Bernhard und seine Frau Sandra sind beide passionierte Taucher und immer schon gerne gereist. Nach mehr als 1.000 Tauchgängen an den gefragtesten Tauchspots der Welt, wollten sie mehr von den Ländern sehen. Mit ihrem Land Rover Defender machten sie Reisen nach Island, Marokko, Griechenland und Albanien bis sie sich 2016 den Traum von einer dreimonatigen Reise durch die Mongolei erfüllten.

Wie seid ihr auf die Idee mit der Reise in die Mongolei gekommen?

2015 haben wir beide aufgehört zu arbeiten und wollten eine lange Reise machen. Da wir eher Kulturbanausen sind und weniger Lust auf Städte oder Reliquien aus älterer Vergangenheit haben, musste es auf jeden Fall etwas mit viel Natur sein.

Eigentlich planen wir, zweieinhalb Jahre in Nord- und Südamerika unterwegs zu sein. Das sind verdammt viele Kilometer. Natürlich haben wir uns vorher gefragt, schaffen wir das? Gehen wir uns auf so kleinem Raum gegenseitig auf die Nerven? Sind wir auf mögliche Probleme vorbereitet? Die Reise in die Mongolei sollte ein kleiner Test sein.

Wie habt ihr euch auf die Reise vorbereitet? Habt ihr nur die grobe Richtung geplant oder vorher konkrete Strecken oder Highlights herausgesucht?

Es gab nur wenige Punkte, die im Vorfeld feststanden. Wir wollten drei Monate bleiben. Einreisen wollten wir im Juli zum Naadam-Festival, ein traditionelles mongolisches Fest, das auch übersetzt „Die drei Spiele der Männer“ genannt wird. Zu dieser Zeit werden überall im Land Spiele veranstaltet, in denen sich die Männern im Ringen, Pferdereiten und Bogenschießen messen können. Der zweite Fixpunkt war die Ausreise nach dem Adlerfest am ersten Oktoberwochenende.

Adlerfest im Altai-Gebirge, Mongolei

Adlerfest im Altai-Gebirge, Mongolei

Zur Vorbereitung der Reise haben wir uns Reiseführer gekauft und eine Menge Blogs gelesen. Es gab eine Menge Dinge, die wir gerne sehen wollten. Aber die Straßen in der Mongolei sind der Wahnsinn. Es gibt nur wenige bis gar keine Straßen. Da war unser Defender schon ganz schön gefordert. Stellenweise konnten wir nur mit 15 bis 20 km/h fahren. So schafft man nur höchstens 100 Kilometer am Tag.

Weit kommt man also nicht, wenn man sich die Größe der Mongolei ansieht. Ein Land, das viermal größer als Deutschland ist. Aber das Meiste von dem, was wir uns vorgenommen haben, haben wir trotzdem geschafft. Wir hatten schließlich drei Monate Zeit.

Warum habt ihr euch für den Land Rover Defender als Reisefahrzeug entschieden?

Der Defender war vorher das Werbefahrzeug unserer Firma für Beschriftungstechnik. Als Werbe-Gag hatten wir den Defender „rostig“ foliert. Wann sieht man schon mal einen rostenden Defender? Der Wagen wurde sogar schon zum originellsten Land Rover von Österreich gekürt.

Bernhards Defender mit der Rost-Optik

Bernhards Defender mit der Rost-Optik

Der Defender macht einfach Spaß und kostet nur die Hälfte von einem Toyota Land Cruiser. Wir hatten nie große Probleme. Als wir noch gearbeitet haben, waren wir schon viel mit ihm unterwegs, auf Island, in Marokko, Griechenland und Albanien. Dann allerdings immer nur drei bis vier Wochen. Für uns wichtig war auch, dass der Defender der fotogenste Allrad ist.

Was habt ihr an eurem Defender vor der Reise verändert?

Da wir schon einige Reisen gemacht hatten, haben wir nicht viel verändern müssen. Der Defender hat einen Unterfahrschutz, einen Zusatztank mit 45 Litern, andere Reifen und Felgen, eine Standheizung, eine verstärkte Hecktür und ein Hubdach. Vorne haben wir noch eine Seilwinde und auf dem Dach ein Solarpanel.

