„Die drei Wochen Urlaubsreise waren wieder viel zu kurz! Was hältst Du davon, wenn wir mal für ein paar Monate wegfahren?“ „Ja klar, ich bin dabei!“ So schließen wir Anfang Mai unsere Wohnungstür für einige Monate ab und machen uns auf den Weg nach Nordamerika. Wir, das sind meine Freundin Mareike und ich, Björn und natürlich nicht zu vergessen, unser Landy, ein Defender 110 Td4.

Dieser schwimmt bereits seit ein paar Tagen zufrieden im Bauch eines Frachtschiffes über den Atlantik an die Ostküste der USA, wo wir ihn ein paar Tage später wieder unversehrt in Empfang nehmen. Das Abholen aus dem Hafen gestaltet sich schnell und einfach, sodass wir nur noch schnell Proviant besorgen und dann geschwind der enormen Hitze auf einen herrlich unter großen Bäumen gelegenen Campground entfliehen. Bereits auf den ersten Kilometern, bzw. Meilen fällt uns die große Gelassen- und Zuvorkommenheit der Menschen auf. Jeder scheint irgendwie tiefenentspannt zu sein, niemand drängelt und es geht für einen Ballungsraum, in dem wir uns ja immerhin noch befinden, nahezu beschaulich zu. Gewöhnungsbedürftig ist anfangs nur die vergleichsweise hohe Geschwindigkeit mit denen die großen Trucks unterwegs sind. Was hier gut funktioniert, ist einfach noch ungewohnt.

Wo soll es als erstes hingehen? Die schiere Größe dieses Kontinentes und die sprichwörtlich unbegrenzten Möglichkeiten machen die Auswahl nicht leicht. Wir haben nur einen ungefähren Plan und reichlich Zeit vieles anzusehen. So setzen wir erst einmal Kurs Nord und cruisen gemütlich zu den Niagarafällen. Da wir diese Attraktion von der US-amerikanischen Seite ansteuern, sind wir im natürlicheren, ruhigen Teil gelandet, während die kanadische Seite von hier aus eher wie ein Freizeitpark anmutet.

Beeindruckendes Getöse - die Niagara- und die American Falls.

Beeindruckendes Getöse – die Niagara- und die American Falls.

Nach ein paar entspannten Tagen am Ontario See – wir haben ja Zeit – siegt der Vorwärtsdrang Neues zu entdecken.
Auf kleinen kurvenreichen Sträßchen fahren wir durch die Green- und White-Mountains und entdecken hier unser Interesse an Museen. Daheim gehen wir nicht gerne in Museen, doch auf dieser Reise sollten sich noch zahlreiche Besuche ergeben, welche vor allem darauf zurückzuführen sind, das alle Ausstellungen, die wir besucht haben wirklich erstklassig recherchiert und aufbereitet sind.

„Welcome to Canada!“ Diesen Worten ist eine kurze und ordentliche Kontrolle vorausgegangen und schon sind wir in Kanada! Die Freude ist groß und wir schlagen gleich eine nordöstliche Richtung ein, denn wir möchten unbedingt auch Neufundland und Labrador sehen. In wenigen Tagen durchqueren wir Nova Scotia, das „Schleswig Holstein Kanadas“, wie es ein aus Deutschland ausgewanderter netter älterer Herr treffend nennt, als er uns auf einem Parkplatz auf das deutsche Kennzeichen anspricht. Solche immer netten Begegnungen erleben wir unzählige Male auf der Reise. Es überrascht uns wirklich, dass wir so viele deutsche Auswanderer verschiedenster Generationen treffen.

Der Leuchtturm erinnert zumindest etwas an Schleswig-Holstein.

Der Leuchtturm erinnert zumindest etwas an Schleswig-Holstein.

