Wenn ich eine Langzeitreise mache, werde ich oft gefragt „Wie machst du das eigentlich?“ Diese Frage bezieht sich auf ganz unterschiedliche Bereiche der Reise-Vorbereitung. Oft geht es dabei ums Entrümpeln vor der Reise. Um diese Frage soll es auch in diesem Ratgeber gehen. Dabei möchte ich euch gern aus der Erfahrung von mehreren Langzeitreisen ein paar Tipps geben.

Sicherlich ist dabei vieles, wie so oft, erst einmal situationsabhängig. Bleibt die Wohnung bestehen? Was bei einem überschaubaren Reisezeitraum durchaus Sinn machen kann. Oder wird es eine Reise mit „offenem Ende“? Ist die Rückkehr in die alte Heimat überhaupt geplant?

In jedem Fall ist der Aufbruch zu einer solchen Reise, eine Chance zum Entrümpeln – das kann übrigens sehr befreiend sein! Dabei empfehle ich jedem, sehr frühzeitig damit anzufangen. Denn aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das Entrümpeln länger dauert, als zunächst gedacht. Zudem kann das Aussortieren und der damit verbundene Prozess des Loslassens eine gute Methode sein, sich auf die Reise vorzubereiten und sich dem Neuen langsam anzunähern.

Einmal entschieden, stellt sich die Frage: Wie also reduziere ich meinen Besitzstand? Dazu im Folgenden ein paar Anregungen und Ideen.

Entrümpeln

Also, frühzeitig anfangen und sich konsequent durcharbeiten. Doch wo und wie fange ich an? Am besten mit den Dingen, die für die Reise nicht benötigt werden und die in der letzten Zeit bis zur Abreise nicht mehr zum Einsatz kommen. Räumlich bietet sich der Keller oder der Dachboden an. Oft lagern da ohnehin Dinge, die schon lange nicht mehr benötigt wurden und auch in absehbarer Zeit nicht gebraucht werden.

Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, die Dinge, die ich in einem Raum durchsortiert habe, direkt in Kisten zu verpacken. Natürlich nur, wenn ich sie noch aufbewahren möchte. Frei nach dem Motto, was fertig ist, ist fertig. Dann arbeite ich mich Raum für Raum, Zimmer für Zimmer vor. So gewinne ich relativ schnell einen Überblick darüber, was mit auf die Reise kommt, was verschenkt werden kann, was verkauft werden soll und was eingelagert wird.

Verschenken

Verschenken ist eine gute Option für Dinge, mit denen wir anderen eine Freude machen können. Das können Dinge sein, die wir mehrfach haben oder Sachen, die nicht mehr in einem Zustand sind, dass wir sie verkaufen möchten. Die aber zu schade zum Wegwerfen sind. Darüber freuen sich vielleicht Freunde, Bekannte oder Verwandte.

Eine tolle Sache sind die „Offenen Bücherschränke“, die wir mittlerweile in vielen Städten haben. Sie ermöglichen das Austauschen und Verschenken von Literatur. Diese Bücherschränke sind rund um die Uhr geöffnet und jeder kann lesenswerte Bücher hineinstellen oder entnehmen.

iner Langzeitreise - Entrümpeln, Verschenken

Andern eine Freude machen, Foto: Adobe Stock, blende11.photo

Verkaufen

Wenn ihr Dinge verkaufen wollt, so habt ihr eine Vielzahl von Möglichkeiten. Je nach Gegenstand eignen sich hier Onlineplattformen, Second-Hand-Läden, die Ware in Kommission nehmen, Flohmärkte, vielleicht sogar ein „Garagenflohmarkt“, Reise-Treffen, Foren, Kleinanzeigen, Suche-Biete-Aushänge u.v.m. Ein toller Nebeneffekt: Das Verkaufen füllt die Reisekasse. Ich habe hierbei gute Erfahrungen mit ebay Kleinanzeigen gemacht. Und – wenn es um den Verkauf von 4×4-Zubehör geht – mit bekannten Foren der Offroad-Szene, wie beispielsweise dem Offroad-Forum. Bücher lassen sich unkompliziert auch bei Momox oder ähnlichen Anbietern verkaufen.

Vorbereitung einer Langzeitreise - Entrümpeln, Flohmarkt

Was ihr nicht braucht, kann verkauft werden. Z.B. auf einem Flohmarkt oder im Internet. Foto: Adobe Stock, Fiedels

Spenden

Für den guten Zweck. Wer Gegenstände spenden möchte, hat eine große Auswahl an verschiedenen Einrichtungen und Projekten. Ich habe hier durchweg positive Erfahrungen mit Sozialkaufhäusern gemacht. Dort werden die gespendeten Waren – häufig von Langzeitarbeitslosen – auf Vordermann gebracht und zu erschwinglichen Preisen an Bedürftige verkauft. In diesem Bereich gibt es auch zahlreiche Projekte, die unser Hobby Offroad mit dem Guten verbinden, z.B. die Travellerdays, ein Reisetreffen für den guten Zweck oder die 4x4Karpaten Hilfe, eine Hilfsaktion für einsame und arme Menschen in den rumänischen Karpaten.

Verbrauchen

Sobald klar ist, dass ihr auf eine große Reise geht, kauft konsequent nichts Neues mehr, das nicht unbedingt benötigt wird. Euer Ziel sollte sein, möglichst die bestehenden Dinge aufzubrauchen. Das gilt vor allem für Verbrauchsgüter, wie Lebensmittel, Reinigungsmittel, Kosmetikartikel und andere Dinge des täglichen Bedarfs, die nicht mit auf die Reise kommen. Dies schont das Reisebudget.