Den Innenausbau haben wir selbst gemacht, mit dem System von 4×4 Innenausbau, diesem Flightcase-System. Obwohl ich kein Schreiner bin, habe ich mir das zugetraut. Und nach der Mongolei können wir sagen, es hat alles gehalten und wir müssen für die große Reise nichts mehr ändern. Ich würde es noch mal genauso machen.

Steine mit Inschriften im Altai, Mongolei

Steine mit Inschriften im Altai, Mongolei

Ursprünglich hatten wir einen zweiflammigen Gaskocher. Durch Freunde, die uns von der Mongolei berichtet haben, sind wir auf einen Benzinkocher umgestiegen. Das rußt zwar ein bisschen, aber wir kochen ohnehin immer draußen. Es sei denn, es ist draußen tagelang kalt.

Wie lange wart ihr unterwegs und wie viele Kilometer seid ihr gefahren?

Wir waren viereinhalb Monate unterwegs, drei Monate davon in der Mongolei. An- und abgereist sind wir über Russland, Tschechien, Polen, Litauen und Lettland. Das waren fast 7.000 Kilometer Anreise. Und natürlich auch wieder zurück.

Wir hatten ein Geschäftsvisum, mit dem wir innerhalb von 6 Monaten mit beliebig vielen Ein- und Ausreisen 90 Tage in Russland bleiben durften. Für die Hin- und Rückreise, die zwischen zwei und drei Wochen gedauert hat, reichte das allerdings. 25.000 Kilometer sind wir insgesamt gefahren. Davon 11.000 in der Mongolei und wiederum davon 9.000 Kilometer auf unbefestigten Straßen.

Wie habt ihr die Menschen auf eurer Tour durch die Mongolei erlebt?

Die Nomaden, die wir unterwegs getroffen haben, waren sehr neugierig. Die schauen auch einfach ins Auto oder legen sich drunter. Dass wir einen rostigen Wagen haben, der gar nicht rostet kann, hat sie zuerst verwundert, dann begeistert.

Alle waren freundlich, hilfsbereit und humorvoll. Ein Drittel der Mongolen sind noch Nomaden. Häufig sind die Frauen in der Mongolei besser gebildet. Das Geld wird verdient, damit die Mädchen in die Schule gehen können. Deshalb haben Frauen auch höhere Posten in der Hauptstadt Ulan Bator.

Die Männer sind weniger gebildet und Alkohol ist ein Problem in der Mongolei. Da wird viel Wodka und Bier getrunken. In den Städten sogar noch mehr.

Wie sieht es mit der Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln aus?

Die Versorgung mit Lebensmitteln ist im Westen der Mongolei kein Thema. In den großen Supermärkten in den Aimagzentren findest du alles, was es bei uns auch gibt: z.B. Paprika, Tomaten, Gurken, Nudeln und Brot. Dort kann man sich eindecken. Wasser gibt es dort in 5-Liter-Kanistern. Der Liter Wasser kostet 30 Cent. Allerdings bekommt man kaum Fleisch zu kaufen. Das besorgt sich der Mongole auf der Weide.

Dass der Diesel schlecht ist, stimmt nicht mehr. Die Qualität ist gut und alle 300 bis 400 Kilometer gibt es eine Tankstelle. In der Gobi sieht das etwas anders aus. Für die Tour durch die Wüste, hatten wir auf dem Dach zusätzlich zwei 20-Liter-Kanister.

Abendstimmung in der Mongolei

Abendstimmung in der Mongolei

Das Essen war sehr gewöhnungsbedürftig. Da haben wir lieber selber gekocht. Restaurants gibt es kaum, wenn dann nur im besten Hotel einer Stadt. Und wenn es Schaf gibt, dann ist das nicht unbedingt ein Lamm, sondern ein alter Hammel, gebraten in ranzigem Hammelfett. Das Essen ist sicherlich eine Herausforderung. Wenn man eingeladen wird, sollte man doch eine Kleinigkeit essen, wegen der Gastfreundschaft.

Was hat euch in der Mongolei am besten gefallen?

Die Weite. Die Mongolei ist so groß. Hunderte von Kilometern nichts. Diese Weite ist gigantisch. Die Einsamkeit ist faszinierend. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Es kann dir passieren, dass du zwei, drei Tage lang keine Menschen triffst. Was für uns toll war. Bei der Größe des Landes und der Anzahl der Einwohner ist das auch nicht verwunderlich. Drei Millionen Menschen wohnen in der Mongolei, die Hälfte davon in der Hauptstadt.

