Das Wasser spritzt zu allen Seiten weg und laut dröhnend donnern Geländewagen durch die Furt. Sie brettern durch Wälder ohne Rücksicht auf Verluste und die Umwelt. Dieses Bild haben viele Menschen im Kopf, wenn sie eine Geländewagen sehen. Aber stimmt das auch? Und was können wir tun, um solche falsche Bilder zu vermeiden?

Das Auto hat es gerade schwer, insbesondere wenn es einen Verbrennungsmotor hat. Noch schlimmer, wenn es ein Diesel ist. Und fährt der Wagen dann auch noch auf unbefestigten Wegen und Flächen, ist bei manchem der Ofen ganz aus. Geländewagen und ihre Fahrer haben mit einem schlechten Image in Bezug auf Umweltschutz zu kämpfen.

Dabei lieben Offroad-Reisende die Natur vermutlich mehr, also mancher Pauschaltourist. Schließlich verbringen sie darin viel Zeit. Letztlich haben Offroad-Fahrer sogar ein großes Interesse daran, diese Umwelt zu schonen und zu erhalten. Denn diese macht einen großen Teil ihrer Lebensqualität und Freizeitgestaltung aus.

Als Geländewagenfahrer habe ich eine besondere Verantwortung für die Umwelt

Gehst du mit deinem Geländewagen auf Tour oder machst eine Offroad-Reise, so trägst du auch die Verantwortung für vernünftiges und umweltfreundliches Fahren. Auch wenn für manche das Offroad-Fahren und das Wort „umweltfreundlich“ nicht so richtig zusammen gehen, muss eben das kein Widerspruch sein. Denn es ist im Grunde ganz einfach. Du bewegst dich mit deinem Geländewagen in freier Natur. Diese auch für unsere Nachkommen zu erhalten, sollte auch deine Aufgabe sein.

Oft erleben wir in Unterhaltungen, dass einige Leute ein unrealistische Sicht auf Offroad-Fahrer haben. Viele glauben, dass nach einem Einsatz im Gelände erst einmal diverse Waschstraßen besucht werden müssen, um den ganzen Dreck vom geliebten Vehikel zu waschen.

So sei ein Fahrzeug, das im Gelände war, danach immer komplett von Schlamm bedeckt. Der Fahrer sieht nur noch die durch die vom Scheibenwischer mühsam freigewischten Gucklöcher. Und die meisten auch eine genaue Vorstellung davon, wie es dazu kam: Der Offroad-Fahrer fährt generell schnell, vergleichbar mit Rallye-Rennfahrern. Das mag daran liegen, dass die meisten Bilder, die Menschen von Geländewagen sehen, bei Rallyes entstehen. Bilder bei denen die Fahrzeuge meterhoch über Dünen springen oder gnadenlos schnell in einem verschlammten Tümpel brettern, dass die Mocke nur so zu allen Seiten spritzt.

OTA Globetrotter-RodeoSo langsam wie möglich, so schnell wie nötig

Wie jedoch sieht die Wirklichkeit aus? Einen Wettkampf auf eigens dafür vorgesehenen und hergerichteten Strecken sollte man nicht mit einer Offroad-Reise oder Offroad-Tour verwechseln. Denn gerade bei Offroad-Reisen steht das Erlebnis in einer möglichst intakten Natur mit an oberster Stelle. Daher gilt beim Fahren grundsätzlich folgende Regel: „So langsam wie möglich, so schnell wie nötig.“

Diese Regel kann der besonnene Offroader durch richtiges Fahren in der Natur auch leicht umsetzen. Wir reden hier nicht von Spaßfahrten in Kiesgruben oder einem Offroad-Park mit ausgefahrenen Schlammstrecken, die extra dafür angelegt wurden, sondern um die Praxis auf einer Offroad-Tour.

Wenn du deine Fahrweise dem Gelände anpasst und dich so schonend wie möglich mit deinem Fahrzeug bewegst, kannst du viele Schäden vermeiden. Denn unvorsichtiges, rücksichtsloses und auch maßloses Fahren, kann zu erheblichen und dauerhaften Schäden in der Umwelt führen. Bodenerosion, beschädigte Wurzeln, abgebrochene Bäumen oder verletzten Rinden führen. Ganz zu schweigen von Flechten, tausende von Jahren zum Wachsen brauchen, die du in wenigen Sekunden zerstören kannst.

Uralte Flechten.

Uralte Flechten.

Nur durch angepasstes und besonnenes Fahren erlebst du atemberaubende Dinge, die du jedoch gleichzeitig anderen, die später folgen, erhältst.

Verschiedene Faktoren spielen eine Rolle

Wenn dein Fahrzeug voll beladen ist, hat es ein höheres Gewicht. Fährst du über eine leicht schräge und nasse Wiese, gerät das Fahrzeug schneller ins seitliche Rutschen und hinterlässt Furchen. Gibst du behutsam Gas und bremst sanfter ab, vermeidest du beispielsweise solche Schäden. Gerade bei langen Reisen musst du je nach Untergrund und Gewicht des Fahrzeuges immer wieder neu abwägen, wie du die verschiedenen Passagen überqueren willst, ohne der Natur zu schaden. Was dazu noch für dich und dein Fahrzeug schonender ist.

