T3 Syncro Umbau zum Reisefahrzeug

Wir, Stefan und Jenny, haben uns für unsere Langzeitreise unser perfektes Fernreisemobil selbst um- und teilweise ausgebaut. Ziel war es, auf kleinstem Raum eine praktische Wohnung mit Komfort auch für mehr als ein paar Wochen zu schaffen. Da wir schon immer begeisterte T3 Fahrer sind, kam für unsere Reise kein anderes Fahrzeug in Frage.

Leider war unser bisheriger Syncro der Korrosion zum Opfer gefallen, so dass wir uns für unser Projekt zunächst nach einem neuen alten T3 Syncro umschauen mussten. Nach langer Suche fanden wir in Frankreich unseren „Billy“, ein weißer VW T3 Syncro, Baujahr 1987 mit Differenzialsperren vorne und hinten. Der grandiose und fast rostfreie original Westfalia-Joker überzeugte uns sofort. Um den guten Zustand des Fahrzeugs zu erhalten, kam erstmal der komplette Innenausbau raus und so gut wie alle Teile ab. Die wenigen Roststellen wurden gesandstrahlt, grundiert und lackiert, anschließend verschwanden kiloweise Schutzfett in sämtlichen Hohlräumen.

T3 Syncro Offroad-Umbau

Motorumbau und Getriebeanpassung

Der zu schwach geratene originale 1,6L Turbodiesel, der immer mit Hitzeproblemen zu kämpfen hat, flog raus. Die Frage, was für ein Motor wieder einziehen sollte, war für uns schnell beantwortet und so begaben wir uns erneut auf die Suche nach einem Auto, dieses Mal jedoch nach einem Fahrzeug mit einem 1,9 TDI AFN Motor (letzte Generation von VW Motoren mit VEP).

Neuer Motor für den T3 Syncro
Neuer Motor für den T3 Syncro

Warum genau dieser Motor? Der AFN ist zweifelsohne einer der langlebigsten und sparsamsten Maschinen, der für den T3 in Frage kommt und für mich persönlich der beste Diesel von VW überhaupt. Zwar hat der AFN bereits etwas an Motorelektronik verbaut, auf die wir eigentlich am liebsten komplett verzichtet hätten (mTDI), die Elektronik ist aber im Vergleich zu heutigen Motoren sehr überschaubar und schnell wie einfach zu reparieren.

Ein günstiger Golf 3 BJ 97 war als Spender für unseren T3 Syncro zum Glück schnell gefunden. Kompromisse wollten wir hier keine eingehen, also wurde der Motor komplett überholt und sämtliche Anbauteile (ESP, Turbolader, Lima usw.) erneuert. Um den neuen Motor immer schön im Auge zu haben, montierten wir noch VDO-Zusatzinstrumente für Wassertemperatur, Öltemperatur und Öldruck.

Der Kabelbaum wird angepasst
Der Kabelbaum wird angepasst

Da der TDI deutlich mehr Drehmoment und Leistung als der originale TD abgibt, war klar, dass das Getriebe auf diese Anforderungen angepasst werden musste. Da man neben einigem an Spezial- und Messwerkzeug auch noch eine gehörige Portion an Know-How braucht, um ein Syncro-Getriebe Instand zu setzen, entschieden wir, das Teil an einen Profi abzugeben. Der dritte und vierte Gang wurde verlängert/verstärkt, Ölumlenkbleche für bessere Kühlung des Hauptlagers verbaut und auch sonst noch einiges modifiziert. Ebenso wurde das Vorderachsgetriebe komplett überholt und für eine höhere Sperrwirkung die Viscokupplung mit zäherem Öl befüllt.

Überholtes Getriebe für den T3 Syncro Reisefahrzeug
davÜberholtes Getriebe für den T3 Syncro

Um an Bodenfreiheit zu gewinnen und um für das kalkuliert hohe Gewicht gewappnet zu sein, spendierten wir unserem Billy ein H&R-Gewindefahrwerk inklusive Bodylift der Firma Gmb-mount. Das Fahrwerk hat an der Vorderachse einstellbare Dämpfer, ist perfekt aufeinander abgestimmt und für uns auch noch nach vielen tausend gefahrenen Kilometern bei jeder Fahrt eine wahre Freude. Eine absolute Empfehlung für jeden schwereren Syncro! Der ab Werk verbaute und recht solide Unterfahrschutz wurde dem Bodylift angepasst und wanderte ca. 2 cm nach unten.

Neue Offroad-Reifen für den Syncro
Neue Offroad-Reifen für den Syncro, Umrüstung von 15 auf 16 Zoll

Bei der Bereifung fiel unsere Wahl auf die recht gängige Größe 225/75R16 (BF Goodrich AT) in Kombination mit Mefro-Stahlfelgen. Um diese Reifendimension am T3 schadenfrei fahren zu können, mussten die Radhäuser erweitert werden, was von einer Fachwerkstatt für Karosseriebau für uns erledigt wurde.

Ebenso kamen wir um längere Achsschwingen an der Hinterachse nicht vorbei. Die von Haus aus längeren Schwingen der Original 16-Zoll-Variante des Syncro sind schon lange nicht mehr verfügbar. Die unter Offroadern bekannte Firma Seikel bietet hier die einzige uns bekannte Alternative. Die Achsschwingen sind zwar wirklich kein Schnäppchen, dafür aber grundsolide und prima gearbeitet. Weil ein Ersatzrad dieser Größe nicht mehr an den dafür vorgesehenen Platz (unter dem Vorderwagen) passt, installierten wir einen schwenkbaren Radträger am Heck. Das ehemalige Zuhause des 14-Zoll-Ersatzrades nutzen wir hinter einer Schutzwanne als Stauraum für schwerere Ersatzteile und selten benötigtes Werkzeug.

Unterwegs im Winter und im Sommer

Da wir auch gerne im Winter unterwegs sind, dämmten wir mit Armaflex (in verschiedenen Stärken) so viel wie irgend möglich – bei einem Fensterbus natürlich ein aussichtsloser Kampf. Zudem musste eine möglichst zuverlässige Heizung her. Nach etwas Internetrecherche über die verschiedenen Anbieter und deren Vor- und Nachteile kamen wir schnell zu unserem Favoriten. An kalten Tagen versorgt uns jetzt eine Planar 2D (mittlerweile: Autoterm) mit Wärme.

Die Standheizung fand ihren Platz in einem Hohlraum unter dem Armaturenbrett auf der Beifahrerseite. Die 2KW-Heizleistung sind für normale Wintertemperaturen ausreichend. In Lappland hatten wir für mehrere Tage um die -20°C, da lief die Heizung natürlich immer am Anschlag und richtig gemütlich war’s dann trotzdem nur noch im Schlafsack oder am Platz bei der Auslass-Düse 😊 – immerhin blieben alle Wasserleitungen frostfrei.

Unsere Markise Thule Omnistor 2000 wurde an der Regenrinne befestigt und lässt sich einfach von einer Person auf und wieder abbauen. Sie spendet uns Schatten an sonnigen Tagen und dient uns zudem auch öfters als Wohnraumerweiterung bei Regen.

Der Innenausbau

Der Westfaliaausbau gefiel uns bis auf den viel zu klein geratenen Küchenblock eigentlich schon immer ausgesprochen gut. Also veränderten wir hier recht wenig: die spärliche Beleuchtung wurde durch zwei LED-Leuchten vorne und hinten ergänzt, ein paar Gepäcknetze für mehr Stauraum befestigt, eine Klobox aus 15 mm dicken Multiplexplatten gebaut, ein Lattenrost sowie eine dünnere und festere Matratze für das untere Bett gefertigt und zwei zusätzliche Regalböden in den vorderen Kleiderschrank gebastelt – das war schon alles.

Fertiger Innenausbau im T3 Syncro
Fertiger Innenausbau im T3 Syncro

Den Küchenblock planten wir hingegen komplett neu. Er sollte wesentlich tiefer und auch höher als der originale werden. Für den Bau verwendeten wir Pappelsperrholz der Stärke 15mm für den Rahmen und 11mm für die Böden und Klappen. Unsere Küche bietet so Platz für einen Dometic-Kompressorkühlschrank mit 64 Litern Fassungsvermögen und einem 10 Liter Gefrierfach, eine große Spüle und einen dreiflammigen Gasherd, außerdem nimmt sie noch unseren Gasvorrat auf (eine 6kg-Propan-Tankflasche). Als Verschlüsse verwendeten wir massive und langlebige Hebelverschlüsse.