Entsorgen

Jeder kennt das: Es gibt Dinge, die sich weder zum Verkaufen, Verschenken oder Spenden eignen. Sie werden nicht benötigt und stehen schon lange im Weg herum. Hier gibt es für mich nur eins, konsequent entsorgen. Wichtig dabei, ihr solltet euch informieren, was ihr wie und wo an eurem Wohnort entsorgen könnt. Oft bietet hier ein sogenanntes „Müll-ABC“ auf den Internetpräsenzen der lokalen Entsorgungsbetriebe eine gute Hilfestellung.

Einlagern und Unterstellen

Und was passiert mit den Dingen, die man gerne behalten möchte? Oft sind es persönliche Dinge, Sachen mit ideellem Wert oder einfach die Wohnungseinrichtung, die während der Reise untergestellt werden muss.

Vielleicht habt ihr nicht das Glück, dass Freunde oder Verwandte eine Unterstellmöglichkeit haben. Dann bietet sich eine gewerbliche Einlagerung an. Sogenannte „self-storages“ bieten hier eine einfache und flexible Möglichkeit, Dinge für längere Zeit unterzustellen. Solche gewerblichen Lagerräume findet ihr mittlerweile in jeder größeren Stadt.

In der Regel stellen diese Anbieter innerhalb einer Lagerhalle Boxen zur Verfügung, in denen ihr eure Dinge trocken und frostsicher lagern könnt. Der Zugang zur Halle ist für den Mieter häufig über einen Zahlencode o.ä. gewährleistet und die Box lässt sich abschließen. Für die Ein- und Auslagerung der Gegenstände ist der Mieter selbst zuständig. Die Kosten werden meist nach Kubikmetern des Lagerraumes berechnet. Dazu kommt häufig eine Prämie für die Versicherung der Gegenstände. Oft bieten die Firmen Zusatzleistungen wie die Übernahme des Transportes, die Ein- und Auslagerung oder einen Mietwagen an.

Im Rhein-Main-Gebiet kann ich Rollsrein mit mehreren Standorten in der Region empfehlen. Doch auch anderenorts gibt es Anbieter mit einem ähnlichen Leistungsangebot.

Vorbereitung Langzeitreise - Wohin mit dem Zeug? Entrümpeln, Einlagern, Self Storage

Wenn eure Freunde keinen Platz haben, könnt ihr alle restlichen Dinge im Self Storage einlagern. Foto: Adobe Stock, aleksiranta

Ordnen und beschriften

Bei der Einlagerung empfehle ich ein, wie auch immer geartetes Ordnungssystem, und eine Beschriftung der eingelagerten Kartons. Denn wer weiß nach vielen Monaten „on the road“ noch, wo sich was, in den vielen Kisten versteckt?! Dinge, die ihr eventuell nach Rückkehr schnell benötigt, solltet ihr gut erreichbar einlagern. Wichtige Unterlagen solltet ihr besser zu jemandem bringen, dem ihr vertraut. Denn eventuell müsst ihr während der Reise dran.

Unterwegs an Ersatzteile kommen

Es ist auch eine gute Idee, eine Kiste mit wichtigen Ersatzteilen bei einem Freund/Freundin zu deponieren. Sind die Dinge bereits einzeln verpackt und beschriftet, kann derjenige die Teile bei Bedarf einfach an euch verschicken. Gut, wenn es noch jemand ist, der sich mit der Materie auskennt.

Die Vorteile der Entrümpelung

In der Summe hat eine gründliche Entrümpelung vor der Reise viele Vorteile, denn

  • Dinge, die man immer schon loswerden wollte, kommen endlich weg
  • Es kommt Geld in die Reisekasse
  • Ihr befreit euch von unnötigem Ballast und habt mehr „Luft zum Leben und Reisen“
  • Ihr könnt anderen mit den Dingen, die ihr nicht benötigt, eine Freude machen
  • Es bleibt weniger zum Einlagern während der Reise übrig, was wiederum Aufwand und Kosten senkt

Mir hat das Entrümpeln und die deutliche Reduzierung von Hab und Gut vor allem eine große Gedankenfreiheit beschert. Denn jetzt ich habe einfach viel weniger Dinge, um die ich mich kümmern muss. Dadurch habe ich viel mehr Zeit und kann mehr erleben, anstatt einfach nur Gegenstände zu sammeln.

Auf und nach einer längeren Reise merke ich oft, mit wie wenig der Mensch auskommt. Nach der Rückkehr kann häufig sogar noch mehr weg. Vielleicht verändert einen eine solche Reise und man möchte mit weniger Ballast durchs Leben gehen? Oder vielleicht möchte man gleich wieder los?! Vielleicht ist es bei euch sogar ganz anders und ihr habt am Ende zu viel entrümpelt und müsst einiges neu anschaffen.

Dies alles können natürlich nur Gedankenanregungen sein. Diese Antworten auf diese Fragen muss jeder für sich finden und jeder kann und sollte hier seine eigenen Erfahrungen machen. Habt ihr auch schon Erfahrungen mit dem Entrümpeln gemacht? Ich freue mich über eure Nachrichten in den Kommentaren.

Mehr Tipps zur Reisevorbereitung

In dem Artikel Vorbereitung der Offroad-Reise – der große Fahrzeugcheck könnt ihr nachlesen, wie ihr euer Fahrzeug am besten auf eine Reise vorbereitet. In der Matsch&Piste-Artikelreihe über das richtige Werkzeug auf Reisen findet ihr wertvolle Tipps, was ihr auf langen Fahrten mitnehmen solltet.

Darüber hinaus findet ihr hier 15 Tipps für mehr Sicherheit auf Offroad-Reisen und Antworten auf die häufigsten Fragen zur Ersten Hilfe im Gelände und auf Reisen. Und zu guter Letzt: Offroad um die Welt – So plant ihr eure Weltreise.

Titelbild: Adobe Stock, merrvas