Tipps um die Umwelt zu schonen

1. Theorie

Lerne in der Theorie wie dein Fahrzeug funktioniert und wie die Fahrtechniken auf verschiedenen Untergründen funktionieren. Es gibt einige empfehlenswerte Bücher zu diesem Thema auf dem Markt. Benutze ein Buch als Handbuch und Nachschlagewerk, verinnerliche die grundlegenden Prinzipien der Fahrtechnik. Wir empfehlen:

2. Training

Übung macht den Meister. Trainiere mit deinem Geländewagen. Steigere langsam den Schwierigkeitsgrad beim Umgang mit deinem Fahrzeug. Sinnvollerweise machst du das bei einem Offroad-Training. Gute Instruktoren beachten und behandeln auch den Umweltaspekt und achten auf eine schonenden Fahrweise. Informiere dich bei den Anbietern einer Wahl vorab über deren Prinzipien und verschaffe dir so einen Überblick. Achte auf die Erfahrung und Qualifikation der Instruktoren.

Bei den von Quadrofaktum durchgeführten Matsch&Piste Fahrtrainings Basis und Intensiv kannst du spielend das Offroad-Fahren lernen. In diesen Offroad-Trainings wird dir auch das umweltschonende Fahren vermittelt.

Offroad-Training Basis

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3. Planung

Hol dir vorab Informationen über das Land, in das du reisen möchten. Wie Andreas von Matsch&Piste in seinen Navigations-Webinaren und Workshops erklärt, ist das ein Teil der Vorfreude. Greife auf verschiedene Berichte in Blogs und Zeitschriften zurück. Informiere dich über die Gesetzeslage in Bezug auf „freies“ Fahren in der Natur und Wild-Camping.

4. So vermeidest du Schäden an Umwelt und Natur

Nimm die richtige und nur die nötige Ausrüstung mit und packe das Fahrzeug sicher und durchdacht. Denke auch an Gegenstände für Notfälle, die dir passieren könnte. Achte worauf und worüber du fährst. Es ist weder sinnvoll noch möglich alle Einzelpunkte aufzulisten, daher überlege, ob das was du vorhast zu Schäden führen kann. Zur Orientierung ein paar Beispiele von Dingen die du du vermeiden solltest:

  • Stelle sicher, dass dein Fahrzeug kein Öl verliert und technisch in Ordnung ist.
  • Wann immer es geht, bleibe auf den Wegen, die zum Fahren vorgesehen sind. Und weite sie auch nicht langsam aus.
  • Fahre defensiv und respektiere die Menschen und Tiere die dort leben und die dir auf den Wegen begegnen.
  • Vermeide weiche, leicht zu beschädigende Flächen. Wenn es nicht anders geht, fahre mit dem richtigen Gang in einer angemessenen Geschwindigkeit. Beschleunige und bremse sanft.
  • Vermeide es, über Wurzeln zu fahren. Wenn es unumgänglich ist, achte darauf sie mit dem Reifen nicht zu „schälen“.
  • Fahre nicht über junge Bäume. Wenn sie noch klein genug sind, und es sich nicht vermeiden lässt, kannst du sie in die Mitte des Fahrzeugs nehmen. Setze nicht zurück, wenn du gerade über so einem kleinen Baum stehst.
  • Achte auch auf die Höhe und die Schräglage deines Fahrzeugs. Dachgepäckträger und Ladung können Äste abbrechen und die Baumrinde beschädigen.
  • Steine und Flächen mit Flechten, Moosen usw. sind tabu.
  • Kommst du an einer Stelle nicht hoch, überlege ob es einen besseren Weg gibt, bevor du die Kante mit deinen Reifen beschädigst und abträgst.
  • Lege nie das Windenseil direkt um einen Baum. Nutze immer breite Baumgurte und Schlingen.
  • Fahre langsam durch staubige Ortschaften. Vermeide Lärm. Die Menschen werden es dir danken, besonders wenn sie Wäsche draußen haben oder die Fenster geöffnet sind.
  • Fälle keine Bäume, säge oder breche keine Äste ab.
  • Mache kein Feuer, wo es nicht erlaubt oder nicht sicher ist. Ein Feuer kann auch in den Untergrund dringen und dort lange weiterglimmen und große Schäden verursachen.
  • Fahre nicht in vielen parallelen Spuren durch den Wüstensand. Manchmal ist dort mehr Leben versteckt, als du vermutest.
  • Werfe keinen Müll in die Natur. Packe alles wieder ein und entsorge es bei den dafür vorgesehenen Stellen.

Was Kinder am Lagerfeuer am liebsten machen.Fotos: Nicole Woithon-Dornseif