Der selbstgebaute Küchenblock
Der selbstgebaute Küchenblock

Die so entstandene Kombination des grauen Westi-Ausbaus mit unserem Küchenblock mit Naturholzoptik ist bestimmt nicht jedermanns Sache, gefällt uns aber wunderbar und ist äußerst praktikabel. Nach einem Jahr der Dauernutzung von Billy ersetzten wir den originalen Zeltstoff durch einen Synthetik-Stoff mit zwei zusätzlichen Fenstern, der uns eine bessere Luftzirkulation, mehr Aussicht und zusätzliches Licht schenkt.

Der Zeltstoff vom Westfalia kommt raus
Der Zeltstoff vom Westfalia kommt raus

Technikraum unter der Sitzbank des T3 Syncro

Ich weiß nicht mehr, wie oft ich die Klappbank aus und wieder eingebaut habe, bis alles seinen Platz gefunden hatte – gefühlte 100 Mal, denke ich. Es ist aber auch wirklich kaum zu glauben, was da unten alles verbaut ist: Von hier aus versorgt uns eine 200Ah-Lithiumbatterie der Firma Liontron mit reichlich Energie. Der Ladezustand und alle wichtigen Daten der Batterie können bequem über eine App ausgelesen werden, sodass wir auf einen zusätzlichen Batteriecomputer verzichten konnten. Um den Akku bei laufendem Motor auch schnell wieder zu laden, haben wir ein 50-Ampere-B2B-Ladegerät „Ladebooster“ der Firma Votronic installiert.

Technik unter der Sitzbank
Technik unter der Sitzbank

Wir spielen zwar mit dem Gedanken, dieses Setup durch einen Solarladeregler und ein mobiles Faltpanel zu ergänzen, sind aber generell absolut zufrieden. In der Praxis mussten wir bei unserem Reiseverhalten nur wenige Male den Motor zur reinen Energieerzeugung, quasi als Generator, anwerfen. Die Solarunterstützung wäre vorrangig dafür da, Diesel zu sparen und im Falle eines Defektes noch eine weitere Lademöglichkeit zu haben.

Über der Batterie und dem Ladebooster fand unter der Klappbank ein gewaltiger 220V-Wechselrichter der Firma Victron Energy seinen Platz. Das gute Stück gibt eine reine Sinuswelle und 2000-Watt-Dauerleistung ab. Wozu braucht man in einem T3 einen solchen Wandler? Nein, wir betreiben damit keine Waschmaschine, aber dazu später mehr.

Da Jenny keinesfalls auf eine warme Dusche verzichten wollte, war das Thema Boiler schnell ausdiskutiert. Gegenüber der Lithiumbatterie verbauten wir einen 10-Liter-Boiler der Firma Elgena. Das Schöne an diesem System: Es ist an den Kühlkreislauf des Fahrzeugs angeschlossen und produziert also bei jeder Fahrt gratis Warmwasser, das wegen der guten Dämmung auch noch nach Stunden heiß ist. Zusätzlich haben wir die Möglichkeit, den Boiler elektrisch über den Wechselrichter aufzuheizen.

Der Original Westfalia-Wassertank im Innenraum fasst gut 50 Liter, das ist schon nicht schlecht und für einen normalen Urlaub auch mehr als ausreichend. Will man aber in entlegenere Gebiete mit schlechter Versorgung oder gar mal durch eine Wüste, ist man um jeden Liter dankbar. Also entschlossen wir uns, die Speichermöglichkeiten mit einem Edelstahl-Tank der Jungs von Virat Mechanik aufzustocken. Der 80 Liter fassende Tank kam passgenau und hervorragend verarbeitet an. Die Montage unter der rechten Fahrzeugseite war im Nu erledigt und sogar ohne Löcher zu bohren (bis auf den Füllstutzen und der Entnahme).

Mit diesem Wasservorrat an Bord kommen wir zwischen 6 bis 10 Tage aus, ohne wirklich sparen zu müssen. Auch Jennys warme Dusche ist so gesichert – am liebsten draußen am Heck; bei Wind oder Kälte mittels Faltwanne aber auch gerne Innen, was prima funktioniert. Für ausreichenden Druck und Durchfluss sorgt eine Shurflo-Druckpumpe (10,6L/min), die ebenfalls unter der Sitzbank versteckt zwar recht lautstark, aber zuverlässig ihren Dienst tut.

Dusche im T3 Syncro mittels Faltwanne
Dusche im T3 Syncro mittels Faltwanne

Neigen sich unsere Wasserreserven doch mal dem Ende und es ist kein Wasserhahn in der Nähe, haben wir mit unserer mobilen Filteranlage auch für dieses Problem eine elegante Lösung. Das dreistufige Filtersystem (Vorfilter/Keramik/Aktivkohle) erlaubt es uns aus Oberflächenwasser (Seen/Flüsse) Trinkwasser zu generieren. Dieses System setzt eine sehr leistungsstarke Wasserpumpe voraus, die ihrerseits wiederum ziemlich energiehungrig ist. Hauptsächlich, um diese Pumpe betreiben zu können, haben wir den bereits erwähnten leistungsstarken Wechselrichter an Bord. Jenny nutzt den Luxus aber auch gerne mal, um sich die Haare zu föhnen 😊.

Zu guter Letzt haben wir unter der Sitzbank noch einen fest verbauten Kompressor. Den Schlauchanschluss verlegten wir nach vorne auf höhe des Innenspiegels, so kann man an beiden Seiten des Fahrzeugs prima arbeiten ohne den angeschlossenen Schlauch immer ums Auto und durch den Dreck ziehen zu müssen. Außerdem bietet eine Ausblaspistole eine großartig Möglichkeit, mal schnell zwischendurch sauber zu machen.

Stauraum

Für mehr Stauraum sorgt unser Frontrunner-Dachträger, der über die ganze Länge des Hubdachs reicht. Für die Montage am GFK-Dach gibt es im Handel Profile, die sich bei geschlossenem Dach in der Regenrinne des Fahrzeugs abstützen. Der Träger selbst ist für diese Größe ein echtes Leichtgewicht, sehr stabil und unglaublich flexibel zu nutzen. Auf dem Dachträger haben wir mit verschiedenen Boxen einen gewaltigen Zugewinn an Stauraum. Auch wenn wir hier nur möglichst leichtes Gepäck unterbringen, kommt schon einiges an Gewicht zusammen. Um das Dach weiterhin nach oben klappen zu können, mussten wir Gasdruckdämpfer anbringen. Um den Dachträger bequem zu erreichen, kam noch eine schicke leichte Aluminiumleiter an den Kofferraumdeckel.

Beleuchtung

Um nach Einbruch der Dunkelheit abseits der Straßen sicher geeignete Camp-Stellen zu finden, brachten wir noch einige Zusatzleuchten am Auto an. In Fahrtrichtung unterstützen jetzt fünf Hella-Luminator Fernstrahler, die eher an Tee-lichter erinnernden originalen T3 Scheinwerfer. Nach links, rechts und hinten sind jeweils zwei 48-Watt-LED-Leuchten am Dachträger angebracht, die das Einparken und Ausrichten bei Dunkelheit deutlich einfacher machen.

Der ganze Umbau zog sich über ca. 1 Jahr und wir verbrachten mehrere hundert Arbeitsstunden unter, über und in dem Fahrzeug. Besonderen Dank gilt Josef S., dessen Werkstatt wir immer nutzen konnten. Natürlich waren beim Umbau meine Kenntnisse als gelernter KFZ-Mechatroniker von Vorteil und Jenny besitzt zum Glück auch nicht nur zwei linke Hände, so dass wir dieses Projekt bis zum Schluss gemeinsam durchziehen konnten.

Seit Juli 2020 leben wir Vollzeit in unserem Bus, unser Set-up hat sich in dieser Zeit sehr bewährt und wir sind bis auf wenige Kleinigkeiten absolut zufrieden. Zu finden sind wir im Netz unter www.unserHOEHenweg.com, wo wir unsere Erlebnisse mit Bildern veröffentlichen.

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