Schließlich erreichen wir North Sydney und entern noch am selben Abend die Fähre nach Neufundland. Wir sind gespannt, was uns dort am nächsten Tag erwarten wird und schlummern in den gemütlichen Pullman-Sesseln ein.
Es ist früher Morgen als die Fähre festmacht. Nebelig, wolkenverhangen und regnerisch, so präsentiert sich uns Neufundland zunächst. Angesichts des wenig einladenden Wetters und der frühen Morgenstunde entschließen wir uns heute fürs Kilometermachen.
Insgesamt verbringen wir etwa drei Wochen auf Neufundland. Die Insel ist einfach ein Traum für alle die gerne etwas an der frischen Luft unternehmen. Die Natur ist überwältigend. Wir sehen zahlreiche Elche, Papageientaucher und tausende von anderen Vögeln, die ein Riesenspektakel auf den rauen Klippen veranstalten. Eine große Attraktion sind zu dieser Jahreszeit die Eisberge, die bis an die Küste herantreiben.

Jetzt im Frühjahr sind die Eisberge an der Küste zum Greifen nah.

Jetzt im Frühjahr sind die Eisberge an der Küste zum Greifen nah.

Insgesamt geht es sehr beschaulich zu und es scheint sich nicht sehr viel hier geändert zu haben, seit Leif Eriksson um 1000 n. Chr. hier gelandet ist. Moment, so früh waren bereits Europäer in Amerika? Ja, und das mit offenen Booten in monatelangen Reisen über den Nordatlantik! Das müssen wir uns einmal genauer ansehen und steuern den äußersten Nordwesten der Insel an. Hier vermutet man den ersten Landungsplatz und fand eine erste Siedlung der Wikinger. Zahlreiche Exponate verdeutlichen einem die Strapazen dieses Lebens. Fasziniert stehen wir vor einem Nachbau eines dieser offenen Holzboote, mit dem die Nordmänner über den rauen Atlantik segelten. Da drängt sich schon irgendwie die Frage auf, warum sich viele Menschen heute so viele Gedanken über die richtige Ausrüstung für Fernreisen machen und am Ende vielleicht doch nicht losfahren.
Die Neufundländer erleben wir immer freundlich und entspannt. Oft werden wir angesprochen, wenn wir uns abends irgendwo in der Nähe einer Ortschaft oder eines kleinen Hafens ein schönes Plätzchen für die Nacht suchen. Alle sind irgendwie interessiert und finden es toll was wir machen. Wir genießen die Ruhe und Abgeschiedenheit dieses herrlichen Fleckchens Erde in vollen Zügen.

Wir genießen die tolle Natur Neufundlands auf teils ausgedehnten Wandertouren.

Wir genießen die tolle Natur Neufundlands auf teils ausgedehnten Wandertouren.

Doch wir freuen uns auch schon auf Labrador. Labrador, auch „the big country“ genannt, das Land der Inuit, klingt in unseren Ohren nach Abenteuer. Bevor wir die Fähre nach Blanc-Sablon nehmen, versuchen wir noch ein paar Informationen über Dinge wie Straßenzustand und Tankstellendichte herauszubekommen. Tankstellen seien kein Problem und wir haben ohnehin für gut 1.000km Diesel an Bord, doch die Straßen angeblich in schlechtem Zustand, so meist die Meinung der Befragten. Na, das schauen wir uns doch einfach mal an.

Am Abend erreichen wir mit der Fähre zunächst den äußeren Zipfel der Provinz Québec, nach wenigen Kilometern Labrador und kommen eine Stunde später beim check-in auf einem Provincialpark-Campground mit dem Ranger ins Gespräch. Der Winter soll sehr hart gewesen sein und viele Stellplätze unbrauchbar geworden. Ich frage ihn, was denn ein „sehr harter Winter“ sei. „Naja“, meint er, „es lagen so an die 12 Fuß hoch Schnee!“. Später werden wir in Labrador City noch erfahren, dass die Temperaturen im letzten Winter bis minus 50 Grad betrugen. Wow, das klingt wirklich nach einem ordentlichen Winter und tatsächlich finden sich auf dem Campingplatz jetzt Ende Juni noch deutliche Schneereste!

