden Karten mit und achtet auch auf deren Gültigkeit. Visakarten werden fast überall akzeptiert, Mastercard nicht. Auf dem amerikanischen Kontinent hat American Express eine hohe Verbreitung.

Wie plant ihr eure Reiseroute?

Das Internet bietet eine Fülle von Informationen über Länder, Regionen und Strecken. Aber sind diese Angaben auch vertrauenswürdig und noch aktuell? In Weltreise- oder Geländewagen-Foren und über Reiseblogs können ihr leicht Gleichgesinnte finden. Ein persönliches Gespräch ist nach wie vor die beste Gelegenheit, tolle Strecken, Übernachtungsplätze oder Kontakte vor Ort zu bekommen. Andere Weltreisende trefft ihr außerdem auf Globetrotter-Treffen oder über die Webseite der Deutschen Zentrale für Globetrotter.

„Wir haben die Länder auf unserer Strecke in einer kleinen Verlosung aufgeteilt. Jeder von uns beiden wird nun Spezialist für die Länder, die er bekommen hat. Dabei geht es nicht nur um Sehenswürdigkeiten, sondern auch um Einreiseformalitäten, Verkehrsvorschriften, Bezugsquellen für Ethanol (für den Kocher) oder die notwendigen Impfungen. Nicht zu vergessen Übernachtungsplätze, Gepflogenheiten vor Ort und Adressen von Land Rover Werkstätten”, Tobias (Panamericana.de).

Informiert euch sich über Sitten, Gebräuche und eventuelle Fettnäpfchen. Berücksichtigt zudem das Klima während der geplanten Reisezeit, Feiertage oder sehenswerte Feste.

Gute Startpunkte sind zudem Reisemessen, Reiseführer oder Themenhefte von GEO oder Merian.

“Ziemlich zu Beginn unserer Planungen sind wir nach Stuttgart auf die CMT gefahren, eine der größten Publikumsmessen für Touristik und Freizeit. Dort präsentieren sich viele Länder, es gibt umfangreiches Material und man kann mit Vertretern aus den Ländern sprechen”, Stefan (mybeastgoeseast.wordpress.com).

Welche Dokumente sind wichtig?

Einige Länder verlangen einen Reisepass, der bei Ausreise noch sechs Monate gültig sein muss. Gilt eurer nicht mehr so lang, nehmt gleich einen neuen mit 48 statt 32 Seiten.

In vielen Länder benötigt ihr zur Einreise ein Visum. Die Gebühren liegen je nach Land und Art des Visums bei 20 bis 300 Euro. Habt ihr das Visum bekommen, müsst ihr häufig innerhalb einer gewissen Zeit einreisen, sonst verfällt es.

Unterwegs könnt ihr Visa in den jeweiligen Länderbotschaften in den Nachbarländern und zum Teil an der Grenze beantragen. Einige Behörden bestehen auf Hotelreservierungen oder Kontoauszügen, um die Kreditwürdigkeit zu prüfen, einer Gelbfieberimpfung oder einer gewissen Deckungssumme bei eurer Krankenversicherung. Was ihr im Einzelfall wirklich braucht, erfahrt ihr beim Auswärtigem Amt, bei den jeweiligen Konsulaten in Deutschland und im Zweifel bei der Einreise. Vergesst nicht, eine große Menge an Passbildern mitzunehmen.

Alle wichtigen Unterlagen solltet ihr in Kopie dabei haben. Schickt euch die eingescannten Papiere zusätzlich per Mail, so könnt ihr die im Notfall unterwegs im Copyshop ausdrucken. Weitere Dokumente, die ihr auf der Reise an der ein oder anderen Stelle brauchen werdet: internationaler Führerschein, internationaler Fahrzeugschein, “Grüne Versicherungskarte” und Versicherungsscheine.

Wollt ihr eine Agentur auf der Reise mit der Visa-Beschaffung beauftragen, ist ein zweiter Reisepass nötig, der beim Einwohnermeldeamt beantragt werden kann. Ein zweiter Pass kann auch die Einreise in einzelne Länder erleichtern. Denn wer zum Beispiel nach Israel einreist und vorher in einem arabischen Land war, muss sich oft langwierigen Befragungen beim Zoll unterziehen.

Was ist ein Carnet de Passages?

Neben einem Visum brauchen Reisende manchmal ein Carnet de Passages für ihr Fahrzeug. Dabei handelt es sich um ein Zolldokument, mit dem die vorübergehende Einfuhr des Wagens in ein Land ermöglicht wird.

Das Carnet ist ein Jahr gültig und wird beispielsweise vom ADAC ausgestellt. Hierzu müsst ihr eine Kaution bei einer Bank hinterlegen, damit ihr eurer Fahrzeug auch wieder ausführen könnt. Die Kaution kann bis zu 40.000 Euro betragen. Sie richtet sich nach Einfuhr-Land und derzeitigem Fahrzeugwert.