Blick auf das Altai-Gebirge Mongolei

Blick auf das Altai-Gebirge Mongolei

Schön war auch, dass wir in den drei Monaten alle vier Jahreszeiten erlebt haben. Die Landschaft hat sich vom Frühling zum Sommer gewandelt, dann wurde es Herbst und plötzlich war alles gefroren und es gab Schneewehen.

Gab es Situationen, die euch herausgefordert haben oder in denen ihr sogar Angst hattet?

Die Straßenverhältnisse waren sehr anstrengend. Nicht irgendwo ein Loch oder einen großen Stein zu übersehen, war schon sehr anstrengend. Ganz im Osten der Mongolei sind uns die hinteren Federn gebrochen. Land Rover Defender sind in der Mongolei absolute Exoten. Ein Toyota oder eine russische Marke wäre sicher besser gewesen.

Eine Zeitlang sind wir ohne Stoßdämpfer nur mit den Federn gefahren. Zurück in der Hauptstadt sollte die Lieferung der Stoßdämpfer und Federn aus Peking 21 Tage dauern. Dann haben wir ein Paar getroffen, das das gleiche Problem hatte. Die haben sich die Stoßdämpfer aus England liefern lassen. Gleichzeitig hat die Firma, bei denen sie angefragt haben irrtümlich gleich bestellt. So haben wir Stoßdämpfer und Federn für das australische Outback bekommen. Allerdings ist ein Stoßdämpfer gleich nach 1.000 km gebrochen

Am Rande der Wüste Gobi, Mongolei

Am Rande der Wüste Gobi, Mongolei

Der Dorfschmied, der ihn uns geschweißt hat, hat uns noch auf Tee und Kekse eingeladen. Für das Schweißen hat er 5 Euro genommen. Nach 300 Kilometern ist dann der zweite gebrochen. Da haben wir dann fürs Schweißen nur noch 1,50 Euro bezahlt.

Da es in der Mongolei oft keine Straßen oder Wege gibt, sind wir meist Spuren von anderen gefolgt. Manchmal gehen 15 bis 20 Spuren in eine Richtung. Sind dann alle Spuren im Tal schlecht folgt die Spur entlang der Berghänge. Es war steil, der Wagen war kopflastig und stand extrem schräg. Auch das war schon eine herausfordernde Situation.

Gibt es etwas, das ihr Leuten ratet würdet, die auch vorhaben durch die Mongolei zu fahren?

Auf keinen Fall sollten sie ohne GPS fahren. Wir hatten verschiedene Papierkarten dabei, die alle sehr unterschiedlich waren. Zusätzlich hatten wir noch ein Garmin mit Open-Street-Map-Karten mit. Die OSM-Karten waren toll, da kann man schon was mit anfangen.

Auf dem Adlerfest im Altai-Gebirge

Auf dem Adlerfest im Altai-Gebirge

Wichtig ist auch, keine Bücher oder Blogberichte zu lesen, die älter als drei Jahre sind. Wir haben ein Buch gelesen von jemandem, der vor über neun Jahren in der Mongolei war. Von den Informationen stimmt schon sehr viel nicht mehr.

Auf dem OTA Globetrotter-Rodeo werdet ihr von eurer Reise durch die Mongolei erzählen. Was können die Zuschauer dort erwarten?

Im Großen und Ganzen Informationen über das Land und schöne Fotos. Denn wir fotografieren sehr gerne. Zwischendurch haben wir immer mal wieder Aufnahmen mit der Drohne gemacht. Unser Vortrag ist mit mongolischer Musik unterlegt, die, wie ich finde, hervorragend passt. Ich denke, wir geben einen guten Überblick über das Land und wie dort die Menschen leben.

Bernhard und Sandra

Bernhard und Sandra

Der Vortrag „Mongolei – im Land des blauen Himmels“ von Bernhard Ornig findet am Freitag OTA Globetrotter-Rodeo von 13:00 bis 15:30 Uhr im Taubenreuther Vortragszelt statt.

Fotos: Bernhard Ornig, Bilderreisen.info