Von hier aus heißt unser erstes großes Etappen-Ziel „Happy Valley Goose Bay“. Der Name der Stadt klingt irgendwie interessant. Unterwegs dorthin übernachten wir an einem Fluss. Abends bekommen wir Gesellschaft von ein paar Familien, die sich hier alle zum Angeln treffen und Neuigkeiten austauschen. Natürlich werden wir auch wieder gefragt, wo wir herkommen und was wir so vorhaben und alle finden das großartig. Die Schotterstraße nach Goose Bay verläuft weitgehend auf einem Damm und ist in gutem Zustand. „Schau mal, was da über die Straße läuft!“ Und tatsächlich, ein Schwarzbär trottet gemütlich in etwa 300 Meter Entfernung über die Straße. Uns wird schlagartig bewusst, dass wir uns jetzt in „Bären-Gebiet“ befinden.
Wir erreichen die Stadt am nächsten Tag und nach dem Tip eines Tankstellenmitarbeiters finden wieder einen tollen Übernachtungsplatz direkt am Fluss. Abends kommen wir mit Erik, einem Kanadier ins Gespräch, der natürlich wieder sehr interessiert ist, was wir so vorhaben und uns viele interessante Dinge über Labrador und seine Einwohner berichten kann. Goose Bay ist ansonsten interessant für seine Airbase und die damit verbundene Geschichte der Stadt, welche man in zwei Museen verfolgen kann. Nach einer Rundfahrt durch die Stadt und dem Besuch eines der Museen treibt uns unsere Neugierde weiter auf dem „Trans-Labrador-Highway“, wie die Ost-West Verbindung hier genannt wird.

Unterwegs auf dem „Trans-Labrador-Highway“.

Unterwegs auf dem „Trans-Labrador-Highway“.

Es ist früher Abend, als wir in Churchill Falls ankommen. Unser erster Weg führt zum town office, da wir gerne das riesige Wasser-Kraftwerk besichtigen möchten. In der Tür zum Büro kommt uns ein netter Herr entgegen und meint „Hi, Ihr seid bestimmt Touristen“ und freut sich. „Ja, das sind wir und wir möchten gerne das Kraftwerk besichtigen!“, „Das geht leider nicht, da wir momentan keinen Tourguide haben.“ „Das ist sehr schade“, „Ach wisst Ihr was, ich zeichne Euch mal eine Karte, mit den Punkten, die Ihr Euch ansehen solltet!“. Fünf Minuten später halten wir die Karte in den Händen und er nimmt uns mit in einen kleinen Besprechungsraum, wo wir einige Dinge über die Kraftwerkstechnik erfahren und einen Film darüber ansehen dürfen. Das ist wirklich sehr freundlich. Wir erfahren auch, dass dieses Projekt damals unter Budget und schneller als der Zeitplan fertiggestellt wurde. Wo gibt es so etwas noch? Überhaupt sind die Mitarbeiter in Churchill Falls sehr stolz hier zu arbeiten. Wir fragen noch, wo wir am besten übernachten können, um am kommenden Tag die Punkte aus der gezeichneten Karte abzufahren und bekommen einen netten Platz, direkt an der Stadthalle gezeigt, wo wir abends noch schwimmen und essen gehen. Sogar Strom hätten wir hier bei Bedarf bekommen. Tolles Land, tolle Menschen!

Der nächste Tag fängt gar nicht so rosig an. Ich habe starke Rückenschmerzen und ein länger zurückliegender Bandscheibenvorfall macht mir zu schaffen. Also begeben wir uns in die örtliche Klinik, wo man sofort sehr hilfsbereit ist und ich die Adresse einer Praxis in Labrador City erhalte. Labrador City? Oh, das sind noch rund 250km Fahrt. Na, mal schauen, wie das mit dem lädierten Rücken klappt. Dank guter Schalensitze im Landy geht es so halbwegs und wir finden die Praxis auf Anhieb. Nachdem ich mein Anliegen vorgetragen habe, wird sofort alles in Bewegung gesetzt und ich liege trotz vollem Terminkalender wenige Minuten später im Behandlungszimmer. Dank der wiedermal großen Hilfsbereitschaft der Menschen hier bin ich bereits ein paar Tage später soweit wieder hergestellt, sodass wir die Reise fortsetzen können. Vielen Dank!

„Bonjour!“ Auf der Suche nach einem Campingplatz fragen wir in einer Tankstelle nach dem Weg. „Bonjour!“? Ach so, wir sind mittlerweile in der Provinz Québec. Hier wird Französisch gesprochen.
Die nächsten Tage steht ein Kontrastprogramm zu der endlosen Natur der letzten Wochen auf dem Plan. Wir wollen Québec City anschauen. Da ist es doch praktisch, dass direkt vom Campingplatz ein Bus in die Stadt fährt, sodass wir unserem Landy den Trubel der großen Stadt nicht zumuten müssen. Wir stehen also an der Haltestelle und warten auf den Bus. Wir warten und warten, doch der Bus kommt nicht. Nach einer Weile entschließe ich mich doch nach Wochen einmal das Handy einzuschalten um nach der aktuellen Uhrzeit zu sehen. Und siehe da, wir haben doch glatt eine Zeitzone verpasst. Naja, wir bleiben weiter entspannt und gehen halt eine dreiviertel Stunde später wieder zur Haltestelle, diesmal mit Erfolg.

Auch, wenn wir keine Städtefans sind und uns lieber in der Natur aufhalten, so begeistert uns Quebec City doch mit seinem Flair. Eine tolle Stadt mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten, netten Gassen, ein bisschen Trubel und ein Hauch von Frankreich.

Nach ein paar Tagen zieht es und wieder ins Grüne, genauer gesagt in den Algonquin Nationalpark. Ein Traum! Zahlreiche Seen und Flüsse inmitten der Wälder. Ein kleines Paradies für Wanderer, Radfahrer, Paddler, Camper und natürlich die Streifenhörnchen, die hier gefühlt zu tausenden umherrennen. Die kleinen, putzigen Tierchen sind einfach überall und lassen sich nur schwer vom Frühstückstisch fernhalten. Als ich einen dieser kleinen Kerlchen verscheuchen will, klammert er sich eisern an das Glas mit der Schokocreme, keine Chance ihn da wegzubekommen.

Ein putziger Gast zum Frühstück.

Ein putziger Gast zum Frühstück.

Wir haben uns diesen schönen Park zum Paddeln ausgesucht, laden gleich nach dem Frühstück unser Kanu ab und schon geht es los. Wir gleiten durch das weitverzweigte System aus kleinen Flüssen und Seen, beobachten Wasservögel, erfreuen uns an den schönen Seerosen und als wir am Abend zu unserem Lagerplatz zurückpaddeln taucht ein neugieriger Bieber unter dem Boot hindurch. Schon bald darauf knistert das Lagerfeuer und die Nacht mit einem unglaublichen Sternenhimmel bricht herein.

Paddeln im Algonquin Nationalpark.

Paddeln im Algonquin Nationalpark.

„Hallo, ich habe Euer deutsches Kennzeichen gesehen und bin Euch gefolgt um mit Euch zu sprechen!“ freut sich die Dame, die hinter uns das post office betreten hat. Wir unterhalten uns eine Weile sehr nett und dann zieht jeder wieder seiner Wege. Wieder eine dieser unzähligen, überraschenden und schönen Begegnungen auf der Reise, bei denen man teilweise auch sehr persönliche Beweggründe für das Auswandern aus Europa erfährt.

Es ist Abend, wir sitzen draußen vor unserem Landy und schauen mal wieder auf die Übersichtskarte. „Puh. Hier sind wir jetzt und da gaaaanz weit weg liegt Alaska!“ Doch entlang der Großen Seen und durch die endlosen Weiten der kanadischen Prärie lassen sich gut Kilometer machen ohne auf das ein- oder andere Sehenswerte verzichten zu müssen. Es ist bereits Juli als wir den Beginn des legendären „Alaska Highway“ erreichen.

Vor uns liegen nun so spannend klingende Orte wie beispielsweise Whitehorse, Carmacks und Dawson City, allesamt im Yukon gelegen. Eine Gegend, um die sich die abenteuerlichsten Geschichten ranken. Wir freuen uns riesig auf einen weiteren spannenden Reiseabschnitt und machen uns auf den Weg in den hohen Norden.