Welche Krankenversicherung braucht ihr?

Wenn ihr nicht angestellt seid, unterliegt ihr der Sozialversicherungspflicht, sofern ihr in Deutschland gemeldet bleibt. Das bedeutet, ihr müsst eure Beiträge selbst zahlen.

Die gesetzlichen Krankenkassen decken im Ausland nur kurze Urlaubsreisen (maximal 6 Wochen) ab. Könnt ihr eurer Versicherung glaubhaft vermitteln, dass ihr eine längere Reise macht, könnt ihr häufig trotzdem kündigen.

Einige private Versicherungen zahlen im Ausland bis zu einem Jahr. Ist das bei eurer nicht der Fall oder wird die Reise länger dauern, sollten ihr versuchen, den Vertrag zu kündigen.

Die gesetzlichen Kassen müssen Mitglieder nach Ende eines Auslandsaufenthalts wieder aufnehmen. Freiwillig gesetzlich und privat Versicherte, die nach der Reise nicht arbeitslos sein werden, können eine Anwartschaft abschließen. Ihr zahlt dann einen monatlichen Beitrag, damit die Krankenversicherung euch nach eurer Rückkehr wieder aufnimmt.

Während der Reise müssen Globetrotter deshalb, in den meisten Fällen, eine Auslandskrankenversicherung abschließen. Darauf haben sich spezialisiert: ADAC, WorldNomads.com oder HanseMerkur. Die Versicherung kostet ein bis drei Euro pro Reisetag, bei Reisen in die USA oder Kanada wird es teurer.

Beachtet das Kleingedruckte. Die Versicherung sollte den Rücktransport übernehmen, wenn es medizinisch „sinnvoll“ nicht wenn es „notwendig“ ist, nur so ist der Rücktransport auch bei nicht lebensbedrohlichen Krankheiten oder Verletzungen garantiert.

Welche Versicherungen braucht ihr noch?

Die „Grüne Versicherungskarte“ bietet nur in europäischen Staaten Schutz, manchmal in einigen nordafrikanischen. Eine KFZ-Haftpflichtversicherung ist jedoch in vielen Ländern Pflicht. Die Versicherungen können meist an den Grenzübergängen abgeschlossen werden. Fragt direkt nach, ob ihr eine Versicherung für mehrere Länder abschließen könnt. KFZ-Versicherungen vor der Reise bieten beispielsweise Tourinsure oder Jahn und Partner.

Eine normale Privat-Haftpflichtversicherung gilt auch im Ausland, meist aber nur für einen Aufenthalt bis zu einem Jahr. Bei einer bestehenden Hausratsversicherung ist unter Umständen auch das Gepäck auf der Reise mitversichert.

Wie regelt ihr eure Angelegenheiten zu Hause?

Seid ihr mehrere Monate oder Jahre unterwegs, solltet ihr einer Vertrauensperson in Deutschland eine Generalvollmacht erteilen. Mit der Vollmacht, kann die Person in eurem Namen Rechtsgeschäfte vornehmen oder Behördengänge tätigen.

Die Generalvollmacht muss nicht beglaubigt werden. Dennoch empfiehlt sich für Behörden eine notarielle Beglaubigung. Banken akzeptieren eine Generalvollmacht nur selten, sie bestehen auf eigenen Vollmachten.

Bittet eure Vertrauensperson auch ihre Post zu öffnen und wenn nötig per E-Mail an euch weiterzuleiten.

Was muss in die Reiseapotheke?

Lasst euch einige Monate vor Abreise von einem Tropeninstitut beraten, welche Impfungen ihr benötigt. Geht außerdem mit eurem Hausarzt eure Reiseapotheke durch. Bestehende Vorerkrankungen sowie häufige Krankheiten solltet ihr bei der Auswahl der Medikamente berücksichtigen.

Sinnvoll sind: Desinfektionsmittel, Fieberthermometer, Pinzette, Zeckenkarte, Schmerzmittel, Medikamente gegen Durchfall und Allergien, verschiedene Antibiotika, Salbe gegen Juckreiz, Creme gegen Hautentzündungen, Traubenzucker bei Unterzuckerung und Salzmischung bei Durchfall. Lagert eure Medikamente am besten in der Kühlbox.

Liegt euer Erste-Hilfe-Kurs bereits einige Jahre zurück? Frischt ihn auf oder macht am besten gleich einen Offroad-Erste-Hilfe-Kurs.

Wie muss ein Fahrzeug für eine Weltreise ausgestattet sein?

