Ein Whisky-Tasting ist schon eine feine Sache. Dumm nur, wenn die Fahrt mit der Bahn eine Ewigkeit dauern würde und wenn beide gerne Whisky trinken. Was ist also sinnvoller als das Angenehme mit dem noch Angenehmeren zu verbinden: Whisky trinken und campen. Aber campen in Köln? Geht das überhaupt? Tatsächlich finden wir in Laufweite (ca. 30 min.) des Whisky-Depots in Köln einen Campingplatz im Internet.

Camping mit So-gut-wie-Meeresrauschen am Rhein in Köln-Rodenkirchen

Camping mit So-gut-wie-Meeresrauschen am Rhein in Köln-Rodenkirchen

Camping Berger in Köln-Rodenkirchen ist mit 250 Stellplätzen (davon die Hälfte Dauercamper) der größte Campingplatz Kölns und liegt direkt am Rhein. Als wir dort ankommen, ist der Platz so gut wie leer. Ganze 5 Autos mit Kölner Kennzeichen stehen auf dem Parkplatz. Die Rezeption ist modern und einladend. Die Preise moderat: 22,50 Euro für ein Auto mit Klappdach und zwei Erwachsene. Wir fahren direkt hinunter bis zum Rhein, der nur durch einen Zaun und einen Fußweg von uns getrennt liegt. Die Sonne verschwindet am Horizont. Der Rhein gluckst leise und fast denke ich, ich wäre am Meer.

Aber jetzt ist keine Zeit für Romantik. Auf geht’s zum Whisky-Depot. Den geplanten Fußmarsch erspart uns dann freundlicherweise ein Mit-Whisky-Taster bzw. seine Fahrerin und der 30-minütige Fußmarsch verkürzt sich auf 5 Minuten Autofahrt. Durch die Scheiben des Ladens, der durch die großen Tische fast wie ein Restaurant wirkt, sehen wir dass außer uns noch gut 30 andere Leute an diesem Abend das Whisky-Tasting gebucht haben. Es sind erstaunlich viele junge Leute darunter. Robert und Tanja, die Besitzer des Whisky-Depots, begrüßen uns in traditioneller schottischer Tracht und begleiten uns zu unseren Plätzen.

8 schmale Gläser mit Glas-Deckeln stehen vor uns, unter jedem Glas steht der Name des Whiskys. Unsere Fahrerin hat 8 Gläser Wasser vor sich stehen, das Wasser-Tasting vom Whisky-Depot. Um eine Grundlage für das bevorstehende Tasting zu schaffen, haben Robert und Tanja für alle eine Gulaschsuppe vorbereitet.

Robert erzählt über die Whisky-Herstellung

Robert erzählt über die Whisky-Herstellung

„May you never lie, steal, cheat or drink. But if you must lie, lie in each other arms. If you must steal, steal kisses. If you must cheat, cheat death. And if you must drink, for god’s sake, drink whisky.”

Robert erzählt uns mit einer Powerpoint-Präsentation woraus Whisky eigentlich besteht, wie er hergestellt wird, wie die Schotten den Geschmack in den Whisky bekommen und wie viel von dem Zeug im Jahr so verdunstet: 22 Mio. Liter. Das ist doppelt so viel wie die größte schottische Destillerie im Jahr herstellt. Angel Share nennen die Schotten das, also den Anteil der Engel und deshalb haben sich alle Schotten natürlich noch einen Platz im Himmel reserviert.

Zwischendurch probieren wir natürlich die verschiedenen Whisky-Sorten, immer eingeleitet durch einen anderen schottischen Trinkspruch. Robert erklärt uns, was wir da eigentlich schmecken: Z.B. ein Hauch von Kiwi, leicht nussig gepaart mit einem Geruch von Möbelpolitur. Roberts Vortrag ist äußerst kurzweilig und lehrreich.

„May you die in bed aged 100 years, shot by a jealous husband.”

Für großes Amüsement sorgt auch das Wasser-Tasting. Ab und an werden die drei Wasser-Tasting-Teilnehmer gefragt, was sie denn glauben, da getrunken zu haben. Unsere Wasser-Probiererin tippt durchweg auf Apfel. Irgendwann musste sie doch richtig liegen, denkt sie sich. Aber nein, Apfel war nicht einmal dabei. Dafür aber Wasser mit Kokos-Ananas-Geschmack oder mit Kirsche, das nach Marzipan riecht.

„Here’s to women’s kisses, and to whisky, amber clear; not as sweet as a woman’s kiss, but a damn sight more sincere!”

Nach zweieinhalb Stunden verlassen wir leicht angeschickert, mit drei Flaschen unserer neuen Lieblings-Whisky-Sorten das Whisky-Depot. Zurück auf dem Campingplatz schlafen wir mit dem gefühltem Meeresrauschen und dem Geräusch der Dieselmotoren der vorbeifahrenden Schiffe schnell ein. Ein gelungener Abend.