„Larger than Life“, steht auf der Tafel, als wir im Yukon ankommen und die Natur ist hier wirklich überwältigend. Reissende Flüsse, endlose Wälder, riesige Gletscher, Bären, Karibus, Bisons, Elche, Lachse, ich könnte stundenlang davon schwärmen, einfach der Stoff aus dem Abenteuer sind. Die Gegend verzaubert den Reisenden nahezu.

„Larger than Life – das trifft es wohl sehr gut.

„Larger than Life – das trifft es wohl sehr gut.

Bevor es endlich weiter nach Alaska geht, machen wir Station in der Goldgräberstadt Dawson City. Schon als wir in die Stadt fahren, spüren wir den Geist aus längst vergangenen Zeiten. Viele Häuser sind nach altem Vorbild restauriert oder nach historischen Vorlagen neu aufgebaut. Am Ufer des Klondike Rivers liegt ein Raddampfer festgemacht. Abends öffnet Diamond Tooth Gerties ihr Casino. Wir gehen auf Entdeckungstour durch die staubigen Straßen von Dawson City und meinen, dass jeden Augenblick Jack London höchstpersönlich um die Ecke biegen könnte. Trotz der Vielzahl von Touristen geht es recht beschaulich zu. Als wir in den frühen Morgenstunden das Casino verlassen, ist es noch taghell! Wir sind eben schon recht weit im Norden.

Ein Abenteurer in der Goldgräberstadt Dawson City.

Ein Abenteurer in der Goldgräberstadt Dawson City.

Auf der Weiterfahrt verzaubert uns der „Top of the World Highway“ mit sagenhaften Ausblicken in wunderschöne Täler und auf endlose Bergketten, hier und da entdecken wir Karibus und Schwarzbären neben der Straße. „Alaska, wir kommen!“.

Der Grenzübertritt gestaltet sich wie immer entspannt. Eine kurze Kontrolle und ein paar Fragen nach dem woher und wohin später, dann sind wir im nördlichsten Bundesstaat der USA. Yiippeehh!
Natürlich wollen wir uns den Ort Chicken nicht entgehen lassen. Dieser ist bei vielen Nordamerikareisenden bekannt und es wird eine kleine Attraktion aus dem ursprünglich aus drei Hütten bestehenden Ort gemacht. Dieser sollte nach einer Vogelart benannt werden, da man sich jedoch nicht einigen konnte, wie diese richtig geschrieben wird, benannte man den Ort einfach Chicken. Das war es dann auch schon.

„Oh, schau mal, der wahnsinnig hohe Berg dort!“ „Das muß der Mt. McKinley sein!“ (Anmerkung: seit 2015 heißt der Mt. McKinley wieder wie ursprünglich“ Denali“) Und in der Tat, er ist es! Sofort halten wir an und springen aus dem Landy. Wir haben tatsächlich einen der ganz wenigen Tage im Jahr erwischt, an dem der Gipfel dieses faszinierenden rund 6.000m hohen Berges nicht in den Wolken liegt. Er zieht uns sofort in seinen Bann und wir müssen immer wieder anhalten und kommen aus dem Fotografieren und staunen gar nicht mehr raus.

Wir haben Glück und dürfen den beeindruckenden Denali bei klarer Sicht bestaunen.

Wir haben Glück und dürfen den beeindruckenden Denali bei klarer Sicht bestaunen.

Nicht schlecht staunen wir auch, als uns plötzlich ein gelber Iveco entgegen kommt. „Mmhh, den kennen wir doch!“ Sofort halten wir an und tatsächlich, wir hatten die beiden im Jahr zuvor in Albanien getroffen und später festgestellt, dass unsere Autos auf demselben Frachter nach Nordamerika reisen. So ist mitten im Nirgendwo ein großes Hallo angesagt und wir tauschen uns eine Weile über die Route, Sehenswertes, Erlebtes usw. aus.

Es ist Abend und wir sind auf der Suche nach einem Platz für die Nacht. In einiger Entfernung sehe ich gerade zwei Geländewagen mit Expeditionstrailern von der Hauptstraße abbiegen. Da schauen wir doch mal wo es dahingeht. Und tatsächlich, es findet sich ein kleiner netter Campground. Die beiden kanadischen Allradler kommen direkt auf uns zu und laden uns zu einem Drink ein. Die beiden sind echte Offroad-Enthusiasten. Nachdem jeder seinen Lagerplatz eingerichtet hat, sitzen wir bis spät in die Nacht zusammen, fachsimpeln über unsere Fahrzeuge – von unserem hier recht seltenen Landy sind beide natürlich total begeistert – tauschen Reiseerfahrungen aus und plaudern über das Leben. Einer der beiden hat ebenfalls europäische Wurzeln, wer hätte das gedacht. Als ich erwähne, dass an unserem Landy eine Glühkerze defekt ist, wird herumtelefoniert und uns eine Landy-Werkstatt, die auch regelmäßig Ersatzteile aus Europa importiert empfohlen. Wahnsinn, diese Hilfsbereitschaft!

Die Rückreise an die Ostküste gestaltet sich nicht weniger spektakulär. Wir folgen einer Route entlang Banff- und Jasper-Nationalpark, dem Columbia Icefield, der Olympiastadt Calgary nach Drumheller. Drumheller? Ja, wir hatten gelesen, dass hier bei Ausgrabungen rund 300 sehr gut erhaltene Versteinerungen von Dinosaurierskeletten gefunden wurden. Das müssen wir uns unbedingt ansehen. Und tatsächlich, diese Stadt verdient den Beinamen „Dinosaur capital of the world“. Selbst wer kein Dinosaurier-Fan ist, ist hier begeistert. Wir laufen den ganzen Nachmittag durch den kleine Ort und treffen überall auf lustige Saurierskulpturen. Da ist der Hellgrüne mit langem Hals und Blümchen in der Pfote auf der Parkbank oder der „Mopped-Saurus“ im Beiwagen eines Motorradgespannes und viele andere mehr… Doch es geht auch ernsthaft und wissenschaftlich zu, nämlich im nahegelegenen Museum. Dort sind wir ganz fasziniert von der Vielzahl der Exponate. So ein T-Rex ist schon eine imposante Erscheinung!

„Saurus-City“

„Saurus-City“

Mittlerweile wird es langsam Herbst und wir müssen uns jetzt wirklich mal wieder auf den Weg an die Ostküste machen. So fahren wir wieder mal völlig problemlos über die Grenze in die USA, genauer gesagt nach Montana und nehmen eine relativ direkte Route in Richtung Baltimore, von wo wir unseren Landy wieder nach Europa verschiffen wollen. Die Abgabe im Hafen verläuft sehr einfach und zügig. Doch so richtig wollen wir noch nicht nach Hause und verbringen ein paar Tage in der Metropole New York. Auch hier sind wir ganz erstaunt, wie verhältnismäßig entspannt und gelassen es zugeht.

Und so geht auch diese tolle Reise viel zu schnell vorbei… wir haben Nordamerika als einfach zu bereisendes und sehr tolles Reiseziel kennengelernt, besonders für alle die gerne in der Natur sind, ist es ein „Outdoor-Paradies“. Unsere Begegnungen waren allesamt geprägt von großem Interesse, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Wir kommen bestimmt wieder und Ideen für neue, kleine und große Reiseziele haben wir ebenfalls immer reichlich und demnächst heißt es auch schon wieder: „Kurs Ost“…

Über den Autor
Seit frühester Kindheit ist Björn Eldracher unheilbar mit dem Reisevirus infiziert, wurden Wege und Reisedauer immer länger und ausgedehnter. Ich reise um Neues zu entdecken und Bekanntes im Lauf der Zeit wiederzusehen, dabei interessante Menschen kennenzulernen und die sagenhaft schöne Natur, die der Planet Erde zu bieten hat, zu genießen. Das eigene Fahrzeug, derzeit unterwegs mit einem Landy – welcher seit Jahrzenten ein Symbol für das Fernweh ist – bietet mir dabei Unabhängigkeit und die Möglichkeit auch entlegene Orte zu entdecken. Unterwegs tausche ich das Steuer gern mal für ein paar Tage gegen Wanderschuhe oder Paddel.