Die Ausstattung des Fahrzeuges wird vor der Reise die meiste Zeit in Anspruch nehmen. Wollt ihr euer Reisemobil selbst ausbauen, dann solltet ihr euch vorher das Buch Wohnmobile selbst ausbauen und optimieren Ulrich Dolde ansehen. Für alle anderen gibt es eine Vielzahl von Anbietern, die den Ausbau übernehmen.

Je nach Gewicht des Ausbaus muss das Fahrwerk angepasst werden. Nützlich sind zudem Zusatz-Tank, Standheizung, Dachgepäckträger und Seilwinde.

„Für Unabhängigkeit sorgt die Doppelbatterieanlage mit Solarpanel und der 75l-Wassertank. Begeistert sind wir von unserer Engel-Kühlbox und der Foxwing-Markise, die einfach qualitativ und vom Reisenutzen her wahnsinnig gut sind!”, Mischa (4-wheel-nomads.de).

Welche Ausrüstung braucht ihr auf einer Weltreise?

Mitnehmen solltet ihr Bergematerialien wie Bergegurt, Schäkel, Handschuhe, Schaufel und Sandbleche. Ihr braucht auch: Kompressor, um den Druck der Reifen der Strecke anzupassen, ein Reifenreparaturset und eine Werkzeugtasche.

Welche Ersatzteile ihr einpackt, hängt von eurem handwerklichen Geschick, dem Platz und der Vorgeschichte des Fahrzeugs ab. Verschleißteile wie Luftfilter oder Keilriemen sollten auf jeden Fall dabei sein. Feuerlöscher und Ersatzbirnen für Scheinwerfer sind nicht nur sinnvolles Zubehör, sondern in einigen Ländern Pflicht.

Vergesst nicht Kleinigkeiten wie Ersatzbatterien für die Autoschlüssel, Ersatzbrille, Feuerzeug, Nadel und Faden, Multifunktionstool, Draht, Klebeband und Kabelbinder.

Auch einen Kocher solltet ihr mitnehmen. Denn wer selber kocht, spart Geld. Außerdem könnt ihr damit unsauberes Trinkwasser abkochen. Da Kochen allerdings nicht alle Schadstoffe im Wasser beseitigt, ist die Kombination mit einem Aktiv-Kohlefilter sinnvoll.

Ob Spiritus-, Gas- oder Sprit-Kocher solltet ihr in Hinblick auf eure Reiseroute entscheiden. In Südamerika wird selten Gas verwendet. Auch in großen Höhen und bei Kälte ist es unbrauchbar. In muslimischen Ländern ist Alkohol häufig verboten und Spiritus schwierig zu bekommen.

Zudem ist es eine gute Idee, ein Ohne-Wörter-Buch mit Zeigebildern zur Verständigung mitzunehmen. Für tolle Erlebnisse sorgen einige Fotos von zu Hause, die ihr zeigen könnt. Kleine Geschenke wie Taschenlampen oder Messer sind bei Gastgebern und Helfern gern gesehen.

Wie navigiert ihr auf der Reise?

Für die Navigation mit Tablet oder PC stehen euch eine Vielzahl von Programmen zur Verfügung. Mehr zu diesem Thema findet ihr hier. Verlasst euch nicht allein auf elektronische Helfer. Ein zusätzliches GPS-Gerät, sowie Karten und Kompass gehören mit an Bord.

„Mit Karten können die Mongolen in der Regel wenig anfangen, die zeigen immer nur in die Richtung und sagen: ‚Drei Tage‘. Wir hatten ein Toughbook, GPS-Maus und QuoVadis dabei, dazu noch russische Generalstabskarten. Zumindest wussten wir so, wo wir sind”, Karsten (edeundsten.de).

Was braucht ihr sonst noch?

„Die wichtigste Eigenschaft auf einer Reise ist Geduld. Geduld bedeutet für mich auch Verständnisbereitschaft, Nachsicht, Freundlichkeit und Dankbarkeit. Manche Dinge muss man einfach aussitzen, da hilft nur viel Geduld”, Gunter Holtorf (ottosreise.de).

Übertreibt es nicht mit der Planung und lasst euch während der Reise auch mal treiben. Sonst artet das Reisen in Stress aus und ihr braucht dringend Urlaub.

Nützliche Links

Foren:

Reiseblogs:

Globetrotter-Treffen:

Auswärtiges Amt:

Visa-Agenturen:

Carnet de Passages:

Liste außergewöhnlicher Verkehrszeichen im Ausland:

Versicherungen allgemein:

Auslands-Krankenversicherungen:

KFZ-Versicherungen:

Impfungen-/Impf-Beratung:

Offroad-Erste-Hilfe-Kurs:

Innenausbau:

Reisemessen:

Navigation:

Bücher: